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BfR-Empfehlungen für Materialien im Lebensmittelkontakt
LI. Temperaturbeständige Beschichtungssysteme aus Polymeren für Brat-, Koch- und Backgeräte
Gesundheitliche Beurteilung von Materialien und Gegenständen für den Lebensmittelkontakt im Rahmen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches
- Stand vom 01.03.2011 -
(Bundesgesundheitsbl. Nr. 5/2011 S. 666; aufgehoben)
1. Vorbemerkung
Beschichtungssysteme im Sinne dieser Empfehlung sind Dispersionen oder Lösungen organischer Kunstharze 1 in Wasser oder organischen Lösemitteln, die zur Herstellung haftabweisender, gleitfähiger Überzüge auf Küchengeräten und anderen mit Lebensmitteln in Kontakt kommenden Bedarfsgegenständen verwendet werden. Die Schichtdicken überschreiten in der Regel 60 gm nicht. Vorzugsweise handelt es sich um Kombinationen von feinteiligen Homo- oder Mischpolymeren des Tetrafluorethylens mit Lösungen oder Dispersionen filmbildender organischer Kunstharze. Auch gehören Beschichtungen aus Fluorpolymeren allein sowie Beschichtungen aus Kunstharzen ohne Mitverwendung von Fluorpolymeren in diese Empfehlung.
Gegen die Verwendung von temperaturbeständigen Beschichtungssystemen aus Polymeren bei der Herstellung von Bedarfsgegenständen im Sinne von § 2 Abs. 6 Nr. 1 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches bestehen keine Bedenken, sofern die Bedarfsgegenstände sich für die vorgesehene Verwendung eignen und ihre Beschichtungen folgende Voraussetzungen erfüllen:
2. Stoffe zur Herstellung von temperaturbeständigen Beschichtungen
2.1 Systeme zur Herstellung von Beschichtungen auf Brat- und Kochgeräten (z.B. Systeme für die Beschichtung von Bratpfannen, Kochtöpfen, Friteusen und dergl.) 2
2.1.1 Fluorpolymere:
2.1.1.1 Polytetrafluorethylen, sofern dessen Schmelzviskosität 3 bei 380 °C mehr als 50 Pa · s beträgt und dessen Schmelzpunkt4 über 320 °C liegt.
2.1.1.2 Mischpolymere des Tetrafluorethylens mit folgenden Comonomeren:
Perfluoralkylvinylether mit 1 - 3 C-Atomen in der Alkylgruppe
Hexafluorpropylen, höchstens 5 %, bezogen auf das Gewicht der Tetrafluorethylen-Mischpolymeren.
Die Schmelzviskosität 3 dieser Mischpolymeren muss bei 372 °C mehr als 103 Pa · s betragen, der Schmelzpunkt 4 darf 305 °C nicht unterschreiten.
2.1.2 Bindeharze:
2.1.2.1 Polyamidimide:
Polyamidimid 1 (PAI-1) =
Poly-N-(4,4"-diphenylmethantrimellithamidimid), hergestellt durch Umsetzung von 4,4"-Diisocyanatodiphenylmethan mit Trimellithsäureanhydrid und ggf. Ethylenglykolmonomethylether 5
Polyamidimid 2 (PAI-2) =
Poly-N-(4,4"-diphenylmethantrimellithamidimid), hergestellt durch Umsetzung von 4,4-Diaminodiphenylmethan mit Benzoylchlorid-3,4-dicarboxylsäureanhydrid
Polyamidimid 3 (Trionharz) =
Poly-(2,4,5-triketoimidazolidinodiphenylmethano-N,N"-diphenylmethanobisiminotrimellithsäureamid), hergestellt durch Umsetzung des Reaktionsproduktes aus Trimellithsäureanhydrid und 4,4"-Diaminodiphenylmethan mit 4,4"-Bisethoxalylaminodiphenylmethan und 4,4"-Diisocyanatodiphenylmethan.
2.1.2.2 Polyphenylensulfid (PPS), hergestellt durch Umsetzung aequimolarer Teile von p-Dichlorbenzol und Natrium- sulfid 6
2.1.2.3 Polyethersulfon (PES) =
Poly(oxy-pphenylensulfonyl-pphenylen), hergestellt durch Polykondensation aequimolarer Teile des Bis-Kaliumsalzes von 4,4"-Dihydroxydiphenylsulfon mit 4,4"-Dichlordiphenylsulfon.
2.1.2.4 Siliconharze, sofern diese dem Abschnitt II der jeweils geltenden Fassung der Empfehlung XV 7 entsprechen.
2.1.2.5 Polyarylsulfon, hergestellt durch Umsetzung von 4,4"-Dihydroxydiphenylsulfon und 1,4- Dihydroxybenzol
2.1.3 Haftvermittler:
Lithiumpolysilikat 8 (Gehalt an Lithiumoxid nicht mehr als 2,1 %)
Gemisch aus Aluminiumphosphat und Phosphorsäure 9
2.1.4 Additive:
Bei der Weiterverarbeitung der unter 2.1.1 und 2.1.2 genannten Polymeren dürfen die im folgenden genannten Fabrikationshilfsstoffe verwendet werden:
2.1.4.1 Emulgatoren:
Alkyl(C5-C15)phenoloxethylate mit 5 - 15 Ethylenoxidgruppen
Fettalkohol(C10-C20)oxethylate mit 5 - 15 Ethylenoxidgruppen
Natriumalkylsulfate(C10-C20)
Ammoniumlaurylsulfat
Copolymere aus Ethylenoxid und Propylenoxid, Ethylenoxidanteil mindestens 10 % Monoethanolammoniumlaurylsulfat
Triethanolaminoleat
Natrium-, Kalium- und Ammoniumsalze eines Kondensationsproduktes aus Naphthalinsulfonsäure und Formaldehyd
Natrium-, Kalium-, Ammonium- sowie Bis-(2-hydroxyethyl)-ammoniumsalze der Mono- und Diester der Phosphorsäure mit einwertigen, primären, geradkettigen gesättigten Fettalkoholen der Kettenlänge C12-C18
Sojalezithin
Perfluoroctansäure und deren Ammoniumsalz sowie Natriumsalz der Perfluoralkenyloxybenzolsulfonsäure 10
Ammonium 2,2,3-trifluor-3-[1,1,2,2,3,3-hexafluor-3-(trifluormethoxy)propoxy]propionat, höchstens 0,01 % in der Dispersion
2.1.4.2 Weitere Verarbeitungshilfsstoffe:
Organopolysiloxane (Siliconöl) gemäß Abschnitt I der Empfehlung XV 7
Acrylsäureethylester-Mischpolymerisate gemäß Empfehlung XXII
Methylcellulose
Ethylcellulose
Hydroxyethylcellulose
Triethylamin
Triethanolphosphat
Diethylmonoethanolamin
Cer-III-2-ethylhexanoat
Ammoniumpersulfat
Ethylendiamin
Dimethylbenzyloctadecylammoniumhektorit
2.1.4.3 Farbmittel 11 und Füllstoffe 12
2.2 Systeme zur Herstellung von Beschichtungen auf Backgeräten, auf Küchen-Hilfsgeräten, thermisch geregelten Elektrokleingeräten (bis 140 °C) und Abdeckungen von Brat- und Kochgeräten 13
Zusätzlich zu den unter 2.1 genannten Stoffen dürfen folgende Stoffe verwendet werden:
2.2.1 Mischpolymerisate des Tetrafluorethylens:
Copolymere des Tetrafluorethylens mit Hexafluorpropylen, sofern deren Schmelzviskosität 3 bei 380 °C 103 Pa · s und deren Schmelzpunkt 4 225 °C nicht unterschreiten
2.2.2 Bindeharze:
2.2.2.1 Polysulfon =
Poly-(oxy-pphenylensulfonyl-pphenylenoxy-pphenylenisopropyliden-pphenylen), hergestellt durch Umsetzung des Di-Natriumsalzes von 2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)propan (Bisphenol A) und 4,4"-Dichlordiphenylsulfon.
2.2.2.2 Epoxidharze, hergestellt durch Umsetzung von Glycidether aus 2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)propan (Bisphenol A) und Epichlorhydrin mit folgenden Vernetzern:
Melamin-Formaldehydharze, Phenol-Formaldehydharze, Harnstoff-Formaldehydharze und Benzoguanamin-Formaldehydharze.
2.2.2.3 Polyarylsulfon, hergestellt durch Umsetzung von 4,4"-Dihydroxydiphenylsulfon und 1,4-Dihydroxybenzol
2.2.3 Weitere Hilfsstoffe:
Bei der Weiterverarbeitung der vorstehend unter 2.2.1 und 2.2.2 genannten Mischpolymeren bzw. Bindeharze dürfen außer den unter 2.1.3 aufgeführten Haftvermittlern folgende weitere Stoffe verwendet werden:
Kaliumcitrat
Mischpolymerisat aus Methacrylsäuremethylester und 3-(2-Methacryloxethyl)-2,2- spirocyclohexyloxazolidin.
3. Anforderungen an die Fertigerzeugnisse
3.1 Allgemeine Anforderungen:
In einer Gebrauchsanleitung ist darauf hinzuweisen, dass die Geräte vor dem ersten Gebrauch einmalig mit Wasser auszukochen und dann mit Fett auszureiben sind.
3.2.1 Versuchsbedingungen für
A = beschichtete Brat- und Kochgeräte gemäß 2.1
B = beschichtete Backgeräte gemäß 2.2
| Versuchsdauer und -temperatur: | Prüflebensmittel: |
| 60 Minuten, 95 °C (A) 90 Minuten, 95 °C (B) | destilliertes Wasser |
| 60 Minuten, 95 °C (A) 90 Minuten, 95 °C (B) | 3gew.%ige Essigsäure |
| 30 Minuten, 200 °C (A) 90 Minuten, 140 °C (B) | Prüffett (standardisiertes Triglycerid, natürliche Fette oder Öle) |
Weichen die Gebrauchsbedingungen wesentlich von den vorgenannten Versuchsbedingungen ab, so sind diese den jeweiligen Bedingungen des praktischen Gebrauchs anzupassen 15.
3.2.2 Grenzwerte der spezifischen Migration
Bei der Prüfung der spezifischen Migration gemäß 3.2.1 dürfen folgende Grenzwerte nicht überschritten werden:
| Gesamtfluor: | 0,05 mg/dm2 |
| phenolische Stoffe: | 0,05 mg/dm2 |
| organisch gebundener Stickstoff: | 0,02 mg/dm2 |
| primäre aromatische Amine: | nicht nachweisbar (Nachweisgrenze 0,02 mg/kg, Analysentoleranz eingeschlossen) |
| Formaldehyd: | entsprechend dem Grenzwert der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 |
| Emulgatoren: 1,4-Dihydroxybenzol | insgesamt 0,05 mg/dm2 entsprechend dem Grenzwert der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 |
| Perfluoroctansäure und deren Ammoniumsalz | insgesamt höchstens 0,005 mg/dm2 |
| Natriumsalz der Perfluoralkenyloxybenzolsulfonsäure | |
| Ammonium 2,2,3-trifluor-3-[1,1,2,2,3,3-hexafluor-3-(trifluormethoxy)propoxy]propionat: | 0,0002 mg/dm2 |
3.3 Begrenzung niedermolekularer Bestandteile in den fertigen Beschichtungen
Die fertigen Beschichtungen dürfen pro dm2 nicht mehr an den folgend unter 3.3.1 bis 3.3.6 genannten niedermolekularen Stoffen enthalten: 14
3.3.1 Beschichtungen aus Polyamidimiden mit und ohne Verwendung von Polytetrafluorethylen:
| Isocyanat: | 0,005 mg |
| Trimellithsäureanhydrid: | 0,05 mg |
3.3.2 Beschichtungen aus Polyphenylensulfid:
| p-Dichlorbenzol: | entsprechend dem Grenzwert der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 |
3.3.3 Beschichtungen aus Polyethersulfon:
| 4,4"-Dihydroxydiphenylsulfon: | 0,05 mg |
| Diphenylsulfon: | 0,05 mg |
| 4,4"-Dichlordiphenylsulfon: | 0,05 mg |
| 4-Chlor-4"-hydroxydiphenylsulfon: | 0,05 mg |
3.3.4 Beschichtungen aus Polysulfon:
| 4,4"-Dichlordiphenylsulfon: | 0,02 mg |
| 2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)-propan (Bisphenol A): | entsprechend dem Grenzwert der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 |
| Monochlorbenzol: | 0,08 mg |
3.3.5 Beschichtungen aus Epoxidharz:
| Epichlorhydrin: | entsprechend dem Grenzwert der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 |
3.3.6 Beschichtungen, die unter Verwendung von Haftvermittlern hergestellt wurden, dürfen keine positive Reaktion auf 6-wertiges Chrom anzeigen.
Im Extrakt darf nicht mehr als 0,02 mg 3-wertiges Chrom nachweisbar sein. Der Lithiumgehalt des Extraktes darf 0,5 mg nicht überschreiten.
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1) Kunstharze im Sinne dieser Empfehlung sind durch Abwandlung von Naturprodukten, Polymerisation, Polykondensation oder Polyaddition gewonnene Polymere, z.B. Duroplaste, Thermoplaste und Elastomere.
2) Hierzu gehören Beschichtungen, die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch der Geräte auf Temperaturen bis 230 °C erhitzt werden, kurzfristig - bis zu 15 min - auch bis 250 °C.
3) Bestimmung nach ASTM D 1238 "Flow Rates of Thermoplastics by Extrusion Plastometer", zu beziehen von American Technical Publishers Ltd., 68 a Wilbury Way, Hitchin, Herts. SG4 OTP/England.
4) Ke, B.: Newer Methods of Polymer Characterization, London: Interscience Publishers, 1964
5) Der Stickstoffgehalt von Polyamidimid 1 beträgt 7,8 bis 8,2 %.
6) Der Schwefelgehalt von Polyphenylensulfid beträgt 28,2 bis 29,1 %.
7) Vgl. Empfehlung XV. "Silicone"
8) Für den Übergang dieses Stoffes in Lebensmittel sowie in wässrige Prüflebensmittel gelten die Bestimmungen der Verordnung (EU) Nr. 10/2011.
9) Unter Verwendung von Chromsäure hergestellte Haftvermittler sind nur noch vereinzelt anzutreffen, Anforderungen an diese Beschichtungen s. unter 3.3.6.
10) Bei der Prüfung der spezifischen Migration gemäß Nr. 3.2 dürfen von beiden fluorhaltigen Emulgatoren nicht mehr als insgesamt 0,005 mg/dm2 nachweisbar sein.
11) Empfehlung IX. "Farbmittel zum Einfärben von Kunststoffen und anderen Polymeren für Bedarfsgegenstände"
12) Empfehlung LII. "Füllstoffe für Bedarfsgegenstände aus Kunststoffen"
13) Hierzu gehören Beschichtungen, die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch der Geräte auf Temperaturen bis 140 °C erhitzt werden, kurzfristig - bis zu 15 min - auch bis 180 °C.
14) Methoden zur Bestimmung der spezifischen Migration der folgend unter 3.2.2 genannten Stoffe sowie für die Bestimmung der niedermolekularen Bestandteile gemäß 3.3 siehe Teil B.II. LI. "Untersuchung von temperaturbeständigen Beschichtungssystemen aus Polymeren für Brat-, Koch- und Backgeräte". In: Kunststoffe im Lebensmittelverkehr. Carl-Heymanns-Verlag. Losebl.-Ausg.
15) Abweichende Gebrauchsbedingungen können z.B. bei gewerblichen Friteusen oder Lebensmittelverarbeitungsmaschinen vorliegen.
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