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20.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Nickeltetracarbonyl umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Nickeltetracarbonyl muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Nickeltetracarbonyl zu schützen. Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt. Richtige Handhabung beachten (Kopfhaltung, Ein- und Ausatmungsphase).
Haut
Verschlucken
Hinweise für den Arzt
Nach Inhalation von Nickeltetracarbonyl sollte wegen der Latenz der pulmonalen Manifestation absolute Ruhe unter ärztlicher Überwachung eingehalten werden. Die Therapie richtet sich nach der klinischen Symptomatik. Bei drohendem Lungenödem sind prophylaktische Glucocorticoid-Inhalationen (z.B. mit Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1) sowie intravenöse Injektionen in hoher Dosierung (z.B. Prednisolon bis 0,5 g) empfehlenswert. Bei klinisch manifestem Lungenödem kommen folgende weitere Maßnahmen in Betracht:
Wegen der vitalen Gefährdung sollte die Beobachtung und Therapie sobald als möglich unter intensivmedizinischen Bedingungen erfolgen und gleichzeitig ein Versuch zur beschleunigten Nickelausscheidung mit Dimercaprol (Sulfactine®) oder besser mit Natriumdiethyldithiocarbamat ("Dithiocarb") unternommen werden.
21 Nitrocellulose
21.1 Zusammensetzung, Verwendung, Eigenschaften
Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Arten von Nitrocellulose (Salpetersäureester der Cellulose):
Nitrocellulose ist leicht löslich in Ether/Alkohol-Gemischen, Ketonen, Estern und, je nach Stickstoffgehalt, in verschiedenen anderen Lösemitteln.
Niedrignitrierte Nitrocellulose, ausreichend angefeuchtet oder plastifiziert, unterliegt
Nicht ausreichend angefeuchtete oder plastifizierte Nitrocellulose ist ein hoch feuergefährlicher, sehr schlag- und reibungsempfindlicher Explosivstoff. Der Umgang mit diesem Stoff ist verboten.
Die Austrocknung, auch die teilweise Austrocknung feuchter Nitrocellulose muss vermieden werden.
Angefeuchtete Nitrocellulose für technische Zwecke wird von deutschen Herstellern aus Sicherheitsgründen stets mit 35 % Anfeuchtungsmittel (z.B. Ethanol oder Isopropylalkohol) geliefert. Mit Wasser angefeuchtet ist auch 70 %ige Nitrocellulose (berechnet trocken) im Handel.
Als Gebinde kommen überwiegend Papptrommeln mit innenliegendem antistatisch ausgerüstetem Innenbeutel aus Kunststoff zum Einsatz.
21.2 Gesundheitsgefahren
Nitrocellulose selbst ist nicht gesundheitsgefährlich.
Gesundheitsgefahren sind jedoch durch die Anfeuchtungsmittel und durch bei Bränden entstehende Verbrennungsprodukte (u.a. nitrose Gase) möglich.
21.3 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Nitrocellulose umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren durch Anfeuchtungsalkohole und Brandgase sowie über Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein. Sie sind über das Verhalten bei Arbeitsunfällen zu unterweisen.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung hat der Betroffene den Gefahrenbereich zu verlassen bzw. ist er aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Gefahrstoffen zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.). Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Eine Gefährdung besteht vor allem durch Einatmen von nitrosen Gasen oder Lösemitteldämpfen.
Nach Einatmen nitroser Gase:
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt.Haut
Hinweise für den Arzt
22 2-Nitropropan
22.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
2-Nitropropan ist eine farblose, wenig wasserlösliche Flüssigkeit mit ätherischem Geruch. Mit organischen Lösemitteln ist die Substanz mischbar.
2-Nitropropan ist als Lösemittel für eine Vielzahl von Stoffen, u.a. für alle gebräuchlichen Lack-Bindemittel auf Vinyl-, Epoxid-, Acryl-, Alkyd-, Polyester-, Nitrocellulose-, Chlorkautschuk-, Polyurethan-Basis, für Wachse und Fette sowie für Farbstoffe, z.B. Druckfarben, geeignet. 5
Die chemischen Reaktionen von 2-Nitropropan werden durch die elektronegative Nitrogruppe bestimmt. Sie aktiviert zum einen das Wasserstoffatom am benachbarten C-Atom, kann aber zum anderen auch zur Aminogruppe reduziert werden. Diese Eigenschaften begründen die Bedeutung von 2-Nitropropan als Ausgangsprodukt für die Herstellung weiterer organischer Verbindungen.
Als entzündliche Flüssigkeit der Gefahrklasse A II (VbF) bildet 2-Nitropropan mit Luft explosionsfähige Dampf/Luft-Gemische.
Bei hohen Temperaturen erfolgt Zersetzung unter Bildung von Kohlenmonoxid und Stickoxiden (nitrose Gase).
Beim Umgang mit 2-Nitropropan ist mit der Bildung elektrostatischer Aufladung zu rechnen.
Beim Kontakt mit starken Oxidationsmitteln (z.B. Peroxide, Nitrate), Aminen und Schwermetalloxiden (z.B. Quecksilber- oder Silberoxid) sind explosionsartige Reaktionen möglich.
Alkali- und Aminsalze von 2-Nitropropan können im trockenen Zustand durch Hitze, Stoß oder Reibung explodieren. Durch Umsetzung mit Säuren gewonnenes aci-Nitropropan kann sich spontan unter Wärmeentwicklung in stabiles Nitropropan umwandeln.
Bei der Reaktion von 2-Nitropropan mit salpetriger Säure bildet sich Propylnitrolsäure, deren Salze in trockenem Zustand ebenfalls explodieren können.
22.2 Verwendung
2-Nitropropan dient als Komponente von Lösemittelgemischen, z.B. für Beschichtungsmittel, Druckfarben und Tinten, zur Einstellung bestimmter Eigenschaften. So wird es z.B. beim elektrostatischen Spritzen zugesetzt, um Viskosität, elektrische Leitfähigkeit, Trocknungszeit und Benetzungsfähigkeit von Pigmenten und Untergrund positiv zu beeinflussen.
2-Nitropropan ist auch Ausgangspunkt bei der Synthese verschiedener organischer Chemikalien.
Als Zusatz zu Dieseltreibstoffen bewirkt 2-Nitropropan eine bessere Verbrennung des Kraftstoffes im Motor.
22.3 Gesundheitsgefahren
2-Nitropropan ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft. Außerdem ist 2-Nitropropan als gesundheitsschädlich eingestuft.
Aufnahmewege
2-Nitropropan wird vor allem durch die Atemwege aufgenommen.
Akute Gesundheitsgefahren
Nach Inhalation von 2-Nitropropan kann je nach Konzentration die im Folgenden beschriebene Symptomatik auftreten:
Bei einer Luftkonzentration von ca. 30 - 300 ppm 2-Nitropropan werden Bindehautreizungen der Augen, Reizungen der Atemwege, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen, Diarrhoe, Kopfschmerzen und Schwindel beschrieben.
Bei höheren Luftkonzentrationen sind jedoch lebensgefährliche Vergiftungserscheinungen mit Lungenödem ohne Latenzzeit, Blutungen, Methämoglobinämie, Unruhe, Lethargie, Bewusstlosigkeit und Verstärkung der Bauchschmerzen zu erwarten. Nach mehrtägiger Latenz können Leber- und Nierenversagen hinzukommen.
Auf Grund der fettlösenden Wirkung von 2-Nitropropan wird beim Einwirken auf die Haut die natürliche fetthaltige Schutzschicht in kurzer Zeit entfernt, so dass die Gefahr des Auftretens von Hauterkrankungen besteht.
Chronische Gesundheitsgefahren
Bei langdauernder Exposition gegenüber niedrigen Konzentrationen können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Koordinationsstörungen sowie Reizungen an Haut und Schleimhaut auftreten.
2-Nitropropan ist in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.
22.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit 2-Nitropropan umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch 2-Nitropropan muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit 2-Nitropropan zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuh, usw.). Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Verschlucken
Hinweise für den Arzt
23 Organische Peroxide
23.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Organische Peroxide sind Verbindungen, die eine an organische Reste gebundene -O-O-Gruppe enthalten. Sie werden deshalb auch als Derivate (Abkömmlinge) des Wasserstoffperoxides aufgefasst, in denen ein oder beide Wasserstoff-Atome durch organische Reste ersetzt sind. Mit Alkylresten ergeben sich Alkylhydroperoxide (ROOH) bzw. Dialkylperoxide (R1OOR2) mit Acylgruppen Persäuren (AcOOH) bzw. Diacylperoxide (AcOOAc). Bei gemischter Substitution entstehen Perester (AcOOR).
Weitere organische Peroxide sind die Peroxid-Derivate von Ketonen und Aldehyden sowie - allerdings nur im weiteren Sinne - die Ozonide
.
Die organischen Peroxide sind, außer Dimethylperoxid, unter normalen Bedingungen (20 °C und 1 bar) flüssige oder feste Substanzen. Bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. einige einfache Alkylhydroperoxide, Persäuren und Wasserstoffperoxid-Adukte einfacher Aldehyde, sind die Peroxide nur wenig oder gar nicht in Wasser, dagegen mehr oder weniger gut in den meisten organischen Lösemitteln löslich.
23.2 Verwendung
Die industriell wichtigste Eigenschaft der organischen Peroxide ist ihr leichter Zerfall in Radikale. Sie werden daher hauptsächlich bei radikalischen Substitutions- oder Kettenreaktionen als Polymerisationskatalysator und Reaktionsinitiator bei der Herstellung und Verarbeitung von Kunststoffen verwendet. Eine wichtige Rolle spielen sie als so genannte Härter bei der Herstellung von Polyesterharzen und Lacken. Auch als Bleich- und Oxidationsmittel finden die Peroxide Verwendung.
Bei der Herstellung und Verwendung organischer Peroxide können infolge ihrer explosiven Eigenschaften schwere Unfälle, wegen ihrer stark ätzenden Wirkung Gesundheitsschäden auftreten.
23.3 Gesundheitsgefahren
Organische Peroxide besitzen im Allgemeinen eine ausgeprägt starke biologische Wirkung auf die Gewebe des menschlichen Körpers. Sie können sowohl in reiner als auch verdünnter Form stark ätzend auf Haut und Schleimhäute, insbesondere der Augen und Atemwege wirken. Schwere Haut- oder Schleimhautdegenerationen können sogar noch durch Dämpfe der stärker wirkenden organischen Peroxide zustande kommen. Darüber hinaus rufen sie ernste Gesundheitsschäden hervor, wenn sie durch Verschlucken in den Körper gelangen.
Besonders gefährdet sind die Augen. Die meisten organischen Peroxide haben eine sofort schädigende (ätzende) Wirkung, durch die die Sehkraft der Augen vernichtet oder zumindest stark herabgesetzt werden kann.
23.4 Erste Hilfe
Augen
Ist organisches Peroxid in die Augen gelangt, so kann nur die sofortige - mindestens 10- bis 15minütige - intensive Spülung des Auges mit viel Wasser in manchen, aber keineswegs in allen Fällen die verheerende Wirkung solcher Stoffe auf das Auge abschwächen.
Das Spülen geschieht am besten am liegenden Verunglückten mit seitwärts gewendetem Kopf, damit das Spülwasser nach außen abfließen kann. Da die Augenlider immer krampfhaft geschlossen gehalten werden, muss man sie kräftig mit Daumen und Zeigefinger weit auseinander halten und dabei die Augen nach allen Seiten bewegen lassen, sonst kann das Wasser nicht in "alle Winkel" eindringen, um die ätzenden Stoffe zu verdünnen und wegzuspülen.
Anschließend den Verletzten in jedem Fall sofort zum Arzt, am besten zum Augenarzt bringen; Ätzstoffe angeben!
Keine Tannin-Lösungen, ölige Lösungen, Emulsionen u.a. verwenden, weil hierdurch die Wirkung des Peroxids noch verstärkt werden kann.
Haut
Mit Peroxid durchsetzte Kleidungsstücke sofort entfernen. Benetzte Hautstellen sofort mit viel Wasser gründlich abspülen und - wie jede andere Wunde auch - keimfrei verbinden.
Inhalation
Keine unnötigen Bewegungen, frische Luft, gegebenenfalls Sauerstoffbeatmung. Sofortigen Transport zum Arzt (Klinik); Ätzstoff angeben!
Verschlucken
Ist organisches Peroxid verschluckt worden, Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen; zusätzlich Medizinalkohle verabreichen. Schnelle ärztliche Hilfe; Ätzstoff angeben!
24 Organozinnverbindungen
24.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Allgemeines
Zinnverbindungen, deren Moleküle mindestens eine Zinn-Kohlenstoff-Bindung enthalten, werden Organozinnverbindungen genannt. Dies sind:
R4Sn Tetraorganozinnverbindungen
R3SnX Triorganozinnverbindungen
R2SnX2 Diorganozinnverbindungen
RSnX3 Monoorganozinnverbindungen,
wobei R Alkyl-, Cycloalkyl-, Carbobutoxyethyl- oder Aryl-Kohlenwasserstoffreste und X anionische Gruppen, wie z.B. Halogen, -OH, -OR', -SH, -SR', -OOCR', -NR2' bedeuten können.
Die Tetraorganozinnverbindungen dienen hauptsächlich als Ausgangsstoffe für die Herstellung von Tri-, Di- und Monoorganozinnverbindungen.
Auf dem Wege der Kocheshkov-Reaktion (Redistribution) lassen sich Tri- oder Diorganozinnverbindungen einfach herstellen.
Monoorganozinnverbindungen sind auf diese Weise nur im Gemisch mit Diorganozinnverbindungen herstellbar:
| 3 R4Sn + SnCI4 | > 4 R3SnCI |
| R4Sn + SnCI4 | > 2 R2SnCI2 |
| R4Sn + 2 SnCI4 | > R2SnCI2 + 2 RSnCI3 |
Die Reaktion R4Sn + 3 SnCI4 > 4 RSnCI3 gelingt nur mit besonderen Gruppen R (z.B. Vinyl, Phenyl) und besitzt keine praktische Bedeutung.
Die Anzahl der am Zinn gebundenen Substituenten R hat einen entscheidenden Einfluss auf die Eigenschaften der einzelnen Verbindungen. So nimmt z.B. für Verbindungen mit X = Halogen in der Reihenfolge
R3SnX > R2SnX2 > RSnX3
die Löslichkeit in organischen Lösemitteln ab und die Löslichkeit in Wasser zu, wobei Hydrolyse erfolgt.
Während die Verbindungen vom Typ R4Sn den Paraffinen ähneln, zeigen die niederen Alkylzinntrihalogenide in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften große Ähnlichkeit mit den Zinntetrahalogeniden.
Triorganozinnhydroxide sind Basen, die Wasser abspalten können und dabei Distannoxane (R3Sn)2O bilden.
Dialkylzinnoxide sind in Wasser und den meisten organischen Lösemitteln nicht lösliche oligomere Stoffe mit schwach basischem Charakter. Die Alkylstannonsäuren können wasserlösliche Alkalisalze bilden.
Thermische Beständigkeit
Organozinnverbindungen sind gegenüber thermischen Belastungen bemerkenswert stabil. Bei Ausschluss von Sauerstoff setzt erst bei Temperaturen von über 200 °C eine langsame thermische Zersetzung unter Abspaltung von Kohlenwasserstoffgruppen ein. Endprodukte der Zersetzung sind anorganische Zinnverbindungen.
Organozinnverbindungen sind brennbar, aber nicht selbstentzündlich. Feste Organozinnverbindungen können, sofern sie in feinverteilter Form vorliegen, unter bestimmten Bedingungen zu einer Staubexplosion führen.
Beim Erhitzen von Organozinnverbindungen mit konzentrierten Säuren oder Alkalien werden ebenfalls die am Zinnatom gebundenen Kohlenwasserstoffreste abgespalten.
Verhalten gegenüber Umwelteinflüssen
Unter dem Einfluss verschiedener Faktoren wie Licht, Sauerstoff, besonders aber durch bestimmte Mikroorganismen werden Organozinnverbindungen relativ schnell zu anorganischen Zinnverbindungen abgebaut.
Der Abbau wird im Boden in erster Linie durch Mikroorganismen, im Wasser teilweise auch durch UV-Licht herbeigeführt.
Verhalten gegenüber anderen Stoffen
Organozinnverbindungen sind gegenüber den meisten Chemikalien bemerkenswert stabil; durch starke Oxidationsmittel, wie z.B. Kaliumpermanganat, werden sie zu anorganischen Zinnverbindungen abgebaut.
24.2 Verwendung
Tetraorganozinnverbindungen dienen hauptsächlich als Zwischenprodukte zur Herstellung von Mono-, Di- und Triorganozinnverbindungen.
Triorganozinnverbindungen werden verwendet als Biozide gegen die verschiedensten Mikroorganismen wie Milben, Pilze, Bakterien und Algen. Dies sind vorwiegend Tributyl-, Triphenyl- und Tricyclohexylzinnverbindungen.
Im Einzelnen sind folgende Einsatzbereiche bekannt:
Diorganozinnverbindungen werden verwendet als
Monoorganozinnverbindungen werden verwendet als
24.3 Gesundheitsgefahren
Aufnahmewege
Organozinnverbindungen, vor allem die technisch wichtigen Tributylzinnverbindungen, können als Dämpfe, Flüssigaerosole oder Stäube durch die Atemwege aufgenommen werden und eine erhebliche Toxizität zeigen. Der Luftgrenzwert für alle organischen Zinnverbindungen beträgt 0,05 mg/m3 (bezogen auf Zinn). Dieser Wert wird jedoch wegen des niedrigen Dampfdruckes der technisch verwendeten Organozinnverbindungen vermutlich nicht erreicht, wenn diese bei Zimmertemperatur verarbeitet und nicht versprüht werden und wenn eine Staubbildung vermieden wird. Die TRGS 900 weist mit dem Symbol "H" auf die Gefahr der Hautresorption hin. Auch durch Verschlucken oder über die Haut aufgenommene Organozinnverbindungen können Vergiftungen verursachen. Bei Hautkontakt stehen jedoch wegen der relativ geringen Penetration meist lokale Reaktionen im Vordergrund.
Wirkungsweise
Triethyl- und Trimethylzinnverbindungen sind starke Nervengifte und verursachen, sowohl als Folge akuter als auch chronischer Expositionen, ein Ödem der weißen Hirnsubstanz bzw. eine Schädigung von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen.
Tetraalkylzinnverbindungen können im Organismus zunächst zu den Trialkylzinnverbindungen desalkyliert werden. Dieser Vorgang läuft mit zunehmender Kettenlänge langsamer ab. Tributylzinnverbindungen werden in der Leber teilweise bis zu anorganischem Zinn abgebaut.
Nach oraler Aufnahme von Tributylzinnoxid wird dieses nur zu etwa 20 % aus Magen und Darm aufgenommen. Dioctylzinnverbindungen werden zu einem noch erheblich geringeren Anteil resorbiert. Die Ausscheidung der organischen Zinnverbindungen erfolgt über Urin und Kot. Verschiedene Organozinnverbindungen (besonders Dialkylund Trialkylzinnverbindungen) haben im Tierversuch eine schädigende, jedoch vollständig reversible Wirkung auf das lymphatische System angezeigt.
Einwirkung auf die Haut und Augen, Sensibilisierung
Die kurzkettigen R2SnX2- und besonders R3SnX-Verbindungen, z.B. Tributylzinnverbindungen, können massive Haut- und Schleimhautschäden bis zum Absterben des Gewebes (so genannte Nekrosen) hervorrufen. Ein Sensibilisierungsrisiko durch Organozinnverbindungen konnte bisher nicht festgestellt werden.
Mutagenität und Karzinogenität
Nach den bisher durchgeführten Untersuchungen zur Mutagenität und Karzinogenität von Organozinnverbindungen lässt sich noch keine eindeutige Aussage zum Karzinogenitätsrisiko dieser Substanzen machen.
Die Ergebnisse der Studien zur Frage der Mutagenität weisen darauf hin, dass Organozinnverbindungen keine erbschädigende Wirkung auf den Organismus ausüben.
Während ältere Karzinogenitätsstudien keinerlei Hinweise auf Tumorbildung beim Versuchstier erbrachten, ergaben neue Studien Befunde in Tierversuchen bei hohen Dosen, die weit über den am Arbeitsplatz zu erwartenden Konzentrationen lagen.
Akute Toxizität
Die akute Toxizität von Organozinnverbindungen der Reihen R4Sn, R3SnX, R2SnX2 und RSnX3 hängt sehr stark von der Art der Substituenten R ab. Sie ist wesentlich weniger abhängig von der Art der nicht über Zinn-Kohlenstoff-Bindung verknüpften Reste X. Diese Aussagen gelten nicht nur hinsichtlich der Wirkungsart, sondern auch hinsichtlich der Wirkungsstärke. Zur Beurteilung der akuten Toxizität können LD 50-Werte herangezogen werden.
Bei Verbindungen mit unterschiedlicher Zahl von Substituenten R gleicher Kettenlänge zeigen in der Regel die Trialkylzinnverbindungen die höchste orale Toxizität. Die Tetraalkylzinnverbindungen sind selbst weitgehend biologisch wirkungslos und bedürfen der metabolischen Umwandlung zu den Trialkylzinn-Derivaten. Monoalkylzinnverbindungen erweisen sich im Allgemeinen als wenig toxisch.
In der Reihe der Trialkylzinnverbindungen nimmt die akute orale Giftigkeit mit steigender Kettenlänge des Restes R sehr stark ab:
| LD 50, oral, Ratte | ||
| Beispiele: | Trimethylzinnchlorid | 8,5 mg/kg |
| Tributylzinnchlorid | 122 mg/kg | |
| Trioctylzinnchlorid | > 29.000 mg/kg |
Die akute Giftwirkung von Tributylzinnverbindungen ändert sich dagegen durch unterschiedliche Reste X nicht wesentlich (z.B. Tributylzinnfluorid, LD 50, Ratte = 94 mg/kg; Tributylzinnnaphthenat LD 50, oral, Ratte = 224 mg/kg).
24.4 Erste Hilfe
Alle Personen, die mit Organozinnverbindungen umgehen, müssen über die Erste-Hilfe Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Organozinnverbindungen muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit den Stoffen zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Verschlucken
Hinweise für den Arzt
25 Ozon
25.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Ozon liegt bei allen technischen Anwendungen nur in verdünnter Form vor, entweder als Ozon-Sauerstoff- oder als Ozon-Luftgemisch.
Ozon ist nicht brennbar, jedoch je nach Konzentration in hohem Maß brandfördernd.
Als eines der stärksten Oxidationsmittel ist Ozon sehr reaktionsfähig.
Ozon löst sich in Wasser und in organischen Lösemitteln.
Ozon ist nicht beständig und zerfällt zu Sauerstoff. Die Geschwindigkeit des Zerfalls hängt ab von Konzentration, Temperatur und katalytisch wirkenden Stoffen. Bei Raumtemperatur liegt die Halbwertszeit bei 20 bis 100 Stunden, bei 300 °C nur noch im Bereich von Sekunden. Von dieser Eigenschaft wird beim thermischen Ozonabbau Gebrauch gemacht.
In wässrigen Lösungen steigt die Zersetzungsgeschwindigkeit mit dem pH-Wert an, nimmt jedoch in stark alkalischen Lösungen wieder ab. Von Einfluss ist auch die Art der gelösten Alkalien. Bicarbonate in wässriger Lösung wirken z.B. stabilisierend.
Die Ozonzersetzung wird katalysiert durch Spuren von Stickstoffoxiden, Chlor, Metallen und Metalloxiden.
25.2 Verwendung
Technisch erzeugtes Ozon wird z.B. verwendet für
25.3 Gesundheitsgefahren
In der TRGS 905 "Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe" ist Ozon in die Kategorie K3 "Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung auf den Menschen Anlass zur Besorgnis geben" eingestuft. Der Luftgrenzwert beträgt derzeit 0,1 ml/m3 bzw. 0,2 mg/m3, Spitzenbegrenzung: Überschreitungsfaktor =1=.
Aufnahme und Wirkungsweise
Ozon gelangt über die Atemwege in den Körper und kann auf Grund seiner relativ geringen Wasserlöslichkeit in die tiefen Abschnitte der Lunge eindringen. Eingeatmetes Ozon wird zu etwa 50 % von der Lunge aufgenommen. Die Menge des aufgenommenen Ozons hängt jedoch sehr stark vom Atemvolumen und dieses wiederum von der körperlichen Aktivität ab. Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel, das mit allen biologischen Systemen reagiert.
Die Augen und die Schleimhäute des Atemtraktes werden bei einer Exposition gegen Ozon stark gereizt.
Es gibt Hinweise, dass die akuten Effekte in der Lunge durch die direkte Reaktion von Ozon zustande kommen, während subakute, subchronische und chronische Effekte durch Folgereaktionen wie Entzündungsphänomene verursacht werden.
Nach wiederholter täglicher Exposition gegen niedrige Ozonkonzentrationen kann nach mehreren Tagen eine Anpassung eintreten (Induktion von Schutzmechanismen). Diese betrifft vor allem funktionelle Veränderungen der Lunge; ob auch die anderen Veränderungen der Lunge beim Menschen der Anpassung unterliegen, ist bislang nicht sicher geklärt.
Akute Gesundheitsgefahren
Ab einer Ozonkonzentration von etwa 200 μg/m3 werden subjektive Beschwerden wie Husten, Kopfschmerzen und Atemnot angegeben. Subjektiv werden die irritativtoxischen Wirkungen von Ozon als
wahrgenommen.
Menschen mit allergischer Rhinitis zeigen eine höhere Empfindlichkeit gegen Ozon, bei Asthmatikern wurden nach Ozoninhalation verstärkt allergische Reaktionen beobachtet.
Besonders schwere Schädigungen der Bronchialschleimhaut werden durch die Kombination von Ozon und Tabakrauch verursacht.
Nach längerer Inhalation von Konzentrationen über 2 ppm entsteht eine typische Reizgasvergiftung durch direkte Schädigung der alveolaren Lungenkapillaren bis hin zum tödlichen Lungenödem.
Flüssiges Ozon kann Erfrierungen verursachen. Bei ozondurchsetzter Kleidung ist eine erhöhte Brandgefährdung zu beachten.
Chronische Gesundheitsgefahren
Bei längerer Exposition gegen Ozon kommt es zu Veränderungen in den Zellen des Atemtraktes (Degeneration, Hyperplasie und fibröse Veränderungen der Lunge). Andere Organe als die Atemwege sind erst bei extrem hohen Konzentrationen betroffen.
Es gibt für die kumulativen Lungenschädigungen bislang noch keinen gesicherten Schwellenwert und es ist noch nicht geklärt, welche der Lungenveränderungen rückbildungsfähig sind. Ozon-Konzentrationen (ab 1000 μg/m3) führen zu bleibenden Lungenveränderungen.
Bei hohen Ozon-Konzentrationen und nach Langzeitexposition wurden in Tierversuchen gutartige und bösartige Neubildungen (Adenome und Karzinome) der Lunge beobachtet. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Ozon ein krebserzeugendes Potenzial besitzt. Auch eine Tumor fördernde Wirkung wird diskutiert.
Ozon ist bei Experimenten außerhalb des lebenden Körpers (in vitro) erbgutschädigend. Bei Experimenten im lebenden Körper (in vivo) ist eine solche Wirkung nicht eindeutig nachgewiesen.
25.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Ozon umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Ozon muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Ozon zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt. Richtige Handhabung beachten (Kopfhaltung, Ein- und Ausatmungsphase)!
Haut
Hinweise für den Arzt
Ein toxisches Lungenödem kann noch nach vielen Stunden auftreten. Folgende Maßnahmen sind daher in Abhängigkeit von der Beschwerdesymptomatik erforderlich:
Bei klinisch manifestem Lungenödem kann die Gabe von Sauerstoff, Glucocorticoiden, Bronchodilatatoren, Antitussiva, Sedativa, Herzglykosiden und Antibiotika (Pneumonieprophylaxe) sinnvoll sein.
26 Phenol, Kresole und Xylenole
26.1 Physikalische Eigenschaften
Phenol kristallisiert in farblosen Nadeln, die sich an Luft allmählich rot färben und zerfließen. Der Schmelzpunkt wird durch Wasser stark abgesenkt (2 % Wasser: 33 °C; 6 % Wasser: 20 °C). Phenol ist unbegrenzt mischbar mit Ethanol, Diethylether sowie Wasser bei Temperaturen über 65,3 °C. Unterhalb 65,3 °C weist das System Phenol/Wasser eine Mischungs-Lücke auf. Wässrige Lösungen reagieren schwach sauer.
Kresole sind in reinem Zustand farblose kristallisierende Verbindungen, die sich nach einiger Zeit gelb bis braun verfärben. Kresole sind leicht löslich in Ethanol und Diethylether. In Wasser von 25 °C lösen sich ca. 2 %.
Xylenole sind farblose kristallisierende Verbindungen. Sie lösen sich in Ethanol. Die Wasserlöslichkeit ist geringer als die der Kresole.
Phenol, Kresole und Xylenole machen sich durch einen stechenden Geruch bemerkbar. Dieser Geruch fehlt bei den leicht wasserlöslichen Alkalisalzen des Phenols!
Phenol und Kresole machen sich in der Regel bereits unterhalb des Luftgrenzwertes durch ihren intensiven Geruch bemerkbar.
26.2 Verwendung
Phenol, Kresole und Xylenole sind wichtige Ausgangsprodukte bei der Herstellung von Kunststoffen, Gerb- und Farbstoffen, Desinfektionsmitteln, Insektiziden, Herbiziden, Riechstoffen usw.
26.3 Gesundheitsgefahren
Phenol, Kresole und Xylenole wirken ätzend. Auf der Haut erzeugen diese Stoffe weiße, später braunschwarz verfärbte Gewebezerstörungen. Nach anfänglichem Brennen tritt lokale Gefühllosigkeit der Haut ein. Es besteht die Gefahr, dass benetzte Stellen nicht genügend beachtet werden. Auch verdünnte Lösungen der genannten Stoffe führen bei wiederholter Berührung mit der Haut zu Verätzungen mit den beschriebenen Folgen.
Die Stoffe werden insbesondere in flüssiger oder verdünnter (gelöster) Form durch die Haut aufgenommen. Dabei treten Vergiftungen durch Aufnahme (Resorption) auch durch unverletzte Haut auf. Selbst die Benetzung verhältnismäßig kleiner Hautflächen, etwa einer Hand oder eines Armes, mit Phenol oder Kresolen kann zu schweren Gesundheitsschäden, u.U. sogar mit tödlichem Ausgang, führen.
Auch das Einatmen von Dämpfen oder Stäuben oder das Verschlucken dieser Stoffe kann zu Vergiftungen führen.
Anzeichen einer Vergiftung sind: Geruch der Atemluft nach Phenol und blaugrüne Verfärbung des Urins. Folgeerscheinungen sind je nach Schweregrad: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Tod.
Auch Überempfindlichkeitsreaktionen sind beschrieben worden.
26.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Phenol, Kresolen und Xylenolen umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Phenol, Kresole und Xylenole muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Phenol, Kresolen und Xylenolen zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, ist eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Verschlucken
Weitere ärztliche Versorgung
Da die jeweils resorbierte Menge des Phenols schwer abzuschätzen ist und schon nach verhältnismäßig wenig ausgedehnten Benetzungen schwerste Erkrankungen und Todesfälle erfolgt sind, sollte jede Einwirkung von Phenol, Kresolen und Xylenolen zunächst als ein ernstes Krankheitsbild angesehen werden.
Nach der Dekontaminierung der Haut (siehe unter "Ergänzende allgemeine Informationen") steht die Überwachung von Atmung und Kreislauf bei gleichzeitiger Schock- und evtl. Schmerzbekämpfung an erster Stelle.
Je nach Ausdehnung der Verätzung ist die Erhaltung des intravenösen Zuganges, z.B. mittels Infusion, von Bedeutung.
Eine parenterale Zufuhr von alkalischen Pufferlösungen ist nur unter fortlaufender Überwachung des Säure-Basen-Haushaltes durchführbar. In Abhängigkeit von der vermutlich aufgenommenen Phenol-Menge ist eine vier- bis achtstündige Überwachung auf beginnende Schädigungen des zentralen Nervensystems, der Kreislauffunktion, der Leber und der Nieren mit Haematurie, Proteinurie, Oligurie, später Anurie und Uraemie, bedeutsam. Derartige Komplikationen erfordern in der Regel eine intensivmedizinische Überwachung.
Ergänzende allgemeine Informationen
Die Einwirkung von Phenolen auf die Hautoberfläche führt in Abhängigkeit von der Art des Phenols zu einer
Dabei ist die Schädigung durch perkutane Aufnahme in der Regel erheblich schwerwiegender als die Hautverätzung.
Da die Aufnahme von Phenolen durch die Hautoberfläche schnell erfolgt, ist bei allen Maßnahmen zur Ersten Hilfe eine rasche Entfernung des Phenols von entscheidender Bedeutung.
Für das Entfernen von Phenolen von der Hautoberfläche werden zurzeit drei Behandlungsmethoden eingesetzt:
Praktische Erfahrungen und experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass für praktisch alle Phenole mit der ersten Methode, dem Abspülen mit einer Mischung von Polyethylenglykol 300 und Ethanol, die besten Ergebnisse zu erzielen sind. Soweit es sich um nicht chlorierte Kresole und Phenole handelt, kann auch Polyethylenglykol 400 erfolgreich eingesetzt werden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass bei höher substituierten Phenolen die Mischung Polyethylenglykol 300/Ethanol eine bessere Wirkung hat als das Polyethylenglykol 400.
Wasser sollte nur dann eingesetzt werden, wenn die anderen Stoffe nicht zur Verfügung stehen.
Wesentlich ist, dass die Haut abgespült wird. Ein Abreiben mit einem getränkten Wattebausch ist nicht zweckmäßig, da die Gefahr besteht, dass das Phenol einmassiert und damit noch schneller aufgenommen wird.
27 Phosgen
27.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Phosgen ist sehr giftig und nicht brennbar.
Bei Normaldruck liegt es bei Temperaturen unter 7,5 °C als Flüssigkeit vor. Auslaufendes flüssiges Phosgen verdampft sehr schnell und kühlt sich dabei stark ab.
Phosgen besitzt einen charakteristischen Geruch. Die Geruchsschwelle liegt bei 0,5 bis 1,5 ml/m3 und damit oberhalb des Luftgrenzwertes.
Phosgen beginnt bei Temperaturen über 200 °C zu Kohlenmonoxid und Chlor zu zerfallen (temperaturabhängige Gleichgewichtsreaktion). Oberhalb von 800 °C liegt praktisch kein Phosgen mehr vor.
Phosgen ist leicht löslich in vielen organischen Lösemitteln; flüssiges Phosgen ist selbst ein gutes Lösemittel für eine große Zahl organischer Stoffe. Von anorganischen Stoffen löst Phosgen Halogene und einzelne Halogenide.
Mit Wasser reagiert Phosgen in der Kälte langsam, mit steigender Temperatur schneller unter Bildung von Kohlendioxid und Salzsäure. Wegen der Bildung von Salzsäure wirkt Phosgen in Gegenwart von Wasser oder Luftfeuchtigkeit stark korrodierend.
Phosgen ist sehr reaktionsfreudig und setzt sich mit vielen Stoffen um. Exotherme Reaktionen sind z.B. möglich mit Ammoniak, Aminen und Alkoholen.
27.2 Verwendung, Vorkommen
Verwendung
Phosgen ist ein bedeutender Ausgangsstoff für die Herstellung von Zwischen- und Endprodukten in vielen Bereichen der chemischen Industrie.
Es wird verwendet zur Herstellung von Isocyanaten, Polycarbonaten, Chlorameisensäureestern, Farbstoffen, Herbiziden und Insektiziden sowie im Laborbereich zur Chlorierung, Dehydratisierung und zur Einführung der CO-Gruppe.
Vorkommen
Phosgen bildet sich bei der Zersetzung von chlorierten organischen Verbindungen (auch wenn sie stabilisiert sind) und deren Dämpfen bevorzugt an heißen oder glühenden Teilen und offenen Flammen, z.B. beim Schweißen. Unter der Einwirkung von Licht entwickeln sich auch bei Raumtemperatur aus chlorierten organischen Verbindungen geringe Mengen Phosgen. Zu diesen Verbindungen gehören z.B. Trichlorethen ("Tri"), Tetrachlorkohlenstoff ("Tetra"), Trichlorethan, Methylenchlorid und Chloroform.
27.3 Gesundheitsgefahren
Aufnahme und Wirkungsweise
Die Aufnahme von Phosgen in den Körper findet durch Inhalation statt. Die Geruchswahrnehmungsschwelle liegt bei 0,4 ppm, die Geruchserkennungsschwelle bei 1,5 ppm, es werden hierbei jedoch erhebliche individuelle Schwankungen beobachtet.
Die schnelle und irreversible Reaktion von Phosgen mit Aminosäuren und zahlreichen Enzymen der Blut-Luft-Schranke wird als entscheidender Wirkungsmechanismus angesehen. Auf die Weise werden unter anderem lebenswichtige Stoffwechselvorgänge blockiert.
Bei höheren Konzentrationen von Phosgen (> 3 ppm) wird durch Hydrolyse an den Schleimhäuten der Augen und der oberen Atemwege Salzsäure freigesetzt.
Bei einer Exposition gegenüber extrem hohen Konzentrationen wird die Blut-Luft-Schranke der Lunge durchdrungen. Hier tritt innerhalb weniger Minuten infolge einer Verstopfung der Lungenkapillaren durch Hämolyse und Hämatinbildung der Tod ein.
Akute Gesundheitsgefahren
Phosgen ist sehr giftig beim Einatmen und verursacht Verätzungen. Je nach Konzentration bzw. Dosis des inhalierten Phosgens ergeben sich verschiedene akute Symptome:
Bei Phosgenkonzentrationen > 3 ml/m3 (ppm) zeigen sich Reizungen an Augen und oberem Atemtrakt.
Beim Menschen sind keine Krankheitszeichen oder Lungenfunktionsstörungen nach akuten Expositionen bis etwa 50 ml * min/m3 beobachtet werden.
Nach Expositionsdosen zwischen 50 und 150 ml * min/m3 kann nach einer Latenzzeit von 8 bis 24 Stunden ein leichtes Lungenödem mit Atemnot, Blausucht, zunehmendem Auswurf und Rasselgeräuschen über der Lunge entstehen. Ist die Dosis höher, so verkürzt sich die Latenzzeit und die Schwere des Lungenödems nimmt zu.
Nach Inhalationsdosen über 400 ml * min/m3 besteht Lebensgefahr!
Sehr hohe Phosgenkonzentrationen > 10000 ml/m3 (ppm) führen innerhalb weniger Minuten zum Tod.
Nach einem phosgenbedingten Lungenödem kommt es häufig zu einer Lungenentzündung. Bisweilen werden Spätfolgen wie chronische Bronchitis, Störungen der Lungenfunktion oder neurasthenische Beschwerden (mit Atemnot und Schweißneigung bei geringen körperlichen Anstrengungen) sowie Nervenlähmungen beobachtet.
In einzelnen Studien wird auch über vollständige Genesungen im Verlauf von Monaten und Jahren nach einer Vergiftung berichtet.
Häufig besteht jedoch kein Zusammenhang zwischen der Schwere der ursprünglichen Vergiftung und späteren Folgeerscheinungen.
Chronische Gesundheitsgefahren
Bei chronischer Exposition gegenüber Phosgen bei Arbeitsplatzkonzentrationen unterhalb des MAK-Wertes [0,1 ml/m3 (ppm)] konnten bislang keine Gesundheitsschäden festgestellt werden.
Epidemiologische Untersuchungen haben keinen Anhalt für Lungenveränderungen bei Langzeitexpositionen bis zu 0,5 ml/m3 (ppm) ergeben.
Phosgen hat sich als nichtmutagen erwiesen.
27.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Phosgen umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Phosgen muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Phosgen zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt. Richtige Handhabung beachten (Kopfhaltung, Ein- und Ausatmungsphase)!
Haut
Hinweise für den Arzt
Die Therapie sollte sich an der mutmaßlichen Inhalationsdosis orientieren. Mit Hilfe von Phosgen-Indikator-Plaketten ist eine Abschätzung der Expositionsdosis möglich; von dieser kann auf Grund anamnestischer Angaben (Atmung während der Inhalation; eventueller Atemschutz) auf die Inhalationsdosis geschlossen werden. Wenn keine Indikator-Plaketten getragen wurden, kann man versuchen, anhand des Initialbefundes die inhalierte Dosis abzuschätzen: Initiale vorübergehende Reizerscheinungen an den Schleimhäuten von Augen und oberen Luftwegen lassen höhere Phosgenkonzentrationen und damit auch höhere Inhalationsdosen vermuten. Frühzeitige Therapie ist in diesen Fällen besonders wichtig (s.u.).
Ein toxisches Lungenödem kann noch nach vielen Stunden auftreten. Folgende Maßnahmen sind daher in Abhängigkeit von der Beschwerdesymptomatik erforderlich:
Bei klinisch manifestem Lungenödem kann die Gabe von Sauerstoff, Glucocorticoiden, Bronchodilatatoren, Antitussiva, Sedativa, Herzglykosiden und Antibiotika (Pneumonieprophylaxe) sinnvoll sein.
In Betrieben, in denen Phosgen-Indikator-Plaketten eingeführt sind, wird dem Arzt folgendes Vorgehen empfohlen: Nach Expositionsdosen zwischen 50 und 150 ppm * min sind nur vorübergehende Störungen der Blut-Luft-Schranke zu erwarten. Hier genügt neben der klinischen Überwachung die Inhalation eines glucocorticoidhaltigen Dosieraerosols (z.B. Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1), sowie eventuell die Gabe von Prednisolon i.v. (0,25 bis 1 g). Bei Inhalationsdosen über 150 ppm * min ist ein klinisch manifestes Lungenödem nach entsprechender Latenzzeit zu befürchten; hier ist die alleinige Gabe eines Kortison-Dosieraerosols nicht ausreichend, es ist zusätzlich die Gabe von i.v.-Prednisolon (0,5 bis 1 g) erforderlich. In Abhängigkeit vom klinischen Verlauf ist eine weitere intensivmedizinische Betreuung, gegebenenfalls mit Überdruckbeatmung (PEEP o.Ä.) notwendig. Nach Inhalationsdosen über 400 ppm * min besteht Lebensgefahr. Hier sollten neben der sofortigen intravenösen Prednisolon-Gabe (1 g) eine frühzeitige intensivmedizinische Überwachung und Behandlung (Überdruckbeatmung) erfolgen. Im Einzelfall können zusätzlich die oben genannten symptomatischen Maßnahmen nötig werden.
28 Phthalsäureanhydrid und Maleinsäureanhydrid
28.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Phthalsäureanhydrid (PSA) bildet lange, weiße, nadelförmige Kristalle. Es wird meist schuppenförmig (gewalzt) in Säcken oder flüssig (heiß) in Tankwagen geliefert. Maleinsäureanhydrid (MSA) liegt ebenfalls in Form weißer Nadeln vor. Es wird in Säcken pastillenförmig oder in Tankwagen flüssig geliefert. Maleinsäureanhydrid, wie auch Phthalsäureanhydrid sind brennbar und - im geeigneten Verhältnis mit Luft gemischt - explosionsfähig.
28.2 Verwendung
Maleinsäureanhydrid und Phthalsäureanhydrid sind Ausgangsmaterialien für Lackrohstoffe (Alkydharze, Phthalatharze, Maleinatharze), Polyesterharze und Weichmacher. Weiterhin werden sie u.a. zu Farbstoffen, Gerbmitteln und Pharmazeutika verarbeitet.
28.3 Gesundheitsgefahren
Phthalsäureanhydrid (PSA)
Phthalsäureanhydrid wirkt auf das Körpergewebe lokal reizend, ähnlich wie Salicyl- oder Benzoesäure. Besondere Reizwirkungen treten auf feuchter Haut, in den oberen Luftwegen und in den Augen auf.
Die im Rohprodukt enthaltenen Verunreinigungen Maleinsäureanhydrid und - bei der Herstellung aus Naphthalin - Naphthochinon können stärkere Reizungen verursachen. Naphthochinon kann sehr unangenehme Ekzeme hervorrufen.
Phthalsäureanhydrid ruft auf trockener Haut keine Rötungen hervor. Erst durch Zutritt von Feuchtigkeit wird es zu Phthalsäure hydrolysiert, die dann nach längerer Einwirkung infolge Verätzung Blasen auf der Haut verursacht, welche zum Abschuppen der Haut führen. In der Arbeitskleidung, in Schuhen und Schutzhandschuhen längere Zeit haftendes Phthalsäureanhydrid führt zu schweren Verätzungen.
In hohen Konzentration verursacht der Staub oder Dampf von Phthalsäureanhydrid schwere Entzündungen der Binde- und Hornhaut der Augen.
Die beim Einatmen des Staubes oder Dampfes auftretende Reizwirkung kann bei Asthmatikern Bronchial-Asthma auslösen, deshalb dürfen Asthmatiker in solchen Räumen nicht beschäftigt werden. Personen, die bei Arbeitsaufnahme in anderer Weise überempfindlich auf Phthalsäureanhydrid-Staub oder -Dampf reagieren (Hautreize) müssen diese Arbeit wieder aufgeben.
Maleinsäureanhydrid (MSA)
Für Maleinsäureanhydrid gilt sinngemäß das für Phthalsäureanhydrid Erwähnte. Maleinsäureanhydrid ist darüber hinaus gesundheitsschädlich. Wie bereits eingangs erwähnt, ist Maleinsäureanhydrid wesentlich stärker reizend als Phthalsäureanhydrid. Die Reizung insbesondere der Augenschleimhäute kann sensibilisierend wirken. Das kann unter Umständen für die Beschäftigten einen Arbeitsplatzwechsel erforderlich machen.
Eine Reizwirkung durch Maleinsäureanhydrid tritt bereits ab einer Luftkonzentration von 1 mg/m3 auf. Die Einwirkung kann zu Nasenbluten, bronchialer Reizung und Atemnot führen. Weiterhin kann es zu Übelkeit, Erbrechen sowie zu Kopf- und Magenschmerzen kommen. Starke Einwirkung verursacht Nierenschäden und Lungenödem.
28.4 Erste Hilfe
Haut
Augen
Atmungsorgane
Verdauungsorgane
29 Quecksilber und seine Verbindungen
29.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Quecksilber ist bei Normalbedingungen ein flüssiges, silbrig glänzendes Metall. An feuchter Luft überzieht es sich allmählich mit einer dünnen Oxidschicht.
Die Oberflächenspannung ist 6mal so groß wie die des Wassers.
In luftfreier Salzsäure und verdünnter Schwefelsäure löst sich Quecksilber nicht. In oxidierenden Säuren (Salpetersäure, Königswasser usw.) sowie in heißer konzentrierter Salzsäure und Schwefelsäure ist es dagegen gut löslich.
Viele Metalle - außer z.B. Eisen - lösen sich in Quecksilber in begrenzter Menge, bauen es in erheblicher Menge in ihr Kristallgitter ein oder bilden intermetallische Phasen (Amalgame).
29.2 Verwendung, Verwendungsbeschränkungen
Verwendung
Quecksilber findet weitgehend Verwendung in physikalischen und elektrotechnischen Mess- und Regelgeräten, in der Vakuumtechnik, als Sperrflüssigkeit und Wärmeübertragungsmedium. Es dient u.a. zur Füllung von Thermometern, Manometern. Pumpen, Gleichrichtern, Unterbrechern, Batterien, Leuchtstoffröhren. In der chemischen Technik werden größere Mengen bei katalytischen elektrochemischen Prozessen (flüssige Kathode in Chloralkali- und Gallium-Elektrolyse) sowie zur Herstellung von Quecksilberverbindungen, Alkoholaten und Amalgamen benötigt. Dazu gehören auch die metallurgischen Anreicherungs-Verfahren für Gold und Silber aus Erzen. In der Zahnmedizin wird Quecksilber zur Herstellung von Amalgamfüllungen nach Anmischen mit Silber-Zinn-Kupfer-Legierungspulvern verwendet.
Quecksilberverbindungen dienen als Holzschutzmittel, desinfizierende Anstrichstoffe, Konservierungs- und Saatbeizmittel, Insektizide und Fungizide, Beizen in der Textil-, Pelz- und Haarfilzindustrie, Sterilisierungsmittel für medizinische Instrumente. Sie sind ferner Bestandteil von Arzneimitteln (stark eingeschränkt), Initialzündmassen und pyrotechnischen Gegenständen.
Verwendungsbeschränkungen
Nach Anhang IV Nr. 5 der Gefahrstoffverordnung dürfen Antifoulingfarben, die Quecksilberverbindungen enthalten, nicht verwendet werden.
Nach Anhang IV Nr. 7 der Gefahrstoffverordnung dürfen Gefahrstoffe, die Quecksilberverbindungen enthalten, nicht verwendet werden
29.3 Gesundheitsgefahren
Die Sättigungskonzentration von Quecksilber in Luft liegt bereits bei Normalbedingungen weit über dem Luftgrenzwert.
Aufnahmewege
Quecksilber und seine Verbindungen werden als Dämpfe oder Stäube durch die Atemwege aufgenommen. Eine Reihe flüssiger organischer Quecksilberverbindungen können auch durch die Haut aufgenommen werden.
Wirkungsweise
Quecksilber und seine Verbindungen schädigen bestimmte Regionen des Zentralnervensystems. Weiterhin beeinträchtigen sie die Wirkung der Biokatalysatoren (Enzyme). Organische Quecksilberverbindungen können im Körper gespeichert werden und dadurch zu Langzeitwirkungen führen.
Krankheitsbild
Die nachfolgend aufgezählten Symptome treten nicht immer auf. Ob sie vorkommen und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt von der im Körper befindlichen Konzentration des Quecksilbers und seiner Verbindungen ab.
Akute Vergiftung
Die Initialsymptome sind - wie bei vielen Schwermetallvergiftungen - je nach Verbindung und Aufnahmeort verschieden.
Bei Verschlucken von Sublimatlösung steht die Ätzwirkung im Vordergrund.
Eingeatmete Dämpfe führen nach unterschiedliche langer Latenzzeit zu Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen; häufig kombiniert mit Darmkoliken. In wenigen Stunden setzt vermehrtes Wasserlassen ein. In schweren Fällen Harnvergiftung. Wird diese Urämie überlebt, gesellen sich in aller Regel massive Dickdarmentzündungen hinzu. Zusammen mit dieser Colitis entwickelt sich eine Mundhöhlenentzündung mit vermehrtem Speichelfluss und Schleimhautgeschwüren. Lockerung und Verlust von Zähnen werden gelegentlich beobachtet.
Chronische Vergiftung
Die chronische Vergiftung kann durch eine initiale Vorphase eingeleitet werden, wobei Mundschleimhautreizungen, vermehrter Speichelfluss und Magen-Darm-Störungen das chronische Vergiftungsbild einleiten. Hauptmanifestationsart ist das zentrale Nervensystem: Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, motorische Störungen und Einschränkung aller sinnlichen Wahrnehmungsqualitäten. Vielfältige geistige Störungen. Sprachstörungen und Tremor im Bereich der oberen Extremitäten.
Anorganische Quecksilberverbindungen
Die 2-wertigen Quecksilberverbindungen sind bei oraler Aufnahme giftiger als die 1-wertigen. Mit zunehmender Wasserlöslichkeit und Löslichkeit in verdünnter Salzsäure steigt die Toxizität der Verbindungen. Die Quecksilber(II)-Verbindungen sind in der Regel wasserlöslicher als die Quecksilber(I)-Verbindungen.
Organische Quecksilberverbindungen
Die organischen Quecksilberverbindungen sind gut lipidlöslich. Sie haben eine große Affinität zum Zentralnervensystem und teilweise eine lange biologische Halbwertszeit. Sie neigen dementsprechend zur Kumulation. Aus toxikologischer Sicht sind zwei Gruppen von organischen Quecksilberverbindungen zu unterscheiden:
29.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Quecksilber und seinen Verbindungen umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Bei Verdacht auf Quecksilbervergiftung ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlassen bzw. er ist aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Helfer haben sich hierbei vor Eigenkontakt mit Quecksilber und seinen Verbindungen zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.). Es ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame ärztliche Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus erforderlich sein.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Verschlucken von Quecksilberverbindungen
Hinweise für den Arzt
30 Salpetersäure / Stickstoffoxide
30.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Salpetersäure
Reine wasserfreie Salpetersäure ist eine farblose Flüssigkeit. Bei Licht- oder Wärmeeinwirkung zersetzt sie sich unter Bildung von Stickstoffdioxid und färbt sich dabei in Abhängigkeit von der Stickstoffdioxid-Konzentration gelb bis rot.
Mit Wasser ist Salpetersäure in jedem Verhältnis mischbar. Die beiden Stoffe bilden ein bei 121,8 °C siedendes Azeotrop mit 69,2 % Salpetersäure.
Chemisch ist Salpetersäure charakterisiert durch die oxidierende und die saure Wirkung:
Organische Stoffe werden von konzentrierter Salpetersäure sehr schnell, teilweise unter Feuererscheinung, zerstört.
Mischungen von rauchender Salpetersäure mit brennbaren oder reduzierenden Stoffen können die Eigenschaften von explosionsgefährlichen Stoffen haben. So reagiert rauchende Salpetersäure z.B. explosionsartig mit Aceton, Ethern, Alkoholen, Terpentinöl.
Stickstoffoxide
Es sind neun Stickstoffoxide bekannt:
| Oxidationsstufe des Stickstoffs | Oxide NOn | Oxide N2On | ||
| Name | Formel | Formel | Name | |
| +1 | N2O | Distickstoffmonoxid (Lachgas) | ||
| +2 | Stickstoffmonoxid | NO N2O2 | Distickstoffdioxid | |
| +3 | N2O3 | Distickstofftrioxid | ||
| +4 | Stickstoffdioxid | NO2 N2O4 | Distickstofftetroxid | |
| +5 | N2O5 | Distickstoffpentoxid | ||
| +6 | Stickstofftrioxid | NO3 N2O6 | Distickstoffhexoxid | |
Ausgewählte Eigenschaften und Stoffwerte sind der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt.
Zu ergänzen ist:
Alle Stickstoffoxide sind schwerer als Luft.
| N2O | Unterhält wie Sauerstoff die Verbrennung leicht entzündlicher Stoffe wie z.B. Holz und Schwefel. Mit z.B. Ammoniak, Wasserstoff, Kohlenwasserstoffen bildet N2O explosive Gemische. |
| NO | Bildet mit Sauerstoff bereits bei Raumtemperatur NO2. |
| N2O3 | Ist bereits bei 10 °C zu 90 % in NO und NO2 zerfallen. |
| NO2 | Starkes Oxidationsmittel, unterhält die Verbrennung entzündlicher Stoffe. Beginnt oberhalb 150 °C zu zerfallen in NO und O2, bei 650 °C liegt kein NO2 mehr vor. Bildet mit z.B. Wasserstoff, Ammoniak explosive Gemische. |
| N2O5 | Hygroskopische Kristalle mit stark oxidierender Wirkung. N2O5 reagiert heftig mit organischen Stoffen. Beim Erhitzen zerfällt es in NO2 und O2, häufig, ohne erkennbaren Anlass, explosionsartig. |
| N2O6 | Nur bei sehr tiefen Temperaturen stabil. |
Physikalische Eigenschaften von Stickstoffoxiden
| Chemische Formel | Farbe | Geruch
Geruchs- | Molekular- gewicht | Siedepunkt (° C) | Schmelz- punkt (° C) | Relative Gasdichte (Luft = 1) | Löslichkeit |
| N2O | g: farblos fl: farblos f: weiße Kristalle | schwach süßlich | 44,01 | -88,48 | -90,86 | 1,53 | 25° C 0,6 l N2O/l H2O; Ethanol, Diethylether |
| NO | g: farblos fl: blau | geruchlos | 30,01 | -151,77 | -163,65 | 1,04 | 0,07 l NO/l H2O; Alkohol |
| Schwefelsäure, | |||||||
| Schwefelkohlenstoff | |||||||
| N2O3 | g: rotbraun fl: blau f: blau | geruchlos | 76,01 | -40 bis +3 Zersetzung | -100,7 | Ethanol, einige Säuren | |
| NO2 | g: braunrot fl: braun f: farblose Kristalle | stechend
0,9 mg/m3 | 46,01 | +21,15 | -11,2 | 1,59 | Schwefelkohlenstoff, organische Lösemittel Lösemittel |
| N2O5 | f: farblose Kristalle | geruchlos | 108,01 | +32,4 sublimiert | Wasser, Chloroform |
g = gasförmig, fl = flüssig, f = fest
30.2 Verwendung, Vorkommen
Salpetersäure
Salpetersäure kommt im Allgemeinen als wasserhaltige Salpetersäure mit einem Gehalt von ca. 50 - 70 % und als "hochkonzentrierte Salpetersäure", kurz "Hoko-Säure" genannt, mit einem Gehalt von ca. 98 - 100 % HNO3 in den Handel. "Rote rauchende Salpetersäure", eine weitere Handelsform, enthält Stickstoffoxide.
Salpetersäure dient hauptsächlich und in sehr großen Mengen zur Herstellung von Düngemitteln, zu Oxidationsreaktionen, zum Metallbrennen und zum Nitrieren organischer Stoffe, hierbei meist in Form von "Mischsäure", einem Gemisch aus Hoko-Säure und Schwefelsäure.
Stickstoffoxide
Stickstoffoxide finden begrenzte Anwendung in verschiedenen Industriezweigen. So wird z.B. Stickstoffdioxid eingesetzt in Nitrierungs- und Oxidationsprozessen sowie für Raketentreibstoffe.
Stickstoffoxide können entstehen
Bei dieser beispielhaft aufgeführten unkontrollierten Freisetzung von Stickstoffoxiden entstehen - in Abhängigkeit von den jeweiligen Bedingungen - Gasgemische unterschiedlichster Zusammensetzung.
30.3 Gesundheitsgefahren
Die hier beschriebenen Gesundheitsgefahren beziehen sich auf Salpetersäure in unterschiedlichen wässrigen Konzentrationen, Salpetersäuredämpfe und die bei Raumtemperatur in der Regel als Gasgemische vorliegenden Stickstoffoxide. Salpetersäure wirkt konzentrationsabhängig reizend bis schwer ätzend, Salpetersäuredämpfe enthalten außer Säuremolekülen immer auch durch Zersetzung freiwerdende Stickstoffoxide und wirken dadurch reizend bis schwer ätzend auf die Atmungsorgane und sind sehr giftig.
Aufnahme und Wirkungsweise
Eine Aufnahme von Salpetersäure in den Körper ist als wässrige Lösung oder im dampfförmigen Zustand über die Atemwege, Haut und Schleimhäute und den Magen- und Darmtrakt möglich. Sie wirkt lokal auf Haut und Schleimhäute, Augen, Atemwege und Zähne.
Eine Aufnahme von Stickstoffoxiden in den Körper erfolgt in erster Linie über die Atemwege. Stickstoffoxide werden schnell über die Lunge resorbiert, zu Nitrat und Nitrit verstoffwechselt und über die Nieren ausgeschieden. Sie wirken auf Haut, Schleimhäute, Augen, Atemwege, Blut, zentrales und peripheres Nervensystem. Eine Beeinflussung der Immunabwehr wird diskutiert.
Aus dem Zusammenhang der anderen Stickstoffoxide fällt das nur gering toxische und nicht haut- oder schleimhautreizende Distickstoffmonoxid (N2O) heraus, das z.B. als Narkosegas verwendet wird.
Akute Gesundheitsgefahren
Salpetersäure
Salpetersäure verursacht auf der Haut je nach Konzentration und Dauer der Einwirkung lokale Reizungen bis zu schweren, schlecht heilenden Verätzungen. Großflächige Hautverätzungen können zum Tode, Augenverätzungen bis zum Verlust der Sehfähigkeit führen. Durch Verschlucken können Schleimhautverätzungen mit tödlichen Folgen eintreten. Einatmen der Dämpfe bewirkt Brennen, Brustschmerzen, Hustenreiz, Erstickungsgefühl, Reizung und Entzündung der Atemwege sowie in höheren Konzentrationen Lungenödem und -emphysem.
Stickstoffoxide
Stickstoffoxide können Atemnot, Benommenheit bis Bewusstlosigkeit, Empfindungsstörungen, Erbrechen, Schwindel, Schädigung des Blutbildes und neurologische Störungen hervorrufen oder über die Bindung an die Sauerstoffträger im Blut zur Methämoglobinämie führen. Die größte Gefahr liegt aber in der konzentrationsabhängigen Reizung der Augen und Atemwege, die mit Husten, Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen einhergeht und sofort oder nach einem beschwerdefreien Intervall von vielen Stunden zu einem oft tödlichen Lungenödem führen kann. Noch nach Tagen oder Wochen ist Ausbildung einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung möglich.
Chronische Gesundheitsgefahren
Salpetersäure
Längere Exposition gegen Salpetersäuredämpfe kann zur Erosion der Zähne führen. Diese Erkrankungen gehören zu den meldepflichtigen Berufskrankheiten nach Nr. 1312 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung ( BeKV), "Erkrankungen der Zähne durch Säuren".
Stickstoffoxide
Die Entwicklung einer Lungenentzündung (mit oder ohne vorangegangenem Lungenödem) kann als Spätfolge einer akuten Vergiftung noch nach 10-30 Tagen auftreten.
Störungen der Lungenfunktion und der Immunabwehr werden für die Stickstoffoxide diskutiert, wobei Personen mit Asthma oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung empfindlicher reagieren sollen.
Erkrankungen durch Stickstoffoxide sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach Nr. 4302 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung ( BeKV), "Obstruktive Atemwegserkrankungen".
Das Distickstoffmonoxid N2O weicht in seinem Wirkungscharakter von den anderen Stickoxiden ab. Nach wiederholter Gabe sind Blutbildschädigungen und neurologische Störungen bekannt geworden.
30.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Salpetersäure umgehen, oder gegen Stickstoffoxide exponiert sein können, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhändigen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Salpetersäure oder Stickstoffoxide muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Salpetersäure oder Stickstoffoxiden zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Bei der Verwendung von Salpetersäure ist stets auch mit dem Auftreten von Stickstoffoxiden zu rechnen. Daher werden die Maßnahmen der Ersten Hilfe für Salpetersäure und Stickstoffoxide nicht getrennt aufgeführt, sondern für beide gemeinsam abgehandelt.
Augen
Atmungsorgane
Auch das Einatmen geringer Mengen von Stickstoffoxiden kann zu schweren Gesundheitsschäden führen. Die Wirkungen zeigen sich häufig erst nach mehreren beschwerdefreien Stunden. Deshalb ist ärztliche Beobachtung unbedingt erforderlich:
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt.Haut
Verschlucken
Hinweise für den Arzt
Ein toxisches Lungenödem kann noch nach vielen Stunden auftreten. Folgende Maßnahmen sind daher in Abhängigkeit von der Beschwerdesymptomatik erforderlich:
Bei klinisch manifestem Lungenödem kann die Gabe von Sauerstoff, Glucocorticoiden, Bronchodilatatoren, Antitussiva, Sedativa, Herzglycosiden und Antibiotika (Pneumonieprophylaxe) sinnvoll sein.
31 Sauerstoff
31.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Sauerstoff ist bei Normalbedingungen ein farbloses und geruchloses Gas. Bei -183 °C und Normaldruck kondensiert Sauerstoff zu einer blauen Flüssigkeit, bei -219 °C kristallisiert er zu einem blauen Feststoff.
Sauerstoff ist nicht brennbar, ermöglicht und fördert aber die Verbrennung. Ohne Sauerstoff ist eine Verbrennung nicht möglich, bei Sauerstoffmangel erlischt jede Flamme. Die atmosphärische Luft enthält 21 Vol.-% Sauerstoff. Schon eine geringe Anreicherung bewirkt eine lebhaftere Verbrennung, d.h. eine beträchtliche Steigerung der Verbrennungsgeschwindigkeit. Bei erhöhtem Sauerstoffgehalt der Luft kann sich z.B. aus einem Glimmbrand eine lebhafte Flamme entwickeln.
Sauerstoff kann eine Selbstentzündung von Öl und Fett und von Textilien, die mit Öl und Fett verunreinigt sind, bewirken.
Bei erhöhten Sauerstoffkonzentrationen können sich auch sicherheitstechnische Kenndaten verändern. Beispiele: obere Explosionsgrenzen, Staubexplosionsklassen, Druckanstiegsgeschwindigkeiten, Zünd- und Glimmtemperaturen, Explosionsdrucke, Flammentemperaturen.
Mit Ausnahme der Edelmetalle und der Metalloxide der höchsten Oxidationsstufe sind alle Stoffe in Sauerstoff, vor allem in verdichtetem Sauerstoff, brennbar. Das trifft auch auf Stoffe zu, die in atmosphärischer Luft nicht zur Entzündung gebracht werden können.
Sauerstoff geht mit fast allen Elementen Verbindungen ein. Die meisten Stoffe reagieren mit Sauerstoff so heftig, dass sie entweder nach der Zündung verbrennen oder sich sogar selbst entzünden. Die Reaktionen können stark durch Fremdsubstanzen beeinflusst werden, die als Katalysator oder als Inhibitor wirken.
31.2 Verwendung, Verwendungsverbote
Verwendung
Sauerstoff wird vielseitig eingesetzt. Neben der Verwendung als Atemgas in der Medizin, Luft- und Raumfahrt wird Sauerstoff hauptsächlich für Verbrennungsprozesse und als Oxidationsmittel benötigt. Bei Verbrennungsprozessen führt die Verwendung von Sauerstoff an Stelle von Luft zu höheren Temperaturen.
Industriell verwendet wird Sauerstoff hauptsächlich
Weitere bedeutende Einsatzgebiete sind die Messtechnik, Brennstoffzellen, die Halbleitertechnik und biologische Prozesse.
Verwendungsverbote
Atemluft darf nicht mit Sauerstoff angereichert werden. Dies gilt nicht für
Sauerstoff darf nicht an Stelle von Druckluft verwendet werden. Sauerstoff darf z.B. nicht verwendet werden beim Farbspritzen, zum Antrieb von maschinellen Werkzeugen, beim Anlassen von Motoren, zum Fortblasen von Spänen und Staub oder zum Abblasen der Kleidung. Zur Druckentleerung, zur Druckprüfung von Behältern und Leitungen und als Gaspolster von Flüssigkeitsbehältern darf Sauerstoff ebenfalls nicht verwendet werden. Ausgenommen sind Behälter und Leitungen, die für den Betrieb mit Sauerstoff bestimmt sind.
31.3 Gesundheitsgefahren
Sauerstoff, ein lebenswichtiger Bestandteil der Luft, kann in höheren Konzentrationen toxisch wirken. Vergiftungen ereignen sich vor allem bei der therapeutischen Verwendung. Sauerstoff-Konzentrationen unterhalb 50-60 Vol.-% bei Normaldruck werden für Erwachsene auch bei langdauernder Einwirkung als unbedenklich angesehen. 100 Vol.-% Sauerstoff bei einem Druck von 0,5 bar (50 kPa) bleiben ohne toxische Wirkung, dagegen führt das Einatmen von reinem Sauerstoff bei Drücken über 3 bar (300 kPa) schon innerhalb kurzer Zeit zu zentralnervösen Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Brechreiz, Übererregbarkeit, Seh-, Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Krämpfen, Bewusstlosigkeit bis hin zum tödlichen Ausgang.
Bei längerem Einatmen von reinem Sauerstoff unter Normaldruck können Lungenschädigungen sowie Funktionsstörungen endokriner Drüsen und des vegetativen Nervensystems auftreten. Die lungenschädigende Wirkung tritt bei langzeitiger Exposition gegen reinen oder hochprozentigen Sauerstoff in den Vordergrund und kann bis zum toxischen Lungenödem führen.
Etwaige leichte Atembeschwerden nach akuter Einatmung hoher Sauerstoffkonzentrationen verschwinden meist beim Aufenthalt in der frischen Luft.
Flüssiger Sauerstoff kann schwere Erfrierungen verursachen.
Eine erhöhte Brandgefährdung bei sauerstoffdurchsetzter Kleidung ist zu beachten.
31.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit flüssigem Sauerstoff oder Inertgas/Sauerstoff-Gemischen mit mehr als 21 Vol.-% Sauerstoff umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten-Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei einer Gefährdung durch Sauerstoff hat der Betroffene den Gefahrenbereich zu verlassen bzw. ist er aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Helfer haben sich dabei insbesondere vor Kontakt mit flüssigem Sauerstoff zu schützen (Schutzhandschuhe usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung", werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Hinweise für den Arzt
32 Schwefelwasserstoff
32.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Schwefelwasserstoff ist bei Normalbedingungen ein farbloses, nach faulen Eiern riechendes Gas. Wegen Lähmung der Geruchsnerven ist der Geruch jedoch bei höheren Konzentrationen, etwa ab 150 ml/m3, nicht mehr wahrnehmbar.
Schwefelwasserstoff ist hochentzündlich und bildet mit Luft explosionsfähige Atmosphäre.
Schwefelwasserstoff ist in gasförmigem Zustand wie auch in Lösungen ein starkes Reduktionsmittel. Oxidationsmittel reagieren heftig mit ihm zu Sulfanen, Schwefel, Schwefeloxiden und Schwefel-Sauerstoff-Säuren.
Mit Peroxiden, Chloraten, Bromaten, Jodaten, rauchender Salpetersäure, Hypochloriten, Ammoniak, Aminen, Ethylenoxid, Dichloroxid, Chlor-, Brom- oder Jodstickstoff, Brompentafluorid und Fulminaten tritt je nach Reaktionsbedingungen stürmische Reaktion unter Entzündung, Explosion oder sogar Detonation ein.
Schwefelwasserstoff reagiert teilweise sehr heftig mit vielen weiteren organischen Verbindungen: mit Acetylen bilden sich z.B. Thioacetaldehyd, mit Olefinen und mit Alkoholen entstehen Thiole, mit Aldehyden Thioaldehyde, mit Cyanamid Thioharnstoff-Derivate, mit Azirinen Aminothiole, mit Alkylthiocyanaten Dithiocarbamidsäureester, mit Isothiocyansäureestern Thioharnstoff-Derivate, mit Aminophenolen Zwischenprodukte für Schwefelfarbstoffe; Furan wird zu Thiophen umgewandelt.
Viele Metalle werden von Schwefelwasserstoff bei Anwesenheit von Luft und Feuchtigkeit angegriffen.
In wässriger Lösung liegt Schwefelwasserstoff als schwache Säure vor und bildet mit Metallen Sulfide und Hydrogensulfide.
32.2 Vorkommen, Verwendung
Schwefelwasserstoff entsteht, wenn pflanzliche und tierische Stoffe in Fäulnis übergehen. Mit dem Auftreten von Schwefelwasserstoff ist daher z.B. zu rechnen in Senk- und Jauchegruben, Kloaken (2-8 %), Abwasserleitungen.
Schwefelwasserstoff kann vorkommen in Gummi- und Viskosefabriken, in den Abwässern von Cellulose-, Zucker-, Cyanid- und Leimfabriken und von Gerbereien (Lohgrube 8 - 13 %). Schwefelwasserstoff wurde festgestellt in Kohlengruben, Schwefel- und Gipsminen.
Schwefelwasserstoff tritt bei der Produktion und Aufbereitung von sauren Erdgasen und bei der thermischen Gewinnung von Erdöl und Erdölgas auf.
Verwendet wird Schwefelwasserstoff zur Herstellung von Schwefel und Schwefeldioxid sowie bei organischen Synthesen.
32.3 Gesundheitsgefahren
Schwefelwasserstoff ist sehr giftig und reizt außerdem Haut und Schleimhäute.
Das Einatmen von Schwefelwasserstoff führt zu tief greifenden Störungen der Zellatmung.
Die Wirkung ist abhängig von der Konzentration:
| < 10 ml/m3 H2S | Keine Zeichen der Vergiftung oder Gesundheitsschädigung |
| 100-150 ml/m3 H2S | Reizen der Augen und der Luftwege |
| 200-300 ml/m3 H2S | Schwere lokale Reizung der Schleimhäute mit allgemeinen Vergiftungserscheinungen nach 30 Minuten, Wirkung auf das ZNS (Geruchslähmung) |
| 300-700 ml/m3 H2S | Subakute Vergiftung nach 15-30 Minuten, Wirkung auf Atmung, ZNS, vereinzelt Tod nach 30 Minuten |
| 700-900 ml/m3 H2S | Schwere Vergiftung, Tod nach 30-60 Minuten |
| 1000-1500 ml/m3 H2S | Bewusstlosigkeit und Krämpfe, Tod nach wenigen Minuten |
| 1800 ml/m3 H2S | Atemlähmung, sofortiger Tod. |
Anzeichen einer Schwefelwasserstoffvergiftung sind z.B. Kopfschmerzen, Mattigkeit, Übelkeit, Erbrechen, motorische Unruhe, Angst, Erregungsausbruch, Verwirrtheitszustände, Gleichgewichtsstörungen, Störungen der Riech- und Hörnerven, Sprachstörungen.
Bei Einwirkung auf das Auge kann eine Keratitis punctata superficialis ("Spinnerauge") entstehen.
Mit einer Exposition gegen Schwefelwasserstoff ist insbesondere bei unten genannten Tätigkeiten (einschließlich Reinigungs- und Reparaturarbeiten) zu rechnen:
Erkrankungen durch Schwefelwasserstoff sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach Nr. 1202 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung ( BeKV).
32.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Schwefelwasserstoff umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Schwefelwasserstoff muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Schwefelwasserstoff zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe, usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt.Haut (Schwefelwasserstoffwasser)
Verschlucken
Hinweise für den Arzt
Bei einer Vergiftung ist vom Arzt sofort 4-Dimethylaminophenol (4-DMAP) i.v. (ca. 3 - 4 mg/kg Körpergewicht) zu geben:
4-DMAP-Dosierung bei geschätztem Körpergewicht:
| Gewichts- bereich (kg) | Anzahl der Ampullen (1 Amp. = 5 ml = 50 mg 4-DMAP) | Dosis i.v. im entsprechenden Gewichtsbereich (mg/kg) | Zu erwartende Methämoglobinkonzentration (%) 3,25 mg 4-DMAP/kg Körpergewicht im entsprechenden Gewichtsbereich |
| 40- 55 | 1/3 Amp. 3,75 ml | 4,6 - 3,4 | 42 - 31 |
| 56- 75 | 1 Amp. 5 ml | 4,5 - 3,3 | 42 - 31 |
| 76- 85 | 1 1/4 Amp. 6,2 ml | 4,1 - 3,6 | 38 - 33 |
| 86- 100 | 1 1/2 Am p. 7,5 ml | 4,4 - 3,7 | 41 - 34 |
| Bezugsquellennachweis: | Hersteller: | |
| } | Dr. Franz Koehler- Chemie Neue Bergstr. 3-7 64665 Alsbach Haehnlein Telefon (062 57) 509-0 |
| Neopharma Kirchstraße 10 83229 Aschau/Chiemgau Telefon: (0 80 52) 306 |
Verfallsdatum der Präparate beachten!
33 Styrol
33.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Styrol ist eine farblose, stark lichtbrechende Flüssigkeit mit einem charakteristischen, in niedrigen Konzentrationen süßlichen Geruch.
Styrol ist mit den meisten organischen Lösemitteln in jedem Verhältnis mischbar. Es ist ein gutes Lösemittel für nicht vernetzte Hochpolymere, z.B. für Polystyrol, ungesättigte Polyester und synthetischen Kautschuk. Die Mischbarkeit mit Wasser ist sehr gering.
Als brennbare Flüssigkeit der Gefahrklasse A II (VbF) kann Styrol mit Luft explosionsfähige Atmosphäre bilden.
Unstabilisiertes Styrol polymerisiert bereits bei Zimmertemperatur merklich.
Styrol lässt sich zu Homopolymeren und, z.B. mit Acrylnitril und Butadien, zu Copolymeren umsetzen.
Mit starken Oxidationsmitteln erhält man z.B. Benzoesäure, Benzaldehyd und Phenylglykol.
Viele Stoffe, z.B. Halogene, Amine, Mercaptane, werden leicht an die Doppelbindung angelagert.
Polymerisations- und Oxidationsreaktionen können durch den Zusatz von Stabilisatoren unterdrückt werden. Geeignet sind z.B. 10 bis 20 mg/kg 4-t-Butylbrenzcatechin.
33.2 Verwendung
Styrol wird hauptsächlich zur Herstellung polymerer Produkte verwendet. Beispiele für die große Zahl von auf Styrol basierenden Thermoplasten, Duroplasten, Elastomeren und Dispersionen sind Polystyrol, Copolymere mit Acrylnitril, mit Butadien und Acrylnitril sowie Polyesterharze.
33.3 Gesundheitsgefahren
Styrol ist als gesundheitsschädlich und reizend eingestuft. Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des MAK-Wertes und des BAT-Wertes nicht befürchtet zu werden.
Aufnahme und Wirkungsweise
Styrol-Dämpfe werden vor allem über die Atemwege aufgenommen, ihre Aufnahme über die Haut ist von untergeordneter Bedeutung. Auch flüssiges Styrol wird nur gering über die Haut resorbiert. Unter Arbeitsplatzbedingungen ist dieser Aufnahmeweg unbedeutend. Die Geruchsschwelle wird mit Werten unter 0,1 ml/m3 angegeben. Bei Inhalation wird Styrol großteils (60 - 90 %) resorbiert. Die Verteilung im Organismus tritt sehr rasch ein (maximale Blutkonzentration ist nach etwa 1 Stunde erreicht). Styrol wird zum überwiegenden Teil zu Mandelsäure und Phenylglyoxylsäure verstoffwechselt und über den Urin ausgeschieden. Styrol wirkt auf die Haut, Schleimhäute und Nervensystem.
Akute Gesundheitsgefahren
Im Vordergrund der akuten Styrolvergiftung stehen Schädigungen des Zentralnervensystems. Gleichzeitig können Schleimhautreizungen auftreten. Bei der Festlegung des MAK-Wertes von 20 ml/m3 wurde berücksichtigt, dass es bei einer Exposition gegen Styroldämpfe etwa ab Konzentrationen von 50 ml/m3 zu Schleimhautreizungen und Reizerscheinungen an den Augen und den oberen Atemwegen kommt. Oberhalb 200 ml/m3 werden Müdigkeit, Brechreiz, Gleichgewichtsstörungen und verlängerte Reaktionszeiten beobachtet.
Chronische Gesundheitsgefahren
Es werden Wirkungen sowohl am zentralen als auch am peripheren Nervensystem und an den Atemwegen beschrieben. Im Vordergrund stehen:
Die Abklärung der Frage einer krebserzeugenden Wirkung von Styrol ist Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen.
Erkrankungen durch Styrol sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach Nr. 1303 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung ( BeKV), "Erkrankungen durch Benzol, seine Homologe oder durch Styrol".
33.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Styrol und styrolhaltigen Zubereitungen umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind durch konkrete Angaben zu ergänzen und an geeigneten Stellen auszuhängen. Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Styrol muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Styrol zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe, usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Verschlucken
34 Tetrahydrofuran
34.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Tetrahydrofuran (THF) ist eine farblose, leichtflüchtige, neutral reagierende Flüssigkeit.
THF ist mit Wasser und vielen organischen Lösemittel unbegrenzt mischbar.
Es ist nicht verseifbar.
THF hat ein großes Lösevermögen für viele hochmolekulare Stoffe, z.B. Celluloseester und -ether, Polyvinylchlorid und Vinylchlorid-Copolymerisate, Polyacrylate- und Methacrylate, Polystyrol, Polybutadien, Polyurethane.
THF ist leichtentzündlich und bildet mit Luft explosionsfähige Atmosphäre.
Beim Stehen an Luft, begünstigt durch Lichteinwirkung, entstehen Hydroperoxide. Durch Stabilisierung mit z.B. Butylhydroxitoluol oder Hydrochinon lässt sich die Peroxidbildung einschränken, jedoch nicht völlig verhindern.
THF geht die verschiedensten Reaktionen ein, wie Polymerisation, Ersatz des Sauerstoffs durch Stickstoff oder Schwefel, Substitution und Ringspaltung. Beispiele für Ringspaltungsreaktionen sind die Dehydratation zu Butadien, die Oxidation zu Bernsteinsäure, die Carbonylierung zu Adipinsäure.
Mit Stickstoff- und Schwefelverbindungen geht THF in Pyrrolidin- bzw. Tetrahydrothiophen-Derivate über. Mit verschiedenen anorganischen und organischen Verbindungen bildet THF Koordinationskomplexe, die im Allgemeinen sehr stabil sind und Grignard-Reaktionen, andere Synthesen und stereospezifische Polymerisationen katalysieren.
34.2 Verwendung
Tetrahydrofuran (THF) wird als Lösemittel, Reaktionsmedium oder Ausgangsprodukt für Synthesen verwendet.
Als Lösemittel wird es in großem Umfang für Lacke, Klebstoffe und in Spinn-, Tauch- und Streichlösungen eingesetzt; ebenso bei Extraktionen.
THF dient als Quellschweißmittel für Weich-PVC-Folien sowie als Kleber für Hart-PVC.
Als Reaktionsmedium dient es z.B. bei Grignard-Synthesen, LiAlH4- Reduktionen und wegen seiner guten Lösevermittlung für Alkali-Metalle, bei der Herstellung metallorganischer Verbindungen. Anionische Polymerisationen werden ebenfalls in THF durchgeführt.
THF ist Ausprodukt für hochmolekulare Ether (Polyoxitetramethylenglykole), für die Herstellung fünfgliedriger Heterocyclen (Pyrrolidin, Tetrahydrothiopen) und Verbindungen wie Bernsteinsäuredialdehyd oder 1,4-Dihalogenbutan.
34.3 Gesundheitsgefahren
Flüssiges Tetrahydrofuran kann lokale Haut- und Schleimhautreizungen verursachen.
Das Einatmen hoher Luftkonzentrationen (weit oberhalb des Luftgrenzwertes!) kann zu narkotischen Erscheinungen (Benommenheit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen bis zur Bewusstlosigkeit) führen.
Trotz der relativ geringen systemischen toxischen Wirkung von Tetrahydrofuran beträgt der Luftgrenzwert nur 200 ml/m3 (ppm). Dieser Wert wird mit der starken Geruchsbelästigung und der schleimhautreizenden Wirkung des Tetrahydrofurans bei höheren Konzentrationen begründet.
34.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Tetrahydrofuran umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind durch konkrete Angaben zu ergänzen und an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Tetrahydrofuran muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Tetrahydrofuran zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe, usw.). Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
Verschlucken
35 Vinylchlorid
35.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Vinylchlorid (VC) ist unter Normalbedingungen ein farbloses, hochentzündliches Gas. Es ist in fast allen organischen Lösemitteln (z.B. Ether, Benzol, Ethylalkohol) sehr gut, in Wasser kaum löslich.
Üblicherweise wird Vinylchlorid unter Druck als Gas in flüssigem Zustand gehandhabt.
Es kondensiert unter Normaldruck bei -13,4 °C zu einer farblosen, leicht beweglichen Flüssigkeit.
Reines trockenes Vinylchlorid ist bei Abwesenheit von Sauerstoff stabil und nicht korrosiv. Bei Kontakt mit Luft können hochexplosive Peroxide gebildet werden. Bei der Verbrennung von Vinylchlorid entstehen bei Sauerstoffüberschuss Kohlendioxid und Chlorwasserstoff, bei Sauerstoffmangel können im Temperaturbereich von 300 °C bis 600 °C Spuren von Phosgen gebildet werden.
Bedingt durch die vinylische Doppelbindung sind die wichtigsten Reaktionen von Vinylchlorid Polymerisations- (zu Polyvinylchlorid, PVC) und Additionsreaktionen (im Wesentlichen Chlorierung und Hydrochlorierung).
35.2 Verwendung, Verwendungsbeschränkung
Verwendung
Vinylchlorid (VC) dient fast ausschließlich als Ausgangsmaterial zur Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC) und Mischpolymerisaten. Ein geringer Anteil der Gesamtweltproduktion wird zur Herstellung chlorierter Lösungsmittel, insbesondere 1,1,1-Trichlorethan eingesetzt. Vinylchlorid polymerisiert in einer radikalischen Reaktion. Die Reaktion ist exotherm. Sie wird durch Initiatoren und Wärmezufuhr ausgelöst und verläuft unter Druck in Autoklaven. Die Temperaturen liegen zwischen 40 °C und 80 °C, entsprechend einem Vinylchlorid-Dampfdruck von ca. 6 bar und 14 bar. Eine Depolymerisation, das heißt Rückbildung des Monomeren aus dem Polymeren, findet auch bei erhöhter Temperatur nicht statt.
Zur Herstellung der unterschiedlichen PVC-Typen werden verschiedene Polymerisationsverfahren verwendet. Die drei wichtigsten Verfahren sind das Emulsions-, das Suspensions- und das Masse-Polymerisationsverfahren. Durch das Verfahren der Intensiventgasung zur Entfernung von restlichem Monomeren aus dem Polymeren wird der Gehalt von Vinylchlorid im ungeformten, pulverförmigen Roh-PVC erheblich reduziert. Der Rest-Vinylchlorid-Gehalt im PVC beträgt nach der Trocknung in der Regel weniger als 10 mg/kg.
Verwendungsbeschränkung
Der Einsatz von Vinylchlorid als Treibgas für Aerosole ist nach Anhang IV Nr. 15 der Gefahrstoffverordnung verboten.
35.3 Gesundheitsgefahren
Vinylchlorid ist in der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung in die Kategorie K1 "Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken" eingestuft. Außerdem ist Vinylchlorid als hochentzündlich (F+) eingestuft.
Aufnahme und Wirkungsweise
Das bei Raumtemperatur gasförmige Vinylchlorid wird fast ausschließlich über die Atemwege in den Körper aufgenommen, nur in geringem Maße über die Haut. Es wird nach Aufnahme in den Organismus in der Leber verstoffwechselt, die Ausscheidung der Metaboliten erfolgt über den Urin.
Vinylchlorid und seine Metaboliten wirken auf Herz, Leber, Lunge, Milz, Nieren, Gefäßsystem, Blut und Knochen. Seine krebserzeugende Wirkung wird auf das im Stoffwechsel entstehende Chlorethylenoxid zurückgeführt.
Akute Gesundheitsgefahren
Bei einmaliger Inhalation hoher Konzentrationen steht vor allem der narkotische Effekt von Vinylchlorid im Vordergrund; pränarkotische Symptome werden für 0,5 und 2,5 Vol.-% beschrieben. Mit ansteigender Konzentration kommt es zu Müdigkeit, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, bis hin zur Narkose und Atemlähmung (bei etwa 20 Vol.-%).
Nach Kontakt mit flüssigem Vinylchlorid sind Kälteschäden beschrieben worden.
Chronische Gesundheitsgefahren
Chronischtoxische Wirkungen von Vinylchlorid beim Menschen wurden unter dem Symptomenkomplex der Vinylchloridkrankheit zusammengefasst. Hierbei treten Leberschäden, Varizen an Speiseröhre und Magen, Milzvergrößerung, sowie Durchblutungsstörungen an den Händen (Raynaud-Syndrom), sklerodermieartige Veränderungen der Haut und Zerstörung von Knochengewebe an den Fingerendgliedern (Akroosteolyse) auf.
Nach langjähriger Exposition gegen hohe Vinylchloridkonzentrationen wurden gehäuft Hämangiosarkome der Leber beobachtet.
Erkrankungen durch Vinylchlorid sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach Nr. 1302 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung ( BeKV) "Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe".
35.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Vinylchlorid umgehen, müssen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind durch konkrete Angaben zu ergänzen und an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Vinylchlorid muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit Vinylchlorid zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe, usw.).
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Atmungsorgane
Haut
36 Wasserstoff
36.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Allgemeines
Wasserstoff ist bei Normalbedingungen ein farbloses, geruchloses und ungiftiges Gas. Bei -252,7 °C und Normaldruck kondensiert Wasserstoff zu einer farblosen Flüssigkeit, bei -259,2 °C kristallisiert er zu einem weißen Feststoff. Wasserstoff ist brennbar. Wasserstoff ist hochentzündlich (geringe Zündenergie in Luft) und hat einen sehr weiten Explosionsbereich. Wasserstoff ist auf Grund seiner Dichte von 0,09 kg/m3 das leichteste Gas (etwa 14 mal leichter als Luft) und leicht flüchtig.
Wasserstoff verfügt insbesondere bei höheren Drücken über ein sehr großes Diffusionsvermögen; er kann zu Spannungsrisskorrosionen führen.
Wasserstoff ist auch an bestimmten Feststoffen, z.B. an Metallen leicht ad- und desorbierbar.
Spezielle Eigenschaften des flüssigen Wasserstoffs
Flüssiger Wasserstoff ist farb- und geruchslos. Seine Dichte ist etwa ein vierzehntel der Dichte von Wasser. Flüssiger Wasserstoff verdampft beim Austritt in die Atmosphäre sehr schnell. Ein Liter flüssiger Wasserstoff ergibt ungefähr 750 Liter gasförmigen Wasserstoffs bei Normaldruck und Normaltemperatur. Kalter verdampfter Wasserstoff ist etwas schwerer als Luft, erwärmt sich jedoch sehr schnell und strömt nach oben ab.
Bei der Temperatur des flüssigen Wasserstoffs gehen alle Gase - ausgenommen Helium - in den flüssigen oder festen Zustand über. Deshalb muss aus Anlagen mit flüssigem Wasserstoff jedes andere Gas ferngehalten werden. Das gilt insbesondere für Luft, weil flüssige oder feste Luft im Gemisch mit flüssigem Wasserstoff ein Explosionsrisiko darstellt.
Flüssiger Wasserstoff kann zur Versprödung von Kohlenstoffstahl, Kunststoffen, Gummi und anderen Materialien führen, wobei diese ihre Festigkeit verlieren.
Flüssiger Wasserstoff in nicht isolierten Anlagenteilen verursacht an der Außenfläche dieser Anlagenteile die Verflüssigung der Umgebungsluft.
Flüssiger Wasserstoff und auch das aus der Flüssigkeit freiwerdende kalte Gas können bei Kontakt mit der menschlichen Haut so genannte Kaltverbrennungen (ähnlich thermischen Verbrennungen) verursachen.
36.2 Herstellung, Verwendung, Verwendungsverbote
Herstellung
Wasserstoff wird z.B. hergestellt
Verwendung
Wasserstoff wird vielseitig eingesetzt, z.B.
Verwendungsverbote
Wasserstoff darf nicht an Stelle von Druckluft verwendet werden. Zur Druckentleerung, zur Druckprüfung von Behältern und Leitungen und als Gaspolster von Flüssigkeitsbehältern darf Wasserstoff ebenfalls nicht verwendet werden.
Wasserstoff darf nicht zum Füllen von Luftballons verwendet werden (z.B. für Spiel- und Werbezwecke).
Ausgenommen von diesen Verboten sind Behälter und Leitungen, die für den Betrieb mit Wasserstoff bestimmt sind.
36.3 Gesundheitsgefahren
Wasserstoff ist nicht giftig. Toxikologische und physiologische Kennzahlen existieren deshalb nicht. Wasserstoff kann aber infolge Verminderung des Sauerstoffgehaltes der Atemluft Erstickungsgefahr bewirken.
Kommt flüssiger Wasserstoff mit Haut in Kontakt, so können - je nach Einwirkungsdauer - mehr oder weniger gravierende Hautveränderungen auftreten. Die Folge sind Gefühllosigkeit, Weißfärbung bis hin zu schweren Erfrierungen, so genannte Kaltverbrennungen. Hautkontakt mit nicht isolierten flüssigen Wasserstoff enthaltenden Anlagenteilen kann neben Erfrierungen zum Festkleben und damit zum Abreißen der Haut führen. Empfindliches menschliches Gewebe, wie das Auge, kann schon durch Spritzer flüssigen Wasserstoffs ernsthaft geschädigt werden.
36.4 Erste Hilfe
Allgemeines
Alle Personen, die mit Wasserstoff umgehen, müssen über die damit verbundenen Gesundheitsgefahren und über Erste-Hilfe-Maßnahmen unterrichtet sein sowie über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Die von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern anerkannten Anleitungen zur Ersten Hilfe sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad an geeigneten Stellen auszuhängen.
Über jede Erste-Hilfe-Leistung sind Aufzeichnungen zu führen, z.B. in einem Verbandbuch, und 5 Jahre lang aufzubewahren.
Bei Verletzung durch flüssigen Wasserstoff oder bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch freigesetzten Wasserstoff muss der Betroffene den Gefahrenbereich verlassen bzw. aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Die Helfer haben sich dabei vor Kontakt mit flüssigem Wasserstoff zu schützen.
Ärztliche Hilfe ist unverzüglich in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff und die bereits durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus oder Notdienst erforderlich sein.
Grundsätzliche Fragen, die Gegenstand der Ersten-Hilfe-Ausbildung sind, wie "Stabile Seitenlage", "Herz-Lungen-Wiederbelebung", "Schockbekämpfung" werden in diesen Informationen nicht angesprochen.
Augen
Bei Einwirkung von flüssigem Wasserstoff:
Atmungsorgane
Bei Sauerstoffmangel durch Wasserstoff:
Haut
Bei Schädigung durch flüssigen Wasserstoff:
37 Wasserstoffperoxid
37.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Wasserstoffperoxid (H2O2) ist eine klare, farblose, schwach sauer reagierende Flüssigkeit.
Es ist mit Wasser in jedem Verhältnis mischbar und in vielen organischen Medien löslich.
Der Siedepunkt wässriger Lösungen steigt stetig mit der Konzentration bis auf 150 °C (100 % H2O2). Der Gefrierpunkt fällt bis ca. 62 Gew.-% H2O2 (ca. -56 °C) mit der Konzentration ab, um dann wieder auf -0,43 °C (100 % H2O2) anzusteigen. Die wässrigen Lösungen neigen stark zur Unterkühlung. Lösungen mit < 45 Gew.-% H2O2 dehnen sich beim Erstarren aus, über 65 Gew.-% H2O2 verringert sich das Volumen beim Erstarren.
Wasserstoffperoxid-Lösungen sind selbst nicht brennbar, können jedoch, vor allem in höheren Konzentrationen, brennbares Material entzünden.
Wasserstoffperoxid ist ein starkes Oxidationsmittel. Bei Oxidationsreaktionen kann auf den Reaktionspartner entweder der Sauerstoff übertragen werden (z.B. SO2 ' SO3) oder es findet ein Elektronenübergang statt (z.B. Fe2+ ' Fe3+).
Gegenüber starken Oxidationsmitteln (z.B. Permanganat) kann Wasserstoffperoxid auch als Reduktionsmittel wirken. Dabei entsteht Sauerstoff.
In Substitutionsreaktionen lässt sich mit Wasserstoffperoxid die Peroxidgruppe auf organische und anorganische Verbindungen übertragen.
Als schwache Säure bildet Wasserstoffperoxid auch mit verschiedenen Metallen Salze.
Von besonderer Bedeutung aus der Sicht des Arbeitsschutzes ist die exotherme Zersetzung von Wasserstoffperoxid durch Spuren katalytisch wirkender Metalle und Metallverbindungen sowie Alkalien.
37.2 Verwendung
Wasserstoffperoxid wird in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen verwendet.
Wichtige Anwendungsgebiete sind:
37.3 Gesundheitsgefahren
Wasserstoffperoxid und seine Dämpfe verursachen auf der Körperhaut (ab 10 %iger Lösung) und auf der Schleimhaut (ab 5 %iger Lösung) eine spontan einsetzende Weißfärbung der oberen Hautschichten. Bei nur kurzzeitigem Kontakt der vorgenannten Hautpartien mit konzentrierter Wasserstoffperoxid-Lösung entwickeln sich ebenfalls mattweiße, scharf begrenzte und unterschiedlich stark juckende Flecken auf der Hautkontaktstelle, die vielfach mit Verbrennungen verwechselt werden. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Gewebsaufblähung (Emphysem), die durch Diffusion von Wasserstoffperoxid-Lösung in die Haut unter gleichzeitiger Abgabe von Sauerstoffbläschen in das Hautgewebe hervorgerufen wird. Die beschriebene Hautverfärbung hält nur kurze Zeit an und verschwindet wieder, ohne eine Schädigung des Gewebes zu hinterlassen. Bei längerer Einwirkungsdauer und höherer Konzentration kann es jedoch über eine Rötung bis zu starken Verätzungen kommen.
Im Auge kann Wasserstoffperoxid besonders durch unmittelbaren Kontakt hochkonzentrierter Lösungen zu einer Schädigung der Hornhaut führen, die sich mitunter erst nach einer Woche zeigt.
Das Einatmen konzentrierter Wasserstoffperoxid-Dämpfe oder -Nebel führt zu einer Reizung oder Ätzung der oberen Luftwege; bei längerer Einwirkung können Entzündungen der Atmungsorgane oder sogar Lungenödeme die Folge sein.
Bei Verschlucken von Wasserstoffperoxid kann es zu Schleimhautblutungen und durch den plötzlichen freigesetzten Sauerstoff zur Aufblähung der Speiseröhre und des Magens mit schweren Schädigungen kommen.
37.4 Erste Hilfe
Alle Personen, die mit Wasserstoffperoxid umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Bei Verdacht auf eine Gesundheitsschädigung durch Wasserstoffperoxid ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlassen bzw. er ist aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Helfer müssen dabei selbst geeignete Schutzmaßnahmen treffen. Nach der Ersten-Hilfe-Leistung ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Dem Arzt sind der chemische Stoff "Wasserstoffperoxid" sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, und Krankenhaus erforderlich sein.
Augen
Atmungsorgane
4 Sprühstöße mit jeweils 100 μg) Beclomethason-17,21-dipropionat-Dosieraerosol oder besser -Autohaler 1 (z.B. Ventolair®, Junik®) inhalieren lassen.
Weitere Behandlung durch den eintreffenden Arzt. Richtige Handhabung beachten (Kopfhaltung, Ein- und Ausatmungsphase).
Haut
Verschlucken
Hinweise für den Arzt
Behandlung richtet sich nach Art und Schwere der Kontamination.
Bei Inhalation: Symptomatische Behandlung der Reizung bzw. Verätzung der Luftwege. Auf Lungenödem achten.
Bei Verschlucken: Starke Schaumbildung! Gefahr der Aspiration. Schleimhautverätzungen, evtl. Blutungen in Mund, Speiseröhre, Magen.
38 Zinkchromat/ Strontiumchromat
38.1 Chemische und physikalische Eigenschaften
Bedeutsam als Korrosionsschutzpigmente sind folgende Chromate:
Zinkkaliumchromat, im Folgenden kurz "Zinkchromat" genannt, annähernde Zusammensetzung
K2CrO4 * 3 ZnCrO4 * Zn(OH)2 * 2 H2O
Zinkchromattetrazinkhydroxid/ Zinktetrahydroxichromat/ Zinktetraoxichromat ZnCrO4 * 4 Zn(OH)2
Strontiumchromat
SrCrO4
Bei allen diesen Chromaten handelt es sich um gelbe, pulverförmige Substanzen, die nur eine sehr geringe Wasserlöslichkeit aufweisen, jedoch löslich in Säuren und ammonikalischer Ammoniumchlorid-Lösung sind.
Alle Chromate wirken oxidierend, wobei das Chrom aus der 6-wertigen in die 3-wertige Oxidationsstufe übergeht. Die Oxidationswirkung ist besonders stark in saurer Lösung.
38.2 Verwendung, Vorkommen
Zinkchromat, Zinktetraoxichromat und Strontiumchromat werden zur Herstellung korrosionsschützender Anstrichstoffe für unterschiedliche Verwendungszwecke eingesetzt.
Die wichtigsten Verwendungszwecke sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt:
| Pigment | A | B | C | D | E |
| Zinkkaliumchromat | + | + | + | ||
| Zinktetroxichromat | (+) | + | |||
| Strontiumchromat | + |
Erläuterung der Tabelle:
| A = | Industrielackgrundierungen: Gebrauchsgegenstände, Behälter, Fahrzeuge |
| B = | Bautenschutzgrundierungen: Stahlbau |
| C .= | Fertigungsanstriche (Shop-Primer): Dienen als temporärer Korrosionsschutz für Walzstahl |
| D = | Elektrotauchlackgrundierungen: Automobilbau |
| E = | Wash-Primer: Dienen in erster Linie als Haftvermittler zwischen Grundwerkstoff und Decklack. Da sie üblicherweise nur in sehr geringen Schichtstärken (ca. 8 μ) aufgetragen werden, ist der eigentliche Korrosionsschutz gering. |
Gefährdungen durch chromathaltige Korrosionsschutzpigmente können sowohl bei deren Herstellung als auch bei deren Verarbeitung zu Anstrichstoffen auftreten.
Gefährdungen können weiterhin auftreten, wenn Anstrichstoffe, die chromathaltige Korrosionschutzpigmente enthalten, unter Anwendung von Spritzverfahren aufgetragen werden oder wenn derartige Anstriche, z.B. durch Schleifen oder Schweißen, nachgearbeitet werden.
38.3 Gesundheitsgefahren
Die toxischen Wirkungen von Stäuben, Rauchen, Dämpfen, Nebeln und Lösungen 6-wertiger Chromverbindungen sind im Wesentlichen auf die im sauren Milieu stark oxidierenden Eigenschaften dieser Substanzen und die damit verbundenen zellschädigenden Reaktionen zurückzuführen.
Die Verbindungen werden vorwiegend über den Atemtrakt, zum geringeren Teil über die Haut und gelegentlich über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und schädigen innere Organe, insbesondere die Nieren.
Bei chronischer Einwirkung von Zinkchromaten und Strontiumchromat, z.B. durch Inhalation über einen längeren Zeitraum hinweg, können bösartige Tumore der Atemwege entstehen.
Als weitere chronische, jedoch nicht krebsartige Erkrankungen sind Schädigungen der Atemwege sowie der Haut und - nach wiederholter oraler Aufnahme kleiner Chromatmengen - Entzündungen bzw. Geschwüre im Magen-Darm-Trakt zu nennen.
Bei der Einwirkung von Chromatstaub oder -aerosolen auf die Atemwege stehen folgende Schäden im Vordergrund:
Auch Geruchs- und Geschmacksstörungen wurden bei Chromatfarbenarbeiten beobachtet.
Bei empfindlichen Personen können Chromate relativ leicht zur Sensibilisierung und zu allergischen Reaktionen, besonders zur Entstehung schlecht heilender Ekzeme führen.
Akute Chromaterkrankungen entstehen leicht an Stellen kleinster Verletzungen der äußeren Haut in Form schlecht heilender lochförmiger Geschwüre, so genannter "Chromatgeschwüre". Die unverletzte äußere Haut wird nicht akut angegriffen.
Durch akute Einwirkung von Stäuben, Rauchen, Dämpfen oder Nebeln können an den Augen Bindehautentzündungen sowie Hornhautschäden und in den Atemwegen akute Reizzustände verursacht werden.
Akute Erkrankungen sind weiterhin als Folge massiver Einwirkungen auf die Haut oder durch Verschlucken möglich.
In der Liste nach § 4a der Gefahrstoffverordnung sind Zinkchromate einschließlich Zinkkaliumchromat in die Kategorie K1 "Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken" eingestuft. Strontiumchromat ist in dieser Liste in die Kategorie K2 "Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten" eingestuft.
38.4 Erste Hilfe
Alle Personen, die mit Strontium- bzw. Zinkchromat umgehen, müssen über die Gesundheitsgefahren unterrichtet sein und über das Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen werden.
Bei Verdacht auf Vergiftung mit Zinkchromat oder Strontiumchromat ist der Gefahrenbereich von dem Verunglückten zu verlasssen bzw. er ist aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Die Helfer haben sich hierbei vor Eigenkontakt mit den Chromaten zu schützen (Atemschutz, Schutzhandschuhe usw.). Es ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Arzt sind der chemische Stoff sowie die bereits durchgeführten Maßnahmen anzugeben.
Um wirksame ärztliche Hilfe leisten zu können, kann eine Absprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt und Krankenhaus erforderlich sein.
Augen
Haut
Verschlucken
Ascorbinsäure-(Vitamin C)-Therapie
Dieser Therapievorschlag beruht auf der Erkenntnis, dass Ascorbinsäure die 6-wertigen zu 3-wertigen Chromverbindungen reduziert. Die dabei gebildeten Chrom(III)-Proteinkomplexe sind ungiftig und werden über die Nieren ausgeschieden. Eine Veröffentlichung aus der Ärztlichen Abteilung der Bayer AG, Leverkusen, empfiehlt insbesondere bei verzögerten Hilfeleistungen das Trinken von Vitamin-C-Lösung.
Bei Hautverätzungen durch Chrom(VI)-Verbindungen soll der Einfachheit halber vom Ersthelfer eine Lösung von 5 g Vitamin-C-Brausetabletten gegeben werden (handelsübliche Formulierungen mit 0,5 bzw. 1 g Ascorbinsäure pro Brausetablette). Wenn nicht sofort ärztliche Behandlung mit i.v.-Injektion von 2-3 g Vitamin C nachfolgt, können nach 30 Minuten noch einmal 5 g oral verabreicht werden.
Achtung!
Beim Verschlucken von Chrom-VI-Verbindungen dürfen Vitamin-C-Brausetabletten nicht verwendet werden. Stattdessen soll Vitamin C in Tablettenform gegeben werden, in der Regel sind die Tabletten zu kauen und mit Wasser zu schlucken (Beipackzettel beachten!).
Hinweise für den Arzt
Bei großflächiger Verätzung der Haut und nach Verschlucken sofortige i.v.-Injektion von 2-3 g Vitamin C.
Bei großflächiger Verätzung der Haut: Infektionsschutz, Behandlung unter Beachtung der chirurgischen Regeln bei Hautdefekten.
In bedrohlichen Fällen Schockbehandlung; Beobachtung der Nierenfunktion, ggf. Hämodialyse.
Übliche Komplexbildner sind bei akuter Chromvergiftung kaum wirksam.
| Informationszentralen für Vergiftungsfälle in der Bundesrepublik Deutschland | Anhang |
| 13353 Berlin Reanimationszentrum des Universitätsklinikums Rudolf Virchow Standort Charlottenburg, Station 43, Therapiezentrum Augustenburger Platz 1 Tel.: 030 45055-3555 Fax: 030 45055-3915 email: giftinfo@charite.de | 53113 Bonn Informationszentrale gegen Vergiftungen der Rhein. Fried.-Wilh.-Univ. Zentrum für Kinderheilkunde Adenauerallee 119 Tel.: 0228 19240 Fax: 0228.287-3314 email: ukkblb2@mailer.meb.unibonn.de http://www.meb.unibonn.de/giftzentrale |
| 13437 Berlin Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben, Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen (Giftnotruf Berlin), Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik-Haus Diagnostikum Oranienburger Str. 285 Tel.: 030 19240 Fax: 030 30686-721 email: mail@giftnotruf.de http://www.giftnotruf.de | 55131 Mainz Beratungsstelle bei Vergiftungen der II. Med. Klinik und Poliklinik der Universität Langenbeckstr. 1 Tel.: 06131 19240 Fax: 06131.176-605 email: Mai@giftinfo.unimainz.de http://www.giftinfo.unimainz.de |
| 37075 Göttingen Giftinformationszentrum Nord, Pharmakol. u. toxikol. Zentrum der Universität Göttingen Robert-Koch-Str. 40 Tel.: 0551 19240 Fax: 0551 3831881 email: Giznord@med.unigoettingen.de http://www.glznord.de | 66421 Homburg/Saar Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Landeskrankenhaus Kirrberger Straße Gebäude 9 Tel.: 06841 19240 Fax: 06841 16-8438 email: kigift@med.rz.unisb.de http://www.medrz.unisb.de/medfak/kinderklinik/klklb.htm |
___________
| 1 | Atemzugausgelöstes Dosieraerosol, wegen der leichteren und sicheren Anwendung für Ungeübte zu empfehlen. |
| 2 | Polyethylenglykol 400 ist nur bei Temperaturen über ca. +15 °C einsetzbar. Bei tieferen Temperaturen steigt die Viskosität stark an, bei +4 °C erstarrt es. Unter +15 °C können Lösungen von Polyethylenglykol 400 in Ethanol oder Polyethylenglykol 300 verwendet werden. |
| 3 | oder Methylenblau als Antidot zum 4-DMAP wie folgt einsetzen: 2 mg/kg Körpergewicht bzw. 3-4 Ampullen à 5 ml i.v. |
| 4 | Bezug von hydrophilem Calciumgluconat-Gel 2,5% mit Chlorhexidindigluconat 0,5% über Apotheke erhältlich. |
| 5 | Nicht jeder Farbstoff verhält sich gegenüber 2-Nitropropan vollständig inert. Infolge langsamer Zersetzung kann es in geschlossenen Behältern über längere Zeiträume zu einem Druckaufbau kommen. |
| ENDE | |