Änderungstext

Änderung des Landesrettungsdienstplanes (LRDP) für den Freistaat Thüringen
- Thüringen -

Vom 18. April 2023
(ThürStAnz. Nr. 19 vom 08.05.2023 S. 715)



Die Bekanntmachung des Thüringer Innenministeriums vom 29. April 2009 über den Landesrettungsdienstplan (LRDP) für den Freistaat Thüringen (ThürStAnz Nr. 20/2009 S. 827 ff.), geändert durch die Bekanntmachungen des Thüringer Innenministeriums vom 14. Oktober 2014 (ThürStAnz Nr. 46/2014 S. 1600) und vom 1. Juli 2019 (ThürStAnz Nr. 30/2019 S. 1160 ff.), wird wie folgt geändert:

1. In Nr. 2.2 Abs. 2 Satz 2 wird der Klammerzusatz um die Worte " / Notarztwagen für Neugeborenentransporte" ergänzt.

2. Nr. 3.2 wird wie folgt geändert:

a) In Abs. 7 werden nach dem Wort "Rettungswachenbereich" die Worte "vom Aufgabenträger des bodengebundenen Rettungsdienstes" eingefügt.

b) Absatz 8 wird wie folgt gefasst:

alt neu
Die Einstufung als dünn besiedeltes Gebiet ist vom jeweiligen Aufgabenträger des bodengebundenen Rettungsdienstes unter Einhaltung des Dienstweges bei dem für das Rettungswesen zuständigen Ministerium unter Angabe des Rettungswachenbereiches sowie unter Nachweis der Bevölkerungsdichte zu beantragen. "Die Einstufung als dünn besiedeltes Gebiet ist vom jeweiligen Aufgabenträger des bodengebundenen Rettungsdienstes bei der Rechtsaufsichtsbehörde unter Nachweis der Bevölkerungsdichte anzuzeigen."

c) Absatz 9 wird wie folgt geändert:

aa) Die bisherigen Sätze 1 bis 4 werden durch folgenden Satz 1 ersetzt:

alt neu
Die Genehmigung gilt als erteilt, wenn die Voraussetzungen für die Einstufung vorliegen und das für das Rettungswesen zuständige Ministerium den Antrag nicht innerhalb von vier Wochen nach dessen Eingang ablehnt. Die Einstufung bleibt bis zu 5 Jahre wirksam. Danach kann ein Folgeantrag gestellt werden. Sollten zwischenzeitlich Änderungen des Sachstandes eintreten, die eine Einstufung als dünn besiedeltes Gebiet nicht mehr rechtfertigen, ist dies unverzüglich dem für das Rettungswesen zuständigen Ministerium auf dem Dienstweg mitzuteilen. "Sollten zwischenzeitlich Änderungen des Sachstandes eintreten, die eine Einstufung als dünn besiedeltes Gebiet nicht mehr rechtfertigen, hat dies der Aufgabenträger des bodengebundenen Rettungsdienstes unverzüglich der Rechtsaufsichtsbehörde mitzuteilen."

bb) Die bisherigen Sätze 5 und 6 werden zu den Sätzen 2 und 3.

3. Nr. 6.2 wird wie folgt geändert:

a) In Absatz 1 wird am Ende der Punkt durch ein Komma ersetzt und folgender neuer Spiegelstrich angefügt:

"- Notarztwagen für Neugeborenentransporte (Baby-NAW)."

b) Nach Absatz 5 wird folgender neuer Absatz 6 eingefügt:

"Der Baby-NAW ist für den spezialisierten Transport von intensivpflichtigen Früh- und Neugeborenen bzw. Säuglingen bestimmt. Er verfügt über folgende medizinisch-technische Ausrüstung:

c) Die Absätze 6 und 7 werden zu den Absätzen 7 und 8.

4. In Nr. 6.5 Abs. 2 wird folgender Spiegelstrich angefügt:

"- Notarztwagen für Neugeborenentransporte (Baby-NAW):

Fahrer: Rettungssanitäter,
Beifahrer: Kinderkrankenschwester bzw. -pfleger einer neonatologischen oder pädiatrischen Intensivstation möglichst mit abgeschlossener Fachweiterbildung zur Intensivkinderkrankenschwester bzw. -pfleger,
Transportführer: Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin (Pädiatrie) mit anhaltender klinisch neonatologischer Tätigkeit möglichst mit der Qualifikation "Babynotarzt" der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e.V.

"

5. Nr. 7.2 wird wie folgt gefasst:

alt neu
7.2 Indikationskatalog für den Notarzteinsatz

Die Dispositionsentscheidung zum Einsatz von Rettungsmitteln und zum Einsatz eines Notarztes erfolgt nach folgendem

Indikationskatalog für den Notarzteinsatz:

  1. Patientenzustandsbezogene Indikationen
  2. Bei Verdacht auf fehlende oder deutlich beeinträchtigte Vitalfunktion ist der Notarzt einzusetzen:
    Funktionen Zustand Beispiel
    Bewusst- sein reagiert nicht oder nicht adäquat auf Ansprechen und Rütteln Schädel-Hirn-Trauma (SHT), Schlaganfall, Vergiftungen, Krampfanfall, Koma
    Atmung keine normale Atmung, ausgeprägte oder zunehmende Atemnot, Atemstillstand Asthmaanfall,
    Lungenoedem,
    Aspiration
    Herz/ Kreislauf akuter Brustschmerz, ausgeprägte oder zunehmende Kreislaufinsuffizienz, Kreislaufstillstand Herzinfarkt, Angina pectoris, Akutes Koronarsyndrom (ACS), Herzrhythmusstörungen, Hypertone Krise, Schock
    Sonstige Schädigungen mit Wirkung auf die Vitalfunktionen schwere Verletzung, schwere Blutung, starke akute Schmerzen,

    akute Lähmungen

    Thorax-/Bauchtrauma, SHT, größere Amputationen, Ösophagusvarizenblutung, Verbrennungen, Frakturen mit deutlicher Fehlstellung, Pfählungsverletzungen, Vergiftungen, Schlaganfall
    Schmerz akute starke und/oder zunehmende Schmerzen Trauma, Herzinfarkt, Kolik
  3. Notfallbezogene Indikationen:
    • schwerer Verkehrsunfall mit Hinweis auf Verletzte,
    • sonstiger Unfall mit Schwerverletzten,
    • Unfall mit Kindern,
    • Brände/Rauchgasentwicklung mit Hinweis auf Personenbeteiligung,
    • Explosionsunfälle mit Hinweis auf Personenbeteiligung,
    • Thermische oder chemische Unfälle mit Hinweis auf Personenbeteiligung,
    • Strom- oder Blitzunfälle,
    • Ertrinkungs- oder Tauchunfälle oder Eiseinbruch,
    • Einklemmung oder Verschüttung,
    • drohender Suizid,
    • Sturz aus Höhe (> 3 m),
    • Schuss-/Stich-/Hiebverletzungen im Kopf-, Hals- oder Rumpfbereich,
    • Geiselnahme, Amoklage oder sonstige Verbrechen mit unmittelbarer Gefahr für Menschenleben,
    • unmittelbar einsetzende oder stattgefundene Geburt,
    • Vergiftungen mit vitaler Gefährdung
"7.2 Indikationskatalog für den Notarzteinsatz

Die Dispositionsentscheidung zum Einsatz von Rettungsmitteln und zum Einsatz eines Notarztes erfolgt nach folgendem

Indikationskatalog für den Notarzteinsatz:

a) Ereignisbezogene Notarztindikationen

Anhalt für Verletzungen mit einhergehender vitaler Bedrohung von Bewusstsein, Atmung, Herz-Kreislauf oder mit neurologischen Störungen oder erheblicher Unfallmechanismus z.B. bei

- Sturz aus großer Höhe (> 3 m) - bei Kindern auch darunter,

- Einklemmung oder Verschüttung,

- Überrolltrauma,

- Hochrasanztrauma / Hochgeschwindigkeitstrauma,

- Fußgänger- / Zweiradkollision,

- Ejektion oder Tod eines Insassen,

- penetrierende Verletzung an Kopf, Hals, Thorax, Abdomen,

- Verletzung nach Waffengebrauch,

- Unfall mit Kindern und Hinweis auf schwere Verletzungen

Brand / starke Rauchentwicklung mit Hinweis auf Personenschaden
schwere thermische Schädigung / Explosion / Verpuffung / Verätzung / Strahlenunfall
Strom- / Blitzunfall mit einer Vitalbedrohung
Ertrinkungs-, Tauch/Dekompressions- oder Eisunfall
Entgleisung der Körpertemperatur mit einer Vitalbedrohung / starke Hypo- und Hyperthermie
Intoxikation mit einer Vitalbedrohung
psychiatrischer Zustand mit akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, Suizid oder Suizidversuch
einsetzende Geburt (Wehenabstand < 3 Min.) oder stattgefundene Geburt, unmittelbar bevorstehende Risikogeburt
starke vaginale Blutung in der Schwangerschaft
Unfälle mit mehreren Verletzten (MANV), Erkrankte (MANE) oder CBRN-Lagen
manifeste oder drohende Gefährdung von Menschenleben (LEL)

b) Zustandsbezogene Notarztindikationen

Bewusstsein - zentrales Nervensystem schwere Bewusstseinsstörungen mit fehlender Reaktion auf Ansprechen oder Rütteln
akuter Verwirrtheitszustand
anhaltender oder wiederholter Krampfanfall
akut einsetzender starker Kopfschmerz mit Begleitsymptomatik (1)
Atmung Atemstillstand oder Schnappatmung
schwere Atmung mit Unfähigkeit, im ganzen Satz zu sprechen
schwere Atemnot mit brodelndem oder pfeifendem Atemgeräusch
Aspiration mit Atemnot
Herz-Kreislauf schwerer akut einsetzender oder anhaltender Brustschmerz mit (2)
andauernder (über 5 min) oder mehrfacher Kollaps
Herzrhythmusstörung mit (2)
Herzschrittmacherstörung mit (2)
wiederholte Auslösungen des automatischen implantierbaren Kardioverters/ Defibrillators (AICD)
leblose Person / Verdacht auf Reanimation (3)
Bluthochdruck mit Begleitsymptomatik (4)
unstillbare Blutung mit hohem Blutverlust oder spritzende (arterielle) Blutung
sonstige Störungen mit Wirkung auf die Vitalfunktionen starke / stärkste Schmerzzustände
schwere Verletzung
allergische Reaktionen mit generalisierten Symptomen oder bekannte schwere Anaphylaxie
Glossar
akut = plötzlich auftretend, schnell und heftig zunehmende Symptomatik
anhaltend = Symptomatik gleich oder zunehmend nach Maßnahmen der Verfahrensanweisungen für den Thüringer Rettungsdienst und Instabilitätszeichen
(1) begleitet mit akut einsetzender Nackensteifigkeit, Erbrechen oder Sehstörungen
(2) begleitet mit Synkope / Bewusstseinstrübung, Angina Pectoris-Symptomatik, akute Insuffizienzzeichen oder Schock
(3) ohne sichere Todeszeichen bzw. Exitusmeldung aus Pflegeheim / medizinischer Einrichtung
(4) begleitet mit akut einsetzenden Sehstörungen, Kopfschmerzen, Brustschmerz oder Luftnot

Zustände und Symptome mit primär notwendigem Notarzteinsatz (am Patienten)

  • Reanimation, schwere Kreislaufinsuffizienz,
  • Bewusstlosigkeit (Koma),
  • ST-Hebungsinfarkt (STEMI),
  • Krampfanfall (Status epilepticus oder nicht bekannte Epilepsie),
  • schwere Atemnot, Zyanose, Ateminsuffizienz,
  • Polytrauma, Hochrasanz-Trauma,
  • pädiatrischer Notfall (< 16 Jahre),
  • Indikation nach dem Thüringer Gesetz zur Hilfe und Unterbringung psychisch kranker Menschen (ThürPsychKG) oder psychiatrischer Notfall mit Minderjährigen,
  • schwere Unfälle (Verkehrsunfall, Betriebsunfall, Eiseinbruch, eingeklemmte Person u. Ä.),
  • Brände/Feuer mit Personenschaden,
  • besondere Einsatzlagen (Geiselnahme, Amoklage u. Ä.),
  • alle akute lebensbedrohende Notfälle Zustände und Symptome ohne primär notwendige Notarztindikation (Patienten > 16 Jahre)
  • stattgehabter einmaliger Krampfanfall des Erwachsenen (Epilepsie bekannt),
  • Schlaganfall (ohne erkennbarer vitaler Bedrohung),
  • kurzdauernder Bewusstseinsverlust mit schneller Re-Orientierung (Orthostase),
  • Alkoholintoxikation mit Somnolenz (Reaktion auf Ansprache / Schmerzreiz),
  • isolierte Hypoglykämie bei bekanntem insulinpflichtigen Diabetes mellitus,
  • isolierte arterielle Hypertonie / hypertone Krise,
  • Kreislaufbeschwerden: Rhythmusstörungen ohne gefährdende Begleitsymptome wie Thoraxschmerzen, Atemnot oder Bewusstseinsstörung,
  • Atembeschwerden: bereits über eine längere Zeit bestehend und keine ausgeprägte oder akut zunehmende Atemnot oder Zyanose zeigend,
  • Schmerzzustand (Numerische Rating-Skala < 4), fehlende Akuität oder vitale Gefährdung, typische Lokalisation und geringer Schmerzgrad (z.B. chronische Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, wie z.B. Regelblutung),
  • isolierte Hyperventilation / Hyperventilationstetanie,
  • Kopfschmerzen (ohne Akuität oder erkennbarer vitaler Bedrohung),
  • Erregungszustand ohne Selbst- und/oder Fremdgefährdung,
  • Unfälle ohne Hinweise auf schwere Verletzungen,
  • isolierte Amputation von Finger/Zehengliedern,
  • Stromunfall (Niederspannungsunfälle) ohne erkennbare vitale Bedrohung,
  • Sturz aus Stand, Sitz oder Bett in Pflegeeinrichtungen ohne neu aufgetretener Bewusstseinsstörung,
  • Verbrennung I° und II° < 20 % Körperoberfläche (Gesicht nicht betroffen)."

Die Änderung des Landesrettungsdienstplanes tritt am 1. Mai 2023 in Kraft.

Rechtsbehelfsbelehrung

Gegen die Änderung des Landesrettungsdienstplanes kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe im Thüringer Staatsanzeiger Klage beim Verwaltungsgericht Weimar, Jenaer Straße 2a, 99425 Weimar, schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle dieses Gerichtes erhoben werden.

ID 230883

ENDE