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Regelwerk

Bekanntmachung des Umweltbundesamtes
Neue und aktualisierte Referenzwerte für Schadstoffgehalte in Blut und Urin von Kindern - Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber

Stellungnahme der Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes

(Bundesgesundheitsbl. 11/2005 S. 8)



Einleitung

Referenzwerte gestatten die Beurteilung der Belastung einzelner Personen oder ganzer Bevölkerungsgruppen im Vergleich zur ubiquitären Hintergrundbelastung. Das Konzept für die Ableitung von Referenzwerten in der Umweltmedizin wurde von der Kommission "Human-Biomonitoring" 1996 in dieser Zeitschrift publiziert [ 1].

Für Kinder hatte die Kommission auf der Basis der bevölkerungsrepräsentativen Daten des Umwelt-Surveys 1990/92 [ 2] Referenzwerte für die Schwermetalle Blei, Cadmium und Quecksilber in Blut oder Urin abgeleitet [ 3, 4, 5].

Vor dem Hintergrund sich wandelnder Umweltbelastungen sind Referenzwerte ständig zu überprüfen und bei Vorliegen neuer Daten ggf. anzupassen.

Da ein erheblicher Bedarf an aktualisierten Referenzwerten für Kinder besteht und voraussichtlich erst Ende 2006 die repräsentativen Daten aus dem laufenden Kinder-Umwelt-Survey 2003/06 [ 6] vorliegen werden, hat die Kommission auf der Basis der Ergebnisse des Projektes "Beobachtungsgesundheitsämter" Baden-Württemberg [ 7] aus den Jahren 2002/03 und der Pilotstudie 2001/02 zum Kinder-Umwelt-Survey [ 8] neue und aktuelle Referenzwerte abgeleitet. Zwar handelt es sich bei diesen Untersuchungen nicht um bundesweite und bevölkerungsrepräsentative Erhebungen. Sie stellen aber derzeit die einzige Datenbasis für Kinder in Deutschland dar, die an nicht anlassbezogen untersuchten, sondern zufällig ausgewählten größeren Kollektiven ermittelt wurde.

Datenbasis

Das Projekt "Beobachtungsgesundheitsämter in Baden-Württemberg" ist als wiederholte Querschnittsuntersuchung angelegt. Jeweils im Winterhalbjahr (Oktober-März) werden Kinder des 4. Schuljahrgangs (9-11 Jahre) in definierten Untersuchungsarealen (Mannheim: Neckarstadt-West, Stuttgart: Stuttgart-Ost/Bad Cannstatt/Untertürkheim, Ortenaukreis: Kehl, Ravensburg: Aulendorf/Bad Waldsee) innerhalb der ausgewählten Gesundheitsamtsbezirke angesprochen und untersucht. Die angewandten Methoden (Stichprobenziehung, Fragebogen, Probenahmen, Analytik, Statistik) sind im Bericht "Belastungs- und Wirkungsmonitoring 2000/2001" beschrieben [ 9].

Umwelt-Surveys sind bevölkerungsrepräsentative Querschnittsuntersuchungen. Die Pilotstudie zum Kinder-Umwelt-Survey (KUS) wurde bei zufällig über Einwohnermeldeämter und Schulen ausgewählten 0- bis 17-jährigen Kindern/Jugendlichen zwischen März 2001 und März 2002 an 4 Studienorten (Berlin-Steglitz, Berlin-Friedrichshain, Wesendorf, Neuruppin) durchgeführt. Die angewandten Methoden (Stichprobenziehung, Fragebogen, Probenahme, Analytik, Statistik) sind im Abschlußbericht "Pretest zum Umwelt-Survey für Kinder und Jugendliche" beschrieben [ 8]. Für die vor liegende Aktualisierung der bisherigen für 6- bis 12-jährige Kinder abgeleiteten Referenzwerte werden die Ergebnisse der Pilotstudie nur dieser Altersgruppe herangezogen. Sobald die Daten des bundesweiten KUS 2003/06 [ 6, 10, 11] vorliegen, können Referenzwerte für 3- bis 14-Jährige vorgestellt werden.

Im Projekt "Beobachtungsgesundheitsämter in Baden-Württemberg" wurden Spontanurinproben und in der Pilotstudie zum KUS Morgenurinproben zur Analyse von As, Cd und Hg herangezogen. Der Vergleich der Kreatininkonzentrationen im Spontanurin vs. Morgenurin ergab keine wesentlichen Unterschiede, sodass vertretbar erscheint, für die Ableitung der Referenzwerte für die Schadstoffgehalte im Urin die Ergebnisse beider Untersuchungen heranzuziehen.

Sowohl im Projekt "Beobachtungsgesundheitsämter in Baden-Württemberg" als auch in der Pilotstudie zum KUS erfolgte die Bestimmung der Elementgehalte in Blut oder Urin mittels Atomabsorptionspektrometrie (AAS). Die Arsen- und Quecksilberkonzentrationen wurden mit der AAS-Hydrid-Methode gemessen [ 8, 9].

Die Berechnung der 95%-Konfidenzintervalle für die 95. Populationsperzentile erfolgte je Analyt nach dem parametrischen Verfahren unter Annahme einer log-Normalverteilung oder nach dem Bootstrapping-Verfahren. Im Folgenden werden die für die Ableitung der Referenzwerte wesentlichen Ergebnisse zusammenfassend dargestellt. Die Darstellung der Ergebnisse der Pilotstudie zum KUS wird aufgrund des begrenzten Stichprobenumfangs auf die wesentlichen substanzspezifischen Einflussgrößen beschränkt, die für die Ableitung der Referenzwerte von Bedeutung sind. Sobald die Daten des bundesweiten KUS 2003/06 vorliegen, werden umfassende statistische Auswertungen durchgeführt.

Arsen im Urin

Die Arsenkonzentrationen im Urin lagen bei den 508 in Baden-Württemberg untersuchten Kindern im Alter von 9-11 Jahren zwischen 1,5 und 123,5 µg/l mit einem Median von 4,6 µg/l (Tabelle 1). Bei der Arsenkonzentration im Urin ließen sich regionale Einflüsse feststellen; so wiesen Kinder aus Kehl (Median 6,1 µg/l) etwas höhere Arsenkonzentrationen auf im Vergleich zu denen aus Mannheim (4,9 µg/l), Stuttgart (4,1 µg/l) und Aulendorf/Bad Waldsee (4,4 µg/l). Ebenso waren bei Kindern mit türkischer Staatsbürgerschaft (5,4 µg/l) etwas höhere Konzentrationen zu finden als bei deutschen Kindern (4,5 µg/l). Fischverzehr in den vorangegangenen 2 Tagen stellte den stärksten Einflussfaktor auf die Arsenkonzentration im Urin dar (Tabelle 1). Ein eindeutiger zeitlicher Trend der Arsenkonzentration im Urin in den letzten Jahren ist nicht zu erkennen.

In der Pilotstudie zum KUS lagen die Arsenkonzentrationen im Urin bei den 252 untersuchten Kindern im Alter von 6 - 12 Jahren zwischen 0,6 und 57,3 µg/l mit einem Median von 4,8 µg/l (Tabelle 1

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