Fahrbahnoberflächen-Korrekturwerte DStro für offenporigen Asphalt
RLS-90 - Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen
Allgemeines Rundschreiben Straßenbau Nr. 3/2009
Sachgebiet 12.1: Umweltschutz; Lärmschutz
Vom 31. März 2009
(VkBl. Nr. 8 vom 30.04.2009 S. 260)
Oberste Straßenbaubehörden der Länder
nachrichtlich:
Bundesanstalt für Straßenwesen Bundesrechnungshof
DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbHBetreff:
- RLS-90 - Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen
- Fahrbahnoberflächen-Korrekturwerte DStro für offenporigen AsphaltBezug: Allgemeines Rundschreiben Straßenbau (ARS) Nr. 5/2002 vom 26.03.2002
- S 13/14.86.22-11/57 Va 01 1 -
Mit dem im Bezug genannten ARS Nr. 5/2002 hatte ich das Statuspapier zum offenporigen Asphalt der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) vom 18.10.2001 versandt. Darin war ausgeführt, dass offenporige Asphaltdeckschichten (OPA) ihre Lärm mindernde Wirkung mindestens für 6 Jahre (bzw. 4 Jahre für OPA 0/11 auf einbahnigen Straßen) behalten.
Die BASt hat mir nun ein neues Statuspapier (siehe Anlage) vom 10.02.2009 vorgelegt, das es rechtfertigt, die lärmtechnische Wirksamkeit von OPA 0/8 der 111. Generation auf mindestens 8 Jahre auszudehnen. Dies gilt für ein- und zweischichtig hergestellte Deckschichten unabhängig von der Anzahl der Fahrbahnen und -streifen.
Zu beachten ist dabei, dass auch bei der einschichtigen Bauweise eine akustisch wirksame Schichtdicke von mindestens 4 cm vorhanden sein muss. Wie an Ausbaustücken zu beobachten war, wurde wegen aufsteigenden Bindemittels aus der Abdichtung der Unterlage (Bitumenschicht) in den unteren Bereich des OPA in der Vergangenheit die akustisch wirksame Schichtdicke gelegentlich im Laufe der Liegezeit verringert, so dass sich ein vorzeitiges Nachlassen der Lärm mindernden Wirkung einstellte.
Das ARS Nr. 5/2002 behält bis auf die dort genannten Mindestwerte für die akustische Wirksamkeit seine Gültigkeit.
Ich bitte Sie, dafür Sorge zu tragen, dass für die Anwendung von OPA auf Bundesfernstraßen entsprechend verfahren wird.
Offenporige Asphaltdeckschichten (OPA)
1 Allgemeines
Aufgrund der Verkehrslärmschutzverordnung ( 16. BImSchV) [1] muss der Beurteilungspegel am Immissionsort in der in den Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen (RLS-90) [2] beschriebenen Vorgehensweise und mit den dort genannten Parametern berechnet werden. Es handelt sich bei den RLS-90 um ein an Messungen geeichtes Rechenverfahren zur Ermittlung der Lärmimmissionen, das untrennbar mit den in der 16. BImSchV festgelegten
Immissionsgrenzwerten verknüpft ist. Die Berechnung mit ihren Parametern (Verkehrsbelastung, Lkw-Anteil, Fahrgeschwindigkeit, Längsneigung) stellt eine Grundlage zur Gleichbehandlung aller Verkehrslärmsituationen dar. Zu den Parametern (siehe Anlage 1, Tabelle B der 16. BImSchV) gehört auch die Korrektur für unterschiedliche Straßenoberflächen DStro, deren Werte bis heute zweimal mit Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau (ARS) geändert wurden [3], [4].
Mit Hilfe des Rechenverfahrens ermittelte Lärmpegel lassen sich durch einzelne Messungen vor Ort nicht überprüfen, da solche Messungen nur Momentaufnahmen unter sich ständig ändernden Randbedingungen sein können. Zur Ermittlung von verlässlichen DStro-Werten ist eine größere Anzahl von Messungen (mindestens fünf) an Straßendecken des gleichen Typs erforderlich.
2 Korrektur DStro
2.1 Definition der Korrektur DStro
Nach den RLS-90 wird der Emissionspegel Lm E, der die Stärke der Schallemission einer Straße beschreibt, zunächst für eine Deckschicht aus nicht geriffeltem Gussasphalt berechnet.
Bezogen auf diese Referenz wird das Emissionsverhalten der tatsächlich vorhandenen Deckschicht durch die "Korrektur DStro für unterschiedliche Straßenoberflächen" nach Tabelle 4 der RLS-90 berücksichtigt.
Definitionsgemäß (Formel (6) und Abschnitt 4.4.1.1.1 der RLS-90) ist der Korrekturwert DStro der Straßenoberfläche einer bestimmten Deckschichtart (Deckschicht x) gleich der Differenz des Emissionspegels Lm E der Deckschicht x zum Mittelungspegel Lm(25) einer Deckschicht aus nicht geriffeltem Gussasphalt:
(1) DStro = Lm,E (Deckschicht x) - Lm(25)(Referenz)
2.2 Ermittlung der Korrektur DStro
In den RLS-90 wird der Einfluss der Straßenoberfläche auf die Geräuschemission des Lkw-Verkehrs dem des Pkw-Verkehrs gleichgesetzt (keine Differenzierung der Tabelle 4 der RLS-90 nach Fahrzeugarten). Daher kann die Differenz der Mittelungspegel in (1) der Differenz der mittleren Pkw-Vorbeifahrt L0 an der Deckschicht x zum mittleren Pkw-Vorbeifahrtpegel an der Deckschicht aus dem Referenzmaterial nicht geriffeltem Gussasphalt gleichgesetzt werden. Somit gilt auch:
(2) DStro = L0(Pkw, Deckschicht x) - L0(Pkw, Referenz)
Der mittlere Pkw-Vorbeifahrtpegel für eine bestimmte Geschwindigkeit, z.B. 120 km/h, wird nach GEStrO 92 [5] und ISO 11819 1 [6] nach dem Verfahren der Statistischen Vorbeifahrt (Statistical Passby Method, SPB) folgendermaßen ermittelt:
Der Pegel der Referenz aus nicht geriffeltem Gussasphalt wurde letztmalig 1998 ermittelt [7] und mit 85,2 dB(A) für Pkw-Vorbeifahrten mit 120 km/h festgestellt.
2.3 Messbericht
Aus der Datenbank der BASt über SPB-Messungen an unterschiedlichen Straßenoberflächen wurden Strecken aus offenporigem Asphalt der III. Generation [8] ausgewählt, die eine ausreichend große akustisch wirksame Schichtdicke aufwiesen (siehe Abschnitt 3). An diesem Kollektiv wurden spezielle Zeitreihenanalysen durchgeführt, die in [9] dokumentiert sind.
3 Messergebnisse und Korrektur DStro
1. Status aus 1997
Die Untersuchungen der BASt aus den Jahren 1986 bis 1995 ([10], [11]) an Erprobungsstrecken der I. Generation der offenporigen Asphaltdeckschichten (Kornanteil > 2 mm: 80 bis 90 M.-%; Kornanteil >5 mm: 50 bis 75 M.-%; Hohlraumgehalt > 15%; Einbaudicke 3,0 bis 4,0 cm [12]) zeigten für den OPA 0/8 (Korngröße von 0 - 8 mm bzw. Siebmaschenweite 8 mm) eine akustische Lebensdauer (DStro < -5 dB(A)) auf einbahnigen Straßen von über 5,5 Jahren und auf Autobahnen von 4 Jahren.
2. Status aus 2001
Für offenporige Asphaltdeckschichten der II. Generation mit erhöhtem Hohlraumgehalt (Kornanteil > 2 mm: 80 bis 90 M.-%; Kornanteil > 5 mm: 50 bis 75 M.-%; Hohlraumgehalt > 22%; Einbaudicke 3,0 bis 4,0 cm; [13], [14]) ergab sich für den OPA 0/8 eine akustische Lebensdauer (DStro < -5 dB(A)) auf einbahnigen zweistreifigen Straßen von mindestens 6 Jahren und auf Autobahnen ebenfalls von mindestens 6 [15], [16], [17].
Aktueller Status 2008
Einschichtige offenporige Asphaltdeckschichten der Bauweise 0/8, die der III. Generation zugerechnet werden können, weisen eine verbesserte Sieblinie auf (Kornanteil > 2 mm: 85 bis 90 M.-%; Kornanteil > 5 mm: 50 bis 75 M.-%; Hohlraumgehalt > 22%; Einbaudicke 4,0 cm ohne Abdichtung bzw. 5,0 cm mit Abdichtung 1 und eine akustisch wirksame Schichtdicke von mindestens 4,0 cm erreichen. Aufgrund der vorliegenden Daten kann einem einschichtigen OPA 0/8 für mindestens 8 Jahre ein DStro-Wert von -5 dB(A) zugewiesen werden.
Die akustische Lebensdauer zweischichtiger offenporiger Asphaltdeckschichten (ZWOPA) kann aufgrund der zu geringen Liegezeiten z.Zt. noch nicht abschließend beurteilt werden. Aufgrund der gegenüber einschichtigen OPA größeren Schichtdicke des ZWOPA ist für diesen eine mindestens gleiche akustische Lebensdauer zu erwarten. Daher kann auch einem zweischichtigen OPA mit einer oberen Schicht aus OPA 0/8 für mindestens 8 Jahre ein DStro Wert von < -5 dB(A) zugewiesen werden.
4 Ausblick
Zur Zeit werden die technischen Anforderungen für die Konzeption und den Bau von Asphaltdeckschichten aus
offenporigem Asphalt neu geregelt [18]. Der einschichtige offenporige Asphalt wird in Zukunft damit eine der Regelbauweisen sein ([19], [20]).
Die relativ neue Konzeption mit einem zweischichtigen Aufbau der offenporigen Deckschicht ist noch in der Erprobung. Pilotstrecken, z. T. in Kompaktbauweise, wie die A30 zwischen Hasbergen-Garste und Kreuz Osnabrück-Süd und die A9 zwischen AK München-Nord und AK Neufahrn werden derzeit intensiv beobachtet.
Auch auf Straßen mit relativ niedriger zulässiger Geschwindigkeit (50 bis 70 km/h) wird zweischichtiger offenporiger Asphalt erprobt. Auf der B 17 in Augsburg und auf der Westlichen Ringstraße in Ingolstadt wurde zweischichtiger offenporiger Asphalt verlegt [21]. Die Erfahrungen bzgl. des lärmtechnischen Verhaltens sind bisher positiv.
5 Literatur
[1] Sechzehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verkehrslärmschutzverordnung -16. BImSchV), 12.06.1990, Bonn
[2] Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen, Ausgabe 1990 (RLS-90), ARS Nr. 08/1990 vom 10.04.1990, VkBl. 1990, S. 258
[3] Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen, Ausgabe 1990 (RLS-90), berichtigter Nachdruck Februar 1992, ARS Nr. 17/1992 vom 18.03.1992, VkBl. 1992, S. 208
Richtlinie für den Lärmschutz an Straßen, Ausgabe 1990 (RLS-90) - Ergänzung der Fußnote der Tabelle 4, ARS Nr. 14/1991 vom 25.04.1991, VkBl. 1991, S. 480
[4] Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen - RLS-90, Deckschichten aus Waschbeton, ARS Nr. 05/2006 vom 17.02.2006, VkBl. 2006, S. 186
[5] Verfahren zur Messung der Geräuschemission an Straßenoberflächen (GEStrO 92), ARS Nr. 16/1992 vom 16.03.1992, VkBl. 1991, S. 480
[6] DIN EN ISO 11819-1 Akustik - Messung des Einflusses von Straßenoberflächen auf Verkehrsgeräusche - Teil 1: Statistisches Vorbeifahrtverfahren, Ausgabe 2002-05
[7] Statusbericht - Messungen zur Herleitung von DstrO-Korrekturen für Deckschichten aus Zementbeton mit Jutetuchtextur, BASt (unveröffentlicht), 08.09.1998
[8] Merkblatt für den Bau offenporiger Asphaltdeckschichten, Ausgabe 1998, FGSV Best.-Nr. 750
[9] Bartolomaeus, W.: Akustische Lebensdauer von Deckschichten aus offenporigem Asphalt - Auswertebericht, BASt (unveröffentlicht), Juli 2008
[10] Offenporige Asphaltdeckschichten, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft S. 12, März 1996
[11] Statuspapier - Offenporige Asphaltdeckschichten (OPA), BASt 17.10.1997
[12] Merkblatt für den Bau offenporiger Asphaltdeckschichten, Ausgabe 1991, FGSV Best.-Nr. 750
[13] Vorläufiges Merkblatt für den Bau offenporiger Asphaltdeckschichten, Ausgabe 1996
[14] Merkblatt für den Bau offenporiger Asphaltdeckschichten, Ausgabe 1997
[15] Die lärmmindernde Wirkung offenporiger Asphaltdeckschichten mit Hohlraumgehalt von mindestens 22 Vol. % auf Autobahnen - Messergebnisse bis 2001, BASt (unveröffentlicht), September 2001
[16] Statuspapier - Offenporige Asphaltdeckschichten (OPA), BASt 18.10.2001 (in ARS Nr. 05/2002)
[17] Richtlinie für den Lärmschutz an Straßen - RLS-90, Fahrbahnoberflächenkorrekturwerte Dstro für offenporigen Asphalt, ARS Nr. 05/2002 vom 26.03.2002, VkBl. 2006, S. 186
[18] Merkblatt offenporige Asphaltdeckschichten, M OPA, FGSV (unveröffentlicht), Entwurf 2008
[19] Technische Lieferbedingungen für Asphaltmischgut für den Bau von Verkehrsflächenbefestigungen, TL Asphalt-StB 07, FGSV Best.-Nr. 797
[20] Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für den Bau von Verkehrsbefestigungsflächen aus Asphalt, ZTV Asphalt-StB 07, FGSV Best.-Nr. 799
[21] Geräuschmindernde Fahrbahnbeläge in der Praxis - Stand der Technik, 3. Informationstage, Müller-BBM, Ingolstadt 25./26.04.2006
1) Abweichend von den Mindestdicken von 3,0 cm bzw. 4,0 cm aus M OPA 1998 [8], jedoch entsprechend dem aktuellen Baustandard.
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