Änderungstext

Zweite Verordnung zur Änderung der Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung

Vom 11. Juli 2023
(BGBl. I Nr. 185 vom 18.07.2023)



Auf Grund des § 6 Satz 1 in Verbindung mit Satz 2 Nummer 1 bis 4 und Nummer 6 und 8 des Mediationsgesetzes, der durch Artikel 135 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist, in Verbindung mit § 1 Absatz 2 des Zuständigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl. I S. 3165) und dem Organisationserlass vom 8. Dezember 2021 (BGBl. I S. 5176), verordnet das Bundesministerium der Justiz:

Artikel 1
(Gültig ab 01.03.2024 siehe =>)

Die Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung vom 21. August 2016 (BGBl. I S. 1994), die durch Artikel 1 der Verordnung vom 30. Juli 2020 (BGBl. I S. 1869) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:

1. § 2 wird wie folgt geändert:

a) In Absatz 1 werden nach dem Wort "hat" die Wörter "und über die nach Absatz 6 ausgestellte Bescheinigung verfügt" eingefügt.

b) Absatz 2 wird wie folgt gefasst:

alt neu
(2) Die Ausbildung zum zertifizierten Mediator setzt sich zusammen aus einem Ausbildungslehrgang und einer Einzelsupervision im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation. "(2) Die Ausbildung zum zertifizierten Mediator setzt sich zusammen aus einem Ausbildungslehrgang und fünf supervidierten Mediationen, die der Ausbildungsteilnehmende jeweils als Mediator oder Co-Mediator durchgeführt hat."

c) Die Absätze 4 und 5 werden wie folgt gefasst:

alt neu
(4) Der Umfang des Ausbildungslehrgangs beträgt insgesamt mindestens 120 Präsenzzeitstunden. Die jeweiligen Inhalte des Ausbildungslehrgangs müssen mindestens die in Spalte III der Anlage aufgeführten Zeitstunden umfassen.

(5) Während des Ausbildungslehrgangs oder innerhalb eines Jahres nach dessen erfolgreicher Beendigung müssen die Ausbildungsteilnehmenden an einer Einzelsupervision im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation teilgenommen haben.

"(4) Der Umfang des Ausbildungslehrgangs beträgt mindestens 130 Präsenzzeitstunden. Die jeweiligen Inhalte des Ausbildungslehrgangs müssen mindestens die in Spalte III der Anlage aufgeführten Zeitstunden umfassen. Bis zu vierzig Prozent der Präsenzzeitstunden können in virtueller Form durchgeführt werden, sofern neben der Anwesenheitsprüfung auch die Möglichkeit der persönlichen Interaktion der Lehrkräfte mit den Ausbildungsteilnehmenden sowie der Ausbildungsteilnehmenden untereinander sichergestellt ist.

(5) Ausbildungsteilnehmende müssen die fünf supervidierten Mediationen spätestens drei Jahre nach Beendigung des Ausbildungslehrgangs durchgeführt haben. Die Supervisionen sind vom jeweiligen Supervisor zu bestätigen."

d) Absatz 6 wird wie folgt geändert:

aa) In Satz 1 wird das Wort "erfolgreichen" gestrichen.

bb) Satz 2 wird wie folgt gefasst:

alt neu
Die Bescheinigung darf erst ausgestellt werden, wenn der gesamte nach den Absätzen 3 und 4 vorgeschriebene Ausbildungslehrgang erfolgreich beendet und die Einzelsupervision nach Absatz 5 durchgeführt ist. "Die Bescheinigung darf erst ausgestellt werden, wenn der Ausbildungslehrgang beendet ist und die fünf supervidierten Mediationen bestätigt sind."

cc) Satz 3 wird wie folgt geändert:

aaa) In Nummer 5 werden die Wörter "Einzelsupervision sowie" durch das Wort "Supervisionen," ersetzt.

bbb) In Nummer 6 wird der Punkt am Ende durch das Wort "sowie" ersetzt.

ccc) Folgende Nummer 7 wird angefügt:

"7. anonymisierte Angaben zu in den Supervisionen besprochenen Mediationen."

2. § 3 wird wie folgt geändert:

a) Die Überschrift wird wie folgt gefasst:

alt neu
§ 3 Fortbildungsveranstaltung " § 3 Fortbildung des zertifizierten Mediators".

b) Absatz 1 wird wie folgt gefasst:

alt neu
(1) Der zertifizierte Mediator hat nach Abschluss der Ausbildung regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. Der Umfang der Fortbildungsveranstaltungen beträgt innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren mindestens 40 Zeitstunden. Die Vierjahresfrist beginnt erstmals mit Ausstellung der Bescheinigung nach § 2 Absatz 6 zu laufen. "(1) Der zertifizierte Mediator hat nach Abschluss der Ausbildung regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. Der Umfang der Fortbildungsveranstaltungen beträgt alle vier Jahre mindestens 40 Zeitstunden. Erfüllt der zertifizierte Mediator seine Verpflichtungen nicht, so entfällt seine Berechtigung zur Führung der Bezeichnung "zertifizierter Mediator". Die Vierjahresfrist beginnt erstmals mit Ausstellung der Bescheinigung nach § 2 Absatz 6 zu laufen."

c) In Absatz 3 Satz 1 wird das Wort "erfolgreiche" gestrichen.

d) Folgender Absatz 4 wird angefügt:

"(4) Der zertifizierte Mediator hat sich spätestens zum Ablauf der Frist des Absatzes 1 Satz 4 die Teilnahme an den Fortbildungsveranstaltungen von seiner Ausbildungseinrichtung bescheinigen zu lassen. Die Bescheinigung muss neben den Angaben nach Absatz 3 Satz 2 auch die Bestätigung enthalten, dass die Frist des Absatzes 1 Satz 4 gewahrt wurde."

3. § 4

§ 4 Fortbildung durch Einzelsupervision

(1) Innerhalb der zwei auf den Abschluss seiner Ausbildung nach § 2 folgenden Jahre hat der zertifizierte Mediator mindestens viermal an einer Einzelsupervision, jeweils im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation, teilzunehmen. Die Zweijahresfrist beginnt mit Ausstellung der Bescheinigung nach § 2 Absatz 6 zu laufen.

(2) Über jede nach Absatz 1 durchgeführte Einzelsupervision ist von dem Supervisor eine Bescheinigung auszustellen. Diese Bescheinigung muss enthalten:

  1. Name, Vornamen und Geburtsdatum des zertifizierten Mediators,
  2. Datum und Ort der durchgeführten Einzelsupervision,
  3. anonymisierte Angaben zur in der Einzelsupervision besprochenen Mediation sowie
  4. Name und Anschrift des Supervisors.

wird aufgehoben.

4. § 7 wird wie folgt geändert:

a) Absatz 2 wird wie folgt geändert:

aa) In Satz 1 werden nach den Wörtern " § 2 Absatz 3 und 4" die Wörter "in der am 1. September 2017 geltenden Fassung" eingefügt.

bb) In Satz 2 werden nach der Angabe " § 4 Absatz 2" die Wörter "in der am 1. September 2017 geltenden Fassung" eingefügt.

b) In Absatz 3 Satz 1 werden nach den Wörtern " § 3 Absatz 1 Satz 3 und des § 4 Absatz 1" die Wörter "in der am 1. September 2017 geltenden Fassung" eingefügt.

c) Folgender Absatz 4 wird angefügt:

"(4) Als zertifizierter Mediator darf sich ferner bezeichnen, wer nach den §§ 2 und 4 dieser Verordnung in der bis einschließlich 29. Februar 2024 geltenden Fassung

  1. die Ausbildung abgeschlossen und die Fortbildung absolviert hat oder
  2. die Ausbildung begonnen hat und diese sowie die Fortbildung bis einschließlich 29. Februar 2028 abschließt.

Satz 1 gilt jedoch nur, wenn der Mediator zusätzlich die Vorgaben zur regelmäßigen Fortbildungspflicht nach § 3 Absatz 1 bis 3 in der ab 1. März 2024 geltenden Fassung erfüllt."

5. Die Anlage erhält die aus dem Anhang zu dieser Verordnung ersichtliche Fassung.

Artikel 2
Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. März 2024 in Kraft.

.

Anhang
(zu Artikel 1 Nummer 5)

Alt:

Anlage Inhalte des Ausbildungslehrgangs
(zu § 2 Absatz 3)

Nummer Inhalt des Ausbildungslehrgangs Stundenzahl
(Zeitstunden)
I II III
1. Einführung und Grundlagen der Mediation

a) Grundlagen der Mediation
aa) Überblick über Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation
bb) Überblick über Kommunikations- und Arbeitstechniken in der Mediation

b) Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und zu anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren

c) Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation

18 Stunden
2. Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation

a) Einzelheiten zu den Phasen der Mediation
aa) Mediationsvertrag
bb) Stoffsammlung
cc) Interessenerforschung
dd) Sammlung und Bewertung von Optionen ee) Abschlussvereinbarung

b) Besonderheiten unterschiedlicher Settings in der Mediation aa) Einzelgespräche
bb) Co-/Teammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation
cc) Einbeziehung Dritter

c) Weitere Rahmenbedingungen
aa) Vor- und Nachbereitung von Mediationsverfahren
bb) Dokumentation/Protokollführung

30 Stunden
3. Verhandlungstechniken und -kompetenz

a) Grundlagen der Verhandlungsanalyse

b) Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: intuitives Verhandeln, Verhandlung nach dem Harvard-Konzept/integrative Verhandlungstechniken, distributive Verhandlungstechniken

12 Stunden
4. Gesprächsführung, Kommunikationstechniken

a) Grundlagen der Kommunikation

b) Kommunikationstechniken (z.B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation)

c) Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (z.B. Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse)

d) Visualisierungs- und Moderationstechniken

e) Umgang mit schwierigen Situationen (z.B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte)

18 Stunden
5. Konfliktkompetenz

a) Konflikttheorie (Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik und Konfliktanalyse; Eskalationsstufen; Konflikttypen)

b) Erkennen von Konfliktdynamiken

c) Interventionstechniken

12 Stunden
6. Recht der Mediation

a) Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediatorvertrag, Berufsrecht, Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung

b) Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs

c) Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes

6 Stunden
7. Recht in der Mediation

a) Rolle des Rechts in der Mediation

b) Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediator

c) Rolle des Mediators in Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts

d) Sensibilisierung für das Erkennen von rechtlich relevanten Sachverhalten bzw. von Situationen, in denen den Medianden die Inanspruchnahme externer rechtlicher Beratung zu empfehlen ist, um eine informierte Entscheidung zu treffen

e) Mitwirkung externer Berater in der Mediation

f) Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussverein-
barung
g) Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter
Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit

12 Stunden
8. Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis

a) Rollendefinition, Rollenkonflikte

b) Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators (insbesondere Wertschätzung, Respekt und innere Haltung)

c) Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianden und zum Konflikt

d) Macht und Fairness in der Mediation

e) Umgang mit eigenen Gefühlen

f) Selbstreflexion (z.B. Bewusstheit über die eigenen Grenzen aufgrund der beruflichen Prägung und Sozialisation)

12 Stunden
Gesamt: 120 Stunden

Neu:

Anlage Inhalte des Ausbildungslehrgangs
(zu § 2 Absatz 3)

Nummer Inhalt des Ausbildungslehrgangs Stundenzahl
(Zeitstunden)
I II III
1. Einführung und Grundlagen der Mediation
  1. Grundlagen der Mediation
    aa) Überblick über Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation
    bb) Überblick über Kommunikations- und Arbeitstechniken in der Mediation
  2. Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und zu anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren
  3. ) Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation
18 Stunden
2. Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation
  1. Einzelheiten zu den Phasen der Mediation
    aa) Mediationsvertrag
    bb) Stoffsammlung
    cc) Interessenerforschung
    dd) Sammlung und Bewertung von Optionen
    ee) Abschlussvereinbarung
  2. Besonderheiten unterschiedlicher Settings in der Mediation
    aa) Einzelgespräche
    bb) Co-/Teammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation
    cc) Einbeziehung Dritter
    dd) Online-Mediation, Digitalkompetenz
    1. c) Weitere Rahmenbedingungen
      aa) Vor- und Nachbereitung von Mediationsverfahren
      bb) Dokumentation/Protokollführung
40 Stunden
3. Verhandlungstechniken und -kompetenz
  1. Grundlagen der Verhandlungsanalyse
  2. Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: intuitives Verhandeln, Verhandlung nach dem Harvard-Konzept/integrative Verhandlungstechniken,
    distributive Verhandlungstechniken
12 Stunden
4. Gesprächsführung, Kommunikationstechniken
  1. Grundlagen der Kommunikation
  2. Kommunikationstechniken (z.B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation)
  3. Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (z.B. Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse)
  4. Visualisierungs- und Moderationstechniken
  5. Umgang mit schwierigen Situationen (z.B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte)
18 Stunden
5. Konfliktkompetenz
  1. Konflikttheorie (Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik und Konfliktanalyse; Eskalationsstufen; Konflikttypen)
  2. Erkennen von Konfliktdynamiken
  3. Interventionstechniken
12 Stunden
6. Recht der Mediation
  1. Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediatorvertrag, Berufsrecht, Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung
  2. Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs
  3. Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes
6 Stunden
7. Recht in der Mediation
  1. Rolle des Rechts in der Mediation
  2. Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediator
  3. Rolle des Mediators in Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts
  4. Sensibilisierung für das Erkennen von rechtlich relevanten Sachverhalten bzw. von Situationen, in denen den Medianden die Inanspruchnahme externer rechtlicher Beratung zu empfehlen ist, um eine informierte Entscheidung zu treffen
  5. Mitwirkung externer Berater in der Mediation
  6. Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussvereinbarung
  7. Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit
12 Stunden
8. Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis
  1. Rollendefinition, Rollenkonflikte
  2. Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators (insbesondere Wertschätzung, Respekt und innere Haltung)
  3. Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianden und zum Konflikt
  4. Macht und Fairness in der Mediation
  5. Umgang mit eigenen Gefühlen
  6. Selbstreflexion (z.B. Bewusstheit über die eigenen Grenzen aufgrund der beruflichen Prägung und Sozialisation)
12 Stunden


ENDE