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AMR 3.1 - Erforderliche Auskünfte/ Informationsbeschaffung über die Arbeitsplatzverhältnisse
Arbeitsmedizinische Regel (AMR)

Vom 2. Dezember 2013
(GMBl. Nr. 5 vom 24.02.2014 S. 86)


Archiv: 2012

Die Arbeitsmedizinischen Regeln geben den Stand der Arbeitsmedizin und sonstige gesicherte arbeitsmedizinische Erkenntnisse wieder. Sie werden vom

Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed)

ermittelt oder angepasst und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) bekannt gegeben.

Diese AMR konkretisiert im Rahmen ihres Anwendungsbereichs die Anforderungen des § 3 Absatz 2 Satz 3 sowie des § 6 Absatz 1 Satz 2 der ArbMedVV. Bei Einhaltung der AMR kann der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnung erfüllt sind. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen. Der Arzt oder die Ärztin im Sinne des § 7 ArbMedVV hat diese AMR als dem Stand der Arbeitsmedizin entsprechende Regel zu berücksichtigen (§ 6 Absatz 1 Satz 1 ArbMedVV).

1. Vorbemerkungen und Zielsetzung

(1) Diese AMR gilt für arbeitsmedizinische Vorsorge (Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge) nach der ArbMedVV. Sie konkretisiert die Informationen, die der Arbeitgeber dem Arzt oder der Ärztin im Sinne des § 7 ArbMedVV erteilen muss sowie die Kenntnisse, die sich der Arzt oder Ärztin verschaffen muss.

(2) Nach § 3 Absatz 2 Satz 3 ArbMedVV hat der Arbeitgeber dem nach § 7 ArbMedVV mit der arbeitsmedizinischen Vorsorge beauftragten Arzt/der beauftragten Ärztin alle erforderlichen Auskünfte über die Arbeitsplatzverhältnisse, insbesondere Anlass der jeweiligen Vorsorge und Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung, zu erteilen und die Begehung des Arbeitsplatzes zu ermöglichen.

(3) Der Arzt oder die Ärztin im Sinne des § 7 ArbMedVV ist nach § 6 Absatz 1 Satz 2 ArbMedVV verpflichtet, sich vor Durchführung arbeitsmedizinischer Vorsorge die notwendigen Kenntnisse über die Arbeitsplatzverhältnisse zu verschaffen.

(4) Zur ärztlichen Beurteilung der individuellen Wechselwirkungen zwischen der Arbeit und der Gesundheit eines Beschäftigten sind Informationen über dessen individuelle Arbeitsplatzsituation notwendig. Die arbeitsmedizinische Vorsorge stellt den individualmedizinischen Anteil der arbeitsmedizinischen Prävention dar. Daher sind für den Arzt oder die Ärztin neben Kenntnissen der Firmenstruktur, Produktionsanlagen, Fertigungsprozesse und sich daraus ergebenden Gefährdungen die unter Punkt 3 aufgeführten individuellen Informationen notwendig, wenn eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu veranlassen, anzubieten oder zu ermöglichen ist. Vor Durchführung der Vorsorge ist die Kenntnis aller Gefährdungen des betreffenden Arbeitsplatzes oder der betreffenden Tätigkeiten erforderlich, damit Interaktionen verschiedener Einflussfaktoren ermittelt werden können. Die Kenntnis der gesamten Gefährdungsbeurteilung ist insbesondere auch deshalb relevant, da arbeitsmedizinische Vorsorge über die alleinige Früherkennung spezifischer Schädigungen hinaus auch dem Gesundheitsschutz im Sinne einer Primärprävention dient.

2. Informationsübermittlung

(1) Der Arbeitgeber hat die unter Punkt 3 aufgeführten Informationen für den nach § 7 ArbMedVV mit der arbeitsmedizinischen Vorsorge beauftragten Arzt oder die beauftragte Ärztin zu erteilen. Der Arbeitgeber hat diese Pflicht erfüllt, wenn er die Informationen digital oder schriftlich für die Ärztin oder den Arzt zugänglich vorhält und auf Verlangen des Arztes oder der Ärztin zum Beispiel im Rahmen einer Begehung qualifizierte Auskünfte gibt.

(2) Der Arzt oder die Ärztin hat die Pflicht, die nach Punkt 3 relevanten Informationen einzusehen, damit er oder sie diese bei der Beurteilung berücksichtigen kann.

3. Inhalte der Informationen

(1) Für eine arbeitsmedizinische Vorsorge muss der Arzt oder die Ärztin Zugang zu folgenden Informationen bekommen:

(2) Arbeitsplatzspezifisch und tätigkeitsbezogen muss der Arzt oder die Ärztin darüber hinaus Informationen bekommen zu:

4. Beispieltabelle

Mitarbeiter Franz Meyer, 12.7.1957
Firmenzugehörigkeit seit 1.1.1988
Vorsorgeanlass Exposition gegenüber Mehlstaub
vorgesehene Vorsorge Angebotsvorsorge, nach Aufnahme der Tätigkeit
Arbeitsorte Teigmischmaschinen 1+2, Halle 1 Teigportioniermaschine, Halle 1 Mehlsilos, Halle 2
Arbeitszeiten 2:00-10:30, Sonntag + 1 Wochentag frei
Arbeitsaufgaben Überwachung Mehlanlieferung Teigmischmaschinen, Teigportioniermaschine Reinigung Arbeitsbereiche
Gefährdungen durch Arbeitsumgebungs-
bedingungen
teilweise feuchte Böden
Absturzgefährdung Reinigung Silos; Raumtemperatur circa 26 °C
Gefährdungen durch verwendete Maschinen und Werkzeuge entfällt
Gefährdungen durch elektromagnetische Felder, nichtionisierende und ionisierende Strahlen entfällt
physische Belastungen Heben von 20 kg Mehlsäcken
Gefährdungen durch Arbeitsstoffe Backhilfsstoffe werden als Granulat, Spezialmehle manuell zugegeben;
Reiniger XY
psychische Belastungen Prämienarbeit oder Akkordarbeit
Sicherheitsdatenblätter der verwendeten Gefahrstoffe Reiniger XY (siehe Anlage*)
Messprotokolle Lärmmessung vom 06.05.2007 (siehe Anlage*)
Technischer Arbeitsschutz Halle 1: Absaugung zentral;
Bewegliche Absaugung Teigmischmaschine
Organisatorische Arbeitsschutzmaßnahmen keine Alleinarbeit im Silobereich
Persönliche Arbeitsschutzmaßnahmen rutschfeste Schuhe;
Staubmaske bei Mehlanlieferung (FFP 2 Maske, Firma ...); Schutzhandschuhe (gemäß Sicherheitsdatenblatt für Reiniger XY) bei Reinigungsarbeiten
Jährliche Unterweisungen Hautschutz (Datum); Rückenschonendes Heben (Datum)
Vorsorgekartei siehe Anlage*
Letzte Arbeitsplatzbegehung 2/2011: keine Absaugung bei Mehlsilos
Ergriffene Maßnahmen Einbau einer Absauganlage geplant für 2012
* fiktiv, hier nicht abgebildet
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