Druck- und Lokalversion

GUV-I 8504 - Informationen für die Erste Hilfe bei Einwirken gefährlicher chemischer Stoffe

(Ausgabe 06/2007)


Redaktioneller Hinweis: Berufsgenossenschaften sind gemäß § 210 SGB VII Behörden; ihre amtlichen Veröffentlichungen nach § 15 SGB VII unterliegen gemäß § 5 Abs. 2 UrhG keinem Urheberrechtsschutz.

nur zur Information
Umstrukturierung der Systematik (01.05.2014): nicht mehr im DGUV-Regelwerk enthalten

Vorbemerkung

Arbeitsunfälle beim Umgang mit gefährlichen chemischen Stoffen können spezielle Maßnahmen der Ersten Hilfe erfordern, die nicht Gegenstand der allgemeinen Ersthelferausbildung sind. Für diese Maßnahmen ist eine Zusatzausbildung der Ersthelfer und Betriebssanitäter erforderlich, die die Absprache mit dem Betriebsarzt und die Berücksichtigung der betriebsspezifischen Gegebenheiten voraussetzt. Das Lesen dieser Informationen allein genügt nicht!

Siehe § 26 Abs. 4 UVV "Grundsätze der Prävention" (GUV-V A1).

Generell müssen die Versicherten über die Gefahren durch die verwendeten Stoffe informiert und auf das Verhalten nach Arbeitsunfällen hingewiesen werden.

Siehe § 4 Abs. 1 UVV "Grundsätze der Prävention" (GUV-V A1).

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die in diesen Informationen bei den einzelnen Stoffen angegebenen Mittel bereitgehalten werden, um sofort sachgemäß helfen zu können. Es ist notwendig, nicht nur die Erste Hilfe am Unfallort und das Zusammenwirken mit dem Rettungsdienst sicherzustellen, sondern es muss gerade beim Umgang mit gefährlichen chemischen Stoffen auf vorherige Abstimmung der Rettungsmaßnahmen mit Ärzten und Krankenhäusern besonderer Wert gelegt werden.

Siehe § 24 UVV "Grundsätze der Prävention" (GUV-V A1).

Den Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden in der nachfolgenden Zusammenstellung auch jeweils beispielhafte Angaben über Eigenschaften, Verwendung und Wirkungsweise der Stoffe vorangestellt, um den Mechanismus der Schädigung und die sich hieraus ergebenden Maßnahmen besser verständlich zu machen.

Die Hinweise für den Ersthelfer sind gegliedert in

Diese Unterteilung bedeutet keine Reihenfolge im Ablauf der Maßnahmen. Es sind nicht etwa zunächst die "allgemeinen Maßnahmen" und dann erst die "speziellen Maßnahmen" zu ergreifen.

Darüber hinaus enthalten die Informationen Hinweise für den Arzt.

Die Informationszusammenstellung basiert auf Angaben der M-Reihe der Berufsgenossenschaft der Chemischen Industrie und wurde vom AK "Gefahrstoffe" des BUK bei den Angaben zur Einstufung und zu den Verwendungsbeschränkungen aktualisiert. Die Broschüre wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Für die Richtigkeit kann der Herausgeber jedoch keine Gewähr übernehmen. In Zweifelsfällen wird bei Vergiftungen immer empfohlen, sich mit der nächstgelegenen Vergiftungszentrale (siehe Anhang) in Verbindung zu setzen.

1 Acrylnitril

1.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Acrylnitril ist eine farblose Flüssigkeit mit schwach stechendem Geruch. Es ist brennbar und bildet mit Luft explosionsfähige Atmosphäre.

Acrylnitril ist mit vielen organischen Lösemitteln mischbar, z.B. mit Ethanol, Methanol, Diethylether, Aceton, Toluol, Xylol, Ethylacetat, Polyethylenglykol 400. Die Mischbarkeit mit Wasser ist gering.

Acrylnitril hat zwei reaktive Zentren, die Cyan-Gruppe und die Doppelbildung. Dies bedingt seine hohe Reaktivität. So polymerisiert es bereits unter Licht- bzw. Hitzeeinwirkung spontan unter starker Wärmeentwicklung. Bei der Lagerung muss Acrylnitril deshalb stabilisiert werden, z.B. mit Ammoniak, Ammoniumcarbonat, Brenzkatechin, Dioxidiphenyl, Hydrochinon, Hydrochinonmonomethylether, Ethylencyanhydrin, Milchsäurenitril, Wasser, Methylenblau. Mit verschiedenen Stoffen reagiert Acrylnitril heftig, z.B. mit oxidierend wirkenden Stoffen und mit starken Säuren und Laugen.

Bei der unvollständigen Verbrennung von Polymerisaten des Acrylnitril (Schwelbrände) können die Brandgase neben Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Wasserdampf, Stickstoff, Stickstoffoxiden und Ruß auch Oxidations- und Abbauprodukte, wie Monomeres und Blausäure enthalten.

1.2 Verwendung

Acrylnitril wird hauptsächlich für die Herstellung polymerer Produkte verwendet, z.B. Polyacrylnitril-Kunstfasern und Mischpolymerisate mit Butadien und Styrol. Wegen seiner großen Reaktionsfähigkeit wird Acrylnitril auch als Ausgangsprodukt bei organischen Synthesen eingesetzt, z.B. bei der Herstellung von Acrylamid und Adiponitril, der Vorstufe des Hexamethylendiamins.

1.3 Gesundheitsgefahren

Acrylnitril ist in der Liste nach § 4a Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft. Außerdem ist Acrylnitril als giftig und reizend eingestuft.

Aufnahmewege

Acrylnitril wird vor allem über die Atemwege aufgenommen, aber auch die Hautresorption spielt eine Rolle. Beim Verschlucken wird Acrylnitril leicht durch die Verdauungsorgane resorbiert.

Akute Gesundheitsgefahren

Acrylnitril ist für den Menschen sehr giftig und kann - je nach Höhe der Exposition - ein breites Spektrum von Beschwerden verursachen. Diese reichen von unklaren Allgemeinsymptomen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, usw. über Bewusstlosigkeit, Krämpfe und Atemstillstand bis einschließlich zum Tode. Diese Krankheitssymptome können auch erst nach einer mehrstündigen Latenzzeit eintreten.

Sowohl in flüssiger Form als auch als Dampf wirkt Acrylnitril haut- und schleimhautreizend.

Chronische Gesundheitsgefahren

Eindeutige Erkrankungen nach chronischer Acrylnitril-Exposition sind nicht bekannt. Acrylnitril hat sich jedoch im Tierversuch als krebserzeugend erwiesen.

1.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Acrylnitril umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Acrylnitril muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Acrylnitril zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage" "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

Achtung! Gilt nur für reine Acrylnitril-Vergiftungen, bei gleichzeitiger Vergiftung mit Acrylnitril und Blausäure siehe Nr. 4.

Die Antidotmenge wird angegeben für einen 70 kg schweren Patienten, dahinter in Klammern zusätzlich in mg/kg Körpergewicht.

  1. Leichte inhalative oder dermale Vergiftung (Patient bei Bewusstsein):
  2. Schwere inhalative oder dermale Vergiftung (Dyspnoe, Krampfneigung, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand):
  3. Orale Vergiftung:
  4. Bei gleichzeitiger Vergiftung mit Acrylnitril und Blausäure sind DMAP, Natriumthiosulfat und N-Acetylcystein in der Reihenfolge und Dosierung wie in Nr. 3 beschrieben zu geben.
  5. Acrylnitril verschluckt: Zusätzlich zu den Maßnahmen in Nr. 1 und 2 Magenspülungen durchführen, anschließend Aktivkohle (5-6 Esslöffel auf 250 ml Wasser) geben.

2 Aluminiumalkyle

2.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Die wichtigsten Gruppen von Aluminiumalkylverbindungen sind

R3Al Trialkylaluminium
R2AlX Dialkylaluminiumhalogenid
RAlX2 Alkylaluminiumdihalogenid
R2AlH Dialkylaluminiumhydrid.

Mischungen aus gleichen Molteilen R2AlX und RAlX2 werden Alkylaluminiumsesquihalogenide genannt und meistens mit R3Al2X3 bezeichnet.

Die meisten technisch interessanten Aluminiumalkyle sind bei Raumtemperatur farblose niedrigviskose Flüssigkeiten. Zu den Ausnahmen gehören z.B. das viskose Isoprenylaluminium, das praktisch nur in verdünnter Form gehandhabt werden kann und die bei Raumtemperatur festen Stoffe Ethylaluminiumdichlorid (Schmelzpunkt 32 °C) und Methylaluminiumsesquichlorid (Schmelzpunkt 23 °C).

Aluminiumalkyle sind bei Raumtemperatur beständig, sofern sie in dicht verschlossenen Behältern unter Schutzgas aufbewahrt werden.

Aluminiumalkyle reagieren sehr heftig unter starker Wärmeentwicklung mit vielen Stoffen, vor allem mit solchen, die aktive Wasserstoffatome besitzen (Wasser, Alkohole, Amine, Säuren, Phenole usw.), mit Sauerstoff (Luft!), den Oxiden von Schwefel, Stickstoff und Kohlenstoff, Halogenen und deren Verbindungen sowie brennbaren organischen Substanzen wie z.B. Papier, Sägemehl, Putzwolle.

2.2 Verwendung

Aluminiumalkylverbindungen werden hauptsächlich als Katalysatorkomponente und als Alkylierungs- sowie Reduktionsmittel eingesetzt.

Sie werden z.B. verwendet:

2.3 Gesundheitsgefahren

Aluminiumalkyle rufen beim Kontakt mit der Haut starke Verätzungen und Verbrennungen hervor. Mit zunehmender Verdünnung durch ein inertes Lösemittel nimmt die Einwirkungsstärke ab. Aber selbst stark verdünnte Lösungen sind nicht ungefährlich. Die schädliche Wirkung des Lösemittels ist zusätzlich zu berücksichtigen.

Vergiftungen durch Resorption von Aluminiumalkylen sind bisher nicht bekannt geworden.

Bei Bränden von Aluminiumtrialkylen und Dialkylaluminiumhydriden oder deren Lösungen entstehen Zersetzungsprodukte (Rauche), die Aluminiumoxid enthalten und zu Reizungen und Entzündungen der Atemwege führen (Rauchfieber). Bei Bränden von Alkylaluminiumhalogeniden oder deren Lösungen enthalten die Rauche zusätzlich Aluminiumhalogendioxide und Halogenwasserstoff. Bromwasserstoff und Jodwasserstoff zersetzen sich bei mäßig höherer Temperatur zum Teil in die Elemente.

Die Rauche, die bei der Reaktion von Aluminiumalkylen an der Luft entstehen, ohne dass es zum Brand kommt, sind ebenso gesundheitsschädlich wie die Brandrauche. Außerdem enthalten sie eventuell noch verdampftes Lösemittel.

2.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Aluminiumalkylen umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei einer Gefährdung durch Aluminiumalkyle oder deren Zersetzungsprodukte (Rauche) hat der Betroffene den Gefahrenbereich zu verlassen bzw. ist er aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Aluminiumalkylen bzw. deren Zersetzungsprodukten (Rauchen) zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Hinweise für den Arzt

3 Arsen und seine Verbindungen

3.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Arsen ist ein Halbmetall - d.h. es steht in seinen Eigenschaften an der Grenze zwischen den Nichtmetallen und den Metallen.

Arsen tritt in verschiedenen Modifikationen auf, als "graues", "metallisches", "gelbes" oder "schwarzes" Arsen. Die Kristalle des "grauen" Arsen, der beständigsten und wichtigsten Form, sind stahlgrau, metallisch glänzend und leiten den elektrischen Strom.

Beim Erhitzen an der Luft verbrennt Arsen mit bläulich weißer Flamme unter Bildung von weißem Rauch aus Arsen(III)-oxid. Charakteristisch ist der beim Erhitzen von Arsenmetall wahrzunehmende Knoblauchgeruch.

Staub von elementarem Arsen wird an der Luft leicht zu Arsen(III)-oxid oxidiert.

In seinen Verbindungen tritt Arsen in den Wertigkeiten +5, +3, und -3 auf, wobei die +3-wertige die beständigste Stufe ist.

Die wichtigsten Sauerstoffverbindungen sind Arsen(III)-oxid As2O3 (Arsenik) und Arsen(V)-oxid As2O5. Arsen(III)-oxid tritt in weißen Kristallen oder als weißes amorphes Pulver auf. Es ist leicht löslich in Salzsäure und Alkalien, löslich in siedendem, sehr wenig löslich in kaltem Wasser. Beim Erhitzen sublimiert Arsen(III)-oxid. Arsen(V)-oxid ist eine weiße, glasige, stark hygroskopische Verbindung. An feuchter Luft geht sie in Arsensäure über, beim Glühen zerfällt Arsen(V)-oxid in Arsen(III)-oxid und Sauerstoff.

Arsenige Säure H3AsO3 ist eine sehr schwache, amphotere, nur in Lösung bekannte Säure. Beim Eindampfen scheidet sich Arsen(III)-oxid ab. Die Salze der arsenigen Säure sind die Arsenite bzw. Arsenate(III), z.B. Natriumarsenit NaAsO2 und Kaliummetaarsenit KH(AsO2)2.

Arsensäure H3AsO4 ist eine mittelstarke, oxidierend wirkende Säure. Ihre Salze werden als Arsenate(V) bezeichnet, z.B. Natriumsarsenat(V) Na3AsO4, Kaliumdihydrogenarsenat(V) KH2AsO4.

Arsen(II)-sulfid As2S2, eine rote glasige Masse, ist unzersetzt destillierbar (565 °C) und verbrennt mit bläulich weißem Licht zu Arsen(III)-oxid und Schwefeldioxid. Arsen(III)- sulfid As2S3 bildet goldgelbe Kristalle, die sich in Alkali, jedoch nicht in Wasser oder Säuren lösen. Arsen(V)-sulfid As2S5 ist ein gelbes Pulver, das beim Erhitzen in Arsen(III)-oxid und Schwefel zerfällt. Die Arsensulfide sind in Wasser unlöslich.

Die wichtigste Chlorverbindung ist Arsen(III)-chlorid AsCl3, eine farblose, ölige Flüssigkeit.

Mit Metallen verbindet sich Arsen zu Arseniden.

Arsen kann auch in einer Vielzahl organischer Verbindungen als Heteroatom eingebaut werden.

Unter reduktiven Bedingungen kann aus Arsen und seinen Verbindungen hochtoxischer Arsenwasserstoff entstehen.

3.2 Verwendung, Verwendungsbeschränkungen

Unter anderem durch die Gefahrstoffverordnung wurde die Verwendung von Arsen und seinen Verbindungen insbesondere als Pflanzenschutzmittel, als Konservierungsmittel sowie bei der Leder-, Glas- und Metallver- und -bearbeitung stark eingeschränkt. In der Medizin verwendete Arsenpräparate haben seit Einführung der Antibiotika an Bedeutung verloren.

Verwendung

Metallisches Arsen wird in erster Linie als Legierungsbestandteil eingesetzt. In Verbindung

Arsen(III)-oxid dient überwiegend als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Arsenverbindungen. Außerdem wird es eingesetzt

Arsenverbindungen finden z.B. Verwendung

Verwendungsbeschränkungen

In der Gefahrstoffverordnung werden Verwendungsbeschränkungen für Arsen und seine Verbindungen ausgesprochen.

Gefahrstoffe, die mehr als 0,3 vom Hundert ihres Gewichts Arsen enthalten, dürfen laut Anhang IV Nr. 3 Gefahrstoffverordnung nicht verwendet werden

Holzschutzmittel, mit Ausnahme von bestimmten Holzschutzmitteln im Außeneinsatz (z.B. Eisenbahnschwellen) und Antifouling-Farben dürfen nach Anhang IV Nr. 3 und 4 Gefahrstoffverordnung auch dann nicht verwendet werden, wenn sie geringere Mengen Arsen in Form von Arsenverbindungen enthalten.

Ausnahmen kann die zuständige Behörde gestatten.

3.3 Gesundheitsgefahren

Die meisten Arsenverbindungen sind giftig. Reines metallisches Arsen ist ungiftig. Es muss jedoch mit Verunreinigungen durch die giftigen Arsenoxide - z.B. durch Oxidation an Luft - gerechnet werden.

Arsensulfide sind ebenfalls nicht giftig, können aber stets Arsen(III)-oxid enthalten.

Giftig wirkt Arsen(I II)-chlorid. Es ätzt außerdem die Haut, die Dämpfe reizen die Schleimhäute. Es kann durch die Haut aufgenommen werden.

Arsen(III)-oxid und Arsen(V)-oxid, arsenige Säure, Arsensäure und ihre Salze sind in der Liste nach § 4a Gefahrstoffverordnung bzw. in der TRGS 905 "Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe" in die Kategorie K1: "Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken" eingestuft.

Eine Einwirkung von Arsen oder seinen Verbindungen ist insbesondere für die unten genannten oder mit ihnen vergleichbaren Betriebsarten, Arbeitsplätze oder Tätigkeiten (einschließlich längerdauernden Reinigungs- oder Reparaturarbeiten) anzunehmen:

Akute Gesundheitsgefahren

Die Aufnahme größerer Mengen arsenhaltiger Stäube, Aerosole, Dämpfe über die Atemwege löst zunächst krampfartigen Husten, Atemnot und Schmerzen im Brustkorb aus. Es können Magen-Darm-Störungen (Erbrechen, Durchfall, Magenkrämpfe) und, in schweren Fällen, nervöse Störungen (Kopfschmerzen, Verwirrtheitszustände, Schüttelkrämpfe, Bewusstseinsstörungen) folgen.

Kontakt mit der Haut kann Ätzgeschwüre zur Folge haben. Bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit sind an den Schleimhäuten von Nase, Rachen, Kehlkopf, Bronchien heftige Reizwirkungen zu beobachten. Die Nasenscheidewand kann binnen weniger Wochen unter einem Nasenseptumgeschwür perforieren.

Chronische Gesundheitsgefahren

Es können auftreten: Haarausfall, Brüchigwerden der Nägel, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen. Bei innerer Vergiftung kommt es vor allem zu Störungen der Leberfunktion (Leberschrumpfung) und Nierenschädigungen.

Werden häufiger kleine Mengen arsenhaltigen Staubes bei der Arbeit verschluckt, kann sich ein Magenkatarrh mit Appetitlosigkeit, Schlaffheit, Kopfschmerzen entwickeln. Dabei machen sich mitunter taubes Gefühl in den Händen und Armen, in den Füßen und Beinen, Schwäche bis zur Lähmung, Zittern, Augenzucken und Sehstörungen bemerkbar.

Durch Arsenverbindungen verursachter Krebs tritt an der Haut, den Bronchien, seltener in der Leber auf.

Erkrankungen durch Arsen und seine Verbindungen sind meldepflichtige Berufskrankheiten - Listen-Nr. 1108 der Anlage 1 zur BeKV.

3.4 Erste Hilfe

Alle Personen, die mit Arsen und seinen Verbindungen umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und im Verhalten bei Unfällen unterwiesen werden.

Bei Verdacht auf Arsenvergiftung ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlassen bzw. er ist aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Die Helfer haben sich hierbei vor Eigenkontakt mit Arsen und seinen Verbindungen zu schützen. Es ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame ärztliche Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus erforderlich.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

4 Benzol

4.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Benzol ist die einfachste aromatische Verbindung. In reinem Zustand ist Benzol eine farblose, stark lichtbrechende, weitgehend wasserunlösliche Flüssigkeit.
Benzol ist leicht entzündlich, brennt mit leuchtender, stark rußender Flamme und bildet mit Luft explosionsfähige Gemische.

Mit den meisten organischen Lösemitteln wie Alkoholen, Ethern, Estern, Ketonen, Halogenkohlenwasserstoffen usw. ist Benzol in jedem Verhältnis mischbar. Wasser wird bei 25 °C zu 0,07 Gew.-% in Benzol gelöst. Als ausgezeichnetes Lösemittel löst Benzol viele Stoffe, wie z.B. Fette, Wachse, Lackharze.

Benzol ist eine bei 80 °C siedende stabile Verbindung, die unter Normalbedingungen von dem Sauerstoff der Luft nicht angegriffen wird. Bei erhöhten Temperaturen und Drucken, insbesondere in Gegenwart von Katalysatoren, kann Benzol mit vielen Stoffen zur Reaktion gebracht werden.

4.2 Verwendung, Verwendungsbeschränkungen

Verwendung

Benzol wird in großem Umfang vorwiegend bei der Erdölverarbeitung durch Extraktion von Reformat- und Pyrolysebenzin und zu einem geringeren Teil aus Steinkohle durch Verkokung gewonnen.

Benzol ist ein in der chemischen Industrie vielseitig eingesetzter Rohstoff. Von großtechnischer Bedeutung sind unter anderem die Alkylierung zu Ethylbenzol, die Nitrierung zu Nitrobenzolen, die Hydrierung zu Cyclohexan, die Chlorierung zu Chlorbenzolen, weiterhin die Umsetzung zu Benzolsulfonsäure, Cumol, Maleinsäureanhydrid usw.

Benzol ist ein Bestandteil von Kraftstoffen für Ottomotoren (in der Regel bis 5 Vol.-%).

Verwendungsbeschränkungen

Nach Anhang IV Nr. 4 Gefahrstoffverordnung dürfen Gefahrstoffe mit einem Gehalt von gleich oder mehr als 0,1 Gew.-% Benzol nicht verwendet werden. Ausgenommen hiervon sind

4.3 Gesundheitsgefahren

Benzol ist in der Liste nach § 4a Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K1 "Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken" eingestuft. Außerdem ist Benzol als giftig und in der TRGS 905 "Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe" in die Kategorie M2 "Stoffe, die als erbgutverändernd für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.

Aufnahmewege

Benzol wird in erster Linie über die Atemwege in den Körper aufgenommen. Die Aufnahme über die Haut ist vergleichsweise gering. Der Organismus scheidet Benzol überwiegend in unveränderter Form über die Atemluft oder in Form seiner Umwandlungsprodukte (Metaboliten) mit dem Urin aus. Die Ausscheidung aus dem Fettgewebe erfolgt verzögert.

Akute Gesundheitsschädigung

Benzol in flüssiger Form wirkt reizend auf Haut und Schleimhäute.

Bei Einatmung von Benzoldämpfen kann es je nach Konzentration und Dauer zu Störungen des Zentralnervensystems kommen, die sich in Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit, Bewusstseinsstörungen mit Erregungs- und Krampfzuständen und schließlich in tiefer Bewusstlosigkeit äußern. Eine Lähmung des Atemzentrums kann den Tod zur Folge haben.

Luftkonzentrationen von ca. 20.000 ml/m3 können bereits nach 5-10 Minuten tödlich wirken.

Bei Verschlucken von flüssigem Benzol sollen schon etwa 20 ml zum Tode führen.

Bei Eindringen von flüssigem Benzol in die Luftröhre kann es zu einer starken entzündlichen Reizung des Lungengewebes mit Bluthusten kommen (so genannte chemische Pneumonie).

Akute Vergiftungen durch Benzoldämpfe, die nicht zum Tode führen, klingen in der Regel rasch ab. Nur in seltenen Fällen sind bleibende Schädigungen des Zentralnervensystems beobachtet worden.

Chronische Gesundheitsschädigung

Bei chronischer Benzolexposition in höherer Konzentration kann eine schwere Schädigung der Knochenmarkstätigkeit ausgelöst werden, wodurch die Bildung und Reifung der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen erheblich gestört werden. Schließlich können sich daraus sogar bösartige Neubildungen entwickeln (Leukämie oder Blutkrebs). Die Zeitspanne zwischen Exposition und dem Auftreten schwerer Knochenmarksschädigungen bzw. Blutkrebs (Leukämie) kann einige Jahre bis zu mehreren Jahrzehnten betragen.

Die ersten Krankheitszeichen bei chronischer Benzolexposition sind meist unspezifisch und können sich als Abgeschlagenheit, Schwindel und Schlaflosigkeit bemerkbar machen. Aber auch ohne diese Zeichen kann es zu plötzlich auftretenden Schleimhautblutungen und Blutarmut (Anämie) als Ausdruck einer Blutschädigung kommen.

4.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Benzol umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbruch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Benzol muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Benzol zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Erste-Hilfe-Ausbildung sind, wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

5 Benzylchlorid, Benzalchlorid, Benzotrichlorid

5.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Benzylchlorid, Benzalchlorid und Benzotrichlorid sind farblose, an feuchter Luft rauchende Flüssigkeiten mit stechendem Geruch.

Sie sind leicht löslich in Ethanol, Diethylether, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff. Die Löslichkeit in Wasser ist sehr gering (um 0,5 g/l bei 40 °C). Unter der Einwirkung von Wasser - auch in Form feuchter Luft - hydrolysieren sie unter Abspaltung von Chlorwasser zu Benzylalkohol (Benzylchlorid), Benzaldehyd (Benzalchlorid) und Benzoesäure (Benzotrichlorid).

Die Dämpfe der drei Verbindungen sind wesentlich schwerer als Luft.

Alle drei Verbindungen reagieren leicht mit einer Vielzahl von Stoffen.

Heftig verlaufende Reaktionen unter Chlorwasserstoff-Abspaltung sind zu erwarten bei Kontakt von Benzylchlorid und Benzalchlorid mit

Benzotrichlorid reagiert ebenfalls heftig und unter Chlorwasserstoffabspaltung mit Alkali-, Erdalkali- und Leichtmetallen sowie verschiedenen Aminen.

5.2 Verwendung

Benzylchlorid, Benzalchlorid und Benzotrichlorid sind bedeutende Zwischenprodukte für Farbstoffe, Riechstoffe, Pharmazeutika, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel sowie Kunststoffe.

Benzylchlorid wird verwendet zur Herstellung von

Benzalchlorid wird überwiegend zur Synthese von Benzaldehyd eingesetzt.

Benzotrichlorid wird verwendet zur Herstellung von

5.3 Gesundheitsgefahren

Benzotrichlorid, Benzyl- und Benzalchlorid reizen Augen, Haut und die Atemwege und sind giftig beim Einatmen.

Benzylchlorid verursacht bereits bei Konzentrationen unter 10 ml/m3 starken Tränenfluss; 16 ml/m3 werden vom Menschen höchstens eine Minute lang ertragen.

Das Einatmen geringer Mengen der drei Stoffe löst Krampfhusten und Brechreiz aus. Hohe Konzentrationen können zu Lähmungserscheinungen, Lungenödem, Leber- und Nierenschäden führen.

Benzylchlorid kann auch über die Haut aufgenommen werden.

Die Wirkung des Benzylchlorid beruht in erster Linie auf den Eigenschaften der Hydrolyse-Produkte Salzsäure (ätzend) und Benzoesäure. Sie entstehen beim Kontakt mit Haut und Schleimhäuten.

Benzotrichlorid ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.

Benzalchlorid ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K3 "Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung Anlass zur Besorgnis geben" eingestuft.

Benzylchlorid ist in der TRGS 905 in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten", M3 "Stoffe, die wegen möglicher erbgutverändernder Wirkung auf den Menschen zur Besorgnis Anlass geben" und RE3 "Stoffe, die wegen möglicher fruchtschädigender (entwicklungsschädigender) Wirkungen beim Menschen zur Besorgnis Anlass geben" eingestuft.

5.4 Erste Hilfe

Alle Personen, die mit Benzylchlorid, Benzalchlorid, Benzotrichlorid umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit diesen Stoffen ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlassen bzw. er ist aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Die Helfer haben sich hierbei vor Eigenkontakt mit den Stoffen zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.). Es ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame ärztliche Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus erforderlich sein.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

6 Brom

6.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Brom ist bei Normalbedingungen eine dunkelrotbraune, sehr leicht verdampfende Flüssigkeit hoher Dichte (3,1055 g/cm3 bei 25 °C). Die stechend riechenden orangefarbenen bis rotbraunen Bromdämpfe sind 5,5-mal schwerer als Luft und breiten sich wie eine Flüssigkeit aus.

Brom ist nicht entzündlich.

Brom ist in vielen organischen Lösemitteln sehr gut löslich, z.B. in Ethanol, Methanol, Dichlormethan, Trichlormethan, Tetrachlorkohlenstoff, Diethylether und Schwefelkohlenstoff. Die Löslichkeit in Wasser ist gering (3,5 g/ 100 g bei 20 °C). Wässrige Bromlösungen bilden unter Lichteinwirkung Bromwasserstoffsäure und Sauerstoff.

Brom ist ein sehr reaktionsfähiges Element. Es reagiert mit zahlreichen anderen Elementen sowie anorganischen und organischen Verbindungen zum Teil sehr heftig unter starker Wärmeentwicklung und Entzündung.

Brom und bromspaltende Verbindungen können mit leicht oxidierbaren Stoffen explosionsartig reagieren.

6.2 Verwendung

Wegen der hohen Dichte, der chemischen Reaktivität, der biologischen Wirkung und flammenhemmenden Eigenschaften des Broms finden organische und anorganische Bromverbindungen breite Verwendung z.B. als Bohrflüssigkeiten, Pharmazeutika, Sanitärreiniger, Kraftstoffzusätze und Flammschutzmittel.

Brom und Bromverbindungen werden z.B. auch zum Bleichen von Papier und zur Desinfektion von Wasser verwendet.

6.3 Gesundheitsgefahren

Brom ist ein starker Reiz- und Ätzstoff für Haut, Augen und Schleimhäute. Flüssiges Brom verursacht auf Haut, Augen und Schleimhäuten schmerzhafte Nekrosen und bei längerer Einwirkung schlecht heilende Geschwüre.

Das Einatmen von Bromdämpfen kann je nach Konzentration Beschwerden wie Husten, Brennen der Augen und Atmungsorgane, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und als Folge der Verätzungen der Bronchien einen Bronchospasmus bzw. später Pneumonien oder ein toxisches Lungenödem verursachen.

Die chronische Einwirkung von Brom kann Akne und zentralnervöse Störungen wie Schläfrigkeit, Schwächegefühl, Schwindel, Verwirrtheit, verwaschene Sprache, gesteigerte oder fehlende Reflexe, Tremor und Ataxie verursachen.

Die Geruchsschwelle für Brom liegt unterhalb von 0.01 ppm Brom in der Luft. Erste Reizerscheinungen treten bei 0.02 - 0.05 ppm, starke Reizungen bei 1 ppm Brom in der Luft auf. Kurzzeitexpositionen von 40 - 60 ppm Brom in der Luft sind lebensgefährlich, 1000 ppm tödlich.

Der Luftgrenzwert beträgt derzeit (TRGS 900, Stand 4/1999) 0,1 ml/m3 bzw. 0,7 mg/m3, Spitzenbegrenzung =1=.

6.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Brom umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitschädigung durch Brom muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Brom zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe, usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

7 1,3-Butadien

7.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

1,3-Butadien ist bei Normalbedingungen ein farbloses Gas mit schwach süßlichem Geruch. Der Geruchsschwellenwert wird mit 0,16 ml/m3 angegeben.

Es ist hochentzündlich und bildet mit Luft explosionsfähige Gemische.

Die Mischbarkeit mit Wasser ist gering; besser löst sich 1,3-Butadien in Methanol und Ethanol, gut in aromatischen Kohlenwasserstoffen, in Chloroform und hochsiedenden polaren Lösemitteln.

1,3-Butadien besitzt mehrere Reaktionszentren und ist daher sehr reaktionsfreudig. Von technischer Bedeutung sind Additions- (u.a. Polymerisation) und Ringbildungsreaktionen.

Bei Erwärmung kann 1,3-Butadien unter starker Wärmeentwicklung polymerisieren.

Peroxide, Sauerstoff, verschiedene Metallverbindungen wie Aluminiumchlorid, Eisenchlorid, wirken als Katalysatoren zur Einleitung der Polymerisation. Einige Polymere weisen gefährliche Eigenschaften auf.

Mit Luftsauerstoff oder in Gegenwart anderer Sauerstoffträger, wie z.B. Rost, bildet unstabilisiertes oder nicht ausreichend stabilisiertes 1,3-Butadien Peroxide oder verschiedene Polymere.

7.2 Verwendung

Die bedeutendste Anwendung von 1,3-Butadien ist die Herstellung von synthetischem Kautschuk.

Durch Mischpolymerisation von 1,3-Butadien mit Styrol, Acrylnitril, Chloropren oder Methacrylat werden Kunststoffe für unterschiedliche Anwendungen gewonnen.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten, die technische Bedeutung erlangt haben, sind die Herstellung von Hexamethylendiamin (für Nylon) und die Addition von Maleinsäureanhydrid an 1,3-Butadien zu Tetrahydrophthalsäureanhydrid.

Es wird außerdem eingesetzt bei der Herstellung verschiedener Zwischenprodukte, z.B. von Cycloolefinen, 1,4-Hexadien, Tetramethylensulfon.

7.3 Gesundheitsgefahren

1,3-Butadien ist unter Normalbedingungen ein farbloses Gas mit schwach süßlichem Geruch. Der Geruchsschwellenwert liegt bei 0,16 ml/m3. 1,3-Butadien ist sehr reaktionsfreudig, hochentzündlich und bildet mit Luft explosionsfähige Gemische.

1,3-Butadien ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.

Der Luftgrenzwert für 1,3-Butadien beträgt derzeit 5 ml/m3 (11 mg/m3). Für die Aufarbeitung nach Polymerisation und das Verladen beträgt der Luftgrenzwert für 1,3-Butadien 15 ml/m3 (34 mg/m3).

Aufnahme und Wirkungsweise

1,3-Butadien wird durch die Atemwege in den Körper aufgenommen. Eine Aufnahme durch die Haut hat im Vergleich dazu keine praktische Bedeutung.

Aus Tierversuchen weiß man, dass 1,3-Butadien im Körper zu reaktiven Epoxiden metabolisiert wird. Die Metabolisierung scheint bei allen Spezies gleich zu verlaufen, Unterschiede zeigen sich in der Konzentration der verschiedenen Metaboliten.

Akute Gesundheitsgefahren

1,3-Butadien ist nur gering giftig. Eine mehrstündige Exposition gegenüber hohen Konzentrationen von mehreren 1000 ppm führt zu Reizerscheinungen an Auge, Haut, Nase und Rachen und zu geringfügigen Beeinträchtigungen der Psychomotorik. Narkotische Wirkungen von sehr hohen 1,3-Butadien-Konzentrationen werden beschrieben.

Flüssiges 1,3-Butadien kann zu Erfrierungen führen!

Das Verspritzen butadienhaltiger Flüssigkeiten oder Aerosole kann Augenreizungen verursachen.

Chronische Gesundheitsgefahren

Auch nach wiederholter Exposition gegenüber 1,3-Butadien wurde keine kumulative Wirkung beobachtet. Es gibt keine Berichte über tödlich verlaufene Vergiftungen. Im Tierexperiment hat sich 1,3-Butadien als krebserzeugend erwiesen. Sowohl 1,3-Butadien als auch sein Metabolit 1,2-Epoxibut-3-en sind direkt mutagen.

7.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit 1,3-Butadien umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch 1,3-Butadien muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit 1,3-Butadien zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

8 Chlor

8.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Unter Normalbedingungen ist Chlor ein gelbgrünes, stechend riechendes Gas. Es ist nicht brennbar.

Chlor ist eines der reaktionsfähigsten Elemente. Es wirkt stark oxidierend und reagiert bereits bei Normaltemperatur mit zahlreichen Elementen und vielen organischen und anorganischen Verbindungen zum Teil sehr heftig unter starker Wärmeentwicklung.

Oft spielt dabei die Anwesenheit geringer Feuchtigkeitsmengen eine entscheidende Rolle. So greift z.B. völlig trockenes Chlor bei Normaltemperatur Eisen oder Kupfer nicht an, Chlor mit geringen Feuchtigkeitsspuren wirkt stark korrodierend auf diese Metalle.

Trockenes Chlor kann dagegen bei Normaldruck und Temperaturen über 170 °C mit Eisen in Form von unlegiertem Stahl unter Bildung von Eisenchlorid reagieren. Durch die dabei auftretende Reaktionswärme kann unter Feuererscheinung ein "Chlor-Eisen Brand" entstehen. Mischungen von Chlor mit anderen Gasen können explosionsfähige Gemische (z.B. "Chlorknallgas" mit Wasserstoff) oder Reaktionsprodukte (z.B. Stickstofftrichlorid mit Ammoniak) bilden.

In der Technischen Regel Druckgase "Technische Gasgemische" (TRG 102) ist zusammengestellt, welche Gase mit Chlor gemischt bzw. wegen gefährlicher Reaktionen nicht gemischt werden dürfen. Gefährliche Reaktionen sind möglich mit Wasserstoff, Ammoniak, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, Butadien, Ethylenoxid, Cyanwasserstoff usw.

Auch Gemische von gasförmigem und flüssigem Chlor mit bestimmten Kohlenwasserstoffen, Alkoholen, Estern, Ölen, Lösemitteln, Silikonölen und Silikonkautschukmassen können explosionsfähig sein. Das gilt insbesondere auch für Schmieröle und Fette, ausgenommen bestimmte chlorbeständige Öle und Fette, z.B. perfluorierte Polyether.

Ebenfalls heftig und unter starker Erwärmung reagiert Chlor mit alkalischen Lösungen (z.B. Natronlauge, Sodalösung und Kalkmilch) unter Bildung von Hypochloriten, Chloriden und Chloraten.

In Wasser, wässriger Salzsäure und verschiedenen organischen Lösemitteln wie Chlorbenzolen, Nitrobenzol, Dimethylformamid ist Chlor gut bis sehr gut löslich.

Mit Wasser bildet Chlor unterhalb von +10 °C feste grüngelbe Chlorhydratkristalle.

8.2 Verwendung

Chlor wird unter anderem verwendet zur Herstellung vieler organischer und anorganischer Zwischenprodukte und zum Desinfizieren von Bade-, Trink- und Brauchwasser.

Wichtige Zwischenprodukte sind z.B.

8.3 Gesundheitsgefahren

Die hier beschriebenen Gesundheitsgefahren beziehen sich in erster Linie auf Chlor als Gas bzw. in flüssiger Form.

Chlorgas ist giftig beim Einatmen und reizt Augen sowie Atemwege.

Aufnahme und Wirkungsweise

Chlor wird vor allem über den Atemtrakt in den Körper aufgenommen, in geringem Maße auch über die Haut. Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich als Chlorid über die Niere.

Chlor bildet bei Kontakt mit den feuchten Schleimhäuten, aber auch in der Lunge durch Reaktion mit Wasser Salzsäure, unterchlorige Säure und aktiven Sauerstoff. Vor allem die unterchlorige Säure ist als Hauptursache der Gewebsschädigungen anzusehen. Die Schäden bleiben jedoch nach dem Einatmen toxischer Konzentrationen auf die Atemwege und die Lunge beschränkt, es treten keine systemischen Vergiftungen auf.

In der Regel fällt Chlorgas noch in großer Verdünnung durch seinen eigentümlichen stechenden Geruch auf: die Geruchsschwelle liegt bei 0,02-1,0 ppm (ml/m3).

Trockene Haut ist gegen Chlorgas weniger empfindlich; flüssiges Chlor dagegen wirkt stark ätzend auf die Haut unter Bildung von Erosionen und Ulzerationen.

Akute Gesundheitsgefahren

Nach akuter Exposition gegen Chlor stehen die starke Reizung der Augen sowie der oberen und mittleren Atemwege und der Haut im Vordergrund. Bronchitis, Bronchospasmus, Hustenreiz, Atemnot und Zyanose sind die typischen Symptome. Nach dem Einatmen hoher Konzentrationen - z.B. bei Bewusstlosigkeit - kann es zum toxischen Lungenödem kommen.

Inhalation von 3 bis 6 ppm (ml/m3) Chlor führt zur Reizung der Schleimhäute von Nase, Mund, Rachen und Augen mit Husten und Tränenfluss und bei längerer Exposition zu Bluthusten, Erstickungserscheinungen und Atemnot.

Bei Konzentrationen von 5 bis 15 ppm (ml/m3) treten diese Symptome sofort auf. Bei sehr hohen Konzentrationen ist zusätzlich nach entsprechender Latenzzeit (4 bis 8 Stunden) die Entwicklung eines toxischen Lungenödems möglich.

Es wird kontrovers diskutiert, ob es Fälle mit bleibenden Schädigungen durch hinzukommende Sekundärinfekte nach massiven Vergiftungen gibt.

Konzentrationen über 50 ppm (ml/m3) können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Chronische Gesundheitsgefahren

Definitionsgemäß sind bei chronischer Exposition unterhalb des MAK-Wertes keine Gesundheitsschäden zu erwarten.

Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des MAK-Wertes nicht befürchtet zu werden.

8.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Chlor umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Chlor muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Chlor zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Hinweise für den Arzt

9 Chlorkohlenwasserstoffe

In diesem Abschnitt werden die Chlorkohlenwasserstoffe 1,1,1-Trichlorethan, Trichlorethen, Tetrachlorethen und Dichlormethan behandelt. Der nachfolgende verwendete Begriff "Chlorkohlenwasserstoffe" bezieht sich immer auf diese 4 Stoffe.

9.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Aussehen, Mischbarkeit mit Wasser, Geruch

Chlorkohlenwasserstoffe sind in reinem Zustand wasserhelle Flüssigkeiten. Sie sind schwerer als Wasser, mit Wasser nur wenig mischbar und weisen zum Teil einen angenehmen, leicht süßlichen Geruch auf.

Brennbarkeit

Tetrachlorethen ist in Luft nicht brennbar.

1,1,1-Trichlorethan, Trichlorethen und Dichlormethan sind schwer brennbar, sie weisen keinen Flammpunkt auf, sind aber im Gemisch mit Luft explosionsfähig. Zur Zündung sind allerdings hohe Energien erforderlich.

Lösevermögen

Chlorkohlenwasserstoffe lösen viele organische Stoffe, unter anderem Öle, Fette, Harze, Lacke, Bitumina, Teere, Gummi und viele Kunststoffe.

Stabilität

Heiße Oberflächen, Flammen, Licht usw.

Chlorkohlenwasserstoffdämpfe können sich zersetzen z.B. an heißen Oberflächen, offenen Flammen (Schweißbrenner) sowie in der Zigarettenglut. Ebenso können Feuchtigkeit, Säuren, Laugen, Wärme, Licht (UV-Anteile) oder Beimengungen aus der Anwendung eine Zersetzung der Chlorkohlenwasserstoffe auslösen. Dabei bilden sich giftige und korrosive Zersetzungsprodukte, z.B. Phosgen, Kohlenmonoxid, Chlorwasserstoff. Ein stechender oder scharfer Geruch kann auf eine beginnende Zersetzung hinweisen.

Aluminium, aluminiumhaltige Werkstoffe

Chlorkohlenwasserstoffe können mit fein verteiltem Aluminium und/oder aluminiumhaltigen Werkstoffen Aluminiumchlorid bilden, das zur weiteren Zersetzung der Chlorkohlenwasserstoffe führt, die sich bis zur Explosion beschleunigen kann. Diese Reaktion ist bei den üblichen Entfettungsarbeiten mit Tetrachlorethen (Perchlorethylen) oder sonderstabilisierten Chlorkohlenwasserstoffen - sofern deren Stabilisatorsystem voll funktionsfähig ist - nicht zu erwarten. Die Stabilisierung von sonderstabilisierten Chlorkohlenwasserstoffen kann jedoch durch Reaktion mit eingeschleppten Verunreinigungen sowie durch Destillation, Adsorption und nachfolgende Desorption verloren gehen.

Alkali- und Erdalkalimetalle sowie deren Oxide und Hydroxide

Chlorkohlenwasserstoffe können mit Alkali- oder Erdalkalimetallen sowie mit ihren Oxiden oder Hydroxiden (Natronlauge, Kalilauge, gebrannter Kalk) explosionsartig reagieren.

9.2 Verwendung

Chlorkohlenwasserstoffe werden unter anderem zur Metallentfernung, zum Reinigen von Textilien, für Extraktionen, zum Ablösen von Anstrichen, bei der Leiterplattenfertigung und als Lösemittel eingesetzt. Sie können auch Bestandteile von Kaltreinigern und Abbeizern sein.

9.3 Gesundheitsgefahren

Chlorkohlenwasserstoffe werden vor allem über die Atemwege aufgenommen. Das Einatmen der Dämpfe kann zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, rauschähnlichen Zuständen sowie zu Erkrankungen, z.B. der Leber, des zentralen Nervensystems, führen. Sehr hohe Konzentrationen bewirken schon nach sehr kurzer Einwirkungsdauer eine Narkose, die ohne schnelle Hilfe tödlich enden kann. Diese Gefahr besteht besonders bei Arbeiten in Behältern, Gruben, Schächten, Kellern sowie geschlossenen Räumen bei unzureichender Be- und Entlüftung. Alkoholkonsum verstärkt die Giftwirkung der meisten Chlorkohlenwasserstoffe.

Besonderheiten:

Exposition gegen aliphatische halogenierte Kohlenwasserstoffe kann zu erhöhter Empfindlichkeit für Herzrhythmusstörungen führen.

Nach chronischer Einwirkung von aliphatischen halogenierten Kohlenwasserstoffen können z.B. nach starker körperlicher Belastung oder am vorgeschädigten Herzen Herzrhythmusstörungen auftreten, auch ohne dass andere Vergiftungssymptome beobachtet werden.

Nach längerem Hautkontakt mit Chlorkohlenwasserstoffen können Rötungen bis hin zur Blasenbildung auftreten. Zudem wird der Haut Fett entzogen, sie wird trocken und rissig und daher anfällig für Hautkrankheiten. Auch Reizungen der Schleimhäute (Augen und Atemwege) werden beobachtet.

Das Verschlucken von Chlorkohlenwasserstoffen hat unter anderem schwere Magenschäden zur Folge und kann lebensgefährlich sein (Herz-Kreislauf-Stillstand).

Die den Chlorkohlenwasserstoffen zugesetzten Stabilisatoren können gesundheitsschädlicher als die reinen Chlorkohlenwasserstoffe sein.

Beim Rauchen in chlorkohlenwasserstoffhaltiger Atmosphäre können giftige und reizende Zersetzungsprodukte entstehen, z.B. Phosgen, Chlorwasserstoff.

Erkrankungen durch Chlorkohlenwasserstoffe sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach Nr. 1302 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung ( BeKV).

9.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Chlorkohlenwasserstoffen umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Chlorkohlenwasserstoffe muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Chlorkohlenwasserstoffen zu schützen.

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

10 Cyanwasserstoff / Cyanide

10.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Cyanwasserstoff

Cyanwasserstoff ist eine bei 25,7 °C siedende, sehr giftige und hochentzündliche Flüssigkeit mit charakteristischem Geruch.

Cyanwasserstoff ist mit Wasser und Ethanol beliebig mischbar.

Mit Luft verbrennt Cyanwasserstoff mit sehr heißer Flamme praktisch vollständig. Je nach den Bedingungen entstehen als Reaktionsprodukte N2, NO, CO2, CO und H2O.

Cyanwasserstoff ist keine stabile Verbindung. Geringe Verunreinigungen, insbesondere Alkalien (auch Ammoniak, Amine, Natriumcyanid, Natriumhydroxid und Wasser) oder Metalloxide aber auch Temperaturerhöhung können eine Polymerisation des Cyanwasserstoffes einleiten, die unter Umständen explosionsartig verlaufen kann. Die Wärmeentwicklung bei der Polymerisation und als Nebenprodukt entstehendes Ammoniak beschleunigen die Reaktion.

Eine beginnende Polymerisation zeigt sich (oberhalb pH-Wert 3) durch gelbliche Verfärbungen an. Bei fortgeschrittener Polymerisation ist der Cyanwasserstoff braun bis schwarz gefärbt, es scheiden sich dunkle Flocken ab.

Wässrige Lösungen von Cyanwasserstoff verhalten sich ähnlich wie reiner Cyanwasserstoff, insbesondere in Bezug auf Polymerisationsneigung und Brandgefahr.

Für die Handhabung muss Cyanwasserstoff in geeigneter Weise stabilisiert sein. Als Stabilisatoren werden unter anderem Säuren wie Schwefelsäure, Phosphorsäure, Essigsäure, Oxalsäure und Schwefeldioxid verwendet.

Cyanide

Alkali- und Erdalkalicyanide

Alkali- und Erdalkalicyanide sind farblose, wasserlösliche und sehr giftige Salze.

An feuchter Luft zersetzen sie sich sehr langsam unter Abspaltung von Cyanwasserstoff. Unter Ausschluss von Kohlendioxid, auch dem der Luft, und Feuchtigkeit sind sie auch bei erhöhter Temperatur stabil.

Die wässrigen Lösungen reagieren alkalisch durch Hydrolyse zu Cyanwasserstoff und Alkali- beziehungsweise Erdalkalihydroxiden.

Schwermetallcyanide

Kupfercyanid, Zinkcyanid und Cadmiumcyanid sind in Wasser unlöslich beziehungsweise nur sehr wenig löslich.

Sie lösen sich z.B. in Alkalicyanidlösungen unter Komplexbildung. An feuchter Luft zersetzen sie sich (Cyanidwasserstoffbildung!); unter Ausschluss von Feuchtigkeit und Kohlendioxid, auch dem der Luft, sind sie stabil.

Die wichtigsten Eisen-Cyan-Verbindungen sind Salze der Hexacyanoeisen(II)- und -(III)säuren. Die Komplexionen dieser Salze sind in wässriger Lösung kaum dissoziiert. Unter Lichteinwirkung, vor allem in saurer Lösung, wird jedoch Cyanid freigesetzt.

10.2 Verwendung, Vorkommen

Cyanwasserstoff

Cyanwasserstoff ist ein bedeutender Ausgangsstoff für die Herstellung von Acrylsäureestern, Methacrylsäuren, Cyaniden, Farbstoffen und Chelatbildnern. Im Vorratsschutz wird gasförmiger Cyanwasserstoff unter anderem in Mühlen, Schiffen und Speichern als Begasungsmittel verwendet.

Mit einer Gefährdung durch Cyanwasserstoff muss nicht nur in Betrieben, in denen er hergestellt und verarbeitet wird, sondern auch in anderen chemischen Fabriken und im Labor gerechnet werden. Cyanwasserstoff entsteht unter anderem durch Umsetzung cyanidhaltiger Chemikalien mit anderen Stoffen - insbesondere mit Säuren. Aus seinen Salzen, den Cyaniden, kann er schon durch die Kohlensäure der Luft freigesetzt werden. In geringem Umfang kann er sich auch bei der Zersetzung von stickstoffhaltigen organischen Verbindungen bilden, z.B. bei Bränden von Acrylnitril, Polyurethan.

Cyanide

Cyanide finden Verwendung

10.3 Gesundheitsgefahren

Cyanwasserstoff und die meisten Cyanide, soweit sie Cyanwasserstoff abspalten, sind sehr giftig.

In Abhängigkeit von der Cyanwasserstoff-Konzentration in der Atemluft ist mit folgender Wirkung zu rechnen:

≤ 10 ml/m3 MAK-Wert, keine Gesundheitsgefährdung bei 8-stündiger Einwirkung,
90 ml/m3 sind lebensgefährlich und tödlich nach längerer Einwirkung,
180-270 ml/m3 rasch tödlich.

Eine beginnende Vergiftung äußert sich in Abhängigkeit von Konzentration und Einwirkungszeit mit Kopfschmerzen, Schwindel, Beklemmungsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Herzklopfen, Atemnot, Bewusstlosigkeit und Krämpfen. Beim Einatmen hoher Konzentrationen kann der Tod bereits nach Minuten oder Sekunden eintreten.

Cyanwasserstoff und Cyanide werden nicht nur über die Atemwege und den Magen, sondern auch durch die unverletzte Haut, insbesondere bei starkem Schwitzen, aufgenommen. Ein Tropfen Cyanwasserstoff in eine offene Wunde gebracht, kann alle Stufen der Vergiftung auslösen und zum Tod führen.

Das Cyanid-Ion hemmt vor allem die Zellatmung, indem es sich an das 3-wertige Eisen des Atmungsenzyms (Cytochromoxidase) anlagert. Hierdurch werden die Nutzbarmachung des Sauerstoffes aus dem Blut und zelluläre Oxidationsprozesse unterbunden. Die Reaktion gehorcht einem Gleichgewichtszustand, d.h. sie ist reversibel. Auf dieser Erkenntnis beruht die Antidot-Therapie mit methämoglobinbildenden Stoffen. Eine Cyanwasserstoffvergiftung führt nicht zu bleibenden Gesundheitsschäden.

Sehr gefährdet durch Cyanwasserstoff sind Personen, die Alkohol, selbst in geringen Mengen, aufgenommen haben.

10.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Cyanwasserstoff und Cyaniden umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Cyanwasserstoff oder Cyanide muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Cyanwasserstoff bzw. Cyaniden zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

Wirkungsweise des 4-DMAP

4-DMAP bildet sehr schnell Methämoglobin: die Entgiftung setzt bei intravenöser Gabe nach einer Minute ein. Bei der angegebenen Dosierung zeigt 4-DMAP keine gefährlichen Nebenreaktionen; es ist frei von Kreislaufwirkungen. Eine ungefährliche Nebenerscheinung ist die blaugraue Verfärbung der Haut und der sichtbaren Schleimhäute infolge der Bildung von Methämoglobin.

Leichte Vergiftung (Bewusstsein erhalten, Atmung intakt):

Schwere Vergiftung (Bewusstlosigkeit, Dyspnoe, Krampfneigung, Atemstillstand):

Der verantwortliche Arzt hat sicherzustellen, wer (entsprechend ausgebildeter Ersthelfer, Betriebssanitäter oder Arzt) die notwendigen Injektionen mit 4-DMAP verabreichen soll.

Bei einer Überdosierung von 4-DMAP oder Gabe von 4-DMAP nach eventuell falscher Diagnose mit nachfolgendem Auftreten von gefährdend hoher Methämoglobinbildung Toluidinblau 3 als Antidot zum 4-DMAP i.v. geben; 0,05-0,1 ml/kg bzw. 2-4 mg/kg Körpergewicht.

Bezugsquellennachweis:   Hersteller:
  • 4-DMAP-Ampullen
    (4-Dimethylaminophenol-HCI)
    0,25 g (1 Ampulle = 5 ml)
  • Natriumthiosulfat
    (Infusionslösung) bzw.
    100 ml Injektionsflasche zu 25 %
  • Toluidinblau-Ampullen
    (Injektionslösung)
    1 Ampulle (10 ml) enthält:
    Toloniumchlorid 300 mg
} Dr. Franz Koehler-Chemie
Neue Bergstr. 3-7
64665 Alsbach-Haehnlein
Telefon (062 57) 509-0
  • Methylenblau-Ampullen
    (Injektionslösung)
    1 Ampulle (5ml) enthält: Methylenblau 50 mg
  Neopharma
Kirchstr. 10
83229 Aschau/Chiemgau
Telefon (08052) 306

Verfallsdatum der Präparate beachten!

11 Dichlordimethylether/ Monochlordimethylether

11.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

In diesen Informationen wird der symmetrische Dichlordimethylether (DDME) oder Bis(chlormethyl)ether, sowie der Monochlordimethylether (MCDE) oder Chlormethylmethylether behandelt. Der symmetrische Dichlordimethylether (DDME) darf nicht verwechselt werden mir dem isomeren, asymmetrischen Dichlordimethylether, der keine technische Bedeutung hat.

Symmetrischer Dichlordimethylether: ClH2C-O-CH2Cl
Asymmetrischer Dichlordimethylether: H3C-O-CHCl2

DDME und MCDE sind farblose, lokal stark reizende Flüssigkeiten, die mit organischen Lösemitteln beliebig mischbar sind.

DDME siedet bei 106 °C und ist entzündlich, MCDE siedet bei 59 °C und ist leicht entzündlich. DDME und MCDE neigen zur Peroxidbildung.

Beim Erhitzen und im Brandfall entsteht aus DDME und MCDE als Zersetzungsprodukt Chlorwasserstoff.

Die Dämpfe vom DDME und MCDE sind schwerer als Luft und bilden mit Luft explosionsfähige Dampf/Luft-Gemische.

Bei der Hydrolyse von DDME entstehen Formaldehyd und Chlorwasserstoff (Salzsäure). Die gleiche Reaktion findet auch an feuchter Luft statt. Die Hydrolyse von MCDE ergibt Methanol, Chlorwasserstoff (Salzsäure) und Formaldehyd.

11.2 Vorkommen, Verwendung, Beschäftigungsbeschränkung

DDME bildet sich u.a. beim Umsetzen von Dimethylether mit Chlor in diffusem Sonnenlicht, beim Einleiten von Chlor in kaltes Methanol, aus Hexamethylentetramin (Urotropin) und konzentrierter Salzsäure.

DDME kann möglicherweise auch durch Disproportionierung von MCDE in der Dampf- und Flüssigphase entstehen.

DDME und technischer MCDE werden wegen der extremen Gesundheitsgefährdung nur noch in wenigen Ausnahmefällen verwendet.

Für DDME und MCDE besteht nach § 15a der Gefahrstoffverordnung ein Expositionsverbot.

11.3 Gesundheitsgefahren

Dichlordimethylether und Monochlordimethylether sind in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K1 "Stoffe die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken" eingestuft. Darüber hinaus ist Monochlordimethylether als gesundheitsschädlich, Dichlordimethylether als sehr giftig eingestuft.

Aufnahmewege

DDME und MCDE werden durch die Atemwege und über die Haut aufgenommen.

Akute Gesundheitsgefahren

DDME und MCDE und deren Dämpfe sind starke Reizstoffe. Sie führen auf der Haut und den Schleimhäuten der Augen und des Atmungssystems zu Verätzungen und nekrotischen Gewebeveränderungen.

Darüber hinaus besteht beim Einatmen auch geringer Mengen von DDME und MCDE ernste Vergiftungsgefahr: Schädigung des Zentralnervensystems, der Leber, Niere und Lunge (Lungenödem).

Schwere Fälle führen zu sofortiger Bewusstlosigkeit (Lebensgefahr).

Chronische Gesundheitsgefahren

Dichlordimethylether (DDME) und Monochlordimethylether (MCDE) sind als Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken, eingestuft.

DDME und durch DDME verunreinigter MCDE zählen zu den stärksten - erfahrungsgemäß beim Menschen krebserzeugend - synthetischen Verbindungen. Es treten bevorzugt bösartige Tumore in der Lunge auf.

11.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit DDME und MCDE umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch DDME und MCDE muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit DDME und MCDE zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.). Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus und Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

12 Dimethylcarbamidsäurechlorid

12.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Dimethylcarbamidsäurechlorid (DIMCA) ist eine farblose Flüssigkeit mit einem unangenehmen, nicht sehr charakteristischen, fischartigen Geruch.

Dimethylcarbamidsäurechlorid ist brennbar, die Dämpfe bilden mit Luft explosionsfähige Gemische.

Dimethylcarbamidsäurechlorid ist mir vielen organischen Lösemitteln mischbar.

Durch Wasser wird es in heftiger Reaktion verseift. Dabei bilden sich Dimethylamin, Chlorwasserstoff, Wasser und Kohlendioxid. Dimethylamin und Chlorwasserstoff können Dimethylaminhydrochlorid bilden.

12.2 Verwendung, Vorkommen

Dimethylcarbamidsäurechlorid ist ein wichtiges Zwischenprodukt für die Herstellung von substituierten Harnstoffen und Carbamaten, die hauptsächlich in Pflanzenschutzmitteln verwendet werden.

Bei der Herstellung von Säurechloriden unter Verwendung von Dimethylformamid kann Dimethylcarbamidsäurechlorid als Nebenprodukt bzw. Verunreinigung entstehen.

12.3 Gesundheitsgefahren

Dimethylcarbamidsäurechlorid ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft. Außerdem ist Dimethylcarbamidsäurechlorid als giftig beim Einatmen (T), gesundheitsschädlich beim Verschlucken (Xn) und reizend (Xi) eingestuft.

Aufnahmewege

Dimethylcarbamidsäurechlorid wird durch die Atemwege und vermutlich auch über die Haut aufgenommen.

Akute Gesundheitsgefahren

Dimethylcarbamidsäurechlorid ist giftig beim Einatmen und gesundheitsschädlich beim Verschlucken.

Es reizt die Augen, die Haut und die Atmungsorgane. Bereits nach einmaliger und kurzer Einwirkung auf die Haut kommt es zu starken Entzündungserscheinungen und Degeneration der oberen Hautschichten mit Krustenbildungen. Bei etwas längerer Einwirkung entstehen Nekrosen in der Hautoberfläche. Auch besteht die Gefahr der Aufnahme der Substanz durch die Haut. Am Auge verursacht flüssiges Dimethylcarbamidsäurechlorid starke, oft eitrige Entzündungen und Trübung der Hornhaut.

Die Möglichkeit einer Hautsensibilisierung wird in der Literatur erwähnt.

Beim Einatmen der Dämpfe des Dimethylcarbamidsäurechlorids besteht die Gefahr von schweren Schleimhautschädigungen der Atmungsorgane. Atembeschwerden treten zum Teil erst nach einer Latenzzeit bis zu einigen Tagen auf.

Chronische Gesundheitsgefahren

Im Tierversuch erwies sich Dimethylcarbamidsäurechlorid als eindeutig krebserzeugend.

12.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Dimethylcarbamidsäurechlorid umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Dimenthylcarbamidsäurechlorid muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Dimethylcarbamidsäurechlorid zu schützen. Ärztlich Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

13 Dimethylsulfat

13.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Dimethylsulfat ist eine farblose bis schwach gelbliche Flüssigkeit mit einem kaum wahrnehmbaren esterartigen Geruch.

Dimethylsulfat ist unbegrenzt mischbar mit polaren organischen Lösemitteln und aromatischen Kohlenwasserstoffen. Durch Wasser verseift es zu Methylschwefelsäure, Schwefelsäure und Methanol.

Dimethylsulfat ist nur im Vakuum unzersetzt destillierbar.

In Gegenwart von Alkali werden saure H-Atome von Hydroxyl-, Mercapto-, Amino- oder Iminogruppen gegen die Methylgruppe ausgetauscht.

In fein verteiltem Zustand oder oberhalb des Flammpunktes (83 °C) ist Dimethylsulfat brennbar.

Beim Arbeiten mit Dimethylsulfat können auch geringe Mengen von Dimethylether auftreten. Dimethylether kann herstellungsbedingt in technischem Dimethylsulfat gelöst sein. Er bildet sich aber auch bei Umsetzungen in Gegenwart von wässrigem Alkali.

13.2 Verwendung

Dimethylsulfat ist ein viel benutztes Methylierungsmittel. Es wird u.a. für die Herstellung von organischen Zwischenprodukten, Farbstoffen, Textilhilfsmitteln, Riechstoffen, Pharmazeutika, fotografischen Sensibilisatoren und Methylcellulose verwendet.

13.3 Gesundheitsgefahren

Dimethylsulfat ist in der Liste nach § 4a Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft. Außerdem ist Dimethylsulfat als sehr giftig beim Einatmen, giftig beim Verschlucken und als ätzend eingestuft.

Aufnahmewege

Dimethylsulfat wird durch die Atemwege und durch die Haut aufgenommen.

Akute Gesundheitsschädigung

Dimethylsulfat ist sehr giftig beim Einatmen und giftig beim Verschlucken.

Wirkung von flüssigem Dimethylsulfat

Bei Benetzung der Haut mit Dimethylsulfat entstehen erst nach einigen Stunden schmerzhafte Entzündungen und Geschwüre, die nur sehr langsam abheilen.

Nach perkutaner Resorption sind nach einer mehrstündigen Latenzzeit zentralnervöse und pulmonale Symptome sowie spätere Nieren- und Leberschäden möglich.

Nach Verschlucken muss man mit Verätzungen, aber auch mit neurologischen Störungen oder einem Kreislaufkollaps rechnen.

Gelangt Dimethylsulfat in flüssigem Zustand in die Augen, so kommt es zu schwersten Hornhautschädigungen.

Wirkung von dampfförmigem Dimethylsulfat

Besonders gefährlich sind die Dämpfe für Schleimhäute, Augen und Atemwege. Wegen des kaum wahrnehmbaren Geruches fehlt jede Warnwirkung. Außerdem haben die Dämpfe - ebenso wie die Flüssigkeit - zunächst nur eine geringe Reizwirkung. Erstes Anzeichen kann eine Rötung der Augen sein. Jedoch werden auch schwere Verätzungen bzw. schwere Vergiftungen häufig erst nach mehrstündiger, praktisch beschwerdefreier Latenzzeit erkannt.

Auf die örtliche Schädigung der Schleimhäute (Rötung, Schwellung) folgt unmittelbar anschließend eine Schädigung der Lunge. In schweren Fällen kann es zur Bildung eines Lungenödems kommen. Kennzeichnend für ein Lungenödem sind hochgradige Atemnot, blutig schaumiger Auswurf, Blauwerden (Zyanose) im Gesicht und an den Händen.

Zentralnervöse Symptome entwickeln sich oft gleichzeitig.

Chronische Gesundheitsschädigung

Die chronische Vergiftung ist sehr selten und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Reizung der Augen und des Atemtraktes. Hautreizungen der Augenlider und der Hände wurden beobachtet. Sehstörungen treten äußerst selten auf.

Im Tierversuch erwies sich Dimethylsulfat als eindeutig krebserzeugend. Als direkt alkylierendes Agens erzeugt es ausschließlich lokale Tumoren.

13.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Dimethylsulfat umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Dimethylsulfat muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei von Kontakt mit Dimethylsulfat zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

Dimethylsulfat wird sowohl inhalativ als auch perkutan aufgenommen. Es können schwere Reizerscheinungen des Schleimhäute (Konjunktiven, Mundhöhle, Rachen) sowie Hornhautverätzungen der Augen - manchmal erst nach mehrstündiger Latenzzeit - auftreten.

Eine Vitalgefährdung durch das gleichzeitige oder spätere Auftreten schwerster bronchopulmonaler Irritationen und/oder eines Lungenödems ist möglich. Für die Früherkennung des Lungenödems ist das Röntgenbild der Lunge geeignet. Abhängig von der vermuteten Inhalationsdosis werden deshalb Röntgenaufnahmen 2, 4 oder 8 Stunden nach dem Unfall empfohlen. Nach massiver Exposition und damit vermutlicher Entwicklung eines Lungenödems wird die Fortführung der Inhalation von Beclomethason17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) sowie die Prednisolon-Gabe bis 0,5 g i.v. angeraten.

14 Epichlorhydrin

14.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Epichlorhydrin ist eine farblose, leicht bewegliche Flüssigkeit mit chloroformähnlichem Geruch.

Epichlorhydrin ist eine bifunktionelle Verbindung. Die Epoxidgruppe reagiert bevorzugt und erlaubt die Anlagerung wasserstoffaktiver Verbindungen, wie z.B. Alkohole, Phenole, Säuren, Amine, Mercaptoverbindungen, unter Ausbildung von Chlorhydrinderivaten. Diese können unter Abspaltung von Chlorwasserstoff in Gegenwart von Basen (Natronlauge, Kalkmilch) Glycidverbindungen bilden.

Bei erhöhter Temperatur kann Epichlorhydrin in Gegenwart polarer Stoffe (z.B. sauer, alkalisch) heftig, zum Teil sogar explosionsartig reagieren (Spontanpolymerisation). Zu diesen Stoffen zählen:

Epichlorhydrin ist löslich in Alkoholen, Estern, Ketonen und aromatischen Kohlenwasserstoffen. In Wasser lösen sich bei 20 °C 66 g/l, bei 80 °C 104 g/l. In Gegenwart von Wasser hydrolysiert Epichlorhydrin - in nennenswertem Umfang oberhalb 60 °C - unter Bildung von Chlorpropandiol.

Gefährliche Zersetzungsprodukte bei Bränden sind z.B. Chlorwasserstoffgas und Kohlenmonoxid.

14.2 Verwendung

Herstellung von Epoxidharzen und synthetischem Glycerin, Zwischenprodukt bei vielen organischen Synthesen, Arzneimittelsynthesen.

14.3 Gesundheitsgefahren

Epichlorhydrin ist in der Liste nach § 4a Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.

Epichlorhydrin wird erst bei Konzentration deutlich oberhalb des Luftgrenzwertes durch den Geruch wahrgenommen.

Es kann über die Atemwege oder über die Haut aufgenommen werden.

Epichlorhydrin wirkt akut giftig. Flüssigkeit und Dämpfe üben starke Reizwirkung auf Haut und Schleimhäute aus und können zu Blasenbildung führen. Reizungen der Nasenschleimhäute und der Augen werden bereits bei Kurzzeiteinwirkung von 10 bis 20 ml/m3 (ppm) Epichlorhydrin verursacht.

Die Verletzungen heilen nur sehr langsam.

Bei Inhalation größerer Mengen ist mit Atemdepression und Atemlähmung zu rechnen. Darüber hinaus kann es zur Ausbildung eines tödlich verlaufenden Lungenödems kommen, das auch erst nach einer beschwerdefreien Zeit auftreten kann.

Bei längerer Einwirkung werden Leber- und Nierenschäden sowie entzündliche Veränderungen an Augen und Lunge beobachtet.

Erste Anzeichen einer chronischen Vergiftung sind

Die Empfindlichkeit gegenüber Epichlorhydrin kann bei einzelnen Beschäftigten unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

14.4 Erste Hilfe

Alle Personen, die mit Epichlorhydrin umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und im Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Bei Verdacht auf Epichlorhydrin-Vergiftung oder bei Benetzung der Haut mit Epichlorhydrin ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlassen bzw. ist er aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Helfer müssen dabei selbst geeignete Schutzmaßnahmen (Atemschutz, Schutzkleidung usw.) treffen. Nach der Ersten-Hilfe-Leistung ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff "Epichlorhydrin" sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame ärztliche Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus erforderlich.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

15 Ethylenimin

15.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Ethylenimin ist eine farblose, leicht bewegliche, stark alkalische, ähnlich wie Ammoniak riechende Flüssigkeit. Es ist mit Wasser und vielen organischen Lösemitteln, wie z.B. Methanol, Ether, Benzol, Pyridin in jedem Verhältnis mischbar. Nicht vollständig mischbar ist Ethylenimin mit aliphatischen Kohlenwasserstoffen und konzentrierten Laugen.

Ethylenimin ist leicht entzündlich. Seine Dämpfe bilden mit Luft explosionsfähige Gemische.

Ethylenimin polymerisiert unter starker Wärmeentwicklung in Gegenwart von Säuren oder Säure abspaltenden Verbindungen, z.B. Ethylenchlorid oder Dimethylsulfat. Bereits der Kohlendioxidgehalt der Luft genügt zur Einleitung der Polymerisation. In geschlossenen Gefäßen kann die Polymerisation explosionsartig verlaufen. Ethylenimin kann durch einen Zusatz von Natriumhydroxid stabilisiert werden.

Bei den Reaktionen von Ethylenimin ist zu unterscheiden zwischen solchen mit Öffnung des Aziridinringes und solchen mit Beibehaltung des Ringes. Reaktionen unter Ringöffnung können z.B. mit anorganischen und organischen Säuren, Säurechloriden, Aminen, Mercaptanen und Phenolen erfolgen. Auch die durch Säuren katalysierte Polymerisation von Ethylenimin verläuft unter Ringöffnung.

Bei Reaktionen unter Beibehaltung des Ringes verhält sich Ethylenimin wie ein sekundäres Amin. Mit Säurechloriden bilden sich in Gegenwart von Basen N-Acylaziridine. Eine Reihe weiterer Anlagerungsreaktionen mit Aldehyden, Epoxiden u.a. sind bekannt. Bei Abwesenheit von Wasser bildet Ethylenimin mit Säuren Salze.

15.2 Verwendung

Ethylenimin ist wegen seiner Reaktionsfreudigkeit ein wichtiges Zwischenprodukt bei vielen organischen Synthesen. Polymerisationsprodukte werden bei der Papierherstellung eingesetzt, einige Ethylenimin-Derivate als Insektizide verwendet.

15.3 Gesundheitsgefahren

Ethylenimin ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" und in die Kategorie M2 "Stoffe, die als erbgutverändernd für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft. Außerdem ist Ethylenimin als sehr giftig (T+), ätzend (C) und leichtentzündlich (F) eingestuft.

Aufnahmewege

Ethylenimin wird durch die Atemwege und über die Haut aufgenommen.

Akute Gesundheitsgefahren

Ethylenimin ist sehr giftig beim Einatmen, beim Verschlucken und bei der Berührung mit der Haut.

Bei Einatmung von Ethylenimin-Dämpfen kommt es je nach Konzentration zu Schleimhautschädigungen der oberen Luftwege sowie auch der Bronchien und der Lunge mit Hustenreiz und Atemnot. Lungenödeme und Lungenentzündungen sind möglich. Neben den lokalen Erscheinungen kommt es nach Aufnahme von Ethylenimin durch die Haut oder den Mund, häufig erst nach einer Latenzzeit bis zu mehreren Stunden, zu Druckgefühl im Magen, Übelkeit, Brechreiz mit periodisch auftretendem Erbrechen sowie Erregungszuständen, zum Teil verbunden mit heftigen Schweißausbrüchen. In der weiteren Folge sind Nierenschäden möglich.

Flüssiges Ethylenimin dringt sehr schnell in die Haut ein und erzeugt bereits nach kurzer Einwirkung tiefe Verätzungen.

Besonders gefährlich sind Verätzungen der Augenschleimhäute und der Hornhaut, die zur Erblindung führen können. Auch Ethylenimin-Dämpfe können lokale Schleimhautschädigungen am Auge bewirken.

Chronische Gesundheitsgefahren

Bei Hautkontakt sind sowohl eine Sensibilisierung als auch eine langdauernde Dermatitis nach oft mehrmonatiger Latenz zu erwarten.

Dampfeinwirkung führt zu hartnäckiger Konjunktivitis und Keratitis sowie zu Ulzerationen an der Nasenscheidewand und an den Stimmbändern.

Das Auftreten von Nieren- und Leberschäden ist bei längerer Exposition nicht auszuschließen.

Im Tierversuch erwies sich Ethylenimin als eindeutig krebserzeugend, auch wurde eine mutagene Wirkung experimentell belegt.

15.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Ethylenimin umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Ethylenimin muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Ethylenimin zu schützen. Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

Die Therapie orientiert sich an der klinischen Symptomatik und sollte unter intensivmedizinischen Bedingungen erfolgen.

16 Fluorwasserstoff, Flusssäure und anorganische Fluoride

16.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Fluorwasserstoff

Fluorwasserstoff ist eine bei ca. 20 °C siedende, farblose, an feuchter Luft stark rauchende Flüssigkeit.

Fluorwasserstoff ist sehr hygroskopisch und dehydratisiert viele Stoffe. Er ist in jedem Verhältnis mit Wasser (heftige Reaktion!) und mit vielen organischen Flüssigkeiten mischbar.

Fluorwasserstoff ist ein gutes Lösemittel für viele Substanzen. Mit zahlreichen anorganischen Verbindungen bildet er Komplexe.

Flusssäure

Wässrige Lösungen von Fluorwasserstoff werden als Flusssäure bezeichnet. Eine 40 Gew. -% Lösung siedet bei 110 °C, eine 70 Gew.-% Lösung hingegen schon bei ca. 60 °C.

Anorganische Fluoride

Anorganische Fluoride wie z.B. Alkalifluoride (KF, NaF), Alkalihydrogenfluoride (KF * HF, NaF * HF), Aluminiumfluorid (AlF3), Kryolith (HNa3AlF6), Kaliumtetrafluoroborat (KBF4), Natriumhexafluorosilikat (Na2SiF6) sind farblose oder weiße kristalline Salze.

Die wässrigen Lösungen der wasserlöslichen Fluoride reagieren in der Regel sauer. Eine Ausnahme ist z.B. Kaliumfluorid (KF), dessen Lösungen schwach alkalisch wirken. Einige Fluoride, z.B. Ammonium- und Kaliumfluorid (NH4F, KF) und Ammoniumhydrogenfluorid (NH4F * HF), sind hygroskopisch. Beim Erhitzen von Fluoriden oder bei der Einwirkung konzentrierter Säuren auf Fluoride wird Fluorwasserstoff abgespalten.

In Abhängigkeit von ihrer Ätzwirkung greifen Fluoride Metalle und Gläser an.

16.2 Verwendung

Fluorwasserstoff

Mit Fluorwasserstoff werden hauptsächlich organische und anorganische Fluorverbindungen hergestellt. Beispiel für organische Fluor-Verbindungen sind Fluor-Kunststoffe (z.B. PTFE), Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe und Perfluorverbindungen.

Fluorwasserstoff wird weiterhin als Alkylierungs- und Isomerisierungskatalysator eingesetzt, z.B. bei der Herstellung hochklopffester Motorentreibstoffe und Waschmittelrohstoffe.

Flusssäure

Flusssäure wird bei der Oberflächenbehandlung von Gläsern und Metallen eingesetzt.

Die Herstellung anorganischer Fluoride ist ein wesentlicher Einsatzbereich.

Anorganische Fluoride

Anorganische Fluoride werden z.B. verwendet

16.3 Gesundheitsgefahren

Allgemeines

Fluorwasserstoff, Flusssäure und saure Fluoride wirken lokal ätzend. Sie durchdringen rasch die Haut, zerstören tiefere Gewebeschichten und können auch resorptiv durch chemische Bindung an Calcium- und Magnesiumionen und Hemmung lebenswichtiger Enzyme zu akut bedrohlichen Stoffwechselstörungen oder Störungen der Leber- bzw. Nierenfunktion führen. Die chronische Aufnahme stark überhöhter Fluormengen kann Schäden im Sinne einer Fluorose verursachen. Hierbei kommt es zu Knochenverdichtungen (Osteosklerose) vor allem im Bereich von Becken, Wirbelsäule und Rippen mit Schmerzen im unteren Wirbelsäulen- bzw. Kreuzbeinbereich.

Wirkungen auf Haut und Schleimhäute

Die eingangs genannten Stoffe gefährden insbesondere Augen und Schleimhäute.

Die Einwirkung dieser Stoffe in geringen Konzentrationen (bereits bei Flusssäurekonzentrationen unter 5 %) verursacht deutliche Rötung und Brennschmerz der Haut. Nicht selten stellen sich Schmerzen erst Stunden nach der Einwirkung ein, ohne dass zunächst auffällige Veränderungen der Hautoberfläche wahrnehmbar sind.

Bei Einwirkung höherer Konzentrationen kommt es zu typischen Verätzungen mit starker Gewebszerstörung und unter Umständen resorptiver Giftwirkung.

Massive Einwirkung auf die Haut führt zum Tod.

Wirkungen bei Einatmung

Gasförmiger Fluorwasserstoff, Flusssäureaerosole und Stäube saurer Fluoride wirken ätzend auf die Schleimhäute des Atemtraktes. In leichteren Fällen kommt es zu vermehrter Sekretion, Hustenreiz und Bronchialkatarrh. Bei Einatmung höherer Fluorwasserstoffkonzentrationen kommt es zu schweren Verätzungen der Lungen mit Lungenödem. Die massive Einatmung hoher Konzentrationen kann in kurzer Zeit den Tod herbeiführen.

Wirkungen nach Verschlucken

Orale Aufnahme von Flusssäure oder sauren Fluoriden führt zu Verätzungen in Mund, Rachen und Magen-Darm-Trakt sowie zu spezifischen Vergiftungserscheinungen durch Resorption.

Berufskrankheiten

Erkrankungen durch Fluor oder seine Verbindungen sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach Listen-Nr. 1308 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung ( BeKV).

16.4 Erste Hilfe

Alle Personen, die mit Fluorwasserstoff, Flusssäure und anorganischen Fluoriden umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Flusssäure muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Flusssäure zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind die Schädigung durch Flusssäure und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben. Während des Transportes sind die jeweils angegebenen Maßnahmen fortzuführen.

Um wirksam Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Allgemeine Maßnahmen

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

Fluorionen haben die Eigenschaft, körpereigenes Calcium und Magnesium zu binden. Patienten mit erheblicher Fluoraufnahme (siehe auch: Einatmen, Verschlucken, Haut) sind wegen des Verlustes von intrazellulärem Calcium und Magnesium vital gefährdet, cave: Kammerflimmern. Ärztliche Behandlung und intensivmedizinische Überwachung sind erforderlich.

Nach den heute vorliegenden Erfahrungen kann, über das in diesem Abschnitt zur Ersten Hilfe Angeführte hinaus, folgende Behandlung von Flusssäureverätzungen empfohlen werden:

Haut

In vielen Fällen lokaler Einwirkung geringen Ausmaßes, d.h. bei Vorliegen einer nur oberflächlichen Reizung bzw. Rötung der Haut, genügt das Fortführen des bereits in der Ersten-Hilfe, Abschnitt "Haut", geschilderten Einreibens mit Calciumgluconatgel. Anschließend eventuell messerrückenstarkes Auftragen einer Glucocorticoid-Salbe.

Bei Eindringen der Flusssäure unter den Fingernagel: Fingernagelextraktion in Oberster Leitungsanaesthesie.

Bei Vorliegen stärkerer lokaler Einwirkungen (zweitgradige oder drittgradige Verätzungen) haben sich folgende Methoden zur Behandlung von Flusssäureverätzungen bewährt:

1. Methode

Bei zweit- und drittgradigen Verätzungen sollte das verätzte Hautareal mit Calciumgluconat 10%ig bis zur Schmerzfreiheit unterspritzt werden (für ein Areal von etwa 6 cm Durchmesser benötigt man 1 Ampulle Calciumgluconat = 10 ml).

2. Methode

Bei bestehenden Hautnekrosen (Verätzungsgrad 2b und 3) und bei vitaler Bedrohung durch großflächige Verätzungen sollte die energische, primäre dermatochirurgische Wundrevision mit sauberer Entfernung aller schon nekrotisch und irreversibel geschädigt erscheinenden Hautpartien mit primärer Hauttransplantation erfolgen. Als Erstbehandlung muss hier auch die Unterspritzung (1. Methode) durchgeführt werden. Bei ausgedehnten Verätzungen muss Calcium und Magnesium substituiert werden. Ab einer etwa handflächengroßen drittgradigen Verätzung empfiehlt sich die i.v.-Gabe von mindestens 20 ml Calciumgluconat 10 %ig und 10 ml Magnesiumsulfat 10 %ig. Diese vital gefährdeten Patienten sind intensivmedizinisch zu überwachen.

17 Formaldehyd / Paraformaldehyd

17.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Formaldehyd

Formaldehyd ist bei Raumtemperatur ein farbloses, stechend riechendes Gas mit einer nur geringfügigen höheren Gasdichte als Luft. Formaldehyd verflüssigt sich unter Ausschluss von Feuchtigkeit bei -19,2 °C und verfestigt sich bei -118 °C zu einer weißen Masse.

Beim Erhitzen auf 150 °C zerfällt Formaldehyd überwiegend in Methanol und Kohlendioxid, bei Temperaturen über 350 °C in Kohlenmonoxid und Wasserstoff.

Formaldehyddämpfe sind brennbar und im geeigneten Verhältnis mit Luft gemischt explosionsfähig.

Gasförmiger Formaldehyd löst sich gut in Wasser (bei 23 °C beträgt die Lösungswärme 62 kJ/mol).

Formaldehyd wird nahezu ausschließlich in Form wässriger Lösungen verwendet.

Wässrige Formaldehydlösungen

Wässrige Formaldehydlösungen enthalten üblicherweise 30 bis 50 Gew.-% Formaldehyd. Der Formaldehyd liegt darin in hydratisierter und teilweise oligomerisierter Form vor, mit Kettenlängen bis zu 8 Formaldehydmolekülen.

Beim Lagern beziehungsweise Eindampfen wässriger Formaldehydlösungen scheidet sich polymerer Formaldehyd, genannt "Paraformaldehyd", ab. Den Lösungen können, um die Ausscheidung der schwer löslichen Polymere zu verhindern, Methanol (ca. 10 %) oder andere Stabilisatoren (in deutlich kleineren Mengen) zugesetzt werden. Auch die nicht stabilisierten Lösungen enthalten im Allgemeinen verfahrensbedingt um 1 % Methanol.

Bei Raumtemperatur haben wässrige Formaldehydlösungen einen merklichen Formaldehyd-Dampfdruck, und da die Geruchsschwelle von Formaldehyd mit 0,1 bis 1 ml/m3 (ppm) sehr niedrig liegt, können selbst kleinste Konzentrationen infolge des stechenden Geruchs wahrgenommen werden.

Die Dämpfe aus einer wässrigen Formaldehydlösung sind nur genau bei Erreichen des Flammpunktes brennbar. Oberhalb des Flammpunktes entsteht so viel Wasserdampf, dass es zu keiner Entflammung kommt. Aus einer wässrigen, methanolhaltigen Formaldehydlösung, die über ihren Flammpunkt erwärmt wird, entwickeln sich jedoch Formaldehyd- und Methanoldämpfe in einer solchen Menge, dass explosionsfähige Dampf/Luft-Gemische entstehen können.

Paraformaldehyd

Paraformaldehyd, auch "Polyoxymethylen" genannt, ist ein schwer lösliches Gemisch von Polymeren des Formaldehyds HO-(CH2O)n-H mit n = 8 bis 100. Er ist bei normaler Temperatur eine weiße, kristalline Masse. Paraformaldehyd scheidet sich bei längerem Lagern insbesondere nicht stabilisierter, wässriger Formaldehyd-Lösungen sowie beim Eindampfen wässriger Formaldehyd-Lösungen ab. Die Polymerisation wird durch kleine Mengen polarer Verbindungen wie Säuren und Alkalien begünstigt.

Paraformaldehyd verflüchtigt sich an der Luft unter Abgabe von monomerem Formaldehyd. Bei Erwärmung wird die Rückbildung von monomerem Formaldehyd beschleunigt.

Beim Erwärmen von Paraformaldehyd auf und über den Flammpunkt von 71 °C entsteht Formaldehyd in solcher Menge, dass sich explosionsfähige Dampf/Luft-Gemische bilden können. Gemische aus Paraformaldehyd-Staub und Luft sind ebenfalls explosionsfähig. Die Zündtemperaturen von Gemischen aus staubförmigem Paraformaldehyd und Luft betragen in Abhängigkeit von der Partikelgröße 370 - 410 °C.

17.2 Herstellung und Verwendung

Formaldehyd wird technisch aus Methanol durch oxidative Dehydrierung an Silberkatalysatoren bzw. an Eisen-/Molybdän-Oxidkatalysatoren hergestellt und fällt bei diesem Prozess als wässrige Lösung an.

Die Verwendung von Formaldehyd ist sehr vielseitig. Es sollen hier nur die wichtigsten Anwendungsgebiete genannt werden:

Die überwiegende Menge wird verwendet zur Herstellung von Kondensationsharzen, vorwiegend auf Basis von Harnstoff, Phenol oder Melamin, für die Holz verarbeitende, Textil-, Papier-, Lackrohstoff- und Isolierstoff-Industrie sowie für Gießereien.

Aus Formaldehyd werden auch hergestellt: Polyacetal-Kunststoffe sowie zahlreiche Zwischenprodukte der chemischen Industrie, z.B. Butandiol und Diphenylmethan-4,4'- diisocyanat (MDI), ferner Pentaerythrit und Hexamethylentetramin, Komplexbildner für die Waschmittel-Industrie, Gerbstoffe für die Leder-Industrie, Reduktionsmittel für die Küpenfärberei, Hilfsmittel für die Kautschuk-Industrie.

Wässrige oder alkoholische Formaldehydlösungen dienen ferner als Germizid, Bakterizid und Fungizid, entweder als solche oder in Gemischen mit anderen Stoffen zur Desinfektion und zur Konservierung.

17.3 Gesundheitsgefahren

Akute Gesundheitsgefahren

Formaldehyddämpfe

Wegen seines stechenden Geruchs wird Formaldehyd im Allgemeinen schon bei Konzentrationen unterhalb des MAK-Wertes wahrgenommen (Beginn der Geruchswahrnehmung 0,1-0,3 ml/m3) und darüber als belästigend empfunden. Er warnt dadurch vor sich selbst.

Formaldehyddämpfe wirken stark reizend auf die Augen und die Schleimhäute der oberen Atemwege. Sie verursachen Atembeschwerden, Tränenfluss, Husten und Kopfschmerzen schon bei relativ niedrigen Konzentrationen. Diese Reizwirkungen verschwinden, wenn die Formaldehyd-Einwirkung beendet ist.

Inhalation hoher Konzentrationen führt zur Nekrose der betroffenen Schleimhäute, zu Kehlkopfschwellungen, Stimmritzenkrampf und Lungenödem.

Die in der Literatur angegebenen Schwellenwerte für Reizwirkungen von Formaldehyddämpfen beim Menschen schwanken erheblich infolge unterschiedlicher Empfindlichkeit der untersuchten Personen.

Wässrige Formaldehydlösungen

Wässrige Formaldehydlösungen können in Abhängigkeit von Konzentration und Einwirkungsdauer reizend bis ätzend und degenerierend auf Schleimhäute (z.B. Augen) und Haut wirken. Es kommt zu einer Härtung, Gerbung und Anästhesierung der Haut. Bei wiederholtem Hautkontakt kann es zu einer Sensibilisierung der Haut und damit zu allergischen Hauterkrankungen auch durch Formaldehydlösungen geringer Konzentration kommen.

Bei Aufnahme durch den Mund verursacht wässrige Formaldehydlösung Brennen, Würgen, Übelkeit, blutiges Erbrechen und Kollaps. Es kommt zu Verätzungen der Schleimhäute, des Mundes, der Speiseröhre, des Magens und der oberen Dünndarmabschnitte. Die Erscheinungen gleichen denen einer Säureverätzung. Es kann der Tod durch Nieren- oder Kreislaufversagen erfolgen. Die tödliche Dosis wird geschätzt auf 10 bis 20 ml 35 %ige Formaldehydlösung.

Chronische Gesundheitsgefahren

Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe fasst in der arbeitsmedizinischtoxikologischen Begründung "Formaldehyd" (Stand 10.9.1987) die Beobachtungen am Menschen wie folgt zusammen:

"Die dokumentierten Daten erlauben die Schlussfolgerung, dass

Formaldehyd ist in der Liste nach § 4a Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K3 "Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen" eingestuft. Der seit 1987 geltende Luftgrenzwert von 0,5 ml/m3 (ppm) bzw. 0,6 mg/m3 für Formaldehyd wird bis zur weiteren Abklärung einer möglichen karzinogenen Wirkung beibehalten.

17.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Formaldehyd, Formalin, bzw. Paraformaldehyd umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Formaldehyd, Formalin, bzw. Paraformaldehyd muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Formaldehyd, Formalin, bzw. Paraformaldehyd zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

18 Hydrazin

18.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Eine Lösung mit Massenanteilen von 64 % (Gew.-%) Hydrazin und 36 % Wasser, die auch als Hydrazinhydrat bezeichnet wird, fällt bei der Hydrazinherstellung als azeotropes Gemisch an. Daraus werden handelsübliche Verdünnungen mit Wasser hergestellt.

Konzentrierte Hydrazinlösungen sind farblose, stark alkalisch reagierende Flüssigkeiten, die leicht beweglich sind und an der Luft rauchen. Der Geruch ist dem des Ammoniaks ähnlich. Hydrazin ist sowohl in flüssigem als auch in gasförmigem Zustand ätzend.

Hydrazin ist mit Wasser und Methanol in jedem Verhältnis mischbar.

Mit Säuren bildet Hydrazin Salze. Einige dieser Salze, z.B. Nitrate, Perchlorate und Azide, können explosionsartig zerfallen.

Die thermische Zersetzung von Hydrazin beginnt bei Abwesenheit von Katalysatoren bei ca. 250 °C. In Gegenwart von Katalysatoren, z.B. Kupfer, Kobalt, Molybdän oder deren Salzen, sinkt die Zersetzungstemperatur. Hauptzersetzungsprodukte sind Ammoniak und Stickstoff.

Im Kontakt mit Schwermetallen bzw. deren Oxiden kann Hydrazin katalytisch zu Stickstoff, Ammoniak und ggf. Wasserstoff zersetzt werden. Mit Luft reagiert es langsam zu Stickstoff und Wasser.

Hydrazin ist ein starkes Reduktionsmittel. Mit Oxidationsmitteln kann unter Umständen eine heftige Reaktion erfolgen.

Hydrazinhydrat hat im offenen Tiegel gemäß DIN 51376 einen Flammpunkt von 75 °C. Unterhalb einer Konzentration von 40 % Hydrazin haben wässrige Lösungen nach DIN 51376 keinen Flammpunkt.

Die Explosionsgrenzen (Zündgrenzen) von Hydrazinhydrat in Luft betragen 3,4 bis 100 Vol.-% bei ca. 150 °C und 1000 mbar. Unterhalb von 35 °C (unterer Explosionspunkt) existiert unter Umgebungsdruck für Hydrazinhydrat kein explosionsfähiges Hydrazin/ Luft-Gemisch. Bei der wässrigen Lösung mit 51 % Hydrazin ist die Möglichkeit der Bildung eines explosionsfähigen Hydrazin/ Luft-Gemisches über der flüssigen Phase noch bei Temperaturen unterhalb 50 °C auszuschließen. Solange 35 °C bei 64 %igem Hydrazin bzw. 50 °C bei 51 %igem Hydrazin nicht überschritten werden, besteht keine Explosionsgefahr.

An heißen Metall- oder Metalloxidflächen können sich Hydrazinhydrat oder dessen Dämpfe auch unterhalb seiner Zündtemperatur (280 °C) infolge katalytischer Effekte entzünden.

18.2 Verwendung

Hydrazin wird in großem Umfang als Korrosionsinhibitor und Sauerstoffbindemittel in Wasser- und Wasser-/Dampfsystemen eingesetzt. Hydrazin ist wasserdampfflüchtig und fördert die Schutzschichtbildung auf Stahloberflächen. Seine unmittelbaren Oxidations- und Zersetzungsprodukte sind Stickstoff (N2), Wasser (H2O) und Ammoniak (NH3). Verwendet werden stark verdünnte Lösungen, die üblicherweise aus einer 15 %igen Lösung hergestellt werden

Weitere wichtige Anwendungsbereiche:

Hydrazin wird in Form wässriger Lösungen z.B. mit 15 %, 35 %, 51 % und 64 % Hydrazin oder als Hydrazinsalz (z.B. Dihydrazinsulfat) angeboten.

18.3 Gesundheitsgefahren

Aufnahme und Wirkungsweise

Eine Aufnahme in den Körper ist über Haut, Lunge und Magen-Darm-Trakt möglich. Hydrazin wird schnell resorbiert und im Organismus verteilt. Die Ausscheidung erfolgt über den Urin.

Hydrazin wirkt auf Haut und Schleimhäute, Augen, Atemwege, Leber, Nieren und Nervensystem.

Akute Gesundheitsgefahren

Hydrazin wirkt sowohl in wässriger Lösung als auch in dampfförmigen Zustand je nach Konzentration unterschiedlich stark haut- und schleimhautreizend. Bei Exposition kann es zu Reizungen bzw. Verätzungen von Haut, Augen und Atemwegen kommen.

Eine Sensibilisierung durch Hydrazin ist möglich; sie kann zu allergischen Kontaktekzemen führen.

Je nach Konzentration wirken Hydrazinlösungen gesundheitsschädlich oder giftig. Nach akuter Einwirkung können Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Muskelzittern, Krämpfe und Parästhesien (Empfindungsstörungen), unregelmäßige Atmung, Arrhythmie (Herzrhythmusstörungen), Somnolenz (Schläfrigkeit) und Bewusstlosigkeit auftreten.

Chronische Gesundheitsgefahren

Hydrazin ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 eingestuft. In diese Kategorie fallen "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten. Es bestehen hinreichende Anhaltspunkte zu der begründeten Annahme, dass die Exposition eines Menschen gegenüber dem Stoff Krebs erzeugen kann. Diese Annahme beruht im Allgemeinen auf:

18.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Hydrazin umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.

Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.

Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Hydrazin muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Hydrazin zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe, usw.).

Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.

Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.

Augen

Atmungsorgane

Haut

Verschlucken

Hinweise für den Arzt

Bei schweren oralen Vergiftungen oder großflächigen Verätzungen:

19 Natrium

19.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Natrium ist ein wachsweiches Metall. Frische Schnittstellen glänzen silbrig-weiß, überziehen sich jedoch bei Luftzutritt mit einer grauen Schicht aus Oxidations- und Reaktionsprodukten.

Natrium löst sich in flüssigem Ammoniak, Methylamin und flüssigem Schwefeldioxid. In Kohlenwasserstoffen ist es unlöslich, lässt sich jedoch bis zu kolloidalen Teilchengrößen dispergieren. Natrium ist ein starkes Reduktionsmittel.

Natrium reagiert - teilweise heftig - mit zahlreichen anorganischen und organischen Stoffen, z.B.:

Luft: Blanke Schnittstellen überziehen sich schnell mit einer Haut aus Natriumoxid, -hydroxid und -carbonat.

In geschmolzenem Zustand entzündet es sich an feuchter Luft oberhalb 115 °C, an trockener Luft jedoch erst in der Nähe des Siedepunktes. Es verbrennt exotherm mit kleiner, intensiv weißgelb leuchtender Flamme zu Natriumoxid und Natriumperoxid, das sich mit Luftfeuchtigkeit zu stark ätzendem Natriumhydroxid umsetzt.

Wasser wird stürmisch unter Bildung von Natriumhydroxid und Wasserstoff zersetzt. Durch die Reaktionswärme kann sich der Wasserstoff entzünden und z.B. in Verbindung mit Luftsauerstoff (Knallgas) zu heftigen Explosionen führen.

Oxide, Hydroxide und sauerstoffhaltige Salze von Schwermetallen werden häufig unter Feuererscheinung zu den Metallen reduziert.

Mit Halogenen reagiert Natrium unterschiedlich heftig: mit Fluor entzündet es sich bei Raumtemperatur; in geschmolzenem Zustand verbrennt es mit Chlor zu Natriumchlorid; in festem Zustand setzt es sich jedoch mit trockenem Chlor bei Raumtemperatur ebenso wie mit Brom nur langsam um; mit Jod kann es ohne chemische Reaktion zusammengeschmolzen werden.

Kohlendioxid reagiert mit brennendem Natrium explosionsartig, darf daher nicht zum Löschen verwendet werden.

Halogenkohlenwasserstoffe können sich mit Natrium ebenfalls explosionsartig umsetzen. Natrium darf daher nicht zum Trocknen von Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff usw. verwendet werden.

Auch Ammonnitrat, Nitroverbindungen, Peroxide, Chlorate, Perchlorate, Säurechloride reagieren in gleicher Weise.

Der Reaktionsablauf wird noch beschleunigt, wenn Natrium in feinverteilter Form als Dispersion, z.B. in Paraffinöl, Toluol, Xylol, vorliegt.

Reiner Stickstoff sowie alle Edelgase, z.B. Argon, reagieren nicht mit Natrium und können als Schutzgase verwendet werden.

Sicher aufbewahren lässt sich festes Natrium unter wasser- und säurefreiem Mineralöl (z.B. Paraffinöl, Petroleum), in wasserfreiem Toluol, Xylol oder unter Schutzgasatmosphäre.

19.2 Verwendung

Natrium wird wegen seiner Reaktionsfähigkeit und seiner physikalischen Eigenschaften in vielen Verfahren verwendet, z.B.:

In geringerem Umfang wird es zur Trocknung von Flüssigkeiten verwendet, z.B. von Ethern.

19.3 Gesundheitsgefahren

Bei Kontakt mit der Haut kann Natrium schwere Verätzungen und Verbrennungen bewirken.

Die bei Natriumbränden entstehenden Verbrennungsprodukte wirken stark ätzend auf Haut und Schleimhäute.

19.4 Erste Hilfe

Allgemeines

Alle Personen, die mit Natrium umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.

Nach Verätzungen mit Natrium oder beim Verdacht auf Vergiftung mit Verbrennungsprodukten ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlassen bzw. er ist aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Die Helfer haben sich hierbei vor Eigenkontakt mit Schadstoffen zu schützen.

Es ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.

Um wirksame ärztliche Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus erforderlich sein.

Haut

Augen

Atmungsorgane
(Einatmen von Verbrennungsprodukten des Natriums)

Verdauungsorgane

20 Nickeltetracarbonyl

20.1 Physikalische und chemische Eigenschaften

Nickeltetracarbonyl ist eine farblose, leicht flüchtige, süßlich-muffig riechende Flüssigkeit. Der schwache Eigengeruch wird jedoch erst bei gefährlich hohen Konzentrationen wahrgenommen.

Nickeltetracarbonyl ist in Wasser praktisch unlöslich. Es löst sich dagegen gut in verschiedenen organischen Lösemitteln, z.B. in aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffen, in Chlorkohlenwasserstoffen, Alkoholen, Ketonen und Ethern.

Beim Erhitzen unter Luftabschluss zerfällt Nickeltetracarbonyl in Nickel und Kohlenmonoxid. Die Zersetzung beginnt oberhalb 40 °C und ist bei 180 °C vollständig.

An der Luft ist Nickeltetracarbonyl brennbar - unter Umständen sogar selbstentzündlich. Die Dämpfe bilden mit Luft explosionsfähige Gemische.

20.2 Herstellung, Verwendung

Nickeltetracarbonyl ist Zwischenprodukt bei der Reindarstellung von Nickel nach dem Mondverfahren.

Nickeltetracarbonyl wird verwendet zur Herstellung von hochreinem Nickelpulver für die Pulvermetallurgie oder für Nickelkatalysatoren, zum stromlosen Vernickeln (Gasplattieren) nicht leitfähiger Materialien (Holz, Glas, Keramik) oder auch anderer Metalle. Nickeltetracarbonyl entsteht als CO-übertragender Katalysator bei der Synthese gesättigter oder ungesättigter Säuren aus ungesättigten Kohlenwasserstoffen nach Reppe.

20.3 Gesundheitsgefahren

Nickeltetracarbonyl ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K3 "Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen. Aus geeigneten Tierversuchen liegen einige Anhaltspunkte vor, die jedoch nicht ausreichen, um einen Stoff in die Kategorie K2 einzustufen" und in die Kategorie RE2 "Stoffe, die als fruchtschädigend (entwicklungsschädigend) für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft. Außerdem ist Nickeltetracarbonyl als sehr giftig eingestuft.

Aufnahmewege

Nickeltetracarbonyl wird durch die Atemwege und über die Haut aufgenommen.

Akute Gesundheitsgefahren

Durch das Einatmen von Nickeltetracarbonyl wird vor allem die Lunge geschädigt. Nach zunächst uncharakteristischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen treten 12-36 Stunden später unter anderem Schmerzen hinter dem Brustbein, Atemnot, Husten, Schüttelfrost und Fieber auf. Hierdurch kann ein katarralischer Infekt der Atmungsorgane vorgetäuscht werden. Im weiteren Verlauf kommt es häufig zu einem Lungenödem und einer Pneumonie mit tödlichem Ausgang.

Über die Konzentrationen, die zu akuten Vergiftungen bzw. Todesfällen führen, gibt es keine genauen Angaben. Man weiß jedoch aus Tierversuchen, dass akute Gesundheitsschädigungen durch Nickeltetracarbonylkonzentrationen bis zu 0,2 ppm nicht zu erwarten sind.

Zum Metabolismus im Körper weiß man, dass Nickeltetracarbonyl zum größten Teil in Kohlenmonoxid und Nickel aufgespalten wird.

Chronische Gesundheitsgefahren

Nickeltetracarbonyl ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K3 "Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen. Aus geeigneten Tierversuchen liegen einige Anhaltspunkte vor, die jedoch nicht ausreichen, um einen Stoff in die Kategorie K2 einzustufen" und in die Kategorie RE2 "Stoffe, die als fruchtschädigend (entwicklungsschädigend) für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.


UWS Umweltmanagement GmbH . Frame öffnen