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AfMu-Information (MuSchInfo) Nummer 11.2.01- Information zur Relevanz von Infektionserregern in Deutschland aus Sicht des Mutterschutzes - Grundlagendokument
- Information des Ausschusses für Mutterschutz -
Vom 16. Mai 2025
(Quelle: www.ausschuss-fuer-mutterschutz.de)
Stand: 15.09.2022
Gemäß § 30 Absatz 1 Satz 1 Mutterschutzgesetz ( MuSchG) ist der Ausschuss für Mutterschutz ( AfMu) beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) angesiedelt; ihm gehören geeignete Personen vonseiten der öffentlichen und privaten Arbeitgeber, der Ausbildungsstellen, der Gewerkschaften, der Studierendenvertretungen und der Landesbehörden sowie weitere geeignete Personen, insbesondere aus der Wissenschaft, an.
Der AfMu berät das BMFSFJ und steht im fachlichen Austausch mit den arbeitsschutzrechtlichen Ausschüssen nach § 18 Absatz 2 Nummer 5 Arbeitsschutzgesetz ( ArbSchG) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).
Aufgabe des AfMu ist es, praxisgerechte Veröffentlichungen zu erstellen, die es Arbeit-gebenden erleichtern, bei der Umsetzung des Mutterschutzes den jeweils aktuellen Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
| Informationen geben den aktuellen Kenntnis- oder Sachstand wieder und werden in Form von Hintergrundpapieren, FAQ oder schriftlichen Antworten auf Anfragen im Internetauftritt des Ausschusses für Mutterschutz veröffentlicht. Mutterschutz-Informationen sollen es Arbeitgebern und Akteuren des betrieblichen Arbeitsschutzes erleichtern, das Mutterschutzgesetz adäquat umzusetzen und stehen anderen interessierten Personengruppen als Informationsmaterial zur Verfügung. |
Zitierregelung:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Information zur Relevanz von Infektionserregern in Deutschland aus Sicht des Mutterschutzes - Grundlagendokument, Information des Ausschusses für Mutterschutz, Nr. MuSchInfo 11.2.01, 2022
1. Welche Infektionen gelten als "schwangerschaftsrelevant"?
Als "schwangerschaftrelevant" werden Infektionen betrachtet, deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Schwangeren oder des Feten durch ein in veröffentlichten Studien basierendes Wissen belegt ist. Als schwangerschaftsrelevant gelten demnach Infektionen, für die publizierte Daten zeigen, dass sie die Gesundheit
(I) des Feten (Embryo-/Fetopathie) und/oder
(II) der Schwangeren (schwerere Erkrankung als bei Nichtschwangeren) und/oder
(III) des Neugeborenen (neonatale Erkrankungen, konnatale Syndrome, Spätfolgen) beeinflussen.
Basierend auf diesen Vorgaben wurden die Infektionen verursacht durch
als schwangerschaftsrelevant eingeschätzt ( Tabelle 1). Zu den jeweiligen Infektionserregern wurden Steckbriefe verfasst, in denen die Eigenschaften der jeweiligen Infektionserreger, der Verlauf der durch sie verursachten Infektionen und Erkrankungen im Allgemeinen, bei Schwangeren, Feten und Neugeborenen sowie die Möglichkeiten zur Prävention zusammengefasst werden (siehe Anhang).
2. Warum gelten viele Infektionen als nicht relevant für die Schwangerschaft?
Infektionen, deren Problematik bei Schwangeren nur in Einzelfallberichten beschrieben ist, wurden nicht als relevant eingestuft. Auch beschränkt sich die obige Auflistung ausschließlich auf Infektionen, die in Deutschland endemisch oder epidemisch auftreten.
Grundsätzlich ist jedoch jede fieberhafte Infektion bei Schwangeren potentiell problematisch. Insbesondere während der ersten Schwangerschaftswochen können auch Infektionen, die ohne oder mit milden Erkrankungsanzeichen verlaufen, zu Aborten führen. Jüngere Übersichtsarbeiten aus den USA und Großbritannien beschreiben, dass der Prozentsatz von sich spontan ereignenden Aborten im ersten Schwangerschaftsdrittel bei Werten zwischen 15 und 30 % liegt (Sapra et al., 2017; Pinar et al., 2018; Quenby et al., 2021). Bei dieser sehr hohen Rate von Spontanaborten ist es schwer, die Kausalität zu bestimmten Auslösern zu zeigen. Neben Infektionen können auch genetische, immunologische, endokrinologische oder uterine Abnormalitäten ebenso zu dieser Abortrate in der Frühschwangerschaft beitragen wie auch das Alter der Schwangeren, Umfeld und durch den Lebensstil bedingte Einflüsse (beispielsweise Unter-/Übergewicht, Rauchen, Drogen-/Alkoholkonsum, Luftverschmutzung, Exposition zu Pflanzen-/Insektenschutzmitteln). Das Ausmaß, in dem bestimmte Infektionen zur Abortrate beitragen, kann daher nicht benannt werden. Ähnlich schwer ist feststellbar, inwieweit bestimmte Infektionen vermehrt zu Frühgeburten (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) führen. In Deutschland werden knapp 10 Prozent der Kinder früh geboren (Blencowe et al., 2012) und es ist unklar, wie häufig Infektionen die Frühgeborenenrate beeinflussen. Vielfältig können auch die Faktoren sein, die zur intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR, auch bekannt als small for gestational age/SGA) beitragen; dieser Zustand betrifft etwa 5-10 Prozent der Schwangerschaften und kann durch Infektionen befördert werden, aber auch anderweitige maternale, fetale und plazentare Ursachen haben (Mayer und Joseph, 2013; Kehl et al., 2017). Insbesondere grippale oder gastrointestinale Infekte sind in der Bevölkerung weit verbreitet, werden aber häufig nicht bemerkt oder gar diagnostiziert. Für den Verlauf dieser Infektionen bei Schwangeren und ihren Folgen existieren daher nur sehr wenige wissenschaftlich belegte Daten; ihre Schwangerschaftsrelevanz kann deswegen nicht bewertet werden. Grundsätzlich kommt der generellen Beratung zur Infektionsvermeidung durch geeignete allgemeine Maßnahmen (Hygiene, Abstandhalten etc.) eine große Bedeutung zu. Alle Beschäftigten sollen frühzeitig und regelmäßig entsprechende Informationen erhalten (z.B.: durch betriebliche Unterweisungen am Arbeitsplatz).
2.1. Sonderfall: SARS-CoV-2 Infektionen
Einen Sonderfall stellen die SARS-CoV-2-Infektionen dar, die seit ihrem erstmaligen Auftreten im Winter 2019/20 eine zum heutigen Zeitpunkt noch andauernde Pandemie ausgelöst haben. Mittlerweile sind verschiedene SARS-CoV-2-Varianten bekannt, die sich in aufeinanderfolgenden Infektionswellen in der Bevölkerung verbreitet haben. Die Varianten unterscheiden sich auch bei Schwangeren hinsichtlch der Schwere der durch sie verursachten COVID-19-Erkrankungen. Während der ersten Monate wurde bei Vorherrschen der SARS-CoV-2-Varianten Alpha und Beta nicht beschrieben, dass die Infektionen bei Schwangeren mit einer schweren oder im Vergleich zu nicht schwangeren Frauen veränderten Symptomatik einhergehen oder intrauterine Übertragungen stattfinden, die fetale Erkrankungen zur Folge haben. Mit dem Auftreten der Delta-Variante des SARS-CoV-2 im Herbst 2021 wurde jedoch vor allem in der Spätschwangerschaft eine Tendenz zu vermehrt schweren Infektionsverläufen deutlich. Mit der sich anschließenden Verbreitung der Omikron-Variante ab Dezember 2021 änderte sich dieses Bild erneut: Schwere Erkrankungen wurden bisher sowohl bei geimpften wie nicht geimpften Schwangeren nur selten registriert (Birol Ilter et al., 2022; Adhikari et al., 2022). Zwar sollen SARS-CoV-2-Infektionen durch entsprechend sinnvolle Schutz- und Hygienemaßnahmen bei Schwangeren vermieden werden, eine Einordnung des SARS-CoV-2 als generell schwangerschaftsrelevanten Infektionserreger entsprechend der zuvor beschriebenen Kriterien lässt die derzeitige Datenlage und Dynamik der noch laufenden Pandemie jedoch nicht zu. Es existieren für das Management der SARS-CoV-2-Infektion bei Schwangeren einige Leitlinien sowie Stellungnahmen der Fachgesellschaften, die über die jeweilig aktuelle Datenlage berichten und Empfehlungen abgeben (Pecks et al., 2022). Zu beachten ist auch die Empfehlung des Ausschuss für Mutterschutz zur mutterschutz-rechtlichen Bewertung von Gefährdungen durch SARS-CoV-2 (https://www.ausschuss-fuer-mutterschutz.de/arbeitsergebnisse/empfehlungen).
3. Häufigkeit von Infektionen mit schwangerschaftsrelevanten Biostoffen in Deutschland
3.1. Meldezahlen nach Infektionsschutzgesetz und SurvStat, Abschätzung der epidemiologischen Situation
In Deutschland besteht für alle parasitären sowie für einige der bakteriellen und viralen als schwangerschaftsrelevant bewerteten Infektionserreger Meldepflicht entsprechend der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes ( Tabelle 1). Im Fall der bakteriellen Erreger betrifft das Treponema pallidum und die Listerien, bei Virusinfektionen betrifft das alle impfpräventablen Erkrankungen (Masern, Röteln, Hepatitis B, Influenza, Varizellen) sowie HIV-Infektion und Hepatitis C als nicht impfpräventable Infektionen. Es ist zu berücksichtigen, dass im Fall von HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und Varizellen jeweils nur die Erstdiagnosen gemeldet werden. Darüber hinaus sind epidemiologische Daten in SurvStat des Robert-Koch-Instituts abfragbar.
3.1.1. Virusinfektionen
Die für die Gesamtbevölkerung gemeldeten Zahlen der akuten impfpräventablen Virusinfektionen Masern und Röteln belegen, dass diese Erkrankungen bei Schwangeren eine Rarität darstellen und sich auf seltene Einzelfälle beschränken. Im Fall der Röteln wurden konnatale Erkankungen seit mehreren Jahren nicht mehr registriert, die Meldungen für postnatale Röteln liegen im niedrigen einstelligen Bereich. Deutschland wurde 2021 rückwirkend für die letzten Jahre als frei von endemisch auftretenden Röteln erklärt; wie in vielen anderen europäischen und amerikanischen Ländern gelten Rötelnviren damit in Deutschland als eliminiert (Matysiak-Klose D, et al., 2021). Eine ähnlich erfreuliche Entwicklung wird für die Masern in den nächsten Jahren prognostiziert. Mitverantwortlich dafür sind die seit dem Frühjahr 2020 geltenden Vorgaben zur verpflichtenden Masernimpfung in Gemeinschaftseinrichtungen, die auch den Schutz vor Röteln einschließt (Masernschutzgesetz, 2020) und die für die Kontrolle der SARS-CoV-2-Pandemie etablierten Hygiene- und Abstandsregeln. Auch wenn die Impfprävention der Windpocken noch nicht so lange etabliert ist, sind seit Empfehlung der Varizellenimpfung durch die Ständige Impfkommission im Jahr 2004 die Zahlen der gemeldeten Infektionen in der Bevölkerung von jährlich etwa 800.000 auf weniger als 10.000 Fälle zurückgegangen. Folglich findet man die Windpocken auch bei Schwangeren nur noch sehr selten. Deutlich unter 10.000 Fällen/Jahr liegen auch die Meldezahlen für die Hepatitis B. Aufgrund der Impfungen und inzwischen etablierten antiviralen Therapien ist ein weiterer Rückgang der Personen mit chronisch-persistierender Hepatitis B zu erwarten (Cornberg et al., 2021). Unter den impfpräventablen Virusinfektionen ist mit größeren Infektionszahlen nur bei der während der Wintermonate epidemisch auftretenden Influenza auszugehen.
Unter den nicht impfpräventablen Virusinfektionen dürfte die in Deutschland nicht meldepflichtige CMV-Primärinfektion das Hauptproblem darstellen. Bei einer mit dem Lebensalter ansteigenden Durchseuchung der Schwangeren von 42-55 Prozent und einer 0,5- bis 1,0-prozentigen Jahresinzidenz für Primärinfektionen infizieren sich jährlich schätzungsweise etwa 2.000 bis 4.000 Schwangere mit CMV. Insbesondere in der Frühschwangerschaft können CMV-Primärinfektionen mit einer hohen Fetopathie- und Schädigungsrate verbunden sein (Buxmann et al., 2018). Da etwa vierzig Prozent der CMV-Primärinfektionen in der Schwangerschaft intrauterin übertragen werden und etwa ein Prozent der konnatal infizierten mit schweren Symptomen geboren werden (Gehör-/Sehstörungen, mentale Retardierung), treten in Deutschland jährlich konservativ geschätzt 80 bis 160 Fälle CMV-assoziierter Langzeitschäden auf. An zweiter Stelle stehen akute Infektionen mit Parvovirus B19, dem Erreger der Ringelröteln. Infektionen, die sich bei Schwangeren bis zur 20. Schwangerschaftswoche ereignen, können eine behandlungsbedürftige fetale Anämie mit der Ausbildung eines Hydrops fetalis verursachen; der Tod des Feten kann bei rechtzeitiger Diagnose durch Erythrozytentransfusion über die Nabelschnurvene verhindert werden. Auch wenn ein höherer Anteil von über siebzig Prozent der Schwangeren durch eine zurückliegende Parvovirus B19-Infektion geschützt ist, kann man in Deutschland mit etwa 1.000 bis 2.000 akuten Infektionen bei Schwangeren und bis zu 100 Fällen schwerer fetaler Anämie pro Jahr rechnen. Deutlich schwieriger ist die Zahl von Entero- und Parechovirusinfektionen einzuschätzen, die bei perinataler Übertragung schwere Enzephilitiden oder
Myokarditiden bei Neugeborenen verursachen können. Entsprechendes gilt für Herpes-simplex-Viren, welche bei genitaler Primärinfektion und in geringerem Maße auch bei Reaktivierung im letzten Trimenon perinatal übertragen werden und bei den Neugeborenen schwere systemische Infektionen mit hoher Mortalität auslösen können. Eine absolute Rarität dürften Infektionen mit Lymphozytären Choriomeningitisviren bei Schwangeren darstellen. Die zoonotische Übertragung - ausgehend von infizierten Nagetieren - kann aber mit schweren Schädigungen assoziiert sein.
Etwas anders muss die Situation bei den persistierenden Virusinfektionen (Hepatitis B, C und HIV-Infektion) betrachtet werden. Die Zahlen der in Deutschland gemeldeten Erstdiagnosen von Hepatitis-B- und Hepatitis C-Virus-Infektionen liegen aktuell bei etwa 7.500 beziehungsweise 4.700 Fällen pro Jahr; im Fall von HIV werden jährlich knapp 2.500 Erstdiagnosen gemeldet. Die Diagnose dieser Infektionserreger ist bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter sind akute Hepatitis-B-, Hepatitis-C- und HI-Virusinfektionen selten. Aufgrund der nach der akuten Infektion anhaltenden Persistenz dieser Erreger im Organismus kommt vor allem dem Management der chronischen Infektionen eine große Bedeutung zu. Diagnostisches Screening aller Schwangeren ist für Hepatitis B- und HIV-Infektionen in den Mutterschaftsrichtlinien verankert (Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA, 2021), so dass die Erkennung der Infektionen bei Schwangeren gewährleistet ist und das klinische Management mit antiviraler Therapie zur Vermeidung der peri-/neonatalen Übertragung eingeleitet werden kann (Behrens et al., 2020, Cornberg et al., 2021). Die juvenile Larynxpapillomatose wird durch Übertragung von Papillomaviren (vor allem HPV-6, HPV-11) bei vaginaler Entbindung verursacht, wenn die Schwangere im Genitalbereich an Feigwaren (Conylomata accuminata) leidet. Diese häufig persistierenden Hautläsionen entstehen durch Papillomavirus-Infektionen der Genitalschleimhaut und werden überwiegend durch den Sexualpartner oder die Sexualpartnerin vor oder auch während der Schwangerschaft übertragen ( Tabelle 2). Die infizierten Kinder entwickeln eine Larynxpapillomatose während der ersten Lebensmonate und -jahre. Diese Fälle werden weder gemeldet noch registiert; man schätzt, dass in Deutschland jährlich mit etwa 25-35 Erkrankungen bei Kindern zu rechnen ist.
3.1.2. Bakterielle Infektionen
Bei den schwangerschaftsrelevanten bakteriellen Biostoffen findet man das Risiko der transplazentaren Übertragung bei akuten Infektionen mit Listeria monocytogenes und Treponema pallidum (vor allem im Sekundärstadium). Während die konnatale Lues auch aufgrund der Testung der Schwangeren im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien sehr selten gemeldet wird - die jährlich gemeldeten Zahlen liegen im niedrigen einstelligen Bereich - schätzt man die Zahl der konnatalen und neonatalen Listeriose auf etwa 10 Prozent der insgesamt jährlich gemeldeten 500 bis 600 Fälle ( Tabelle 1); dabei werden die Fälle fetaler und peri-/neonataler Infektionen zusammengefasst. Listeria-Infektionen der Schwangeren erfolgen durch Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln (Rohfleisch-/Rohfisch-/Rohmilch-/Rohkostprodukte; Tabelle 2). Die Infektionen des Feten und auch des Neugeborenen sind sehr häufig mit Früh- und Totgeburten (konnatale Listeriose) beziehungsweise mit ebenfalls sehr schwer verlaufender Meningitis/Meningoencephalitis und Sepsis (neonatale Listeriose, Letalität ca 36%) verbunden. Bei peri-/neonataler Übertragung von Listerien ist die Prognose für das Neugeborene deutlich besser.
Überwiegend peri-/neonatale Übertragung findet man bei Infektionen der Schwangeren mit Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis und Gruppe-B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae). Übertragung von Neisseria gonorrhoeae erfolgt ausschließlich durch direkten Schleimhautkontakt, vor allem beim Geschlechtsverkehr oder beim Geburtsvorgang. Nach der Übertragung besiedelt N. gonorrhoeae unter anderem die Epithelien der Urethra und des Zervikalkanals. Bei infizierten Schwangeren wird eine erhöhte Rate von Frühgeburten beschrieben; die Übertragung während des Geburtsvorgangs kann Gonokokken-Konjunktivitis oder eine oropharyngeale Infektion zur Folge haben. Chlamydia trachomatis gehört weltweit zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Infektionen; man schätzt, dass in Deutschland 10 bis 20 Prozent der jungen Frauen infiziert sind. Bei etwa 60% bis 70% der infizierten Schwangeren können die Erreger beim Geburtsvorgang auf die Neugeborenen übertragen werden und Konjunktivitis, seltener eine Otitis media verursachen. Wird erregerhaltiges Vaginalsekret während der Geburt aspiriert, kann es zu einer schweren interstitiellen Pneumonie des Neugeborenen kommen. Aufgrund dieser Konstellation wird allen Schwangeren ein Screening entsprechend der Mutterschafts-Richtlinien angeboten. Gruppe B Streptokokken (GBS, Streptococcus agalactiae) sind weit verbreitet, man schätzt, dass die Genital-/Darmschleimhaut von 5 bis 30 Prozent aller Schwangeren mit den Erregern besiedelt ist, ohne dass damit Symptome bei der Schwangeren einhergehen. Die Übertragung auf das Kind kann in der Endphase der Schwangerschaft aufsteigend durch Infektion des Fruchtwassers oder perinatal beim Geburtsvorgang erfolgen. Insbesondere GBS-Infektionen bei Frühgeborenen können Sepsis, Meningitis oder Pneumonie verursachen. Auch auf die Möglichkeit der postnatalen Infektion des Neugeborenen, beispielsweise durch infizierte Angehörige, sei hingewiesen.
3.1.3. Parasitäre Infektionen
Bisher gilt hierzulande Toxoplasma gondii als der einzig bekannte parasitäre Infektionserreger mit Schwangerschaftsrelevanz. Er wird durch kontaminiertes Fleisch, insbesondere Schweinefleisch (rohes Fleisch, Rohwürste etc.) und den Kot junger Katzen übertragen ( Tabelle 2). In Deutschland findet man eine mit dem Lebensalter ansteigende Durchseuchung auf über 70 Prozent der Bevölkerung. Postnatale Toxoplasma-Erstinfektionen verlaufen bei immunkompetenten Kindern und Erwachsenen überwiegend ohne Symptome, bei Schwangeren können die Erreger jedoch transplazentar auf den Feten übertragen werden. Mit Fortschreiten der Schwangerschaft werden die Infektionen zwar leichter auf den Feten übertragen, die Schwere der fetalen Erkrankung (Retinochoroiditis, Hydrocephalus und intrakranielle Verkalkungen) nimmt hingegen ab. Insbesondere im ersten Trimenon verlaufen die fetalen Infektionen schwer, auch tödlich. Jährlich werden nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes etwa 15 Fälle konnataler Toxoplasmase gemeldet; es ist jedoch von einer deutlichen Untererfassung auszugehen ( Tabelle 1).
3.2. Bewertung der Infektionsrisiken in Abhängigkeit vom Stadium der Schwangerschaft
3.2.1. Intrauterine Übertragung/fetale Erkrankung
Das Risiko einer fetalen Erkrankung durch bestimmte Infektionserreger ist vor allem dann gegeben, wenn die Schwangere während der ersten 16-20 Schwangerschaftswochen akut infiziert wird. Hier besteht bei akuten Infektionen von empfänglichen, seronegativen Schwangeren mit Röteln-, Zytomegalie-, Lymphozytären Choriomeningitis-, Varizella-Zoster-, Herpes-simplex-Viren sowie Parvovirus B19, Toxoplasma gondii und Listeria monocytogenes das Risiko der intrauterinen Übertragung auf den Feten, die mit fetalen Erkrankungen einhergehen kann ( Tabelle 3). Beeinflusst wird das Risiko, das von diesen Infektionen ausgeht,
Wie oben und in den Steckbriefen (siehe Anhang) beschrieben, besteht derzeit das größte Risiko für fetale Erkrankungen bei Exposition seronegativer Schwangerer mit Zytomegalie- und Parvovirus B19. Beide Biostoffe werden vor allem durch Kontakte zu unter drei- beziehungsweise unter sechsjährigen Kindern übertragen.
3.2.2. Perinatale Übertragung/neonatale Erkrankungen.
Die Schwangerschaftsrelevanz einer Reihe von Biostoffen gefährdet die Gesundheit der Neugeborenen, wenn sich die Schwangere im Zeitraum um die Geburt akut infiziert und die Erreger perinatal oder während der ersten Lebenstage/-wochen auf das Kind überträgt ( Tabelle 3). Hierzu zählen Entero-, Herpes simplex-, Parecho- und Varizella-Zoster-Virus sowie Listeria monocytogenes, Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoe und Gruppe-B-Streptokokken. Aufgrund der meist bereits vor der Schwangerschaft erworbenen Besiedelung mit den bakteriellen Biostoffen und der gesetzlich vorgesehenen Schutzfristen für den Zeitraum vor der und um die Geburt sind diese Infektionen im betrieblichen Umfeld in der Regel vor allem bei Verzicht auf die Schutzfristen relevant.
Infektionen mit Hepatitis B-, Hepatitis C-, humanen Immundefizienz- und Papillomaviren werden perinatal sowohl von akut während der Schwangerschaft oder von chronisch infizierten Frauen übertragen. Arbeits- und mutterschutzrechtlich spielen hier nur akute Infektionen eine Rolle. Dies gilt vermutlich eher nicht für genitale Papillomaviren, da die Übertragung dieser Erreger durch direkten Kontakt bei Sexualverkehr übertragen werden ( Tabelle 2).
3.2.3. Schwere Erkrankungen der Schwangeren in der Spätschwangerschaft.
Die Schwangerschaftsrelevanz von Influenzavirus-Infektionen, aber auch von akuten Windpocken und Masern basiert auf den schweren Erkankungsverläufen, die nicht nur die Gesundheit der Schwangeren selbst, sondern auch die des Feten bzw. Neugeborenen gefährden. Daten belegen, dass insbesondere bei Infektionen in der Spätschwangerschaft mit einem deutlich erhöhten Risiko für mitunter lebensbedrohliche Pneumonien zu rechnen ist. Da es sich bei den drei genannten Biostoffen um impfpräventable Infektionserreger handelt, kann das von ihnen ausgehende Risiko eingeschränkt werden. Durch die im Rahmen der immunologischen Impfreaktion gebildeten Antikörper und ihre transplazentare Übertragung ist zu erwarten, dass auch das Neugeborene während der ersten Lebenswochen/monate durch den Nestschutz vor potentiell schweren Infektionsverläufen geschützt ist.
4. Schwangerschaftsrelevante Biostoffe am Arbeitsplatz
Wie in den vorhergehenden Abschnitten beschrieben, sind gesundheitliche Risiken für Beschäftigte, Auszubildende und Studierende durch schwangerschaftsrelevante Biostoffe aufgrund der epidemiologischen Lage, der etablierten Schutz- und Präventionsmaßnahmen (beispielsweise rechtzeitige Information, Impfungen, Hygiene) sowie der am Arbeitsplatz geltenden Vorschriften zur Infektionsvermeidung selten geworden. Auch bei Schwangeren ist in vielen Fällen präventiv eine Minimierung des Infektionsrisikos durch Impfung möglich. Am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz können die aufgrund der Gefährdungsbeurteilung ermittelten Schutzmaßnahmen (z.B. Einhaltung von Hygienemaßnahmen, persönliche Schutzausrüstung das Infektionsrisiko deutlich senken.
Dieses hohe Schutzniveau belegen auch die seit Jahren rückläufigen Zahlen für blutübertragbare Infektionskrankheiten (Nienhaus et al.) und die niedrigen Zahlen der anerkannten Fälle von Infektionskrankheiten, die in den Jahren 2016 bis 2020 von den gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträgern der öffentlichen Hand als Berufskrankheiten anerkannt wurden ( Tabelle 1). Auch wenn vermutlich ggf. von einer Mindererfassung auszugehen ist, wurden im gleichen Zeitraum bei der DGUV nur zwei Fälle von Berufskrankheiten dokumentiert, die eine "Schädigung der Leibesfrucht" ( § 12 SGB VII) als Grund nennen. Daraus kann man mit aller gebotenen Vorsicht schließen, dass Beschäftigte unter den bereits geltenden Schutzmaßnahmen generell und insbesondere auch Schwangere eine sehr geringe, im Vergleich zum allgemeinen Lebensrisiko kaum erhöhte Gefährdung für durch Blut sowie durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragbare Biostoffe haben.
Es ist derzeit davon auszugehen, dass unter den schwangerschaftsrelevanten Biostoffen die CMV- und die Parvovirus B19-Infektionen für Schwangere das größte Risiko darstellen. Beide Viren sind nicht impfpräventabel und werden vor allem durch Kontakt zu Ausscheidungsprodukten (Speichel, Nasensekrete, Urin etc) von unter drei- beziehungsweise unter sechsjährigen Kindern übertragen, die an den Infektionen überwiegend nicht erkranken oder nur leichte Symptome ausweisen. In diesen beiden Fällen erfolgt der Großteil der Übertragungen jedoch durch außerberufliche Exposition.
Für blutübertragene Biostoffe wie Hepatitis B-, Hepatitis C- und humane Immundefizienzviren gilt, dass bei Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen das berufliche Infektionsrisiko sehr gering ist und nicht über das allgemeine Infektionsrisiko in der Bevölkerung hinausgeht. Die Hepatitis B- Infektion ist als impfpräventable Infektion selten geworden und durch antivirale Therapie behandelbar. Auch bei bereits infizierten Personen kann man durch antivirale Medikamente die Menge der im Blut zirkulierenden Viren unter die Nachweisgrenze senken und Übertragungen verhindern. Im Fall der HIV-Infektion zeigen die vom Robert-Koch-Institut erhobenen Daten, dass während der vergangenen Jahren in Deutschland weniger als fünf Prozent der HIV-Infizierten ihren Infektionsstatus nicht kennen. Da allen HIV-infizierten Personen die inzwischen gut etablierte und verträgliche antiretrovirale Therapie (HAART) angeboten wird, werden fast 95 % der bekannten HIV-Infizierten antiretroviral therapiert; regelmäßige Kontrolluntersuchungen ergeben, dass man bei therapierten HIV-infizierten Personen keine Viren im Blut mehr nachweisen kann - sie gelten als nicht infektiös (Infektionsepidemiologische Jahrbücher 2019, 2020, 2021). Bei den Hepatitis C-Infizierten bewirkt die antivirale Therapie sogar die Eliminierung der Erreger aus dem Organismus.
Von chronisch infizierten Hepatitis B-, Hepatitis C- und HIV-Patienten geht dadurch ein immer geringer werdendes Infektionsrisiko aus. Diese durchaus erfreuliche Situation belegt auch der deutliche Rückgang der berufsbedingt anerkannten Fälle von Hepatitis B und Hepatitis C auf niedrige einstellige Werte bei Beschäftigten im Gesundheitsbereich während der vergangenen 25 Jahre (Nienhaus et al., 2022), obwohl man gleichzeitig einen Anstieg bzw. zuletzt ein gleichbleibendes Niveau der gemeldeten Nadelstichverletzungen (NSV; Schnitt-, Stichverletzungen oder Schleimhautkontamination) registrierte (Dulon et al., 2018; Dulon et al., 2020). Deswegen sollen Einschränkungen oder gar Verbote der Beschäftigung aufgrund von Infektionsrisiken für Schwangere auch in operativen Bereichen durch eine individuelle Gefährdungsbeurteilung sehr sorgfältig abgewogen werden.
Durch Nahrungsmittel übertragbare Infektionskrankheiten (Toxoplasmose, Listeriose) können im beruflichen Kontext wie der Nahrungsmittelindustrie und Gastronomie relevant sein. Auch sie kann man jedoch durch Hygienemaßnahmen und Vermeiden von Aufnahme/Verzehr von potentiell kontaminierten Nahrungsmitteln verhindern. In der Land-, Forst- und Waldwirtschaft sowie in Gärtnereien tätige Menschen können bei direktem Kontakt zu mit Katzen- (Toxoplasmose) bzw. Nagetierkot (Lymphozytäre Choriomeningitis) kontaminierter Erde eine erhöhte Infektionsgefährdung bezüglich Toxoplasmose beziehungsweise Lymphozytärer Choriomeningitis haben, die sich durch Handschuhe, Atemschutz und Hygienemaßnahmen reduzieren lässt. Am Arbeitsplatz sollten Schwangere direkte Kontakte mit potenziell infizierten Katzen und Nagetieren vermeiden.
5. Ausblick
Auf der Basis der Meldezahlen, der Epidemiologie, der Verfügbarkeit von Impfstoffen und der Übertragungsmechanismen ist davon auszugehen, dass allgemeine Schutzmaßnahmen, kombiniert mit den im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (gemäß § 5 ArbSchG) getroffenen Schutzmaßnahmen, eine Basis dafür darstellen, dass Schwangere effektiv vor Infektionen am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz geschützt werden können. Dies belegen auch die sehr niedrigen Zahlen der von Unfallversicherungsträgern anerkannten schwangerschaftsrelevanten Berufskrankheiten ( Tabelle 1). Weitergehende spezifische schwangerschaftsbezogene Schutzmaßnahmen in der gesetzlichen Rangfolge ergeben sich aufgrund der anlassunabhängigen Gefährdungsbeurteilung (gemäß § 10 Absatz 1 MuSchG) und der anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung (gemäß § 10 Absatz 2 MuSchG).
Für die im Anhang dieses Grundlagendokuments zusammengestellten Daten ist eine routinemäßige Aktualisierung nach fünf Jahren erforderlich, bei der die aktuelle Datenlage gesichtet und dem jeweils aktuellen Wissensstand angepaßt werden soll. Dabei werden auch neue Erkenntnisse zu in Deutschland neu aufgetretene Viren und die Schwangerschaftsrelevanz bei bekannten Erregern berücksichtigt, sodass bei entsprechender Evidenz die Aufnahme von weiteren humanpathogenen Erregern in die vorliegende Liste erfolgen kann.
6. Literatur
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Birol Ilter P, Prasad S, Mutlu MA, Tekin AB, O'Brien P, von Dadelszen P, Magee LA, Tekin S, Tug N, Kalafat E, Khalil A. Maternal and perinatal outcomes of SARS-CoV-2 infection in unvaccinated pregnancies during Delta and Omicron waves. Ultrasound Obstet Gynecol. 2022 Apr 20. doi: 10.1002/uog.24916. Epub ahead of print. PMID: 35441407.
Blencowe H, Cousens S, Oestergaard MZ, Chou D, Moller AB, Narwal R, Adler A, Vera Garcia C, Rohde S, Say L, Lawn JE. National, regional, and worldwide estimates of preterm birth rates in the year 2010 with time trends since 1990 for selected countries: a systematic analysis and implications. Lancet. 2012 Jun 9;379(9832):2162-72. doi: 10.1016/S0140-6736(12)60820-4. PMID: 22682464.
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Mayer C, Joseph KS. Fetal growth: a review of terms, concepts and issues relevant to obstetrics. Ultrasound Obstet Gynecol. 2013 Feb;41(2):136-45. doi: 10.1002/uog.11204. PMID: 22648955.
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Nienhaus A, Wendeler D, Dulon M. Analyse eines Zeittrends über 25 Jahre: Hepatitis B und Hepatitis C im Gesundheitsdienst. ASU Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2022, 57:156-161.
Pecks U, Louwen F, et al AWMF-Leitlinie 015-92. Sars-CoV2 in der Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, 2022. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/015-092.html
Pinar MH, Gibbins K, He M, Kostadinov S, Silver R. Early Pregnancy Losses: Review of Nomenclature, Histopathology, and Possible Etiologies. Fetal Pediatr Pathol. 2018 Jun;37(3):191-209. doi: 10.1080/15513815.2018.1455775. Epub 2018 May 8. PMID: 29737906.
Quenby S, Gallos ID, Dhillon-Smith RK, Podesek M, Stephenson MD, Fisher J, Brosens JJ, Brewin J, Ramhorst R, Lucas ES, McCoy RC, Anderson R, Daher S, Regan L, Al-Memar M, Bourne T, Mac-Intyre DA, Rai R, Christiansen OB, Sugiura-Ogasawara M, Odendaal J, Devall AJ, Bennett PR, Petrou S, Coomarasamy A. Miscarriage matters: the epidemiological, physical, psychological, and economic costs of early pregnancy loss. Lancet. 2021 May 1;397(10285):1658-1667. doi: 10.1016/S0140-6736(21)00682-6. Epub 2021 Apr 27. PMID: 33915094.
Sapra KJ, Joseph KS, Galea S, Bates LM, Louis GM, Ananth CV. Signs and Symptoms of Early Pregnancy Loss. Reprod Sci. 2017 Apr;24(4):502-513. doi: 10.1177/1933719116654994. Epub 2016 Sep 27. PMID: 27342274; PMCID: PMC5933199.
Weitere Literaturangaben sind in den Steckbriefen enthalten.
7. Tabellen
7.1. Tabelle 1: Daten zu den Meldezahlen von schwangerschaftsrelevanten Infektionen in der Gesamtbevölkerung Deutschlands und zu anerkannten Berufkrankheiten
| Biostoffe | Risikogruppe | Meldezahlen ( IfSG) 1 | DGUV (2016-2020) 2 | |
| 2020 | 2021 | Gesamt (m/w 3) | ||
| Viren | ||||
| Enterovirus | 2 | -- 4 | -- | -- |
| Hepatitis B-Virus | 3 ** | 6.798 | 7.892 | 64 (24/40) |
| Hepatitis C-Virus | 3 ** | 4.522 | 4.717 | 86 (23/63) |
| Herpes-simplex-Virus | 2 | -- | -- | 2 |
| HIV | 3 ** | 2.466 | 2.182 | 13 (9/4) |
| Influenzaviren | 2 | 194.712 | 1.113 | -- |
| LCMV 5 | 2 | -- | -- | -- |
| Masernvirus | 2 | 76 | 6 | 16 |
| Papillomaviren | 2 | -- | -- | -- |
| Parechovirus | 2 | -- | -- | -- |
| Parvovirus B19 | 2 | -- | -- | 5 |
| Rötelnvirus | 2 | 7 | 4 | 2 |
| Varizella-Zoster-Virus | 2 | 11.270 | 5.701 | 9 |
| Zytomegalievirus | 2 | -- | -- | 7 |
| Bakterien | ||||
| Chlamydia trachomatis 4, 6 | 2 | 4.234 | 3.822 | -- |
| Listeria monocytogenes | 2 | 572 | 572 | 3 |
| Neisseria gonorrhoeae 6 | 2 | 630 | 827 | -- |
| Gruppe B-Streptokokken 4, 5 | 2 | 1.993 | 2.196 | 19 (4/15) |
| Treponema pallidum | 2 | 7.399 | 6.723 | -- |
| Parasiten | ||||
| Toxoplasma gondii 7 (konnatale Infektion) 8 | 2 | 62 (14) | 62 (15) | -- |
| 1) Meldung nach § 7 (1.1) bzw. § 7 (1.3) (HIV), IfSG (Epidemiologisches Bulletin 01/2022) bzw. SurvStat
2) Anerkannte Fälle von Infektionskrankheiten (BK-Nrn. 3101, 3102, 3104) im Zeitraum 2016 bis 2020 (Berufskrankheiten- Dokumentation, BK-DOK; Gewerbliche Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand) 3) Geschlechterverhältnis angegeben, soweit datenschutzrechtlich möglich 4) Es besteht keine Meldepflicht nach IfSG 5) LCMV = Lymphozytäres Choriomeningitisvirus 6) Survstat 7) Meldung nach § 7 (3), IfSG 8) Meldung nach § 7 (3), IfSG (Labormeldepflicht nur bei besonderen Resistenzen) | ||||
7.2. Tabelle 2: Übertragung schwangerschaftsrelevanter Biostoffe (postnatale Infektion)
| Biostoffe |
Relevante Übertragungsmechanismen | ||
| Weg | Vorgang | Infektiöses Material | |
| Viren | |||
| Enterovirus | Schmier-/ Kontaktinfektion | kontaminierte Lebensmittel, Verunreinigungen von Oberflächen | Stuhl (sehr selten: Speichel) |
| Hepatitis B-Virus | Schmier-/ Kontaktinfektion | Sexualverkehr, i.v. Drogengebrauch Verletzungen | Blut |
| Hepatitis C-Virus | Schmier-/ Kontaktinfektion | i.v. Drogengebrauch, Verletzungen, Sexualverkehr | Blut |
| Herpes-simplex-Virus | Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion | Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel, Bläscheninhalt |
| HIV | Schmier-/ Kontaktinfektion | Sexualverkehr, i.v. Drogengebrauch Verletzungen | Blut |
| Influenzaviren | Tröpfchen-, Schmier-Kontaktinfektion | Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel |
| LCMV 1 | Zoonose | Kontakt mit infizierten Nagetieren | Ausscheidungen (Urin, Kot) |
| Masernvirus | Tröpfchen-, Schmier-Kontaktinfektion | Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel, Urin |
| Papillomaviren | Schmier-/ Kontaktinfektion | Sexualverkehr | Infizierte Schleimhautverletzung |
| Parechovirus | Schmier-/ Kontaktinfektion | kontaminierte Lebensmittel, Verunreinigungen von Oberflächen | Stuhl (sehr selten: Speichel) |
| Parvovirus B19 | Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion | Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel, Blut |
| Rötelnvirus | Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion | Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel |
| Varizella-Zoster-Virus | Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion | Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel, Bläscheninhalt |
| Zytomegalievirus | Schmier-/ Kontaktinfektion | Direkter Kontakt, Verunreinigungen von Oberflächen | Speichel, Urin, Muttermilch, Samenflüssigkeit |
| Bakterien | |||
| Chlamydia trachomatis | Schmier-/ Kontaktinfektion | Sexualverkehr | Genitalsekrete |
| Listeria monocytogenes | Zoonose | kontaminierte Lebensmittel (Rohmilch-/ Rohfleisch-/ Rohkostprodukte) | Kontaminierte Milch, Kot infizierter Rinder, Schafe, Ziege, Geflügel etc. |
| Neisseria gonorrhoeae | Schmier-/ Kontaktinfektion | Sexualverkehr | Genitalsekrete |
| Gruppe B-Streptokokken | Schmier-/ Kontaktinfektion | Kontakt zu besiedelten Träger*innen | Speichel, Urin, Stuhl, Genitalsekrete |
| Treponema pallidum | Schmier-/ Kontaktinfektion | Sexualverkehr | Genitalsekrete |
| Parasiten | |||
| Toxoplasma gondii | Zoonose | Umgang mit kontaminierten Rohfleischprodukten, Kontakt zu mit Kot infizierter Katzen kontaminierten Erdproben | Kot infizierter Katzen, Toxoplasmahaltige Rohfleischprodukte |
| 1) LCMV = Lymphozytäres Choriomeningitisvirus | |||
7.3. Tabelle 3: Übersicht zu schwangerschaftsrelevanten Infektionen und zu ihren Auswirkungen auf Schwangere und Feten/Neugeborene
| Biostoffe | Risikoreiche Infektion/Schwangere | Übertragung auf Feten/Neugeborene | Fetale Erkrankung | Neonatale Erkrankung | Schwere Erkrankung Schwangere |
| Viren | |||||
| Enterovirus | Akute Infektion bei Entbindung | Peri-/neonatal | Sepsis | ||
| Hepatitis B | Akute oder chronische Infektion | Peri-/neonatal | Chronische Hepatitis B | ||
| Hepatitis C | Akute oder chronische Infektion | Peri-/neonatal | Hepatitis C ? | ||
| Herpes-simplex-Virus | Akute Infektion/SSW 1-16(20) | Transplazentar | Konnatale Herpesinfektion | Konnatales Herpessyndrom | |
| Akute Infektion bei Entbindung | Peri-/neonatal | Herpes neonatorum | |||
| HIV | Akute oder chronische Infektion | Peri-/neonatal | HIV-Infektion | ||
| Influenza | Akute Infektion/2.-3. Trimenon | Pneumonie | |||
| Masern | Akute Infektion/2.-3. Trimenon | Pneumonie | |||
| LCMV3 | Akute Infektion/SSW 1-20 | Transplazentar | Konnatale LCMV-Infektion | Konnatales LCMV-Syndrom | |
| Papillomaviren | Akute oder chronische Infektion | Perinatal | Juvenile Larynxpapillomatose | ||
| Parechovirus | Akute Infektion bei Entbindung | Peri-/neonatal | Sepsis | ||
| Parvovirus B19 | Akute Infektion/SSW 1-20 | Transplazentar | Fetale Anämie, Hydrops fetalis | ||
| Röteln | Akute Infektion/SSW 1-16 (20) | Transplazentar | Konnatale Rötelninfektion | Konnatales Rötelnsyndrom | |
| Varizellen | Akute Infektion/SSW
1-16 (20) | Transplazentar | Konnatale VZV-Infektion | Konnatales Varizellensyndrom | |
| Akute Infektion/2.-3. Trimenon | Pneumonie | ||||
| Akute Infektion bei Entbindung | Peri-/neonatal | Neonatale Varizellen | |||
| Zytomegalie-Virus | Akute Infektion (Reaktivierung bei Persistenz) SSW 1-16 (20) | Transplazentar | Konnatale CMV-Infektion | Konnatales CMV-Syndrom | |
| Bakterien | |||||
| Chlamydia trachomatis | Infektion/ Besiedelung der Schwangeren | Peri-/neonatal | Neonatale Chlamydien-Infektion | ||
| Listeria monocytogenes | Infektion während der gesamten Schwangerschaft | Transplazentar | Konnatale Listeriose | ||
| Infektion bei Entbindung | Peri-/neonatal | Neonatale Listeriose | |||
| Neisseria gonorrhoeae | Infektion/ Besiedelung der Schwangeren | Peri-/neonatal | Gonokokken-Konjunktivitis | ||
| Gruppe-B-Streptokokken (GBS) | Infektion/ Besiedelung der Schwangeren | Peri-/neonatal | Neonatale GBS-Infektion, early-onset-Neugebore-nensepsis | ||
| Treponema pallidum | Infektion während der gesamten Schwangerschaft | Transplazentar | Konnatale Lues-Infektion | Lues connata | |
| Parasiten | |||||
| Toxoplasma gondii | Akute Infektion, mit Dauer der Schwangerschaft: steigendes transplazentares Übertragungsrisiko bei Abnahme der Schwere der Symptome beim Neugeborenen | Transplazentar | Konnatale Toxoplasma-Infektion | Konnatale Toxoplasmose | |
8. Steckbriefe mit Daten zu den Infektionserregern (Biostoffen)Tabellen
8.1. Virale Infektionsträger
8.1.1. Enterovirus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie | Enterovirus A-D/ Enterovirus/Picornaviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Enterovirus, Echovirus, Coxsackievirus | ||
| Abkürzung | EV (Enterovirus),
E (Echovirus), CV (Coxsackievirus) | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene:
Sommergrippe, Gastroenteritis, Hand-Fuß Mundkrankheit | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit, regional begrenzte epidemische Ausbrüche überwiegend während der Sommermonate | |
| Varianten | 116 verschiedene Virustypen | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Inkubationszeit | (3 -) 7 - 14 (- 35) Tage | ||
| Postnatale Übertragung | Schmierinfektion (fäkal-oral), mit Stuhl kontaminierte Lebensmittel, Tröpfcheninfektion (oral-oral, in der frühen Infektions/ Erkrankungsphase) | ||
| Pränatale Übertragung | Sehr selten: Transplazentar, meist in Verbindung mit Coxsackievirus-Infektionen (Einzelfallberichte) | Yu et al., 2015; Konstantinidou et al., 2007; Ouellet et al., 2004 | |
| Perinatale Übertragung bei Enterovirus-Infektion der Schwangeren etwa eine Woche vor bis eine Woche nach Geburt | Schmierinfektion (fäkal-oral) | Pruekprasert et al., 1995 | |
| Übertragung durch Stillen | Sehr selten: Muttermilch (Einzelfallberichte) | Chang et al., 2006; Maus et al., 2008 | |
| Durchseuchung (weltweit) | Vermutlich hoch, insbesondere in tropischen/subtropischen Regionen | Brouwer et al., 2021 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Keine Daten verfügbar | ||
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Häufig | |
| Häufige Symptome | Fieber, Diarrhoe, Erbrechen, grippeähnliche Symptome, Exanthem, Konjunktivitis | Fischer et al., 2021; Rao, 2020 | |
| Komplikationen | Aseptische Meningitis, Enzephalitis, schlaffe Lähmung, Myokarditis, Perikardidtis | ||
| Bei Schwangeren | Gesamte Schwangerschaft | Ähnlich wie bei Kindern und Erwachsenen | |
| Bei Feten | Infektion der Schwangeren bis SSW 35 | Abort, Totgeburt (IUFD) | |
| Symptome | Hydrops fetalis, Perikarditis, Enzephalitis (Einzelfallberichte) | Yu et al, 2015; Konstantinidou et al., 2007; Ouellet et al. 2004 | |
| Bei perinataler Infektion von Neugeborenen | Neonatale Symptome | Neonatale Sepsis Fieber, Exanthem, Thrombozytopenie, Pneumonie, Hepatitis, Myo-/ Perikarditis, aseptische Meningitis/Enzephalitis; schwere Verläufe: Enterovirus B (Echovirus 11, Coxsackievirus B2-B5) | Sauerbrei A, 2000; Modlin, 1988; Kaga et al.; 2016, Groneck, 2011 |
| Persistierende Infektion | Nicht beschrieben | ||
| Reinfektion | Keine Daten verfügbar | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | Standard- Immunglobulinpräparate (off-label use zur Verhinderung perinataler Übertragungen) | ||
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit viruziden Mitteln ist wirksam | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht verfügbar | |
| Erhöhtes Infektionsrisiko für bestimmte Berufsgruppen | MuSchG ArbSchG | ||
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | oder Arbeitsstätten/ Einrichtungen ist bei epidemischen Ausbrüchen nicht beschrieben. Für Schwangere bzw. Neugeborene stellen Infektionen in der Spätschwangerschaft, insbesondere während des Zeitraums der Geburt (1 - 2 Wochen vor und nach der Geburt) ein erhöhtes Risiko dar. | BioStoffV ArbMedVV TRBA 400 TRBA 500 | |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein |
Brouwer L, Moreni G, Wolthers KC, Pajkrt D. World-Wide Prevalence and Genotype Distribution of Enteroviruses. Viruses. 2021 Mar 8;13(3):434. doi: 10.3390/v13030434. PMID: 33800518; PMCID: PMC7999254.
Chang, M.L., K.C. Tsao, C.C. Huang, M.H. Yen, C.G. Huang, and T.Y. Lin, Coxsackievirus B3 in human milk. Pediatr Infect Dis J, 2006. 25(10): p. 955-957
Fischer TK, Simmonds P, Harvala H. The importance of enterovirus surveillance in a post-polio world. Lancet Infect Dis. 2022 Jan;22(1):e35-e40. doi: 10.1016/S1473-3099(20)30852-5. Epub 2021 Jul 12. PMID: 34265258.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
ICTV: https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/positive-sense-rna-viruses/w/picornaviridae
Kaga A, Groneck P, Jahn P, Schuler-Lüttmann S, Beyrer K. Neonatale Enterovirus-Meningitis: Transmission durch die Eltern beim familiären Rooming-in und derzeitige Epidemiologie der Erkrankung in Deutschland [Neonatal enterovirus meningitis: transmission via parents during rooming-in and current epidemiology in Germany]. Z Geburtshilfe Neonatol. 2011
Feb;215(1):1-5. German. doi: 10.1055/s-0030-1255024. Epub 2011 Feb 24. PMID: 21351051.
Katata Y, Suzuki A, Otani K, Watanabe H, Kitaoka S, Kumaki S. Perinatal Coxsackievirus B3 Infection with Transient Thrombocytopenia. Tohoku J Exp Med. 2016 Jun;239(2):135-8. doi: 10.1620/tjem.239.135. PMID: 27250900.
Konstantinidou A, Anninos H, Spanakis N, Kotsiakis X, Syridou G, Tsakris A, Patsouris E. Transplacental infection of Coxsackievirus B3 pathological findings in the fetus. J Med Virol. 2007 Jun;79(6):754-7. doi: 10.1002/jmv.20887. PMID: 17457913.
Maus MV, Posencheg MA, Geddes K, Elkan M, Peñaranda S, Oberste MS, Hodinka RL. Detection of echovirus 18 in human breast milk. J Clin Microbiol. 2008 Mar;46(3):1137-40. doi:
10.1128/JCM.01991-07. Epub 2008 Jan 16. PMID: 18199781; PMCID: PMC2268343.
Modlin JF. Perinatal echovirus and group B coxsackievirus infections. Clin Perinatol 1988; 15:233 - 46
Ouellet A, Sherlock R, Toye B, Fung KF. Antenatal diagnosis of intrauterine infection with coxsackievirus B3 associated with live birth. Infect Dis Obstet Gynecol. 2004;12(1):23-6. doi: 10.1080/1064744042000210357. PMID: 15460192; PMCID: PMC1784589.
Pruekprasert P, Stout C, Patamasucon P. Neonatal enterovirus infection. J Assoc Acad Minor Phys. 1995;6(4):134-8. PMID: 8520177.
Rao CD. Enteroviruses in gastrointestinal diseases. Rev Med Virol. 2021 Jan;31(1):1-12. doi: 10.1002/rmv.2148. Epub 2020 Aug 6. PMID: 32761735.
Sauerbrei A, Glück B, Jung K, Bittrich H, Wutzler P. Congenital skin lesions caused by intrauterine infection with coxsackievirus B3. Infection. 2000 Sep;28(5):326-8. doi: 10.1007/s150100070029. PMID: 11073143.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
Yu W, Tellier R, Wright JR Jr. Coxsackie Virus A16 Infection of Placenta with Massive Perivillous Fibrin Deposition Leading to Intrauterine Fetal Demise at 36 Weeks Gestation. Pediatr Dev Pathol. 2015 Jul-Aug;18(4):331-4. doi: 10.2350/15-01-1603-CR.1. Epub 2015 Mar 31. PMID: 25826430.
8.1.2. Hepatitis-B-Virus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie | Hepatitis-B-Virus / Orthohepadnavirus/ Hepadnaviridae | RKI-Ratgeber HBV; ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Hepatitis-B-Virus | ||
| Abkürzung | HBV | ||
| Erkrankung | Hepatitis B | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | RKI-Ratgeber HBV; WHO, 2021 |
| Varianten | 10 Genotypen und mehrere
Subtypen, regional unterschiedlich | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Blut, Speichel, Genitalsekrete, Tränenflüssigkeit | ||
| Inkubationszeit | 60 - 120 Tage, selten: bis 180 Tage | ||
| Pränatale Übertragung | Transplazentare Übertragung selten (ca. 3 - 4 % der akut/chronisch infizierten Schwangeren) | De-Zhong Xu et al., 2002; Towers, et al., 2002 | |
| Perinatale Übertragung | Kontakt mit Blut und Sekreten von akut oder chronisch infizierten Schwangeren. Übertragungsrate: bis zu 95 %, abhängig von der Viruslast | ||
| Übertragung durch Stillen | Übertragung durch Muttermilch nicht nachgewiesen, aber durch Blut bei Verletzungen an der Brust akut/chronisch
infizierter Mütter | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Prävalenz akute/chronische HBV-Infektion: ca. 3,5 % sehr große regionale Unterschiede | WHO, 2021 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Meldungen nach IfSG ( § 7) - 2019: 6.427 Meldungen - 2020: 6.798 Meldungen - 2021: 7.892 Meldungen Prävalenz:
Akute/chronische Infektion: ca. 0,3 - 0,5 %
Abgelaufene Infektion: 5,1 % Bei Risikogruppen höher (i.v.-Drogenabhängige, Migranten, Flüchtende) Impfraten: Schuleingangsuntersuchung 2019: 87,4% | Dudareva et al., 2022; Riek et al, 2021; Poethko-Müller et al., 2013 | |
| Akute Infektion | Verlauf | RKI-Ratgeber HBV; Susan Goldstein et al., 2005 | |
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Häufig, abhängig vom Alter:
Erwachsene: ca. 33 % der Infektionen Kleinkinder: ca. 90 % Neugeborene: ca. 99 % | |
| Häufige Symptome | Leberentzündung mit unspezifischen Symptomen (Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Fieber), Ikterus | ||
| Seltene Symptome/ Komplikationen | Akutes Leberversagens: ca. 0,5 - 1 %.
Bei Koinfektion mit Hepatitis D-Virus: schwerer verlaufende Hepatitis. | ||
| Bei Schwangeren | Ähnlich wie bei Erwachsenen, | Cornberg et al., 2021; Modrow et al., 2022 | |
| Bei Feten | Infektion der Schwangeren in SSW 1- 42 | Fetopathien nicht beschrieben. | |
| Bei Neugeborenen | nach perinataler (fetaler) Infektion | > 90 % persistierende Infektion, erhöhtes Risiko für Leberzirrhose/Leberkarzinom | |
| Persistierende Infektion | Möglich | Erwachsene: ca. 10 % der Infektionen
Neugeborene: ca. 90 % der Infektionen Kleinkinder (0 - 3 Jahre): 30 - 90 % Gehäuft bei Immunsupprimierten | RKI-Ratgeber
HBV; Cornberg et al. 2021 |
| Spätfolgen | Leberzirrhose, Leberkarzinom | ||
| Symptome/Schwangere | Unspezifisch, Ikterus möglich. | ||
| Symptome/Fetus | Siehe oben | ||
| Symptome/Neugeborene | Siehe oben | ||
| Reinfektion | Möglich | Bei Immunsupprimierten. Bei Immungesunden nicht beschrieben. | Cornberg et al., 2021 |
| Prävention | Impfung | HBsAg-basierter Proteinimpfstoff (Totimpfstoff) | Epidemiologisches Bulletin 34/2021, RKI; |
| Passive Immunisierung | Verfügbar, Hyperimmunglobulinpräparate | ||
| Hygiene | Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln.
Verwendung von Einmalinstrumenten bei medizinischen Maßnahmen, Piercing, Tätowieren etc. Bei infizierten Familienmitgliedern: getrennte Verwendung von Artikeln der Körperhygiene. | ||
| Verhinderung der intrauterinen/transplazentaren Übertragung | Screening aller Schwangeren durch HBsAg-Bestimmung. Antivirale Therapie bei HBV-DNA-Last > 200.000 IU/ml | Mutterschafts-Richtlinien; Cornberg et al., 2021 | |
| Verhinderung der perinatalen Übertragung | Antivirale Therapie bei HBV-DNA-Last > 200.000 IU/ml, passiv/aktiv Impfung der Neugeborenen akut oder chronisch infizierter Mütter innerhalb von 12 Stunden nach Geburt. | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Verfügbar | Cornberg et al., 2021; Stinco et al., 2021; Cai et al., 2019; |
| Postexpositionsprophylaxe | Verfügbar | ||
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositionsrisiko (Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Körperausscheidungen oder Körpergewebe kommen kann), einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko | Impfung, Hygienemaßnahmen, Kontakt zu Blut und Blutverschmierungen sind zu vermeiden;
Verwendung von stichsicheren Systemen, soweit verfügbar. Sichere Entsorgung kontaminierter scharfer oder spitzer Gegenstände. Tragen der empfohlenen persönlichen Schutzausrüstung. Konsequente Handhygiene. | MuSchG ArbSchG BioStoffV ArbMedVV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 3(**) | ||
| Meldepflicht nach IfSG § 7 | Namentliche Meldung der Erstdiagnose (akute/chronische Infektion, Tod). | ||
| ArbMedVV | Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe |
Literatur:
Cai M, Hao Y, Zhong J, Yao W, Cao X, Gu G, Qin G. Telbivudine Treatment during Late Pregnancy Prevents Mother-to-Child Transmission of Hepatitis B Virus: A Retrospective Study. Can J Gastroenterol Hepatol. 2019 Jul 9;2019:9046260. doi: 10.1155/2019/9046260. PMID: 31380321; PMCID: PMC6652084.
Cornberg M et al. AWMF-S3-Leitlinie 021-011, 2021. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-011.html
De-Zhong Xu, Yong-Ping Yan, Bernard C.K. Choi, Jian-Qiu Xu, Ke Men, Jing-Xia Zhang, Zhi-Hua Liu, Fu-Sheng Wang Risk factors and mechanism of transplacental transmission of hepatitis B virus: A case-control study. Journal of Medical Virology 2002; 67: 20-6
Dudareva S, Faber M, Zimmermann R, Bock CT, Offergeld R, Steffen G, Enkelmann J. Epidemiologie der Virushepatitiden A bis E in Deutschland [Epidemiology of viral hepatitis A to E in Germany]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2022 Jan 14:1-10. German. doi: 10.1007/s00103-021-03478-8. Epub ahead of print. PMID: 35029725; PMCID: PMC8758919.
Epidemiologische Bulletin 34/2021, Robert-Koch-Institut
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
ICTV: https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_9th_report/reverse-transcribing-dna-and-rna-viruses-2011/w/rt_viruses/155/hepadnaviridae
Modrow et al. AWMF-S2k-Leitlinie 093-01, 2022. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/093-001.html
Poethko-Müller C, Zimmermann R, Hamouda O, Faber M, Stark K, Ross RS, Thamm M. Die Seroepidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) [Epidemiology of hepatitis A, B, and C among adults in Germany: results of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1)]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2013 May;56(5-6):707-15. German. doi: 10.1007/s00103-013-1673-x. PMID: 23703489.
Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung ("Mutterschafts-Richtlinien") in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 16. September 2021, in Kraft getreten am 1. Januar 2022
Rieck T, FeigM, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.
RKI Ratgeber Hepatitis B/D: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HepatitisB/HepatitisB.html;jsessionid=29B28C8A4F4A5BFE769BE3E11A1A7BF0.internet051?cms_box=1&tcms_current=Hepatitis+B&tcms_lv2=2389778
Stinco M, Rubino C, Trapani S, Indolfi G. Treatment of hepatitis B virus infection in children and adolescents. World J Gastroenterol. 2021 Sep 28;27(36):6053-6063. doi: 10.3748/wjg.v27.i36.6053. PMID: 34629819; PMCID: PMC8476329.
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Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Towers, C.V., T. Asrat, and P. Rumney, The presence of hepatitis B surface antigen and deoxyribonucleic acid in amniotic fluid and cord blood. Am J Obstet Gynecol, 2001. 184(7): p. 1514-1518; discussion 1518-1520.
Veronese P, Dodi I, Esposito S, Indolfi G. Prevention of vertical transmission of hepatitis B virus infection. World J Gastroenterol. 2021 Jul 14;27(26):4182-4193. doi: 10.3748/wjg.v27.i26.4182. PMID: 34326618; PMCID: PMC8311536.
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
WHO: Hepatitis B, 2021. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-b
8.1.3. Hepatitis-C-Virus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie | Hepatitis-C-Virus/ Hepacivirus/Flaviviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Hepatitis-C-Virus | ||
| Abkürzung | HCV | ||
| Erkrankung | Hepatitis C | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | Roudot-Thoraval, 2021; WHO, 2021 |
| Varianten | 7 Genotypen, regional unterschiedlich
> 60 Subtypen mit Bildung von neuen Varianten (Quasispezies) | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Häufig:
Blut (kontaminierte Kanülen, i.v.-Drogengebrauch, Piercing, Tätowierung)
Selten: Speichel, Genitalsekrete (Sexualverkehr) | RKI-Ratgeber Hepatitis C Dibba et al., 2018; Money et al., 2014;
Delotte et al., 2014 | |
| Inkubationszeit | 2 - 8 Wochen, selten bis 6 Monate | ||
| Pränatale/perinatale Übertragung | geringes Übertragungsrisiko:
ca. 1 - 6 % bei HIV-Koinfektion: bis 14% | ||
| Übertragung durch Stillen | Sehr selten. Übertragung in der Muttermilch: nicht beschrieben. Bei hoher Viruslast sind Übertragungen durch Blut bei Verletzungen der Brustwarze nicht völlig auszuschließen | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Persistierende Infektion (HCV-RNA positiv): 0,3 - 0,8%, sehr große regionale Unterschiede | WHO, 2021 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Meldezahlen:
Prävalenz: Erwachsene (18 - 79 Jahre) abgelaufene Infektion: 0,2 - 1,9% Akute/chronische Infektion: 0,2 - 0,4% Risikogruppen Akute/chronische Infektion: i.v.-Drogengebrauch: 23 - 54 % HIV-Infizierte: 8 - 30 % Gefängnisinsassen: 8,6 - 17,6 % | https://survstat.rki.de; Sperle et al., 2020;
Bremer et al., 2016; Schulte et al., 2009; Jansen et al, 2015; Reuter et al., 2011 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | 75 - 80 % asymptomatisch oder un- spezifische grippeähnliche Symptome | Zimmermann et al., 2017; RKI-Ratgeber Hepatitis C |
| Häufige Symptome | Mild verlaufende Leberentzündung, Müdigkeit, Leistungsminderung Gelbfärbung von Haut/Augäpfel, Urin: < 25 % | ||
| Seltene Symptome | Juckreiz, Gelenkbeschwerden | ||
| Bei Schwangeren | Kein erhöhtes Risiko für schweren Verlauf; Symptomatik wie bei Erwachsenen | ||
| Bei Feten | Nach fetaler Infektion | Fetopathien sind nicht beschrieben | |
| Bei Neugeborenen | Nach fetaler/perinataler Infektion | Meist asymptomatisch, Spätfolgen: Verzögerte neurologische Entwicklung | Yoles et al., 2021 |
| Persistierende Infektion | Möglich | Bei Erwachsenen: 60 - 85%
Bei Neugeborenen mit fetaler/perinataler Infektion: > 80 % | Zimmermann et al., 2017; RKI-Ratgeber Hepatitis C |
| Symptome | Müdigkeit, unspezifische Oberbauchbeschwerden, Leistungsminderung | ||
| Spätfolgen | Leberzirrhose: 10 - 20 % Leberzellkarzinom: 2 - 4 % Gefäßentzündungen, Sjögren-Syndrom, Glomerulonephritis | Schott et al., 2001 | |
| Reinfektion | Möglich | Ja | Lombardi et al., 2019 |
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | Nicht verfügbar | ||
| Postexpositionsprophylaxe | Nicht etabliert | ||
| Hygiene | Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln. | TRBA 100 TRBA 250 | |
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Nicht etabliert | ||
| Verhinderung der perinatalen Übertragung | Nicht etabliert | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Verfügbar (Kombinationstherapie: Polymerase-, Protease-, NS5A-Inhibitoren) | Peiffer and Zeuzem, 2022; Gitto et al., 2021; Epstein and Espinoase, 2021; Zimmermann et al., 2017 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositionsrisiko (Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Körperausscheidungen oder Körpergewebe kommen kann) einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko | Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln.
Verwendung von stichsicheren Systemen, sichere Entsorgung kontaminierter scharfer oder spitzer Gegenstände. Persönliche Schutzausrüstung. | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 3(**) | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Namentlich bei Erstnachweis der akuten oder chronischen Infektion oder Tod. | ||
| ArbMedVV | Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe |
Literatur:
Bremer V, Cai W, Gassowski M, Haußig J, Marcus U, Nielsen S, et al. Drogen und chronische Infektionskrankheiten in Deutschland - DRUCK-Studie; Infektions- und Verhaltenssurvey bei injizierenden Drogengebrauchenden in Deutschland - Abschlussbericht: 01.02.2016. Robert Koch-Institut; (2016)
Delotte J, Barjoan EM, Berrébi A, Laffont C, Benos P, Pradier C, Bongain A; ALHICE study group. Obstetric management does not influence vertical transmission of HCV infection: results of
the ALHICE group study. J Matern Fetal Neonatal Med. 2014 May;27(7):664-70. doi: 10.3109/14767058.2013.829813. Epub 2013 Aug 23. PMID: 23971940.
Dibba P, Cholankeril R, Li AA, Patel M, Fayek M, Dibble C, Okpara N, Hines A, Ahmed A. Hepatitis C in Pregnancy. Diseases. 2018 Apr 27;6(2):31. doi: 10.3390/diseases6020031. PMID: 29702563; PMCID: PMC6023348.
Epstein RL, Espinosa C. Hepatitis C Virus in Neonates and Infants. Clin Perinatol. 2021 Jun;48(2):343-357. doi: 10.1016/j.clp.2021.03.007. PMID: 34030818.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Gitto S, Cursaro C, Bartoli A, Margotti M, Andreone P. Hepatitis C: clinical management and debated issues. Minerva Med. 2021 Apr;112(2):228-237. doi: 10.23736/S0026-4806.20.07208-0. Epub 2020 Dec 15. PMID: 33319975.
ICTV: https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/positive-sense-rna-viruses/w/flaviviridae/362/genus-hepacivirus
Jansen K, Thamm M, Bock CT, Scheufele R, Kücherer C, Muenstermann D, et al. . High prevalence and high incidence of coinfection with hepatitis B, hepatitis C, and syphilis and low rate of effective vaccination against hepatitis B in HIV-positive men who have sex with men with known date of HIV seroconversion in Germany. PLoS ONE. (2015) 10:e0142515.10.1371/journal.pone.0142515
Lombardi A, Mondelli MU; ESCMID Study Group for Viral Hepatitis (ESGVH). Hepatitis C: Is eradication possible? Liver Int. 2019 Mar;39(3):416-426. doi: 10.1111/liv.14011. Epub 2019 Jan 10. PMID: 30472772.
Money D, Boucoiran I, Wagner E, Dobson S, Kennedy A, Lohn Z, Krajden M, Yoshida EM. Obstetrical and neonatal outcomes among women infected with hepatitis C and their infants. J Obstet Gynaecol Can. 2014 Sep;36(9):785-794. doi: 10.1016/S1701-2163(15)30480-1. PMID: 25222357.
Peiffer KH, Zeuzem S. Behandlung von Hepatitis-C-Infektionen im Zeitalter direkt wirkender antiviraler Medikamente (DAAs) [Treatment of hepatitis C infections in the era of direct-acting antivirals (DAAs)]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2022 Jan 10:1-8. German. doi: 10.1007/s00103-021-03481-z. Epub ahead of print. PMID: 35006288; PMCID: PMC8744052.
Reuter S, Oette M, Wilhelm FC, Beggel B, Kaiser R, Balduin M, Schweitzer F, Verheyen J, Adams O, Lengauer T, Fätkenheuer G, Pfister H, Häussinger D. Prevalence and characteristics of hepatitis B and C virus infections in treatment-naïve HIV-infected patients. Med Microbiol Immunol. 2011 Feb;200(1):39-49. doi: 10.1007/s00430-010-0172-z. Epub 2010 Sep 19. Erratum in: Med Microbiol Immunol. 2011 Feb;200(1):51. PMID: 20853118.
RKI-Ratgeber Hepatitis C.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HepatitisC/HepatitisC.html;jsessionid=29B28C8A4F4A5BFE769BE3E11A1A7BF0.internet051?cms_box=1&tcms_current=Hepatitis+C&tcms_lv2=2389780
Roudot-Thoraval F. Epidemiology of hepatitis C virus infection. Clin Res Hepatol Gastroenterol. 2021 May;45(3):101596. doi: 10.1016/j.clinre.2020.101596. Epub 2021 Feb 17. PMID: 33610022.
Schott P, Hartmann H, Ramadori G. Hepatitis C virus-associated mixed cryoglobulinemia. Clinical manifestations, histopathological changes, mechanisms of cryoprecipitation and options of treatment. Histol Histopathol. 2001 Oct;16(4):1275-85. doi: 10.14670/HH-16.1275. PMID: 11642746.
Schulte B, Stöver H, Thane K, Schreiter C, Gansefort D, Reimer J. Substitution treatment and HCV/HIV-infection in a sample of 31 German prisons for sentenced inmates. Int J Prison Health. 2009;5(1):39-44. doi: 10.1080/17449200802692144. PMID: 25758928.
Sperle I, Steffen G, Leendertz SA, Sarma N, Beermann S, Thamm R, Simeonova Y, Cornberg M, Wedemeyer H, Bremer V, Zimmermann R, Dudareva S. Prevalence of Hepatitis B, C, and D in Germany: Results From a Scoping Review. Front Public Health. 2020 Aug 28;8:424. doi: 10.3389/fpubh.2020.00424. PMID: 33014960; PMCID: PMC7493659.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Ser-vice/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
WHO, 2021. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-c
Yoles I, Sheiner E, Abu-Freha N, Wainstock T. Maternal hepatitis B or C carrier status and long-term risk for offspring neurological morbidity: a population-based cohort study. J Dev Orig Health Dis. 2021 Jan 21:1-5. doi: 10.1017/S2040174420001397. Epub ahead of print. PMID: 33472720.
Zimmermann et al. AWMF-S3-Leitlinie 021-012, 2017. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virusinfektion. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-012.html
8.1.4. Herpes-simplex-Viren
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie | Humanes Alphaherpesvirus 1, 2/Simplexvirus/ Alphaherpesvirinae/Herpesviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Herpes simplex-Virus 1, 2 | ||
| Abkürzung | HSV-1, 2, HuAHV-1, 2, HHV-1, 2 | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene:
Akute Infektion: Gingivostomatitis aphthosa; Rekurrenz: Herpes labialis, Herpes genitalis, Feten: kongenitale Herpes-simplex-Infektion Neugeborene: Herpes neonatorum | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | Zwei unterscheidbare Spezies (HSV-1 und HSV-2) | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Tröpfcheninfektion/Aerosole (Speichel, Genitalsekrete, Bläscheninhalt), Schmierinfektion, direkter Haut-/Schleimhautkontakt | RKI Ratgeber Herpesinfektionen | |
| Pränatale Übertragung | Transplanzentare Übertragung | ||
| Perinatale Übertragung | transplazentar aszendierend oder Tröpfchen-/ Kontaktinfektion bei Herpes genitalis durch akute Infektion zum Zeitpunkt der Geburt | ||
| Neonatale Übertragung | Tröpfchen-/Kontaktinfektion bei Herpes labialis bei Kontaktpersonen | ||
| Übertragung durch Stillen | Muttermilch: keine Transmission; bei akuten Herpesbläschen an der Brustwarze ist Übertragung möglich | ||
| Durchseuchung (weltweit) | HSV-1: Bevölkerung 0 - 49 Jahre: 67 %
Höchste Seroprävalenz in Ländern Afrika, Südostasien, Region West-Pazifik | Looker et al., 2015 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Seroprävalenz:
HSV-1:
< 25 Jahre: 40 - 60 % 25 - 34 Jahre: 60 - 70 % 35 - 44 Jahre: 70 - 80 % HSV-2: > 18 Jahre: ca 10 % | Woestenberg et al., 2016; Korr et al., 2017 | |
| Inkubationszeit | Allgemein: 1 - 12 Tage
Bei perinataler Übertragung: 1 - 5 Tage (ZNS-Symptomatik: 2 - 3 Wochen) | ||
| Akute Infektion/ Primärinfektion | |||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Häufig | RKI-Ratgeber Herpes-Infektionen |
| Häufige Symptome | HSV-1: Herpes labialis (Bläschenbildung an der Eintrittspforte:
Lippen, Mundschleimhaut), Gingivostomatitis aphthosa, Herpes genitalis
HSV-2: Herpes genitalis, | ||
| Seltene Symptome/ Komplikationen | Hepatitis, Entzündungen der Augenhornhaut, Meningitis, Enzephalitis | Rozenberg rt al., 2011, Chávez et al., 2021 | |
| Bei Schwangeren | Erkrankungsverlauf ähnlich wie bei Kindern, Erwachsenen | ||
| Bei Feten | Bei akuter Infektion der Schwangeren in SSW 1-20 | selten: kongenitale Infektion (Einzelfallberichte); Fehlbildungen
sind nicht belegt | Pichler et al., 2015, Marquez et al., 2011 |
| Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion | Neonatale Symptome | Hautläsionen, Augenerkrankungen, neurologische Erkrankungen | Bhatta et al., 2018 |
| Bei Neugeborenen nach perinataler/ neonataler Infektion | Bei Herpes genitalis der Schwangeren zum Zeitpunkt der Geburt: perinatale Übertragung; bei Her- pes labialis der Mutter, Familienmitglieder, Kontaktpersonen: neo-/postnatale Übertragung | Herpes neoatorum
In Deutschland selten (Prävalenz: 2,3/100.000 Lebendgeburten; Mortalität: 0,13/100.000 Lebendgeburten) | Fernandez et al., 2021; Kidszun et al., 2022 |
| Symptome | Trinkschwäche, graue Haut, Fieber; Übergang zu lokalisierten Haut-/ Schleimhaut-Läsionen, Erkrankung des Auges, ZNS-Beteiligung, disseminierte systemische Infektion | Boyd et al., 2022; Maqsood et al., 2020 | |
| Viruslatenz | Nach der akuten Infektion lebenslange Latenz in den Trigeminus-, Ciliarganglien (HSV-1) bzw. Sakralganglien (HSV-2) | ||
| Sekundärinfektionen | |||
| Rekurrenz/ Reaktivierung | Erwachsene/Schwangere | ||
| Erkrankung | Herpes labialis, Herpes genitalis | ||
| Auftreten | Nach individuell unterschiedlichen Auslösern: UV-Licht, Fieber, Medikamente, Stress | ||
| Symptome | Bläschenbildung an Lippen, Mund-/Genitalschleimhaut | ||
| Komplikationen | Meningitis, Entzündungen der Augenhornhaut | ||
| Feten/Neugeborene | |||
| Auftreten | Transplazentare Transmission und fetale Infektion sowie perinatale Transmission und Erkrankung bei Neugeborenen sind bei HSV-Reaktiverungen während der Schwangerschaft nicht beschrieben | ||
| Reinfektion | Kinder/Erwachsene/Schwangere | ||
| Auftreten | Autoinokulation durch Verbreitung von Bläscheninhalt auf andere Haut-/Schleimhautbereiche | ||
| Symptome | Bläschenbildung | ||
| Feten/Neugeborene | |||
| Auftreten | Transplazentare Transmission und fetale Infektion sowie perinatale Transmission und Erkrankung bei Neugeborenen sind bei HSV-Reinfektionen während der Schwangerschaft nicht beschrieben | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | Nicht verfügbar | ||
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam; Kontaktvermeidung zu Personen mit Herpesbläschen | ||
| Verhinderung der transplazentaren/perinatalen Übertragung | Bei Primärinfektion der Schwangeren: Antivirale Prophylaxe mit Aciclovir | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Aciclovir | Pittet et al., 2021 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang im Labor | Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene; Kontaktvermeidung seronegativer Schwangerer/Stillender zu Personen mit floriden Herpesbläschen | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein | ||
Literatur
Bhatta AK, Keyal U, Liu Y, Gellen E. Vertikale Übertragung des Herpes-simplex-Virus: eine Aktualisierung. J Dtsch Dermatol Ges. 2018 Jun;16(6):685-693. doi: 10.1111/ddg.13529_g. PMID: 29873927.
Boyd RL, Ward R, Kasman LM. Herpes Simplex Neonatorum. 2021 Jul 25. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. PMID: 29261969.
Chávez SM, Poniachik JM, Urzua ÁM, Roblero JP, Cattaneo MJ, Jimenez AP, Carreño LE, Cornejo RA. Acute liver failure due to herpes simplex virus: diagnostic clues and potential role of plasmapheresis: A case report. Medicine (Baltimore). 2021 Sep 3;100(35):e27139. doi: 10.1097/MD.0000000000027139. PMID: 34477166; PMCID: PMC8416005.
Fernandes ND, Arya K, Ward R. Congenital Herpes Simplex. 2021 Dec 17. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. PMID: 29939674.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
ICTV, https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/herpesviridae
Kidszun A, Bruns A, Schreiner D, Tippmann S, Winter J, Pokora RM, Urschitz MS, Mildenberger E. Characteristics of neonatal herpes simplex virus infections in Germany: results of a 2-year prospective nationwide surveillance study. Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed. 2022 Mar;107(2):188-192. doi: 10.1136/archdischild-2021-321940. Epub 2021 Jul 13. PMID: 34257101.
Korr, G., M. Thamm, I. Czogiel, C. Poethko-Mueller, V. Bremer, and K. Jansen, Decreasing seroprevalence of herpes simplex virus type 1 and type 2 in Germany leaves many people susceptible to genital infection: time to raise awareness and enhance control. BMC Infect Dis, 2017. 17(1): p. 471.
Looker KJ, Magaret AS, May MT, Turner KM, Vickerman P, Gottlieb SL, Newman LM. Global and Regional Estimates of Prevalent and Incident Herpes Simplex Virus Type 1 Infections in 2012. PLoS One. 2015 Oct 28;10(10):e0140765. doi: 10.1371/journal.pone.0140765. PMID: 26510007; PMCID: PMC4624804.
Marquez, L., M.L. Levy, F.M. Munoz, and D.L. Palazzi, A report of three cases and review of intrauterine herpes simplex virus infection. Pediatr Infect Dis J, 2011. 30(2): p. 153-157.
Maqsood N, Mahmood U. Herpes simplex ophthalmia neonatorum: a sight-threatening diagnosis. Br J Gen Pract. 2020 Oct 1;70(699):513-514. doi: 10.3399/bjgp20X712973. PMID: 33004377; PMCID: PMC7518920.
Pichler, M., A. Staffler, N. Bonometti, H. Messner, J. Deluca, T. Thuile, R. Kluge, et al., Premature newborns with fatal intrauterine herpes simplex virus-1 infection: first report of twins and review of the literature. J Eur Acad Dermatol Venereol, 2015. 29(6): p. 1216-1220.
Pittet LF, Curtis N. Postnatal Exposure to Herpes Simplex Virus: To Treat or Not to Treat? Pediatr Infect Dis J. 2021 May 1;40(5S):S16-S21. doi: 10.1097/INF.0000000000002846. PMID: 32773663.
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https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/Herpes/Herpes.html;jsessionid=29B28C8A4F4A5BFE769BE3E11A1A7BF0.internet051?cms_box=1&cms_current=Herpes-Infektionen+%28Herpes+simplex%29&cms_lv2=2394188
Rozenberg F, Deback C, Agut H. Herpes simplex encephalitis : from virus to therapy. Infect Disord Drug Targets. 2011 Jun;11(3):235-50. doi: 10.2174/187152611795768088. PMID: 21488834.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Woestenberg, P.J., J.H. Tjhie, H.E. de Melker, F.R. van der Klis, J.E. van Bergen, M.A. van der Sande, and B.H. van Benthem, Herpes simplex virus type 1 and type 2 in the Netherlands: seroprevalence, risk factors and changes during a 12-year period. BMC Infect Dis, 2016. 16: p. 364.
8.1.5. Humane Immundefizienzviren (HIV)
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie/Gattung | Human immunodeficiency virus/Lentivirus/Orthoretro virinae/Retroviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Humane Immundefizienzviren | ||
| Abkürzung | HIV | ||
| Erkrankung | AIDS:
Erworbene Immunschwäche | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit; Hochprävalenzregionen: Subsahara-Afrika, Süd-/ Südostasien | WHO, 2021 |
| Varianten | 2 Spezies:
HIV-1 und HIV-2, HIV-1: Untergruppen M, N, O, P Untergruppe M: Subtypen A-D, F-H, J, K; HIV-2: Untergruppen A-H); Bildung zahlreicher Varianten/Quasispezies, regional unterschiedlich verbreitet | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Inkubationszeit | 2 - 10 Wochen | ||
| Postnatale Übertragung | Blut (Nadelstichverletzungen, i.v.-Drogengebrauch etc.), Genitalsekrete (Sexualverkehr); | Bertolli et al., 1996; Simonon et al., 1994; The Working Group on Mother-to-Child Transmission of HIV, 1995 | |
| Pränatale Übertragung | Transplazentar: 20 - 30 %, bei nicht therapierten Schwangeren | ||
| Perinatale Übertragung | 50 - 65 %, bei nicht therapierten Schwangeren, abhängig von der Höhe der Viruslast der Schwangeren bei Geburt | ||
| Übertragung durch Stillen | Muttermilch und Blut bei Verletzungen an der Brust (10 - 20 %, bei nicht therapierten Müttern) | ||
| Vertikale Übertragung (Deutschland) | < 10 Mutter-Kind-Übertragungen im Jahr 2020 | an der Heiden et al., 2021 | |
| Durchseuchung (weltweit) | HIV-Prävalenz: ca. 0,48 % 37,7 Mio.
HIV-Infizierte mit sehr großen regionalen Unterschieden | WHO, 2021 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | HIV-Prävalenz 2020 (geschätzt) Gesamtbevölkerung: 0,09 %
Männer: 0,17 % Frauen: 0,04 % Meldezahlen Deutschland:
| an der Heiden et al., 2021; Epidemiologisches Bulletin 31/2021 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Ca. 50 % der Infektionen | RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS;
Markus et al., 2021 |
| Symptome | retrovirales Syndrom; Fieber, grippeähnliche Symptome, Lymphknotenschwellung.
Mononukleose-ähnlich
Ein symptomfreies Stadium der HIV-Infektion kann weniger als 12 Monate bis 10 Jahre dauern. | ||
| Bei Schwangeren | Bei akuter Infektion ähnlicher Erkrankungsverlauf wie bei Nichtschwangeren | Harris and Yudin, 2020; Behrers, Haberl et al., 2020; | |
| Bei Feten | Keine Fetopathien | ||
| Bei Neugeborenen | nach fetaler Infektion | AIDS | |
| nach perinataler Infektion | AIDS | ||
| Persistierende Infektion | Obligat | lebenslange Persistenz durch Integration des Virusgenoms in die chromosomale DNA des Wirtes; Folge: AIDS-kennzeichnende Erkrankungen. Symptome: vielfältig, meist chronische und zunehmend schwer verlaufende Erkrankungen durch opportunistische Infektionen und Tumorerkrankungen aufgrund der Schädigung der Immunabwehr, unspezifische Störungen des Allgemeinbefindens, Haut- und Schleimhaut-Veränderungen, gastrointestinale Beschwerden. Komplikationen durch die ausgeprägten und irreversiblen Störungen der zellulären Immunabwehr. | RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS; Markus et al., 2021 |
| Spätfolgen | AIDS, lebensbedrohliche opportunistische Infektionen und Tumorerkrankungen | ||
| Symptome/Schwangere | Wie bei anderen Infizierten | ||
| Zweitinfektion | Möglich | Ko-/Überinfektion mit alternativen Subtypen/Varianten | |
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | Nicht verfügbar | ||
| Postexpositionsprophylaxe | Etabliert und verfügbar | ||
| Hygiene | Basishygiene
Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln. Ausschließliche Verwendung von Einmalinstrumenten bei medizinischen/ ärztlichen Maßnahmen und beim Piercing oder Tätowieren! Safer Sex! Bei infizierten Familienmitgliedern keine gemeinsame Verwendung von Artikeln für die Körperhygiene! | TRBA 100 | |
| Verhinderung der intrauterinen/ transplazentaren Übertragung | Screening: HIV- Antikörpertest im 1. Trimenon; Beginn der antiretroviralen Chemotherapie so rasch wie möglich, spätestens zu Beginn des 2. Trimenons. Bei fachgerechter Durchführung der erforderlichen Maßnahmen kann eine Übertragung in über 99 % der Fälle verhindert werden. | Mutterschafts-Richtlinien; Behrers, Haberl et al., 2020; Van de Perre et al., 2021 | |
| Verhinderung der perinatalen Übertragung | Antiretrovirale Therapie der Mutter,
Sectio caesarea bei hoher Viruslast, Antiretrovirale Prophylaxe beim Neugeborenen | Van de Perre et a., 2021 | |
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Antiretrovirale Chemotherapie (HAART) ist etabliert; in Deutschland bekommen ca 95% der HIV-Infizierten entsprechende Chemotherapie.
Für HIV-positive Schwangere gelten die Behandlungsindikationen wie für nicht schwangere Erwachsene | Markus et al., 2021 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositionsrisiko, einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko | Basishygiene, Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln, Verwendung von stichsicheren Systemen, soweit verfügbar, sichere Entsorgung kontaminierter scharfer oder spitzer Gegenstände, persönliche Schutzausrüstung. | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 3 (**) | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nichtnamentlich direkter oder indirekter HIV-Nachweis (Erstdiagnose) |
Literatur:
An der Heiden M, Marcus U, Kollan C, Schmidt D, Gunsenheimer-Bartmeyer B, Bremer V: Schätzung der Zahl der HIV-Neuinfektionen und der Gesamtzahl von Menschen mit HIV in Deutschland, Stand Ende 2020. Epid Bull 2021;47:3 -17 | DOI 10.25646/930
Behrens G, Haberl A et al., AWMF-S2k-Leitlinie 055-02, 2020. Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055-002.html
Bertolli J, St Louis ME, Simonds RJ, Nieburg P, Kamenga M, Brown C, Tarande M, Quinn T, Ou CY. Estimating the timing of mother-to-child transmission of human immunodeficiency virus in a breast-feeding population in Kinshasa, Zaire. J Infect Dis. 1996 Oct;174(4):722-6.
Epidemiologisches Bulletin 31/2021_ HIV-Jahresbericht 2019-2020. Robert-Koch-Institut
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Harris K, Yudin MH. HIV Infection in Pregnant Women: A 2020 Update. Prenat Diagn. 2020 Dec;40(13):1715-1721. doi: 10.1002/pd.5769. Epub 2020 Jul 20. PMID: 33405240.
ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/reverse-transcribing-dna-and-rna-viruses/w/retroviridae
Markus et al. AWMF-S2k-Leitlinie 055-01, 2021. Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055-001.html
Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung ("Mutterschafts-Richtlinien") in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 16. September 2021, in Kraft getreten am 1. Januar 2022
RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS;
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv_aids.html;jsessionid=93497BB8D022ACEA2FF7CD6526EFE21A.internet071?cms_box=1&cms_current=HIV+%28AIDS%29&cms_lv2=2747670
Simonon A, Lepage P, Karita E, Hitimana DG, Dabis F, Msellati P, Van Goethem C, Nsengumuremyi F, Bazubagira A, Van de Perre P. An assessment of the timing of mother-to-child transmission of human immunodeficiency virus type 1 by means of polymerase chain reaction. J Acquir Immune Defic Syndr. 1994 Sep;7(9):952-7.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
The Working Group on Mother-to-Child Transmission of HIV. Rates of mother-to-child transmission of HIV-1 in Africa, America, and Europe: results from 13 perinatal studies. The Working Group on Mother-To-Child Transmission of HIV. J Acquir Immune Defic Syndr Hum Retrovirol. 1995 Apr;8(5):506-10.
Van de Perre P, Goga A, Ngandu N, Nagot N, Moodley D, King R, Molès JP, Mosqueira B, Chirinda W, Scarlatti G, Tylleskär T, Dabis F, Gray G. Eliminating postnatal HIV transmission in high incidence areas: need for complementary biomedical interventions. Lancet. 2021 Apr 3;397(10281):1316-1324. doi: 10.1016/S0140-6736(21)00570-5. PMID: 33812490.
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
WHO, 2021. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hiv-aids
8.1.6. Influenzaviren
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie | Influenza A-Virus/ Alphainfluenzavirus/ Influenza B-Virus/ Betainfluenzavirus/ Influenza C-Virus/ Gammainfluenzavirus/ Orthomyxoviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Influenzavirus (klassisches Grippevirus) | ||
| Abkürzung | FLUAV/FLUBV/FLUCV | ||
| Erkrankung | Neugeborene/Kinder/ Erwachsene: klassische Virusgrippe, Influenza | Peteranderl et al., 2016: Zaraket et al., 2021;
Malainou und Herold, 2019 | |
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | FLUAV H1-H16 (Endemie, Epidemie, Pandemie) FLUBV: keine Subtypen (Endemie)
FLUCV: keine Subtypen, sehr selten | RKI-Ratgeber Influenza | |
| Vorkommen/Wirte | Mensch, Wildvögel, Zuchtgeflügel, Schweine, Pferde | ||
| Postnatale Übertragung | Tröpfcheninfektion (Speichel), Kontaktinfektion, Schmierinfektion über kontaminierte Flächen | ||
| Pränatale Übertragung | Nicht beschrieben | ||
| Perinatale Übertragung | Nicht beschrieben | ||
| Neo/postnatale Übertragung | Tröpfcheninfektion bei akuter Influenza der Schwangeren zum Geburtszeitpunkt bzw. der Mutter, Familienangehörigen, Kontaktpersonen | ||
| Übertragung durch Stillen | Übertragung durch Muttermilch ist nicht beschrieben | ||
| Inzidenz (weltweit) | Hoch
Humane FLUAV-Subtypen H1, H3: weltweit in der Bevölkerung verbreitet, Subtypen H1-H16 in Wildvögeln, hochpathogene Subtypen H5, H7, H9 in Zuchtgeflügel (bei Kontakt mit infizierten Vögeln sind Übertragungen und schwere Erkrankungen bei Menschen möglich) | WHO | |
| Inzidenz (Deutschland) | Abhängig von den jeweiligen wintersaisonalen Epidemien, unterschiedlich hoch Ge- meldete Influenzavirus-Infektionen
2019: 133.480 Meldungen 2020: 194.712 Meldungen 2021: 1.113 Meldungen | Van Kerkhove et al., 2013; King et al., 2021; https://survstat.rki.de | |
| Inkubationszeit | 1 - 4 Tage | ||
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Möglich | |
| Häufige Symptome | Fieber > 39,5 °C, Kopf-/ Gliederschmerzen, trockener Husten | ||
| Komplikationen | Pneumonie (viral oder durch bakterielle Überinfektion), Myositis, Myokarditis, Otitis media, Enzephalitis | ||
| Bei Schwangeren | (2.)- 3. Trimenon | Erhöhte Rate für schwere Verläufe mit Pneumonie, Enzephalitis, Tod | Vousden und Knight, 2021 |
| Bei Feten bei akuter Infektion der Schwangeren | 1. (- 2.) Trimenon | Erhöhte Abortrate; Frühgeburtlichkeit Fraglicher Zusammenhang mit Neuralrohrdefekten bei hochfieberhafter Influenza im ersten Trimester durch immunologische Abwehrreaktionen | CDC, 2011; He et al., 2017;
Luteijn et al., 2014; Wang et al., 2014 |
| Bei neonataler Infektion (Neugeborene) | 0 - 6 Monate | Virusgrippe, hohes Risiko für Komplikationen (Enzephalitis) bei Neugeborenen nicht geimpfter Mütter | Lietz et al., 2016; |
| Reinfektion | Wiederholte Infektion mit saisonalen FLUAV-Subtypen aufeinanderfolgender Winterepidemien ist regelmäßig möglich | ||
| Prävention | Impfung | Ja, Totimpfstoffe; gegen saisonale FLUAV-Subtypen und FLUBV gemäß STIKO-Empfehlung | Adeyanju et al., 2021; Nypaver et al., 2021; |
| Passive Immunisierung | Nicht verfügbar | ||
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Möglich (Hemmstoffe der Neuraminidase) | Jefferson et al., 2014 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit Viren in Labor, Forschung, Arbeitsstätten | Persönliche Schutzausrüstung, Mund-/ Nasenschutz; Kontrolle der Impfdokumente, Impfung gegen saisonale Subtypen entsprechend STIKO-Empfehlung. Befristetes Beschäftigungsverbot für Schwangere bei saisonalen Ausbrüchen in Kinderbetreuungseinrichtungen (< 6-Jährige), erhöhtes Infektionsrisiko für Tätige im Gesundheitswesen ist nicht beschrieben | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2/3 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Ja | ||
| ArbMedVV | Ggf. Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe in Forschungseinrichtungen oder Laboratorien bei regelmäßigen Tätigkeiten mit Kontaktmöglichkeit zu infizierten Proben oder Verdachtsproben |
Literatur
Adeyanju GC, Engel E, Koch L, Ranzinger T, Shahid IBM, Head MG, Eitze S, Betsch C. Determinants of influenza vaccine hesitancy among pregnant women in Europe: a systematic review. Eur J Med Res. 2021 Sep 28;26(1):116. doi: 10.1186/s40001-021-00584-w. PMID: 34583779; PMCID: PMC8477621.
centers for Disease Control and Prevention (CDC), Maternal and infant outcomes among severely ill pregnant and postpartum women with 2009 pandemic influenza A (H1N1)--United States, April 2009-August 2010. MMWR Morb Mortal Wkly Rep, 2011. 60(35): p. 1193-1196.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
He, J., Z.W. Liu, Y.P. Lu, T.Y. Li, X.J. Liang, P.C. Arck, S.M. Huang, et al., A Systematic Review and Meta-Analysis of Influenza A Virus Infection During Pregnancy Associated with an Increased Risk for Stillbirth and Low Birth Weight. Kidney Blood Press Res, 2017. 42(2): p. 232-243.
ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv 9th report/negative-sense-rna-viruses-2011/w/negrna_viruses/209/orthomyxoviridae
Jefferson T, Jones M, Doshi P, Spencer EA, Onakpoya I, Heneghan CJ. Oseltamivir for influenza in adults and children: systematic review of clinical study reports and summary of regulatory comments. BMJ. 2014 Apr 9;348:g2545. doi: 10.1136/bmj.g2545. PMID: 24811411; PMCID: PMC3981975.
King J, Harder T, Conraths FJ, Beer M, Pohlmann A. The genetics of highly pathogenic avian influenza viruses of subtype H5 in Germany, 2006-2020. Transbound Emerg Dis. 2021 May;68(3):1136-1150. doi: 10.1111/tbed.13843. Epub 2020 Sep 29. PMID: 32964686.
Lietz J, Westermann C, Nienhaus A, Schablon A. The Occupational Risk of Influenza A (H1N1) Infection among Healthcare Personnel during the 2009 Pandemic: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. PLoS One. 2016 Aug 31;11(8):e0162061. doi: 10.1371/journal.pone.0162061. PMID: 27579923; PMCID: PMC5006982.
Luteijn, J.M., M.J. Brown, and H. Dolk, Influenza and congenital anomalies: a systematic review and meta-analysis. Hum Reprod, 2014. 29(4): p. 809-823.
Malainou C, Herold S. Influenza [Influenza]. Internist (Berl). 2019 Nov;60(11):1127-1135. German. doi: 10.1007/s00108-019-00670-6. PMID: 31478058.
Nypaver C, Dehlinger C, Carter C. Influenza and Influenza Vaccine: A Review. J Midwifery Womens Health. 2021 Jan;66(1):45-53. doi: 10.1111/jmwh.13203. Epub 2021 Feb 1. PMID: 33522695; PMCID: PMC8014756.
Peteranderl C, Herold S, Schmoldt C. Human Influenza Virus Infections. Semin Respir Crit Care Med. 2016 Aug;37(4):487-500. doi: 10.1055/s-0036-1584801. Epub 2016 Aug 3. PMID: 27486731; PMCID: PMC7174870.
RKI-Ratgeber Influenza
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/Influenza.html;jsessionid=0E096BA6E50EAB3F732751FD411ECB96.internet082?cms_box=1&cms_current=Influenza&cms_lv2=2961756
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Van Kerkhove MD, Hirve S, Koukounari A, Mounts AW; H1N1pdm serology working group. Estimating age-specific cumulative incidence for the 2009 influenza pandemic: a meta-analysis of A(H1N1)pdm09 serological studies from 19 countries. Influenza Other Respir Viruses. 2013 Sep;7(5):872-86. doi: 10.1111/irv.12074. Epub 2013 Jan 21. PMID: 23331969; PMCID: PMC5781221.
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
Vousden N, Knight M. Lessons learned from the A (H1N1) influenza pandemic. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. 2021 Oct;76:41-52. doi: 10.1016/j.bpobgyn.2020.08.006. Epub 2020 Oct 12. PMID: 33144076; PMCID: PMC7550184.
Wang, M., Z.P. Wang, R. Gong, and Z.T. Zhao, Maternal flu or fever, medications use in the first trimester and the risk for neural tube defects: a hospital-based case-control study in China. Childs Nerv Syst, 2014. 30(4): p. 665671.
WHO. https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/influenza-(seasonal)
Zaraket H, Hurt AC, Clinch B, Barr I, Lee N. Burden of influenza B virus infection and considerations for clinical management. Antiviral Res. 2021 Jan;185:104970. doi: 10.1016/j.antiviral.2020.104970. E-pub 2020 Nov 5. PMID: 33159999.
8.1.7. Lymphozytäres Choriomeningitisvirus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie | Lymphocytic choriomeningitis mammarenavirus/Mammarenavirus/ Arenaviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Lymphozytäres Choriomeningitisvirus (Lymphocytic choriomeningitis virus) | ||
| Abkürzung | LCMV | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene:
Lymphozytäre Choriomeningitis ("Hamsterkrankheit") | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | Serologisch einheitlich, vier genetisch unterscheidbare Linien mit regional unterschiedlicher Verbreitung | ||
| Vorkommen/Wirte | Natürliche Wirte:
Mäuse, insbesondere Wildfänge; lebenslange Virusausscheidung
Akzidentelle Wirte: Goldhamster, Chinchilla, Meerschweinchen, Ratten, Primaten, Mensch; Virusausscheidung bei akuter Infektion: 2 - 3 Wochen | ||
| Postnatale Übertragung | Zoonose; Bisse, direkter Kontakt zu Nagetieren und deren Ausscheidungsprodukte (Urin, Kot, Speichel), Einatmen von mit Urin, Kot kontaminierten Staub;
Keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung | ||
| Übertragung durch Stillen | Nein | ||
| Pränatale Übertragung | Transplazentar, bei akuter Infektion der Schwangeren | ||
| Perinatale Übertragung | Nicht beschrieben, theoretisch möglich bei akuter Infektion zum Geburtszeitpunkt | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Erwachsene: 1 - 5(- 35) %, regional unterschiedlich Schwangere: 3,9 % (Kroatien); Keine Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung beschrieben | Fevola et al., 2018, Lledó et al., 2003, Kallio-Kokko et al., 2006, Vilibic-Cavlek et al., 2021b | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Seroprävalenz (geschätzt): 1 - 5 % | ||
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Häufig | |
| Häufige Symptome | Fieber, grippeähnliche Symptome, Kopf-/Gliederschmerzen | ||
| Komplikationen | Sehr selten: aseptische Meningitis, Meningoenzephalitis | ||
| Bei Schwangeren | Gesamte Schwangerschaft | Häufig asymptomatisch Ähnlich wie bei Kindern und Erwachsenen | |
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| Infektion der Schwangeren in SSW 1-15 | Abort,
Fetopathie bei bis zu 87 % der Fälle | Anderson et al., 2014, Enders et al., 1999 | |
| Symptome | Infektion des zentralen Nervensystems, fetale Hautödeme, Hydrocephalus, Mikrocephalie, Hydrops fetalis,
Totgeburt | Barton and Mets 2001, Delaine et al., 2017, Vilibic-Cavlek et al., 2021a, Bonthius, 2012 | |
| Auftreten der Symptome | Mitunter verzögert bis SSW 28 | ||
| Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion | Spätfolgen | Bleibende neurologische und körperliche Entwicklungsstörungen (70 %) Chorioretinitis, Blindheit
Mortalität: ca. 35 % | El Feghaly and Hunstad, 2013 |
| Reinfektion | Bei Immungesunden nicht beschrieben | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | Nicht verfügbar | ||
| Hygiene | Mundschutz und Händehygiene bei Kontakt zu Nagetieren, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht verfügbar | |
| Rechtliches / Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, Arbeitsstätten | Persönliche
Schutzausrüstung, Basishygiene Schwangere Tierärztinnen, Tierpflegerinnen tierärztliche Fachangestellte etc. mit häufigem Kontakt zu Nagetieren: Kontaktvermeidung bis SSW 16 | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 120 TRBA 260 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein | ||
| ArbMedVV | Bestimmung des Immunstatus (LCMV-IgG) bei beruflichen Kontakten zu Nagetieren, insbesondere Wildmäusen |
Literatur:
Anderson J.L., Levy P.T., Leonard K.B., Smyser C.D., Tychsen L., Cole F. Sessions. Congenital lymphocytic choriomeningitis virus: When to consider the diagnosis. J. Child. Neurol. 2014;29:837-842. doi: 10.1177/0883073813486295.
Barton L.L., Mets M.B. Congenital lymphocytic choriomeningitis virus infection: Decade of rediscovery. Clin. Infect. Dis. 2001;33:370-374. doi: 10.1086/321897.
Bonthius DJ. Lymphocytic choriomeningitis virus: an underrecognized cause of neurologic disease in the fetus, child, and adult. Semin Pediatr Neurol. 2012 Sep;19(3):89-95. doi: 10.1016/j.spen.2012.02.002. PMID: 22889536; PMCID: PMC4256959.
Delaine M., Weingertner A.-S., Nougairede A., Lepiller Q., Fafi-Kremer S., Favre R., Charrel R. Microcephaly caused by lymphocytic choriomeningitis virus. Emerg. Infect. Dis. 2017;23:15481550. doi: 10.3201/eid2309.170775.
El Feghaly R.E., Hunstad D.A. A newborn with hydrops, hydrocephalus, and ophthalmologic abnormalities. J. Pediatr. Infect. Dis. Soc. 2013;2:391-393. doi: 10.1093/jpids/pit047.
Enders G., Varho-Göbel M., Löhler J., Terletskaia-Ladwig E., Eggers M. Congenital lymphocytic choriomeningitis virus infection: An underdiagnosed disease. Pediatr. Infect. Dis. J. 1999;18:652-655. doi: 10.1097/00006454-199907000-00020.
Fevola C., Kuivanen S., Smura T., Vaheri A., Kallio-Kokko H., Hauffe H.C., Vapalahti O., Jääskeläinen A.J. Seroprevalence of lymphocytic choriomeningitis virus and Ljungan virus in Finnish patients with suspected neurological infections. J. Med. Virol. 2018;90:429-435. doi: 10.1002/jmv.24966.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictvonlinereport/negative-sense-rna-viruses/w/arena-viridae
Kallio-Kokko H., Laakkonen J., Rizzoli A., Tagliapietra V., Cattadori I., Perkins S.E., Hudson P.J., Cristofolini A., Versini W., Vapalahti O., et al. Hantavirus and arenavirus antibody prevalence in rodents and humans in Trentino, Northern Italy. Epidemiol. Infect. 2006;134:830-836. doi: 10.1017/S0950268805005431.
Lledó L., Gegúndez M.I., Saz J.V., Bahamontes N., Beltrán M. Lymphocytic choriomeningitis virus infection in a province of Spain: Analysis of sera from the general population and wild rodents. J. Med. Virol. 2003;70:273-275. doi: 10.1002/jmv.10389.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 120 Versuchstierhaltung
TRBA 260 Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in der Veterinärmedizin und bei vergleichbaren Tätigkeiten
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
Vilibic-Cavlek T., Oreski T., Korva M., Kolaric B., Stevanovic V., Zidovec-Lepej S., Tabain I., Jelicic P., Miklausic-Pavic B., Savic V., et al. Prevalence and risk factors for lymphocytic choriomeningitis virus infection in continental Croatian regions. Trop. Med. Infect. Dis. 2021b;6:67. doi: 10.3390/tropicalmed6020067.
Vilibic-Cavlek T, Savic V, Ferenc T, Mrzljak A, Barbic L, Bogdanic M, Stevanovic V, Tabain I, Ferencak I, Zidovec-Lepej S. Lymphocytic Choriomeningitis-Emerging Trends of a Neglected Virus: A Narrative Review. Trop Med Infect Dis. 2021a May 25;6(2):88. doi: 10.3390/tropical-med6020088. PMID: 34070581; PMCID: PMC8163193.
8.1.8. Masernvirus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/Virusfamilie | Morbillivirus measles virus/Morbillivirus/Orthopa ramyxovirinae/ Paramyxoviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Masernvirus (Measles Virus, Measles-Morbillivirus) | ||
| Abkürzung | MV | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene: Masern Neugeborene/Kleinkinder: Subakute sklerosierende Panencephalitis (SSPE) | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | Serologisch einheitlich; 8 Stämme (clades A-H) mit 24 unterscheidbaren Genotypen mit regional unterschiedlicher Verbreitung | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Tröpfcheninfektion (Speichel, Nasensekret), direkter Kontakt | ||
| Pränatale Übertragung | Sehr selten, Einzelfallberichte | Cruzado et al., 2002; Hanft et al. 2021, Charlier et al., 2021, Bansal and Hameed, 2019 | |
| Perinatale Übertragung | Bei akuten Masern der Schwangeren zum Geburtszeitpunkt, hohes Risiko für SSPE | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Aufgrund der Impfprogramme treten Masern in Ländern mit etablierten Impfprogramen nur noch selten auf; die Eliminierung der Masern ist dort fast erreicht. | WHO | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Seroprävalenz:
Kinder (1 - 2 Jahre): 60 % Erwachsene (> 55 Jahre): > 97 % Schwangere: > 95 % Fälle: 2019: 514 Meldungen 2020: 76 Meldungen 2021: 6 1. Dosis: 97,3 %; 2. Dosis: 93,1 % | Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, 2011, 2012; Riek et al., 2021, Friedrich et al., 2021,
Matysiak-Klose D, et al, 2021 https://survstat.rki.de | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Nicht beschrieben | |
| Häufige Symptome | Fieber > 38,5 °C, Schnupfen, Husten, Konjunktivitis, makulopapulöses Exanthem, Koplik'sche Flecken | ||
| Komplikationen | Otitis media, Pneumonie, Enzephalitis | ||
| Bei Schwangeren | (2. -) 3. Trimenon | Erhöhte Komplikationsrate: Pneumonie, Hepatitis, Enzephalitis | Atmar et al., 1992; Congera et al., 2020 |
| Bei Feten | Symptome | Fetopathie nicht beschrieben; keine signifikant erhöhte Abortrate | Ornoy and Tenenbaum, 2006 |
| Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion | Symptome | Masern | Yoshida et al., 2011, Congera et al., 2020 |
| Spätfolgen | Bei ungeschützten Neugeborenen: sehr hohes Risiko für SSPE im Kleinkindalter | ||
| Persistierende Infektion | Nach perinataler Infektion | Bei ungeschützten Neugeborenen: sehr hohes Risiko für SSPE im Kleinkindalter | |
| Reinfektion | Bei Immungesunden nicht beschrieben, sehr selten | ||
| Prävention | Impfung | Ja, attenuierter Lebendimpfstoff (MMR, MMRV) gemäß Masernschutzgesetz und STIKO-Empfehlung | |
| Passive Immunisierung | Bei Exposition ungeschützter Schwangerer und bei Neugeborenen von Frauen mit akuter Infektion bei Geburt: Standard-Immunglobulin: einmalig i.v. 400 mg/kg Körpergewicht, innerhalb von 6 Tagen nach Exposition | ||
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam, Kontaktvermeidung zu Infizierten | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht möglich | |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | In Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Menschen und in Einrichtungen zur vorschulischen Betreuung von Kindern: Tätigkeiten mit regelmäßigem direkten Kontakt zu Kindern, Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, Arbeitsstätten | Kontrolle der Impfdokumente, Impfung Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene | MuSchG
Masernschutzgesetz, 2020 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Ja | ||
| Impfpflicht | Impfpflicht für nach 1970 Geborene in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Hospitälern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen | ||
| ArbMedVV | Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe |
Literatur
Atmar, R.L., J.A. Englund, and H. Hammill, Complications of measles during pregnancy. Clin Infect Dis, 1992. 14(1): p. 217-226.
Bansal J, Hameed A. Measles in pregnancy. BMJ Case Rep. 2019 May 9;12(5):e228781. doi: 10.1136/bcr-2018-228781. PMID: 31076492; PMCID: PMC6536234.
Charlier C, Dina J, Freymuth F, Vabret A, Lortholary O, Antona D, Lecuit M. Prolonged Maternal Shedding and Maternal-fetal Transmission of Measles Virus. Clin Infect Dis. 2021 May 4;72(9):1631-1634. doi: 10.1093/cid/ciaa915. PMID: 32614433.
Congera P, Maraolo AE, Parente S, Schiano Moriello N, Bianco V, Tosone G. Measles in pregnant women: A systematic review of clinical outcomes and a meta-analysis of antibodies seroprevalence. J Infect. 2020 Feb;80(2):152-160. doi: 10.1016/j.jinf.2019.12.012. Epub 2019 Dec 28. PMID: 31891729.
Cruzado, D., V. Masserey-Spicher, L. Roux, J. Delavelle, F. Picard, and C.A. Haenggeli, Early onset and rapidly progressive subacute sclerosing panencephalitis after congenital measles infection. Eur J Pediatr, 2002. 161(8): p. 438441.
Friedrich N, Poethko-Müller C, Kuhnert R, Matysiak-Klose D, Koch J, Wichmann O, Santibanez S, Mankertz A. Seroprevalence of Measles-, Mumps-, and Rubella-specific antibodies in the German adult population - cross-sectional analysis of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). Lancet Reg Health Eur. 2021 Jun 5;7:100128. doi: 10.1016/j.lanepe.2021.100128. PMID: 34557838; PMCID: PMC8454806.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention (Masernschutzgesetz), 2020 http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl120s0148.pdf
Hanft E, Brachio S, Messina M, Zachariah P, Sutton D, Goffman D, Pike J, Covington L, Graham KA, Crouch B, Adams E, Ahmad N, Rausch-Phung E, Southwick K, Bryant P, Fuschino M, Khandekar A, Kulas K, Saiman L. Congenital Measles in a Premature 25-week Gestation Infant. Pediatr Infect Dis J. 2021 Aug 1;40(8):753-755. doi: 10.1097/INF.0000000000003152. PMID: 34250975.
ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictvonlinereport/negative-sense-rna-viruses/w/paramyxoviridae
Matysiak-Klose D, et al., Stand der Elimination der Masern und Röteln in Deutschland - erste erfreuliche Ergebnisse erzielt. Epid Bull 2021. 15:3-7
Ornoy, A. and A. Tenenbaum, Pregnancy outcome following infections by coxsackie, echo, measles, mumps, hepatitis, polio and encephalitis viruses. Reprod Toxicol, 2006. 21(4): p. 446-457.
Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, Sero-epidemiology of measles-specific IgG antibodies and predictive factors for low or missing titres in a German population-based cross-sectional study in children and adolescents (KiGGS). Vaccine, 2011. 29(45): p. 7949-7959.
Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, Seroprevalence of measles-, mumps- and rubella-specific IgG antibodies in German children and adolescents and predictors for seronegativity. PLoS One, 2012. 7(8): p. e42867.
Rieck T, Feig M, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
Yoshida, M., H. Matsuda, and K. Furuya, Two cases of measles in pregnant women immediately preceding delivery (case reports). Clin Exp Obstet Gynecol, 2011. 38(2): p. 177-179.
WHO. 2021 https://www.who.int/health-topics/measles#tab=tab_1
8.1.9. Papillomavirus (juvenile Larynxpapillomatose)
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Spezies/Gattung/Unterfamilie/Virusfamilie | Alphapapillomavirus 10/ Alphapapillomavirus/ Firstpapillomavirinae/ Papillomaviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Papillomavirus Typ 6, 11 und weitere | ||
| Abkürzung | HPV-6, HPV-11 | ||
| Erkrankung | Erwachsene: Genitalwarzen, Condylomata acuminata Säuglinge, Kinder: Larynxpapillomatose, Recurrent Respiratory Papillomatosis (RRP) | Donne et al., 2010, Gross et al., 2017, Benedict et al., 2021 | |
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | Zur Spezies Alphapapillomavirus zählen neben HPV-6/HPV-11 einige weitere Typen, regional unterschiedlich verbreitet | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Sexualverkehr, Hautkontakte | ||
| Pränatale Übertragung | Nicht beschrieben | ||
| Perinatale/neonatale Übertragung | Durch Kontakt des Kindes mit Genitalwarzen der Mutter während des Geburtsvorgangs | ||
| Übertragung durch Stillen | Nein | ||
| Inzidenz (weltweit, Erwachsene) | 160 - 289 Infektionen/ 100.000 Personen/Jahr | Patel et al., 2013; Tyros et al., 2021 | |
| Inzidenz (Deutschland, Erwachsene) | Geschätzt haben 5 - 10 % der Bevölkerung ein Risiko, während ihres Lebens mit HPV-6 oder HPV-11 infiziert zu werden | Kraut et al.,2010 | |
| Inzidenz Larynxpapillomatose (Kinder) | 4,3 Infektionen /100.000 Kinder/Jahr | El-Naggar et al., 2017 | |
| Inkubationszeit | Bei Kindern mehrere Monate bis Jahre | ||
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Selten, kleine Läsionen sind u.U. nicht erkennbar | |
| Symptome | Schleimhautläsionen, Genitalwarzen, Papeln, gutartige Tumoren | ||
| Bei Schwangeren | Genitalwarzen ähnlich wie bei Erwachsenen | ||
| Bei Feten bei akuter Infektion der Schwangeren | Pränatale Übertragung und/oder Erkrankung nicht beschrieben | ||
| Bei Neugeborenen nach perinataler Übertragung | Warzen-/Papelbildung in Schleimhaut von Mund, Larynx, Ösophagus, auf Stimmbändern, gutartige Tumoren | ||
| Reinfektion | Wiederholte Infektion, vor allem durch Verbreitung der Viren von der Oberfläche existierender Hautläsionen auf andere Bereiche der Haut (Autoinokulation) | ||
| Prävention | Impfung | Verfügbar, rekombinant produzierte virusähnliche Partikel | Goldstone und Vuocolo, 2021, Tejada et al., 2017, Gross et al., 2020 |
| Passive Immunisierung | Nicht verfügbar | ||
| Hygiene | Desinfektion mit viruziden Mitteln ist wirksam (im Schleimhautbereichen nicht einsetzbar!) | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht verfügbar | |
| Symptomatische Therapie | Erwachsene: entsprechend der AWMF-Leitlinie 082008, z.B. lokale Aktivierung der unspezifischen Immunantwort (TLR- Aktivierung (Imiquimod); chirurgische Entfernung Kinder (Larynxpapillomatose):
Chirurgische Entfernung | Gross et al., 2017 | |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, Laser- und Elektrochirurgie in Proktologie/Urologie/ Gynäkologie/HNO | Persönliche Schutzausrüstung; Impfangebot | MuSchG ArbSchG ArbMedVV TRGS 525 BioStoffV TRBA 100 TRBA 25 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein |
1.1. Literatur:
Benedict JJ, Derkay CS. Recurrent respiratory papillomatosis: A 2020 perspective. Laryngoscope Investig Otolaryngol. 2021 Mar 13;6(2):340-345. doi: 10.1002/lio2.545. PMID: 33869767; PMCID: PMC8035938.
Donne AJ, Hampson L, Homer JJ, Hampson IN. The role of HPV type in Recurrent Respiratory Papillomatosis. Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 2010 Jan;74(1):7-14. doi: 10.1016/j.ijporl.2009.09.004. Epub 2009 Oct 1. PMID: 19800138.
El-Naggar AK, Chan JK, Grandis JR, Takashi T, Slootweg PJ, eds. (2017). "Tumours of the Hypopharynx, Larynx, Trachea and Parapharyngeal Space". World Health Organization Classification of Head and Neck Tumours. Lyon: International Agency for Research on Cancer. pp. 93-95. ISBN 9789283224389
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Goldstone SE, Vuocolo S. A prophylactic quadrivalent vaccine for the prevention of infection and disease related to HPV-6, -11, -16 and -18. Expert Rev Vaccines. 2012 Apr;11(4):395-406. doi: 10.1586/erv.12.20. PMID: 22551023.
Gross et al., AWMF-Leitlinie 082-008. HPV-assoziierte Läsionen der äußeren Genitoanalregion und des Anus - Genitalwarzen und Krebsvorstufen der Vulva, des Penis und der peri- und intraanalen Haut. 2017. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/082-008.html
Gross et al., AWMF-Leitlinie 082-002. Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien. 2020. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/082-002.html
ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/papillomaviridae#Biology
Kraut AA, Schink T, Schulze-Rath R, Mikolajczyk RT, Garbe E. Incidence of anogenital warts in Germany: a population-based cohort study. BMC Infect Dis. 2010 Dec 23;10:360. doi: 10.1186/1471-2334-10-360. PMID: 21182757; PMCID: PMC3022833.
Patel, H, Wagner, M, Singhal, P, et al. Systematic review of the incidence and prevalence of genital warts. BMC Infect Dis 2013; 13: 39.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)
TRGS 525 Gefahrstoffe in Einrichtungen der medizinischen Versorgung
Tejada RA, Vargas KG, Benites-Zapata V, Mezones-Holguín E, Bolaños-Díaz R, Hernandez AV. Human papillomavirus vaccine efficacy in the prevention of anogenital warts: systematic review and meta-analysis. Salud Publica Mex. 2017 Jan-Feb;59(1):84-94. doi: 10.21149/7824. PMID: 28423114.
Tyros G, Mastraftsi S, Gregoriou S, Nicolaidou E. Incidence of anogenital warts: epidemiological risk factors and real-life impact of human papillomavirus vaccination. Int J STD AIDS. 2021
Jan;32(1):4-13. doi: 10.1177/0956462420958577. Epub 2020 Nov 9. PMID: 33167803.
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Ser-vice/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
8.1.10. Parechovirus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie | Parechovirus A/
Parechovirus/Picornaviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Humane Parechoviren | ||
| Abkürzung | HPeV | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene: Sommergrippe, Gastroenteritis, Hand-FußMundkrankheit | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | 18 Virustypen (HPeV 1-18) | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Inkubationszeit | 1 - 12 Tage | Strenger et al., 2014 | |
| Postnatale Übertragung | Schmierinfektion (fäkal-oral), mit Stuhl kontaminierte Lebensmittel, Tröpfcheninfektion (oral-oral, in der frühen Infektions-/ Erkrankungsphase) | ||
| Pränatale Übertragung | Nicht beschrieben | ||
| Perinatale Übertragung | Schmierinfektion (fäkal-oral) bei Parechovirus-Infektion der Schwangeren etwa eine Woche vor bis eine Woche nach Geburt | ||
| Übertragung durch Stillen | Nicht beschrieben | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Vermutlich hoch, insbesondere in tropischen/subtropischen Regionen | ||
| Durchseuchung (Deutschland) | Keine Daten verfügbar | ||
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Vermutlich häufig, genaue Zahlen nicht bekannt. | |
| Häufige Symptome | Fieber, Diarrhoe, Erbrechen, grippeähnliche Symptome, Exanthem, Konjunktivitis | ||
| Komplikationen | Aseptische Meningitis, Enzephalitis, schlaffe Lähmung, Myokarditis, Perikardidtis | ||
| Bei Schwangeren | Gesamte Schwangerschaft | Ähnlich wie bei Kindern und Erwachsenen | |
| Bei perinataler Infektion von Neugeborenen | Neonatale Symptome | Neonatale Sepsis (vor allem HPeV-3)
Fieber, Exanthem, Gastroenteritis, aseptische Meningitis/Enzephalitis | Harik and DeBiasi, 2018, Aizawa et al., 2017, Britton et al., 2018 |
| Spätfolgen | Verzögerte neurologische Entwicklungsstörungen | Britton et al., 2020 | |
| Persistierende Infektion | Nicht beschrieben | ||
| Reinfektion | Keine Daten verfügbar | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | Standard-Immunglobulinpräparate (off-label use zur Verhinderung perinataler Übertragungen) | ||
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit viruziden Mitteln ist wirksam | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht verfügbar | Wildenbeest et al., 2010 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, an Arbeitsstätten | Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene; erhöhtes Infektionsrisiko für bestimmte Berufsgruppen oder Arbeitsstätten/ Einrichtungen ist bei epidemischen Ausbrüchen nicht beschrieben. Für Schwangere bzw. Neugeborene stellen Infektionen in der Spätschwangerschaft, insbesondere während des Zeitraums der Geburt (1 - 2 Wochen vor und nach der Geburt) ein erhöhtes Risiko dar. | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein | ||
Literatur:
Aizawa Y, Izumita R, Saitoh A. Human parechovirus type 3 infection: An emerging infection in neonates and young infants. J Infect Chemother. 2017 Jul;23(7):419-426. doi: 10.1016/j.jiac.2017.04.009. Epub 2017 May 13. PMID: 28511987.
Britton PN, Jones CA, Macartney K, Cheng AC. Parechovirus: an important emerging infection in young infants. Med J Aust. 2018 May 7;208(8):365-369. doi: 10.5694/mja18.00149. PMID: 29716506.
Britton PN, Walker K, McMullan B, Galea C, Burrell R, Morgan B, Honan I, Teutsch S, Smithers-Sheedy H, Fairbairn N, Mattick R, Hutchinson D, Jones CA. Early Life Parechovirus Infection Neurodevelopmental Outcomes at 3 Years: A Cohort Study. J Pediatr. 2020 Apr;219:111-117.e1. doi: 10.1016/j.jpeds.2019.12.026. Epub 2020 Jan 28. PMID: 32005541.
Harik N, DeBiasi RL. Neonatal nonpolio enterovirus and parechovirus infections. Semin Perinatol. 2018 Apr;42(3):191-197. doi: 10.1053/j.semperi.2018.02.007. Epub 2018 Mar 9. PMID: 29526382.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
ICTV.
https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/positive-sense-rna-viruses/w/picornaviridae/693/genus-parechovirus
Strenger, V., S. Diedrich, S. Boettcher, S. Richter, P. Maritschnegg, D. Gangl, S. Fuchs, et al., Nosocomial Outbreak of Parechovirus 3 Infection among Newborns, Austria, 2014. Emerg Infect Dis, 2016. 22(9): p. 1631-1634
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Wildenbeest JG, Harvala H, Pajkrt D, Wolthers KC. The need for treatment against human parechoviruses: how, why and when? Expert Rev Anti Infect Ther. 2010 Dec;8(12):1417-29. doi: 10.1586/eri.10.130. PMID: 21133666.
8.1.11. Parvovirus B19
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Virusfamilie | Primate Erythroparvovirus 1/ Parvoviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Humanes Parvovirus B19 | ||
| Abkürzung | B19V | ||
| Erkrankung | Ringelröteln, fifth disease | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | 1 Serotyp
3 Genotypen (regional unterschiedlich) | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Aerosole, Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion durch Speichel/Blut von akut infizierten Personen; iatrogen durch Blut/Blutprodukte | Young and Brown 2004 | |
| Inkubationszeit | 1 - 2 Wochen | ||
| Pränatale Übertragung | Transplazentar bei akuter Infektion der Schwangeren | ||
| Übertragung durch Stillen | Nicht beschrieben | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Bis zu > 90 %, bei regionalen Unterschieden | ||
| Durchseuchung (Deutschland) | Kinder: 50 %
Jugendliche: 65 % Erwachsene: 70 % Senioreninnen und Senioren: > 80 % Schwangere: 70-72 % | Röhrer et al., 2008; Reinheimer et al., 2010 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Kinder, Erwachsene | Asymptomatische Infektion | Ja, häufig | |
| Häufige Symptome | Leichtes Fieber, Exanthem (Ringelröteln), transiente Anämie, Gliederschmerzen | Enders et al., 2007; Lehmann et al., 2003; Servant-Delmas und Morinet, 2016; Mende und Sockel, 2018 | |
| Seltene Symptome | Thrombopenie, Arthritis, Myokarditis | ||
| Bei Schwangeren | Gesamte Schwangerschaft: meist asymptomatische, mild verlaufende Infektion | ||
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| Präkonzeptionelle Infektion | Fetale Erkrankung nicht beschrieben | ||
| Infektion der Schwangeren in SSW 1-20 | SSW 1 - 10: Abort (um 5 - 6 % erhöht bei infizierten Schwangeren)
SSW 6 - 20: bei bis zu 30 % der Infektion von Schwangeren: Transplazentare Übertragung und fetale Infektion (ab GA Woche 14). Folgen bei bis zu 10 %: Fetale Anämie; selten: Thrombopenie, Hydrops fetalis, fetale Myokarditis. | Ornoy und Ergaz, 2017; Gigi und Anumba, 2021; Enders et al.,2008; Lamont et al., 2011 Attwood et al., 2020 | |
| Infektion der Schwangeren in SSW 21-Geburt | Intrauterine Übertragung und fetale Infektion, fetale Erkrankung nicht beschrieben | ||
| Bei Neugeborenen | nach fetaler Infektion | Bei schwerer fetaler Anämie/ Hydrops fetalis: Neurologische Entwicklungsstörungen | Russcher et al., 2020;
von Kaisenberg und Jonat, 2001; Dijkmans et al., 2012; deJong |
| nach perinataler Infektion | Meist ohne erkennbare Symptome | ||
| Persistierende Infektion | Selten beschrieben bei Immungesunden, gehäuft bei Schwangeren Immunsupprimierten | niederlastige Virämie mehrere Monate bis Jahre nach akuter Infektion | |
| Symptome/Schwangere | Nicht beschrieben | ||
| Symptome/Fetus | Nicht beschrieben | ||
| Reinfektion | Möglich | ||
| Symptome/Schwangere | Nicht beschreiben | ||
| Symptome/Fetus | Nicht beschrieben | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Hygiene | Viruzide Desinfektionsmittel | ||
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Nicht verfügbar | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht verfügbar | |
| Symptomatische Therapie | Erythrocytotentransfusion Bei Schwangeren: nicht angezeigt
Bei Feten: ja, über die Nabelschnurvene ab GA Woche 14-16, bei diagnostizierter fetaler Anämie (Doppler-Sonographie) | Attwood et al., 2020; de Jong et al., 2006 | |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit den Erregern in Labor, Forschung, an Arbeitsstätten | Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene.
Bei Seronegativität: Alternative Tätigkeit oder befristetes Beschäftigungsverbot in SSW 1 - 20 bei Betreuung/Kontakt von Kindern unter 6 Jahren | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein |
Literatur
Attwood LO, Holmes NE, Hui L. Identification and management of congenital parvovirus B19 infection. Prenat Diagn. 2020 Dec;40(13):1722-1731. Doi: 10.1002/pd.5819. Epub 2020 Sep 30. PMID: 32860469.
De Jong EP, de Haan TR, Kroes AC, Beersma MF, Oepkes D, Walther FJ. Parvovirus B19 infection in pregnancy. J Clin Virol. 2006 May;36(1):1-7. Doi: 10.1016/j.jcv.2006.01.004. Epub 2006 Feb 20. Erratum in: J Clin Virol. 2007 Feb;38(2):188. PMID: 16488187.
Dijkmans AC, de Jong EP, Dijkmans BA, Lopriore E, Vossen A, Walther FJ, Oepkes D. Parvovirus B19 in pregnancy: prenatal diagnosis and management of fetal complications. Curr Opin Obstet Gynecol. 2012 Mar;24(2):95-101. Doi: 10.1097/GCO.0b013e3283505a9d. PMID: 22249146.
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Enders M, Weidner A, Rosenthal T, Baisch C, Hedman L, Söderlund- Venermo M, Hedman K. Improved diagnosis of gestational parvovirus B19 infection at the time of nonimmune fetal
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Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Gigi CE, Anumba DOC. Parvovirus B19 infection in pregnancy - A review. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2021 Sep;264:358-362. Doi: 10.1016/j.ejogrb.2021.07.046. Epub 2021 Jul 28. PMID: 34391051.
ICTV.
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Lamont RF, Sobel JD, Vaisbuch E, Kusanovic JP, Mazaki-Tovi S, Kim SK, Uldbjerg N, Romero R. Parvovirus B19 infection in human pregnancy. BJOG. 2011 Jan;118(2):175-86. doi: 10.1111/j.1471-0528.2010.02749.x. Epub 2010 Oct 13. PMID: 21040396; PMCID: PMC3059196.
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Mende M, Sockel K. Parvovirus B19 Infection. N Engl J Med. 2018 Dec 13;379(24):2361. doi: 10.1056/NEJMicm1807156. PMID: 30575471.
Ornoy A, Ergaz Z. Parvovirus B19 infection during pregnancy and risks to the fetus. Birth Defects Res. 2017 Mar 15;109(5):311-323. doi: 10.1002/bdra.23588. PMID: 28398685.
Röhrer C, Gärtner B, Sauerbrei A, Böhm S, Hottenträger B, Raab U, Thierfelder W, Wutzler P, Modrow S. Seroprevalence of parvovirus B19 in the German population. Epidemiol Infect. 2008 Nov;136(11):1564-75. doi: 10.1017/S0950268807009958. Epub 2008 Jan 16. PMID: 18198003; PMCID: PMC2870752.
Reinheimer C, Allwinn R, Doerr HW, Wittek M. Seroepidemiology of parvovirus B19 in the Frankfurt am Main area, Germany: evaluation of risk factors. Infection. 2010 Oct;38(5):381-5. doi: 10.1007/s15010-010-0035-y. Epub 2010 Jun 17. PMID: 20556472.
Russcher A, Enders A, de Brouwer CS, Oepkes D, Hahn R, Enders M, Kroes ACM, Vossen ACTM. Diagnosis of intrauterine parvovirus B19 infection at birth - Value of DNA detection in neonatal blood and dried blood spots. J Clin Virol. 2020 Aug;129:104482. doi: 10.1016/j.jcv.2020.104482. Epub 2020 Jun 2. PMID: 32559661.
Servant-Delmas A, Morinet F. Update of the human parvovirus B19 biology. Transfus Clin Biol. 2016 Feb;23(1):5-12. doi: 10.1016/j.tracli.2015.11.006. Epub 2016 Jan 6. PMID: 26778837.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
von Kaisenberg CS, Jonat W. Fetal parvovirus B19 infection. Ultrasound Obstet Gynecol. 2001 Sep;18(3):280-8. doi: 10.1046/j.1469-0705.2001.00471.x. PMID: 11555463.
Young NS, Brown KE. Parvovirus B19. N Engl J Med. 2004 Feb 5;350(6):586-97. doi: 10.1056/NEJMra030840. PMID: 14762186.
8.1.12. Rötelnvirus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Virusfamilie | Rubivirus rubellae/ Matonaviridae | |
| Allgemein üblicher Name | Rötelnvirus (Rubellavirus, German Measles Virus) | ||
| Abkürzung | RuV | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene: Röteln (Rubeola, Rubella), Feten: kongenitales Rötelnsyndrom (CRS) | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | Serologisch einheitlich; 13 unterscheidbare Genotypen mit regional unterschiedlicher Verbreitung sind beschrieben | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Tröpfcheninfektion/ Aerosole (Speichel, Urin) | ||
| Pränatale Übertragung | Transplanzentare Übertragung,
im Verlauf der Schwangerschaft ansteigende Übertragungsrate von 30 - 90 % | ||
| Übertragung durch Stillen | Nicht beschrieben | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Aufgrund der Impfprogramme gelten Röteln auf dem amerikanischen Kontinent und vielen west-/ nordeuropäischen Länder als eliminiert, endemische Übertragungen werden nicht mehr berichtet. | WHO | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Seroprävalenz:
Kinder (1 - 2 Jahre): 78 % Kinder (3 - 17 Jahre): > 90% Schwangere: > 95% Impfraten Schuleingangsuntersuchung 2019: 1. Dosis: 97%; 2. Dosis: 92,6% Akute Röteln/Meldungen: 2019: 10 Fälle 2020: 7 Fälle 2021: 4 Fälle Konnatales Rötelnsyndrom: 2018 - 2021: kein Fall Aufgrund der verpflichtenden Masernimpfung sind zunehmend weiter ansteigende Impfraten zu erwarten. Die Eliminierung der endemischen Röteln in Deutschland wurde 2021 von der WHO anerkannt. | Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, 2012; Enders et al. 2013
Riek et al., 2021 Matysiak-Klose D, et al, 2021 https://survstat.rki.de | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Sehr häufig, bis zu 50 % der Infektionen | RKI-Ratgeber Röteln |
| Häufige Symptome | Makulopapulöses Exanthem, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Katarrh der oberen Atemwege, Konjunktivitis | ||
| Seltene Symptome | Arthritis/Arthralgie, okzipitale/retroaurikuläre Lymphadenopathie | ||
| Bei Schwangeren | Ähnlich wie bei Kindern/Erwachsenen, häufig asymptomatisch | ||
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| Präkonzeptionelle Infektion (-1/2 Wochen) und Infektion der Schwangeren in SSW 1-12 | Fetopathie 70 - 90 % der Infektionsfälle | ||
| Infektion der Schwangeren in SSW 13-20 | Fetopathie < 18 % der Infektionsfälle | ||
| Symptome | Abort, Totgeburt
Gregg Syndrom mit Fehlbildungen an Herz (persistierender Ductus Botalli, Aortenstenose), Auge (Katarakt, Glaukom, Retinopathie) und Ohr (Ertaubung, Innenohrdefekte) | Best 2007,
Banatvala, and Brown, 2004, De Santis et al, 2006 Edlich et al., 2005 | |
| Infektion der Schwangeren in SSW 21-Geburt | Neonatale Röteln, Erkrankung ähnlich wie postnatale Röteln bei Kindern und Erwachsenen | ||
| Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion | Neonatale Symptome | Erweitertes Rötelnsyndrom (Letalität 30 %): Mikrocephalus, geistige Retardierung, geringes Geburtsgewicht, Minderwuchs, Enzephalitis, Hepatosplenomegalie, Pneumonie, Thrombozytopenie, Purpura | |
| Spätmanifestation | Spätes Rötelnsyndrom (ab 4./6. Lebensmonat, Letalität 70 %): chronisches Exanthem, Wachstumsstillstand, interstitielle Pneumonie, Hypogammaglobulinämie | ||
| Spätfolgen | Hörschäden, Krampfleiden, Diabetes, progressive Panenzephalitis | ||
| Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion | Neonatale Röteln, Erkrankung ähnlich wie postnatale Röteln bei Kindern und Erwachsenen | ||
| Persistierende Infektion | Nach postnataler Infektion | Bei Immungesunden nicht beschrieben | |
| Nach fetaler Infektion | Beschrieben bis zu einem Alter von 1 Jahr | ||
| Reinfektion | Möglich, sehr selten | ||
| Symptome/Kinder, Erwachsene | Meist asymptomatisch | ||
| Symptome/Schwangere | Meist asymptomatisch | ||
| Symptome/Fetus | Transplanzentare Übertragung und fetale Erkrankung sind nicht beschrieben | ||
| Prävention | Impfung | Ja, attenuierter Lebendimpfstoff (MMR, MMRV) gemäß STIKO-Empfehlung | |
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam, Kontaktvermeidung zu Infizierten | ||
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Nicht möglich | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Nicht möglich | |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, an Arbeitsstätten; in Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Menschen und in Einrichtungen zur vorschulischen Betreuung von Kindern: Tätigkeiten mit regelmäßigem direkten Kontakt zu Kindern | Kontrolle der Impfdokumente, Impfung Aufgrund der Eliminierung der Röteln in Deutschland nicht relevant | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Ja | ||
| ArbMedVV | Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe |
Literatur:
Banatvala, J.E. and D.W. Brown, Rubella. Lancet, 2004. 363(9415): p. 1127-1137. Best, J.M., Rubella. Semin Fetal Neonatal Med, 2007. 12(3): p. 182-192.
De Santis, M., A.F. Cavaliere, G. Straface, and A. Caruso, Rubella infection in pregnancy. Reprod Toxicol, 2006. 21(4): p. 390-398.
Edlich, R.F., K.L. Winters, W.B. Long, 3rd, and K.D. Gubler, Rubella and congenital rubella (German measles). J Long Term Eff Med Implants, 2005. 15(3): p. 319-328.
Enders, M., U. Bartelt, F. Knotek, K. Bunn, S. Strobel, K. Dietz, and G. Enders, Performance of the Elecsys Rubella IgG assay in the diagnostic laboratory setting for assessment of immune status. Clin Vaccine Immunol, 2013. 20(3): p. 420-426
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Matysiak-Klose D, et al., Stand der Elimination der Masern und Röteln in Deutschland - erste erfreuliche Ergebnisse erzielt. Epid Bull 2021. 15:3-7
Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, Seroprevalence of measles-, mumps- and rubella-specific IgG antibodies in German children and adolescents and predictors for seronegativity. PLoS One, 2012. 7(8): p. e42867.
Rieck T, FeigM, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.
RKI-Ratgber Röteln.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/R/Roeteln/Roeteln.html;jsessionid=DBAC17B619242F028753540795F81BC0.internet061?cms_box=1&cms_current=R%C3%B6teln&cms_lv2=2394072
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
WHO. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/rubella
8.1.13. Varicella-Zoster-Virus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie | Humanes Alphaherpesvirus 3/Simplexvirus/Alphaherpesvirinae/Herpesviridae | ITCV |
| Allgemein üblicher Name | Windpockenvirus, Zostervirus, Varizella-Zoster-Virus | ||
| Abkürzung | VZV, HAHV-3, HHV-3 | ||
| Erkrankung | Kinder/Erwachsene:
Windpocken/Zoster (Chicken pox)
Feten: kongenitales Varizellensyndrom Neugeborene: neonatale Varizellen | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | RKI-Ratgeber Windpocken - Zoster |
| Varianten | Serologisch einheitlich; mehrere Genotypen mit regional unterschiedlicher Verbreitung sind beschrieben | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Inkubationszeit | 8 - 21 Tage | ||
| Postnatale Übertragung | Tröpfcheninfektion/ Aerosole (Speichel, Bläscheninhalt), direkter Kontakt | ||
| Pränatale Übertragung | Transplanzentare Übertragung | ||
| Perinatale Übertragung | Transplazentar aszendierend oder Tröpfchen-/ Kontaktinfektion bei Erkrankungsbeginn der Schwangeren 5 Tage vor bis 2 Tage nach Geburt;
hohes Infektionsrisiko (25 - 50 %) | ||
| Übertragung durch Stillen | Keine Transmission in der Mutter möglich; Übertragung durch akute Bläschen einer an Windpocken erkrankten Mutter an der Brust möglich | ||
| Durchseuchung (weltweit) | In Ländern mit etablierten Impfprogrammen deutlicher Rückgang der Infektionen. Ohne Impfprogramme: > 96 % | ||
| Durchseuchung (Deutschland) | Seroprävalenz:
Erwachsene: > 96 % Schwangere: 94 - 96% Akute Varizellen/ Windpocken (Meldungen): 2019: 22.628 Fälle 2020: 11.321 Fälle 2021: 5.701 Fälle Impfraten Schuleingangsuntersuchung 2019: 1. Dosis: 88,9 % 2. Dosis: 85,0 % | Riek et al., 2021 https://survstat.rki.de | |
| Akute Infektion/ Primärinfektion | |||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Sehr selten | Kennedy und Gershon, 2018;
Newman und Jhaveri, 2019 |
| Häufige Symptome | Generalisiertes Exanthem und Enanthem mit Bläschenbildung, Fieber | ||
| Seltene Symptome/ Komplikationen | Varizellenpneumonie, ZNS-Beteiligung | ||
| Bei Schwangeren | vor allem im letzten Trimenon: schwerer Verlauf der Varizellenpneumonie | ||
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| in SSW 1-21 | Fetopathie bei 1 - 2 % der Schwangeren mit akuter VZV-Infektion (Windpocken) | Ahn et al., 2016;
Cox et al. 1990; Bhavsar und Mangat 2021; Harger et al., 2002; Nanthakumar MP et al., 2021 | |
| Infektion der Schwangeren ab SSW 21 | Fetopathie, sehr selten, Einzelfallberichte | ||
| Symptome | Skelettanomalien, Enzephalitis, Mikrozephalie | ||
| Infektion der Schwangeren mit Erkrankungsbeginn 5 Tage vor bis 2 Tage nach Geburt | Neonatale Varizellen, verstärktes Exanthem mit meist hämorrhagischen Vesikeln;
Komplikationen: Pneumonie, Glomerulonephritis, Meningoenzephalitis, Myelitis, Hepatitis, Purpura Schönlein-Henoch; unbehandelt hohe Letalität | ||
| Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion | Neonatale Symptome | Kongenitales Varizellen-Syndrom,
segmental angeordnete Hautveränderungen (Narben, Ulzera), neurologische Schädigungen (Hirnatrophie, Krampfleiden, Paresen), Augenschäden (Chorioretinits, Katarakt), Skelettanomalien | Blumental und Lepage, 2019 |
| Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion | Neonatale Varizellen; hohes Risiko bei perinataler Transmission (Erkrankungsbeginn der Schwangeren 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Geburt), unbehandelt hohe Letalität | Blumental und Lepage, 2019 | |
| Viruslatenz | Nach der akuten Infektion lebenslange Latenz in den Rückenmarksganglien | ||
| Sekundärinfektionen | |||
| Rekurrenz/ Reaktivierung | Erwachsene/Schwangere | ||
| Erkrankung | Herpes Zoster (Gürtelrose) | Nagel et al., 2020 | |
| Auftreten | Gehäuft ab 50 Jahren | ||
| Symptome | Unilateral, vesikuläres Exanthem ausgehend von der Wirbelsäule mit akuter Neuritis | ||
| Komplikationen | Postherpetische Neuralgie, Beteiligung der Sinnesorgane, ZNS-Infektion, Nervenlähmung, Disseminierung | ||
| Feten | |||
| Transplazentare Transmission und fetale Infektion bei Gürtelrose während der Schwangerschaft | Nicht beschrieben | ||
| Neugeborene | |||
| Infektion/Erkrankung bei Gürtelrose der Mutter zum Geburtstermin | Nicht beschrieben | ||
| Reinfektion | Kinder/Erwachsene/Schwangere | ||
| Auftreten | Möglich, sehr selten, transplazentare Übertragungen sind nicht beschrieben | ||
| Symptome | Meist asymptomatisch bei gestörter zellulärer Immunantwort (Stammzelltransplantation): Zweitvarizellen | ||
| Prävention | Impfung | Attenuierter Lebendimpfstoff (V, MMRV) gemäß STIKO-Empfehlung; kontraindiziert während der Schwangerschaft | |
| Passive Immunisierung | Varicella-Zoster-Immunglobulin bei Kontakt seronegativer Schwangerer mit Windpocken/Gürtelrose-Patienten | ||
| Hygiene | Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam; bei Seronegativität: Kontaktvermeidung zu Windpocken- und Gürtelrose-Patienten | ||
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Immunglobulin | ||
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Schwangere, Neugeborene: Acyclovir, Valacyclovir, Famciclovir (off-label use), Neugeborene: Passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Immunglobulin | Nanthakumar MP et al., 2021 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | In Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Kindern und in Einrichtungen zur vorschulischen Betreuung von Kindern;
Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung an Arbeitsstätten | Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene; Kontrolle der Impfdokumente, Angebot der Impfung bei Nichtgeimpften; Kontaktvermeidung seronegativer Schwangerer zu Windpocken- / Gürtelrose-Patienten | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Ja | ||
| ArbMedVV | Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe | ||
Literatur:
Ahn, K.H., Y.J. Park, S.C. Hong, E.H. Lee, J.S. Lee, M.J. Oh, and H.J. Kim, Congenital varicella syndrome: A systematic review. J Obstet Gynaecol, 2016. 36(5): p. 563-566.
Bhavsar S, Mangat C. Congenital Varicella Syndrome. 2021 Oct 11. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. PMID: 33760553.
Blumental, S. and P. Lepage, Management of varicella in neonates and infants. 2019. 3(1): p. e000433. Cox, S.M., F.G. Cunningham, and J. Luby, Management of varicella pneumonia complicating pregnancy. Am J Perinatol, 1990. 7(4): p. 300-301.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Harger, J.H., J.M. Ernest, G.R. Thurnau, A. Moawad, V. Momirova, M.B. Landon, R. Paul, et al., Risk factors and outcome of varicella-zoster virus pneumonia in pregnant women. J Infect Dis, 2002. 185(4): p. 422-427.
ITCV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/herpesviridae
Kennedy PGE, Gershon AA. Clinical Features of Varicella-Zoster Virus Infection. Viruses. 2018 Nov 2;10(11):609. doi: 10.3390/v10110609. PMID: 30400213; PMCID: PMC6266119.
Nagel MA, Niemeyer CS, Bubak AN. Central nervous system infections produced by varicella zoster virus. Curr Opin Infect Dis. 2020 Jun;33(3):273-278. doi: 10.1097/QCO.0000000000000647. PMID: 32332223.
Nanthakumar MP, Sood A, Ahmed M, Gupta J. Varicella Zoster in pregnancy. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2021 Mar;258:283-287. doi: 10.1016/j.ejogrb.2021.01.009. Epub 2021 Jan 12. PMID: 33494028.
Newman AM, Jhaveri R. Myths and Misconceptions: Varicella-Zoster Virus Exposure, Infection Risks, Complications, and Treatments. Clin Ther. 2019 Sep;41(9):1816-1822. doi: 10.1016/j.clinthera.2019.06.009. Epub 2019 Jul 17. PMID: 31326126; PMCID: PMC8547758.
Rieck T, FeigM, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.
RKI-Ratgeber Windpocken - Zoster.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html;jsessionid=A80A38E990D2AE4CD98FB695C14FCDD6.inter-net112#doc2374554bodyText6
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
8.1.14. Zytomegalievirus
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie | Humanes Zytomegalievirus, Humanes Betaherpesvirus 5/Cytomegalovirus/Betaherpesvirinae/Herpesviridae | ICTV |
| Allgemein üblicher Name | Zytomegalievirus | ||
| Abkürzung | HCMV, HHV-5, CMV | ||
| Erkrankung | CMV-Infektion | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | Ein Serotyp mit zahlreichen genotypischen Varianten | RKI-Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion; CDC; | |
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Kontaktinfektion durch Urin, Speichel, Blut, Zervixsekret, über Muttermilch, Sperma von CMV-seropositiven Personen | ||
| Inkubationszeit | 4 - 6 Wochen | ||
| Ausscheidungsrate bei seropositiven Personen (CMV-Latenz) | Erwachsene allgemein: 7%
- mit Risikofaktoren 22% - Schwangere: Urin 1 - 13% - Zervixsekret 1,6 - 40% - Stillende > 95% % Kinder: - Ein bis Zweijährige: höchste Viruslast - Kongenital infiziert: 80 % - Gesund, in Kindertagesstätten 23% - Gesund, in der Familie betreut 12% - Hospitalisierte Kinder 11,5% | ||
| Pränatale Übertragung | Transplazentar bei Primär- und (selten) bei Sekundärinfektion
- bei CMV-Latenz, Nichtprimärinfektion 1% - bei CMV-Primärinfektion abhängig vom Gestationsalter (6 - 66%) | ||
| Übertragung durch Stillen | CMV-seropositive Mütter scheiden die Viren in der Milch aus und können sie dabei auf die gestillten Kinder übertragen. Klinisch bei Reifgeborenen nicht relevant | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Bis zu > 90 % bei starken regionalen und sozioökonomischen Unterschieden | ||
| Durchseuchung (Deutschland) | Neugeborene (geschätzt): 0,2 %
Kinder: (geschätzt) 10 - 30 % Schwangere: 34 bis 92 % (große regionale und sozio-ökonomische Unterschiede) Schwangere Erzieherinnen: 55% Blutspender: 46 bis 55% | ||
| Serokonversionsrate | Blutspender (Deutschland): 0,55%
Schwangere (Deutschland): 0,2 -1,1% Schwangere (Frankreich): ohne Hygieneberatung: 0,8% nach Hygieneberatung: 0,19 - 0,26% | ||
| Akute Infektion/ Primärinfektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | > 80 % bei immunkompetenten Reifgeborenen, Kindern und Erwachsenen | RKI-Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion |
| Symptome | Mononukleoseähnliches Krankheitsbild; Fieber, Asthenie, Myalgie, Rhinopharyngitis, erhöhte Lymphozytenzahl, erhöhte Transaminasenwerte | ||
| Seltene Symptome | Bei immunsupprimierten Personen: Pneumonie, Kolitis, Hepatitis, Renitis | ||
| Bei Schwangeren | häufig | Mehrheitlich asymptomatische (75 %) oder mild verlaufende Infektion | Kagan und Hamprecht, 2017; Fowler und Boppana, 2018 |
| Bei Feten | Zytomegale Einschlußkörperchenkrankheit (Cytomegalo inclusion disease, CID-Syndrom) intrauteriner Tod (thrombotische Vaskulopathie) | ||
| Bei Neugeborenen | Nach fetaler Infektion bis zur 16.SSW | Wachstumsretardierung 50 %, Petechien 76 %, Ikterus 67 %, Hepatomegalie 60 %, Zentralnervöse Symptomatik (meist bleibende Schäden): Mikrozephalie 53 %, intrakranielle Verkalkungen, Krampfanfälle, Hördefekte, Chorioretinitis/Optikusatrophie | |
| Prä/perikonzeptionell | Transmissionsrate 5,5 - 21% | Abort 17 % | |
| Trimenon I | Transmissionsrate 36,8% | Abort 3%
Infizierte Neugeborene: - asymptomatisch 52% - schwer erkrankt 4% - mild erkrankt 4% Postnatale Hörstörungen 22,8% | |
| Trimenon II | Transmissionsrate 40,3% | Abort 3 %
Infizierte Neugeborene: - asymptomatisch 83% - mild erkrankt 14% Postnatale Hörstörungen 0,1% | |
| Trimenon III | Transmissionsrate 66,2 % | Infizierte Neugeborene:
- asymptomatisch 95 - 100 % Postnatale Hörstörungen 0 - 0,1 % | |
| Perinatal | Hohe Transmissionsrate bei HIV/CMV-Koinfektion | Meist asymptomatisch | |
| Viruslatenz | Nach der Primärinfektion lebenslange Latenz/Persistenz in hämatopoetischen Stammzellen sowie Monozyten | ||
| Sekundärinfektionen | |||
| Rekurrenz/ Reaktivierung | Möglich | Niederlastige Virämie mehrere Monate bis Jahre nach Primärinfektion, lebenslang intermittierende Ausscheidung (siehe oben). | |
| Symptome/Kinder, Erwachsene | In der Regel asymptomatisch | ||
| Symptome/Schwangere | In der Regel asymptomatisch | ||
| Symptome/ Neugeborene nach fetaler Infektion | Gehörschädigung (Hochprävalenzländer ca. 11 %); Häufigkeit anderer Spätfolgen unbekannt | ||
| Reinfektion | Möglich | Ja, selten diagnostiziert | |
| Symptome/Kinder, Erwachsene | In der Regel asymptomatisch | ||
| Symptome/Schwangere | In der Regel asymptomatisch | ||
| Symptome/ Neugeborenen nach fetaler Infektion | Wie bei Reaktivierung | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Passive Immunisierung | CMV-Hyperimmunglobulin (HIG) | ||
| Hygiene | Beratung aller Schwangeren zur Kontaktvermeidung mit Urin/Speichel von Kleinkindern durch
- Händehygiene - Einmal-Handschuhe - begrenzt viruzide und viruzide Desinfektionsmittel | Vauloup-Fellous et al., 2009;
Revello et al., 2015 | |
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Bei Primärinfektion im 1. Trimenon (SSW1-16): HIG- Hochdosistherapie | Hamprecht et al.; 2014; Kagan et al., 2021 | |
| Therapie | Antivirale Chemotherapie | Erkrankte Neugeborene, Hörstörung: Valgancilovir, Ganciclovir | Rawlinson et al., 2017; Leruez-Ville et al., 2020; Nicloux et al., 2020 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Erhöhtes Infektionsrisiko beim pflegerischen Umgang mit Kindern unter 2 - 3 Jahren, Stillenden und anderen Ausscheidern (zum Beispiel bei schwerer Erkrankung, Intensivkrankenpflege) | Bei Schwangeren:
- Konsequente Händehygiene - Händedesinfektion - Handschuh- und Kittelpflege Bei seronegativen Schwangeren: | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein |
Literatur:
CDC. https://www.cdc.gov/cmv/clinical/congenital-cmv.html
Dioverti MV, Razonable RR. Cytomegalovirus. Microbiol Spectr. 2016 Aug;4(4). doi: 10.1128/microbiolspec.DMIH2-0022-2015. PMID: 27726793.
Enders G, Daiminger A, Lindemann L, Knotek F, Bäder U, Exler S, Enders M. Cytomegalovirus (CMV) seroprevalence in pregnant women, bone marrow donors and adolescents in Germany, 1996-2010. Med Microbiol Immunol. 2012 Aug;201(3):303-9. doi: 10.1007/s00430-012-0232-7. E-pub 2012 Mar 8. PMID: 22398714.
Fowler KB, Boppana SB. Congenital cytomegalovirus infection. Semin Perinatol. 2018 Apr;42(3):149-154. doi: 10.1053/j.semperi.2018.02.002. Epub 2018 Mar 2. PMID: 29503048.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Götting J, Lazar K, Suárez NM, Steinbrück L, Rabe T, Goelz R, Schulz TF, Davison AJ, Hamprecht K, Ganzenmueller T. Human Cytomegalovirus Genome Diversity in Longitudinally Collected Breast Milk Samples. Front Cell Infect Microbiol. 2021 Apr 16;11:664247. doi: 10.3389/fcimb.2021.664247. PMID: 33937103; PMCID: PMC8085339.
Hamprecht K, Kagan KO, Goelz R. Hyperimmune globulin to prevent congenital CMV infection. N Engl J Med. 2014 Jun 26;370(26):2543. doi: 10.1056/NEJMc1405377. PMID: 24963583.
Hoehl S, Berger A, Ciesek S, Rabenau HF. Thirty years of CMV seroprevalence - a longitudinal analysis in a German university hospital. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2020 Jun;39(6):1095-1102. doi: 10.1007/s10096-020-03814-x. Epub 2020 Jan 27. PMID: 31989374; PMCID: PMC7225192.
ICTV https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/herpesviridae
Kagan KO, Hamprecht K. Cytomegalovirus infection in pregnancy. Arch Gynecol Obstet. 2017 Jul;296(1):15-26. doi: 10.1007/s00404-017-4380-2. Epub 2017 May 15. PMID: 28508343.
Kagan KO, Enders M, Hoopmann M, Geipel A, Simonini C, Berg C, Gottschalk I, Faschingbauer F, Schneider MO, Ganzenmueller T, Hamprecht K. Outcome of pregnancies with recent primary cytomegalovirus infection in first trimester treated with hyperimmunoglobulin: observational study. Ultrasound Obstet Gynecol. 2021 Apr;57(4):560-567. doi: 10.1002/uog.23596. Epub 2021 Mar 17. PMID: 33491819.
Leruez-Ville M, Foulon I, Pass R, Ville Y. Cytomegalovirus infection during pregnancy: state of the science. Am J Obstet Gynecol. 2020 Sep;223(3):330-349. doi: 10.1016/j.ajog.2020.02.018. Epub 2020 Feb 24. PMID: 32105678.
Lopo S, Vinagre E, Palminha P, Paixao MT, Nogueira P, Freitas MG. Seroprevalence to cytomegalovirus in the Portuguese population, 2002-2003. Euro Surveill. 2011 Jun 23;16(25):19896. PMID: 21722611.
Ludwig A, Hengel H. Epidemiological impact and disease burden of congenital cytomegalovirus infection in Europe. Euro Surveill. 2009 Mar 5;14(9):26-32. PMID: 19317969.
Nicloux M, Peterman L, Parodi M, Magny JF. Outcome and management of newborns with congenital cytomegalovirus infection. Arch Pediatr. 2020 Apr;27(3):160-165. doi: 10.1016/j.ar-cped.2020.01.006. Epub 2020 Feb 29. PMID: 32127242.
Rawlinson WD, Boppana SB, Fowler KB, Kimberlin DW, Lazzarotto T, Alain S, Daly K, Doutré S, Gibson L, Giles ML, Greenlee J, Hamilton ST, Harrison GJ, Hui L, Jones CA, Palasanthiran P, Schleiss MR, Shand AW, van Zuylen WJ. Congenital cytomegalovirus infection in pregnancy and the neonate: consensus recommendations for prevention, diagnosis, and therapy. Lancet Infect Dis. 2017 Jun;17(6):e177-e188. doi: 10.1016/S1473-3099(17)30143-3. Epub 2017 Mar 11. PMID: 28291720.
Revello MG, Tibaldi C, Masuelli G, Frisina V, Sacchi A, Furione M, Arossa A, Spinillo A, Klersy C, Ceccarelli M, gem. G, Todros T; CCPE Study Group. Prevention of Primary Cytomegalovirus Infection in Pregnancy. EBioMedicine. 2015 Aug 6;2(9):1205-10. doi: 10.1016/j.e-biom.2015.08.003. PMID: 26501119; PMCID: PMC4588434.
RKI-Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Z/ZMV/ZMV.html;jsessionid=9AADCFA23B6A27F2520CBA116DA75E5D.internet052?cms_box=1&cms current=Zytomegalievirus-Infektion+%28CMV%29&cms_lv2=4738376
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
Vauloup-Fellous C, Picone O, Cordier AG, Parent-du-Châtelet I, Senat MV, Frydman R, Grangeot-Keros L. Does hygiene counseling have an impact on the rate of CMV primary infection during pregnancy? Results of a 3-year prospective study in a French hospital. J Clin Virol. 2009 Dec;46 Suppl 4:S49-53. doi: 10.1016/j.jcv.2009.09.003. Epub 2009 Oct 6. PMID: 19811947.
Zuhair M, Smit GSA, Wallis G, Jabbar F, Smith C, Devleesschauwer B, Griffiths P. Estimation of the worldwide seroprevalence of cytomegalovirus: A systematic review and meta-analysis. Rev Med Virol. 2019 May;29(3):e2034. doi: 10.1002/rmv.2034. Epub 2019 Jan 31. PMID: 30706584.
https://www.mcascientificevents.eu/ecci/scientific-information/
https://biostoffe.dguv.de/data?name=830519
https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F5198.pdf?_blob=publicationFile&v=4
8.2. Bakterielle Infektionsträger
8.2.1. Chlamydia trachomatis
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Familie | Chlamydia trachomatis/ Chlamydiaceae | RKI-Ratgeber Chlamydiosen |
| Allgemein üblicher Name | Chlamydien | ||
| Abkürzung | C. trachomatis | ||
| Erkrankung | Serotypen A-C: Trachom, chronisch rezidivierende Erkrankung der Augenbinde- und Hornhäute; nicht relevant für die Schwangerschaft Serotypen D-K: Infektionen des Urogenitaltrakts, Rektums, Rachens, der Augenbindehaut
Serotypen L1-L3: Lymphogranuloma venereum (Lymphogranuloma inguinale, Durand-Nicolas-Favre-Krankheit) | Murray und McKay, 2021 | |
| Epidemiologie | Verbreitung | Serotypen A-C: (Sub-) Tropen
Serotypen L1-L3: überwiegend Tropen Serotypen D-K: weltweit | RKI-Ratgeber, Chlamydiosen |
| Varianten | Serotypen A bis L | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Serotypen A-C: Schmierinfektionen durch Augensekrete
Serotypen D-K, L1-L3: sexuell oder perinatal | ||
| Übertragung durch Stillen | Nicht beschrieben | ||
| Pränatale Übertragung | Keine transplazentare Übertragung | ||
| Perinatale Übertragung | Neugeborene: Infektion der Augenbindehaut und des Atemtrakts bei Geburt durch einen mit C. trachomatis/ Serotyp D-K infizierten Geburtskanal. Übertragungsrisiko bei aktiver Infektion der Mutter: ca. 60-70%. | Stock und Henrichfreise, 2012 | |
| Inkubationszeit | 1 - 3 Wochen | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Serotpyen A-C: höchste Inzidenz bei 10 - 30-Jährigen, Tendenz abnehmend (Asien, Afrika, Südamerika, Karibik) Serotypen D-K, L1-L3: ca. 131.x 106 Neuinfektionen/Jahr (weltweit) ca. 20 x 106 Neuinfektionen/Jahr (Europa) Prävalenz (Frauen): 4,2 % Prävalenz (Männer): 2,7 % | RKI-Ratgeber Chlamydiosen; Newman et al., 2015; WHO Guideline 2016;
Bremer et al., 2016 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | C. trachomatis sind die häufigsten sexuell übertragenen Erreger von Urogenitalinfektionen.
Prävalenzrate variiert regional, am höchsten bei jungen Frauen (10 - 20 %), abnehmend mit steigendem Alter und stabiler Partnerschaft.
Sachsen (Meldepflicht): Anstieg der Infektionen von 26,3/100.000 (2003) auf 95/100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (2011). Höchste Inzidenz: Frauen, 15 - 24 Jahre: 969/100.000. Schweiz: seit 1999 ansteigende Inzidenz auf 129,8/100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (2020, Meldepflicht). Am häufigsten bei 15 - bis 34-Jährigen. | RKI-Ratgeber Chlamydiosen;
Ehrhardt, 2012; Gille und Klapp, 2005 BGA, Schweiz | |
| Akute Infektion | Chlamydienbedingte Genitalinfektion | RKI-Ratgeber Chlamydiosen | |
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Frauen: ca. 80 % Männer: ca. 50 % | |
| Häufige Symptome | Frauen: Eitriger vaginaler Fluor, Urethritis, Entzündung der Bartholin-Drüsen, aufsteigende Infektionen in Endometrium, Eileiter, Peritonealraum. Folgen: Salpingitis (mit drohender Sterilität), Endometritis, Perihepatitis (Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom). Männer: | O'Connell und Ferone, 2016 | |
| Seltene Symptome | Arthritis, Tendovaginitis, Reiter-Syndrom. (Abhängig von Sexualpraktiken: Proktitis, Pharyngitis, Konjunktivitis) | ||
| Bei Schwangeren | ähnliche Klinik wie bei Nichtschwangeren, Zervizitis.
Mögliche Folgen bei Salpingitis, Endometritis und Perihepatitis: extrauterine Schwangerschaft, sekundäre Sterilität. Nicht signifikant erhöht: Abort, Frühgeburten, kindliches Untergewicht. | Bremer et al., 2016; Reekie et al., 2018 | |
| Bei Neugeborenen | nach perinataler Infektion | Konjunktivitis: 20 - 50%
Otitis media: > 50 % Pneumonie: 5 - 30 % Infektion des Nasopharynx ist möglich. | |
| Persistierende Infektion | Möglich | Generell, nicht bei antibiotisch Therapierten | |
| Symptome/Schwangere | Symptome selten; ev. reaktive Arthritiden | ||
| Symptome/Fetus | Entfällt | ||
| Symptome/Neugeborene | Symptomatik siehe oben; deutlich geringeres Übertragungsrisiko | ||
| Reinfektion | Möglich | Ja | |
| Symptome/Schwangere | Siehe oben | ||
| Symptome/Fetus | Siehe oben | ||
| Symptome/Neugeborene | Siehe oben | ||
| Prävention | Impfung | nicht verfügbar | |
| Verhinderung der Infektion | Safer Sex, Reduktion von sexuellem Risikoverhalten | ||
| Verhinderung der perinatalen Übertragung | Jährliches Screening:
Frauen bis 25 Jahre
Screening der Schwangeren | Richtlinie zu Empfängnisregelung und Schwangerschaftsabbruch, Mutterschafts-Richtlinien | |
| Therapie | Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie | Therapie:
Schwangere/Stillende:
Azithromycin, Erythromycin
Neugeborene: Erythromycin, Azithromycin Nicht Schwangere: Doxycyclin (Partnerbehandlung) Prophylaxe: unmittelbar nach Geburt beim Neugeborenen: Erythromycin- oder Tetracyclin-Augensalbe | Bremer et al., 2016; Cluver et al., 2017 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung | Basishygiene, Persönliche Schutzausrüstung | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein |
Literatur:
BGA-Bulletin 48 (November 2021), Bundesamt für Gesundheit, Abteilung übertragbare Krankheiten, Bern, Schweiz
Bremer et al., 2016: S2k-Leitlinie 059-005: Infektionen mit Chlamydia trachomatis. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/059-005.html
Cluver C, Novikova N, Eriksson DO, Bengtsson K, Lingman GK. Interventions for treating genital Chlamydia trachomatis infection in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Sep 22;9(9):CD010485. doi: 10.1002/14651858.CD010485.pub2. PMID: 28937705; PMCID: PMC6483758.
Ehrhardt I. Epidemiologische Aspekte bei Neisseria gonorrhoeae- und Chlamydia trachomatis-Infektionen, unter besonderer Berücksichtigung der Meldedaten aus Sachsen. Der Mikrobiologe 2012;4:111-9.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Gille G, Klapp C. Chlamydia-trachomatis-Infektionen bei Teenagern [Chlamydia trachomatis infections in teenagers]. Hautarzt. 2007 Jan;58(1):31-7. German. doi: 10.1007/s00105-006-1265-x. PMID: 17165068.
Mutterschaftsrichtlinien, G-BA, 2022; https://www.g-ba.de/richtlinien/19/
Newman L, Rowley J, Vander Hoorn S, Wijesooriya NS, Unemo M, Low N, et al. Global estimates of the prevalence and incidence of four curable sexually transmitted infections in 2012 based on systematic review and global reporting. PLoS One. 2015;10(12):e0143304.
O'Connell CM, Ferone ME. Chlamydia trachomatis Genital Infections. Microb Cell. 2016 Sep 5;3(9):390-403. doi: 10.15698/mic2016.09.525. PMID: 28357377; PMCID: PMC5354567.
Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch, G-BA, 2019;
https://www.g-ba.de/richtlinien/9/
RKI-Ratgeber Chlamydiosen (Teil 1), Robert-Koch-Institut, 12/2010
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html;jsessionid=843BD46FC66ABA0007AF0127F34D7DC9.internet051
Stock I, Henrichfreise B. Infektionen mit Chlamydia trachomatis [Infections with Chlamydia trachomatis]. Med Monatsschr Pharm. 2012 Jun;35(6):209-22; quiz 223-4. German. PMID: 22808665.
Reekie J, Roberts C, Preen D, Hocking JS, Donovan B, Ward J, Mak DB, Liu B; Chlamydia and Reproductive Health Outcome Investigators. Chlamydia trachomatis and the risk of spontaneous preterm birth, babies who are born small for gestational age, and stillbirth: a population-based cohort study. Lancet Infect Dis. 2018 Apr;18(4):452-460. doi: 10.1016/S14733099(18)30045-8. Epub 2018 Jan 19. PMID: 29371067.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
WHO guidelines for the treatment of Chlamydia trachomatis. 2016.
https://www.who.int/publications/i/item/978-92-4-154971-4
8.2.2. Listeria monocytogenes
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name | Listeria monocytogenes | WHO |
| Allgemein üblicher Name | Listerien | ||
| Abkürzung | Entfällt | ||
| Erkrankung | Listeriose | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | 15 Serovare, v.a. Serovar 4b, 1/2a und 1/2b mit Krankheiten beim Menschen assoziiert | Hof et al., 2007 | |
| Vorkommen/Wirte | Mensch, Rinder, Schafe, Ziegen, Geflügel und Umwelt (Kontamination von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln, z.B. Rohmilchprodukte, Käse, Fische, Muscheln, Salate) | Heredia und Garcia, 2018 | |
| Postnatale Übertragung | Kontakt mit kontaminierten Materialien | ||
| Inkubationszeit | 1 - 14 Tage Schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen: 17 - 67 Tage | RKI-Ratgeber Listeriose; Goulet et al., 2013 | |
| Pränatale Übertragung | Ja, transplazentar | ||
| Übertragung durch Stillen | Möglich, beschrieben in Entwicklungsländern | Sarr et al., 2021 | |
| Durchseuchung (weltweit) | 0.1 - 10 Fälle/1 x 106 Personen, regionale Unterschiede | WHO | |
| Durchseuchung (Deutschland) | 500 - 600 Fälle/Jahr, davon 10 % mit Schwangerschaftsrelevanz | Wilking et al., 2021 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Häufig bei kolonisierten, immunkompetenten Kindern und Erwachsenen, ggf. fieberhafte Gastroenteritis | RKI-Ratgeber Listeriose; Schlech, 2019 |
| Häufige Symptome | Bei Abwehrschwäche/ Immunsuppression: Sepsis mit Fieber und Muskelschmerzen, evtl. Gastroenteritis, eitrige Meningitis/Enzephalitis mit neurologischen Ausfällen | ||
| Seltene Symptome | Endokarditis, Arthritis, Hautläsionen, Konjunktivitis | ||
| Bei Schwangeren | Bei Immunkompetenz sind klinisch-manifeste Erkrankungen sehr selten, evtl. grippeähnliche Symptomatik | RKI-Ratgeber Listeriose; Craig et al., 2019 | |
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| Präkonzeptionelle Infektion | Fetale Erkrankung nicht beschrieben | Craig et al., 2019 | |
| Infektion der Schwangeren in SSW 1-20 | Diaplazentare Übertragung, meistens Totgeburt (septischer Abort) | ||
| Infektion der Schwangeren in SSW 21-Geburt | Diaplazentare Übertragung, Früh- oder Totgeburt (Septischer Abort) möglich; Early-Onset beim Neugeborenen | ||
| Bei Neugeborenen | nach fetaler Infektion | Frühtyp (Early Onset): Granulomatosis infanti-septica (Sepsis, Atemnotsyndrom, Hepatosplenomegalie, Hautläsionen, multiple Granulome) tritt in der 1. Lebenswoche auf, hohe Letalität | Charlier et al., 2020 |
| nach perinataler Infektion | Spättyp (Late Onset): Meningitis tritt ab der 2. Lebenswoche auf | ||
| Persistierende Infektion | Möglich | Selten beschrieben bei Immungesunden, gehäuft bei Schwangeren, Immunsupprimierten | |
| Symptome/Schwangere | Nicht beschrieben | ||
| Symptome/Fetus | Nicht beschrieben | ||
| Reinfektion | Möglich | Ja | |
| Symptome/Schwangere | Meistens asymptomatisch (s.o.) | ||
| Symptome/Fetus | s.o. | ||
| Prävention | Impfung | Nicht vorhanden | |
| Hygiene | Körperhygiene, um perinatale Infektion zu verhindern | ||
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Vermeiden von Verzehr von Rohmilch-, Rohfleisch-, Rohfisch- und Rohkostprodukten während der Schwangerschaft. Lebensmittel nicht lange im Kühlschrank lagern, da sich Listerien bei Kühlschranktemperaturen vermehren können. | ||
| Therapie | Antiinfektiöse Chemotherapie | Für mindestens 3 (-6) Wochen:
1. Wahl: Amoxicillin/Ampicillin; (ggf. plus Gentamicin, Kontraindikation Schwangerschaft und Kinder) | Temple et al., 2000 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger in Labor/Forschung | Persönliche Schutzausrüstung | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | § 7 IfSG, direkter Nachweis aus Blut, Liquor und anderen normalerweise sterilen Materialien sowie aus Abstrichen von Neugeborenen | ||
1.2. Literatur
Charlier C, Disson O, Lecuit M. Maternal-neonatal listeriosis. Virulence. 2020 Dec;11(1):391-397. doi: 10.1080/21505594.2020.1759287. PMID: 32363991; PMCID: PMC7199740.
Craig AM, Dotters-Katz S, Kuller JA, Thompson JL. Listeriosis in Pregnancy: A Review. Obstet Gynecol Surv. 2019 Jun;74(6):362-368. doi: 10.1097/OGX.0000000000000683. PMID: 31216045.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Goulet V, King LA, Vaillant V, de Valk H: What is the incubation period for listeriosis? BMC Infect Dis. 2013:11. doi: 10.1186/1471-2334-13-11.
Heredia N, García S. Animals as sources of food-borne pathogens: A review. Anim Nutr. 2018 Sep;4(3):250-255. doi: 10.1016/j.aninu.2018.04.006. Epub 2018 May 4. PMID: 30175252; PMCID: PMC6116329.
Hof H, Szabo K, Becker B. Epidemiologie der Listeriose in Deutschland--im Wandel und dennoch nicht beachtet [Epidemiology of listeriosis in Germany: a changing but ignored pattern]. Dtsch Med Wochenschr. 2007 Jun 15;132(24):1343-8. German. doi: 10.1055/s-2007-982034. PMID: 17551889.
RKI-Ratgeber Listeriose.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/L/Listeriose/Listeriose.html;jsessionid=060B1092FC2D2AADE104D380944FE273.internet062?cms_box=1&cms current=Listeriose&cms_lv2=2398442
Sarr M, Tidjani Alou M, Delerce J, Khelaifia S, Diagne N, Diallo A, Bassene H, Bréchard L, Bossi V, Mbaye B, Lagier JC, Levasseur A, Sokhna C, Million M, Raoult D. A Listeria monocytogenes clone in human breast milk associated with severe acute malnutrition in West Africa: A multicentric case-controlled study. PLoS Negl Trop Dis. 2021 Jun 29;15(6):e0009555. doi: 10.1371/journal.pntd.0009555. PMID: 34185789; PMCID: PMC8291692.
Schlech WF. Epidemiology and Clinical Manifestations of Listeria monocytogenes Infection. Microbiol Spectr. 2019 May;7(3). doi: 10.1128/microbiolspec.GPP3-0014-2018. PMID: 31837132.
Temple ME, Nahata MC. Treatment of listeriosis. Ann Pharmacother. 2000 May;34(5):656-61. doi: 10.1345/aph.19315. PMID: 10852095.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
WHO Listeriosis.
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/listeriosis
Wilking H, Lachmann R, Holzer A, Halbedel S, Flieger A, Stark K. Ongoing High Incidence and Case-Fatality Rates for Invasive Listeriosis, Germany, 2010-2019. Emerg Infect Dis. 2021 Sep;27(9):2485-2488. doi: 10.3201/eid2709.210068. PMID: 34424172; PMCID: PMC8386774.
8.2.3. Neisseria gonorrhoeae
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/ Familie | Neisseria gonorrhoeae/ Neisseriaceae | RKI-Ratgeber Gonorrhoe |
| Allgemein üblicher Name | Gonokokken | ||
| Abkürzung | Go | ||
| Erkrankung | Gonorrhö oder Tripper | Unemo et al. 2019 | |
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | RKI-Ratgeber Gonorrhoe |
| Varianten | Keine bekannt | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Direkte Schleimhautkontakte beim Sexual-/Geschlechtsverkehr (oral, genital, anal). Gonokokken besiedeln die Epithelien der weiblichen und männlichen Harnröhre, des Zervikalkanals, des Rektums, des Pharynx und der Konjunktiven. | ||
| Inkubationszeit | 1 - 14 Tage | ||
| Pränatale Übertragung | Keine transplazentare Übertragung | ||
| Perinatale Übertragung | Übertragung während des Geburtsvorgangs bei Infektion des mütterlichen Geburtskanals. | ||
| Übertragung beim Stillen | Nicht beschrieben | ||
| Durchseuchung (weltweit) | WHO: ca. 87 x 106 Neuerkrankungen/Jahr, deutlich zunehmende Inzidenz in Europa und USA. | RKI-Ratgeber Gonorrhoe; CDC/USA, 2017; Delpech et al. 2009; ECDC, 2016 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Vor allem bei jungen Erwachsenen (15 - 25 Jahre); häufiger bei MSM-Männern (MSM: 7 - 15 %)
Sachsen: Anstieg der gemeldeten Infektionen von 1,8 Fällen/100.000 Einwohnerinnen und Einwohner 2001 auf 19,9 Fälle/100.000 2019. | RKI-Ratgeber Gonorrhoe; Jansen et al., 2020 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Frauen: ca. 50 %
Männer: 10 - 30 % | RKI-Ratgeber Gonorrhoe |
| Häufige Symptome | Eitrige Sekretionen der Schleimhaut an der Eintrittspforte, Harnröhre (Bonjour-Tröpfchen beim Mann), rektale Gonorrhö, septische Arthritis, Pharyngeale Gonokokken-Infektion (50 - 80 % asymptomatisch).
Bei Autoinokulation: Gonokokken-Augenentzündung. Frauen: Entzündung von Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke, gesamtes Becken durch aufsteigende Infektionen, extrauterine Schwangerschaft und/oder Sterilität sind möglich Männer: Entzündung von Prostata, Samenbläschen, Nebenhoden | RKI-Ratgeber Gonorrhoe; Curry et al., 2019; Buder et al., 2016; Whelan et al., 2021 | |
| Seltene Symptome | Disseminierte Infektion ohne oder mit sehr milden mukosalen Symptomen;
Trias: Intermittierende Fieberschübe, Polyarthritis, vaskulitisch-hämorrhagische Hautveränderungen an den Extremitäten; Monarthritis gonorrhoica, Karditis, Meningitis, Osteomyelitis, Tendosynovitis | ||
| Bei Schwangeren | Scheidenentzündung (Kolpitis gonorrhoica); septische Aborte;
Verschlimmerung von gonorrhoischer Arthritis und Tendosynovitis | ||
| Bei Feten | Keine transplazentare Übertragung/fetale Infektion | Buder et al., 2016 | |
| Bei Neugeborenen | nach perinataler Infektion | 30 - 40 % der infizierten Kinder:
Gonokokken-Konjunktivitis, Erblindung.
Bei 35 % der Kinder mit Gonokokken-Konjunktivitis: Oropharyngeale Gonokokken-Infektion. Selten: Proktitis, Stomatitis, Arthritis, Meningitis und Hautabszesse (nach intrapartaler Kopfschwarten-Elektrode). | RKI-Ratgeber Gonorrhoe; Buder et al, 2016; Whelan et al., 2021 |
| Persistierende Infektion | Möglich | Ja | |
| Symptome/Schwangere | Siehe oben! | ||
| Symptome/Fetus | Siehe oben! | ||
| Reinfektion | Möglich | Ja | |
| Symptome/Schwangere | Siehe oben! | ||
| Symptome/Fetus | Siehe oben! | ||
| Prävention | Impfung | nicht verfügbar
Partielle Kreuzimmunität (30 %) durch Meningokokken B-Impfung ist möglich | Petousis-Harris et al. 2017 |
| Hygiene | Safer Sex, Reduktion von sexuellem Risikoverhalten | ||
| Verhinderung der Übertragung auf Neugeborenes | Angebot von Schwangerenscreening und frühzeitige Behandlung | ||
| Therapie | Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie | Therapie: Ceftriaxon oder Cefotaxim oder Cefixim, ggf. plus Azithromycin Schwangere: Ceftriaxon Partnerbehandlung Prophylaxe: unmittelbar nach Geburt beim Neugeborenen: Erythromycin- oder Tetracyclin-Augensalbe | Buder et al., 2016; WHO Guideline, 2016 Comunián-Carrasco et al., 2018 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung | Basishygiene, persönliche Schutzausrüstung | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Gemäß § 7 (3) (Labormeldepflicht):
nicht namentliche Meldung bei direktem und indirektem Nachweis von N. gonorrhoeae mit verminderter Empfindlichkeit gegen bestimmte Antibiotika | ||
Literatur:
Buder S et al., 2018. AWMF-S2k-Leitlinie 059-004: Diagnostik und Therapie der Gonorrhoe. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/059-004.html
CDC/USA. centers for Disease Control and Prevention. Sexually Transmitted Disease Surveillance 2016. Atlanta: US Department of Health and Human Services; 2017.
Comunián-Carrasco G, Peña-Martí GE, MartíCarvajal AJ. Antibiotics for treating gonorrhoea in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2018 Feb 21;2(2):CD011167. doi: 10.1002/14651858.CD011167.pub2. PMID: 29465747; PMCID: PMC6491276.
Curry A, Williams T, Penny ML. Pelvic Inflammatory Disease: Diagnosis, Management, and Prevention. Am Fam Physician. 2019 Sep 15;100(6):357-364. PMID: 31524362.
Delpech V, Martin IM, Hughes G, et al. Epidemiology and clinical presentation of gonorrhoea in England and Wales: findings from the Gonococcal Resistance to Antimicrobials Surveillance Programme 2001-2006. Sex Transm Infect 2009; 85(5): 317-21.
ECDC, European Centre for Disease Prevention and Control. Gonorrhea- Annual Epidemiological Report 2014; Stockholm: ECDC 2016.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Jansen K, Gyde S, Potthoff A, Schuppe A-K, Beer D, Jessen H, Scholten S, Spornraft-RagallerP, Bremer V, Tiemann C & MSM Screening Study group STI in times of PrEP: High prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany, BMC Infectious Diseases volume 20, Article number: 110 (Febr. 2020)
Leitfaden STI-Therapie, Dt. Gesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit, 2020/2021
Petousis-Harris H. et al. Effectiveness of a group B outer membrane vesicle meningococcal vaccine against gonorrhoea in New Zealand: a retrospective case-control study. Lancet, Juli 2017
RKI-Ratgeber Gonorrhoe; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/G/Gonorrhoe/Gonorrhoe.html;jsessionid=F7211A22FB8957232AC30AF812FF785C.internet051?cms_box=1&cms_current=Gonorrh%C3%B6+%28Tripper%29&cms_lv2=2382548
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Unemo M, Seifert HS, Hook EW 3rd, Hawkes S, Ndowa F, Dillon JR. Gonorrhoea. Nat Rev Dis Primers. 2019 Nov 21;5(1):79. doi: 10.1038/s41572-019-0128-6. PMID: 31754194.
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
Whelan J, Eeuwijk J, Bunge E, Beck E. Systematic Literature Review and Quantitative Analysis of Health Problems Associated with Sexually Transmitted Neisseria gonorrhoeae Infection.
Infect Dis Ther. 2021 Dec;10(4):1887-1905. doi: 10.1007/s40121-021-00481-z. Epub 2021 Jul 17. PMID: 34279817; PMCID: PMC8572915.
WHO Guidelines for the Treatment of Neisseria gonorrhoeae. Geneva: World Health Organization; 2016. PMID: 27512795.
8.2.4. Streptococcus agalactiae (Gruppe B Streptokokken)
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name | Streptococcus agalactiae | |
| Allgemein üblicher Name | B-Streptokokken | ||
| Abkürzung | GBS | ||
| Erkrankung | Neonatale GBS-Sepsis, Kindbettfieber | Raabe und Shane, 2019 | |
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | 10 (Kapsel-)Serotypen Deutschland: v.a. Serotyp III (30 %), Serotyp V (25 %) | Hall et al.,2017 | |
| Vorkommen/Wirte | Mensch, Säugetiere (Mastitis in Kühen) | ||
| Postnatale Übertragung | Kontakt mit Trägerinnen und Trägern (Kolonisiertes Ärzte- und Pflegepersonal, Verwandte) | ||
| Inkubationszeit | 2 - 4 Tage | ||
| Pränatale Übertragung | Nicht bekannt | ||
| Übertragung durch Stillen | Kontrovers diskutiert | Zimmermann et al., 2017 | |
| Durchseuchung (weltweit) | 10 - 30 % aller Schwangeren sind asymptomatische Trägerinnen (intestinal und vaginal) | Russell et al., 2017 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Kinder: 2 - 5 Fälle von Neugeborenen-GBS-Sepsis /1.000 Lebendgeburten Kolonisation/Besiedelung:
Schwangere: ca. 16 % Senioren: ca. 17 % Gesamtbevölkerung: 15 - 20% | Bührer und Pohlandt, 2016 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | bei kolonisierten Erwachsenen: häufig
bei Neugeborenen: wohl selten | |
| Häufige Symptome | Harnwegsinfektion, Sepsis und Wundinfektionen (besonders bei Diabetes) | ||
| Bei Schwangeren | meist asymptomatisch verlaufende Kolonisierung während der gesamten Schwangerschaft möglich, keine diaplazentare Transmission | ||
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| Präkonzeptionelle Infektion | Fetale Erkrankung nicht beschrieben | ||
| Infektion der Schwangeren (gesamte Schwangerschaft) | Diaplazentare Übertragung nicht beschrieben | ||
| Bei Neugeborenen | nach perinataler Infektion | Early onset Erkrankung: Meningitis, Sepsis, Pneumonie (hohe Sterblichkeit) Late onset Erkrankung (öfter bei postnataler Infektion): Vor allem: Meningitis | Vornhagen et al., 2017 |
| Persistierende Infektion | Möglich | Selten beschrieben bei Immungesunden, gehäuft bei Schwangeren und Immunsupprimierten | |
| Symptome/Schwangere | Meistens asymptomatisch (s.o.) | ||
| Symptome/Neugeborene | Siehe oben | ||
| Reinfektion | Möglich | Ja | |
| Symptome/Schwangere | Meistens asymptomatisch (s.o.) | ||
| Symptome/Fetus | Entfällt | ||
| Prävention | Impfung | Bisher nicht verfügbar | |
| Hygiene | Körperhygiene in der Spätschwangerschaft, keine Rohmilchprodukte (Euterinfektion bei Kühen) | ||
| Therapie | Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie | 35. - 37. SSW. Kolonisierung der Schwangeren durch kombinierten Vaginal-/Anorektalabstrich prüfen: -> Bei GBS-Nachweis: Penicillin G (i.v.) mit Wehenbeginn bzw. bei Blasensprung; alternativ i.v. Ampicillin oder Cefazolin; bei Allergie: Clindamycin. Therapie der neonatalen GBS-Sepsis: Penicillin | Bührer und Pohlandt, 2016 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung | Basishygiene, persönliche Schutzausrüstung | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Nein |
Literatur
Bührer C und Pohlandt F. 2016. AWMF-Leitlinie (S2k) 024-020. Sepsis bei Neugeborenen - frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B, Prophylaxe.
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-020.html
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Hall J, Adams NH, Bartlett L, Seale AC, Lamagni T, Bianchi-Jassir F, Lawn JE, Baker CJ, Cutland C, Heath PT, Ip M, Le Doare K, Madhi SA, Rubens CE, Saha SK, Schrag S, Sobanjo-Ter Meulen A, Vekemans J, Gravett MG. Maternal Disease With Group B Streptococcus and Serotype Distribution Worldwide: Systematic Review and Meta-analyses. Clin Infect Dis. 2017 Nov 6;65(suppl_2):S112-S124. doi: 10.1093/cid/cix660. PMID: 29117328; PMCID: PMC5850000.
Raabe VN, Shane AL. Group B Streptococcus (Streptococcus agalactiae). Microbiol Spectr. 2019 Mar;7(2):10.1128/microbiolspec.GPP3-0007-2018. doi: 10.1128/microbiolspec.GPP3-0007-2018. PMID: 30900541; PMCID: PMC6432937.
Russell NJ, Seale AC, O'Driscoll M, O'Sullivan C, Bianchi-Jassir F, Gonzalez-Guarin J, Lawn JE, Baker CJ, Bartlett L, Cutland C, Gravett MG, Heath PT, Le Doare K, Madhi SA, Rubens CE, Schrag S, Sobanjo-Ter Meulen A, Vekemans J, Saha SK, Ip M; GBS Maternal Colonization Investigator Group. Maternal Colonization With Group B Streptococcus and Serotype Distribution World-wide: Systematic Review and Meta-analyses. Clin Infect Dis. 2017 Nov 6;65(suppl_2):S100-S111. doi: 10.1093/cid/cix658. PMID: 29117327; PMCID: PMC5848259.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Vornhagen J, Adams Waldorf KM, Rajagopal L. Perinatal Group B Streptococcal Infections: Virulence Factors, Immunity, and Prevention Strategies. Trends Microbiol. 2017 Nov;25(11):919-931. doi: 10.1016/j.tim.2017.05.013. Epub 2017 Jun 17. PMID: 28633864; PMCID: PMC5650539.
Zimmermann P, Gwee A, Curtis N. The controversial role of breast milk in GBS late-onset disease. J Infect. 2017 Jun;74 Suppl 1:S34-S40. doi: 10.1016/S0163-4453(17)30189-5. PMID: 28646
8.2.5. Treponema pallidum subspecies pallidum
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name/Gattung/Familie | Treponema pallidum (subspecies pallidum) /Treponema/Spirochaetaceae | RKI-Ratgeber Syphilis (Lues) |
| Allgemein üblicher Name | Treponema pallidum | ||
| Abkürzung | T. pallidum ssp. pallidum | ||
| Erkrankung | Venerische Syphilis (Lues venerea) | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | RKI-Ratgeber Syphilis (Lues) |
| Varianten | Mehrere Subspezies | ||
| Vorkommen/Wirte | Mensch | ||
| Postnatale Übertragung | Hauptsächlich:
Sexualkontakte
Selten: Blut | ||
| Inkubationszeit | 2 - 3 Wochen, selten bis 90 Tage | ||
| Pränatale Übertragung | Bei Bakteriämie der Mutter (v.a. Lues II bzw. Sekundärstadium)
Übertragung ab 12. SSW möglich; gehäuft ab der 16. - 18. SSW: | AWMF-Leitlinie 059-002; RKI-Ratgeber Syphilis (Lues); Easterlin et al., 2021 | |
| Perinatale Übertragung | Selten | ||
| Übertragung durch Stillen | Muttermilch: nicht beschrieben, möglich über syphilitische Läsionen an der Brust | ||
| Durchseuchung (weltweit) | WHO: ca. 12 x 106 Neuerkrankungen/Jahr, davon ca. 90 % in Entwicklungsländern | ||
| Durchseuchung (Deutschland) | 2018: 7332 Infektionen
2019: 7889 Infektionen 2020: 7374 Infektionen Davon Infektionen bei Frauen: ca. 6 % konnatale Infektionen: 3 - 6 Fälle/Jahr | Infektionsepidemiologische
Jahrbücher meldepflichtiger Krankheiten, RKI | |
| Akute Infektion | Verlauf | RKI-Ratgeber Syphilis (Lues); Peeling et al., 20217; Forrestel et al., 2020 | |
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | Ca. 50 % der Infizierten | |
| Symptome | Lues I/Primärsyphilis (2 - 3 Wochen): schmerzlose, derbe Primärläsionen (Papel, Ulkus) mit regionaler indolenter Lymphadenopathie an der Eintrittspforte Lues II/Sekundärsyphilis: (6 Wochen nach Abheilung der Primärläsionen): Bakteriämie, Allgemein- und vielfältige Haut- und Schleimhautsymptome, evtl.
Meningitis.
Unbehandelt chronisch-rezidivierende Symptome und Übergang in mehrjährige bis jahrzehntelange Latenzphase (Syphilis latens).
Lues III/Tertiärsyphilis (Spätphase): Hautveränderungen (Gummen) und Gefäßerkrankungen, später auch ZNS-Schäden (Neurosyphilis). Spontanheilung: Bei etwa 30 % der unbehandelten Syphilisfälle. | ||
| Bei Schwangeren | Wie bei Kindern/Erwachsenen (siehe oben) | Adhikari, 2020 | |
| Bei Feten | Beeinträchtigungen der Schwangerschaft und Entwicklungsstörungen (ca. 66 - 70 %). Bei diaplazentarer Übertragung und unbehandelter intrauteriner Infektion: Spontanabort, Totgeburt, Frühgeburt oder Tod kurz nach Geburt (ca. 50 %). | Gomez et al.; 2013; AWMF-Leitlinie 059-002; RKI-Ratgeber Syphilis (Lues) | |
| Bei Neugeborenen | nach fetaler Infektion | 10 - 40 %: Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht:
Ca. 50- 70 %: bei Geburt klinisch unauffällig, Symptome meist bei Frühgeborenen.
Entwicklung der Erkrankung innerhalb der ersten 8 Lebensmonate:
Frühstadium (bis zum 2. Lebensjahr): Rhinitis mit infektiösem Nasensekret, Hauteffloreszenzen, Hepatosplenomegalie, Glomerulonephritis, generalisierte Lymphadenopathie, Knochenläsionen, Neurosyphilis. Spätstadium (ab dem 2. Lebensjahr): Hutchinson'sche Trias (tonnenförmig gerundete, eingekerbte Schneidezähne, Keratitis parenchymatosa, Innenohrschwerhörigkeit. | AWMF-Leitlinie 059-002 |
| Persistierende Infektion | Möglich | Ja
In Stadien (Lues I-III/IV) über viele Jahre bzw. Jahrzehnte verlaufende Erkrankung | |
| Symptome/Schwangere | Siehe oben | ||
| Symptome/Fetus | Siehe oben | ||
| Symptome/Neugeborene | Siehe oben | ||
| Reinfektion | Möglich | Bei ca. 37 % der Infizierten MSM: 45 % (in 2018) Frauen: 10 %. | AWMF-Leitlinie 059-002 |
| Symptome/Schwangere | Siehe oben | ||
| Symptome/Fetus | Siehe oben | ||
| Symptome Neugeborene | Siehe oben | ||
| Prävention | Impfung | nicht verfügbar | |
| Hygiene | Safer Sex | ||
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Screening in der Frühschwangerschaft und entsprechende Therapie | Mutterschafts-Richtlinien | |
| Therapie | Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie | Früh-Syphilis:
Benzathin-Benzylpenicillin
bei Penicillinallergie: Ceftriaxon, Neuro-Syphilis: Penicillin G Konnatale Syphilis: Penicillin G | AWMF-Leitlinie 059-002; Rowe et al., 2018 |
| Rechtliches/Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung | Basishygiene, persönliche Schutzausrüstung | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 250 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Gemäß § 7: Nicht namentliche Meldung des direkten und indirekten Nachweises einer Treponema Pallidum-Infektion | ||
| ArbMedVV | Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe lediglich bei gezielten Tätigkeiten, d.h. Umgang mit dem Erreger in Labor oder Forschung |
Literatur:
Adhikari EH. Syphilis in Pregnancy. Obstet Gynecol. 2020 May;135(5):1121-1135. doi: 10.1097/AOG.0000000000003788. PMID: 32282589.
AWMF-Leitlinie (S2k) 059-002, 2021: Diagnostik und Therapie der Syphilis.
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/059-002.html
Easterlin MC, Ramanathan R, De Beritto T. Maternal-to-Fetal Transmission of Syphilis and Congenital Syphilis. Neoreviews. 2021 Sep;22(9):e585-e599. doi: 10.1542/neo.22-9-e585. PMID: 34470760.
Forrestel AK, Kovarik CL, Katz KA. Sexually acquired syphilis: Historical aspects, microbiology, epidemiology, and clinical manifestations. J Am Acad Dermatol. 2020 Jan;82(1):1-14. doi: 10.1016/j.jaad.2019.02.073. Epub 2019 Apr 12. PMID: 30986477.
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Gomez GB, Kamb ML, Newman LM, Mark J, Broutet, N, Hawkes SJ (2013) Untreated maternal syphilis and adverse outcomes of pregnancy: a systematic review and meta-analysis. Bull World Health Organ 91(3): 217-226
Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2018/2019/2020, Robert-Koch-Institut
Mutterschaftsrichtlinien, G-BA, 2022; https://www.g-ba.de/richtlinien/19/
Peeling RW, Mabey D, Kamb ML, Chen XS, Radolf JD, Benzaken AS. Syphilis. Nat Rev Dis Primers. 2017 Oct 12;3:17073. doi: 10.1038/nrdp.2017.73. PMID: 29022569; PMCID: PMC5809176.
RKI-Ratgeber Syphilis (Lues), Robert-Koch-Institut;
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/Syphilis/Syphilis.html;jsessionid=ED987D1E0D8EF1B71D31D0D32E02FD1D.internet102?cms_box=1&cms_current=Syphilis+%28Lues%29&cms_lv2=2905920
Rowe CR, Newberry DM, Jnah AJ. Congenital Syphilis: A Discussion of Epidemiology, Diagnosis, Management, and Nurses' Role in Early Identification and Treatment. Adv Neonatal Care. 2018 Dec;18(6):438-445. doi: 10.1097/ANC.0000000000000534. PMID: 30020089.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html
8.3. Parasiten
8.3.1. Toxoplasma gondii
| Allgemeines | Wissenschaftlicher Name | Toxoplasma gondii | |
| Allgemein üblicher Name | Toxoplasmen | ||
| Abkürzung | entfällt | ||
| Erkrankung | Toxoplasmose | ||
| Epidemiologie | Verbreitung | Weltweit | |
| Varianten | 3 Hauptgenotypen, mehrere weitere Genotypen; Deutschland: vor allem Genotyp II | Herrmann et al., 2014 | |
| Vorkommen/Wirte | Mensch, viele Säugetierarten, Vögel, Muscheln und andere Schalentiere | Schlüter et al., 2014 | |
| Postnatale Übertragung | Verzehr von unzureichend erhitztem Fleisch, Kontakt mit Katzenkot oder kontaminierter Erde, iatrogen durch Blut/Blutprodukte | Groß, 2004 | |
| Inkubationszeit | 2 - 3 Wochen | ||
| Pränatale Übertragung | Diaplazentar bei Erstinfektion der Schwangeren Übertragungsrisiko:
1. Trimenon: 14 2. Trimenon: 29 3. Trimenon: 59 | Groß et al., 2001 | |
| Perinatale Übertragung | Nicht beschrieben | ||
| Übertragung durch Stillen | Nicht beschrieben | ||
| Durchseuchung (weltweit) | Direkte Korrelation mit dem Lebensalter | Groß et al., 2001 | |
| Durchseuchung (Deutschland) | Kinder: 10 %
Schwangere: 20 - 30% Senioreninnen und Senioren: > 70 % Gesamtbevölkerung: 50 % | Wilking et al., 2016 Pleyer et al., 2019 | |
| Akute Infektion | Verlauf | ||
| Bei Kindern, Erwachsenen | Asymptomatische Infektion | 80 - 90 % | Groß et al., 2001 |
| Häufige Symptome | Grippeähnliche Symptome, Lymphadenitis (Hals), Kopfschmerzen, Sehbeschwerden | Groß et al., 2001 | |
| Bei Schwangeren | meist asymptomatisch während der gesamten Schwangerschaft | Groß et al., 2001; Groß et al., 2017 | |
| Bei Feten | Zeitpunkt der Infektion | ||
| Präkonzeptionelle Infektion | Fetale Erkrankung nicht beschrieben | ||
| Infektion der Schwangeren im 1. Trimenon | wahrscheinlich meistens Abort | Hotop et al., 2012; Groß et al., 2017 | |
| Infektion der Schwangeren im 2. Trimenon | Ca. 30 % der infizierten Feten: Hydrocephalus, intrazerebrale Kalzifikationen, Retinochorioiditis | ||
| Infektion der Schwangeren im 3. Trimenon bis Geburt | Ca. 10 % der infizierten Feten: oft nur Retinochorioiditis | ||
| Bei Neugeborenen | nach fetaler Infektion | Bei zerebraler Beteiligung:
Neurologische Entwicklungsstörungen
Bei Augenbeteiligung: Sehstörungen bis hin zur Erblindung | |
| Persistierende Infektion | Toxoplasmen persistieren beim Immungesunden stets lebenslang, insbesondere in Neuronen des Gehirns. Bei Suppression der zellulären Immunität: Zerebrale Toxoplasmose durch Reaktivierung von Toxoplasma-Zysten | ||
| Symptome/Schwangere | Meistens asymptomatisch (s.o.) | ||
| Symptome/Fetus | Abhängig vom Zeitpunkt der Erstinfektion während der Schwangerschaft (s.o.) | RKI-Ratgeber Toxoplasmose | |
| Reinfektion | Möglich | Ja | |
| Symptome/Schwangere | Meistens asymptomatisch (s.o.) | ||
| Symptome/Fetus | Keine (Symptome nur bei Erstinfektion während einer Schwangerschaft; s.o.) | ||
| Prävention | Impfung | Nicht verfügbar | |
| Hygiene | Keine Rohfleischprodukte, Katzentoilette täglich von Nichtschwangerer Person reinigen lassen, Gartenarbeit nur mit Handschuhen, Küchenhygiene | RKI-Ratgeber Toxoplasmose | |
| Verhinderung der transplazentaren Übertragung | Spiramycin | RKI-Ratgeber Toxoplasmose | |
| Therapie | Antiinfektiöse Chemotherapie | Vor 16. SSW: Spiramycin Ab 16. SSW: Pyrimethamin plus Sulfadiazin (oder Clindamycin) plus Folinsäure Bei Retinochorioiditis: 1. Wahl: Pyrimethamin plus Sulfadiazin (oder Clindamycin) plus Folinsäure; 2. Wahl: Cotrimoxazol; jeweils ggf. plus Kortikosteroide | RKI-Ratgeber Toxoplasmose;
Maenz et al., 2014 |
| Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz | Umgang mit dem Erreger in Labor/Forschung, Versuchstierhaltung | Persönliche Schutzausrüstung | MuSchG ArbSchG ArbMedVV BioStoffV TRBA 100 TRBA 120 TRBA 400 TRBA 500 |
| Einstufung nach BioStoffV | Risikogruppe 2 | ||
| Meldepflicht nach IfSG | Konnatale Toxoplasmose, § 7 (3) | RKI-Ratgeber Toxoplasmose |
Literatur
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)
Groß U, Roos T, and Friese: Toxoplasmose in der Schwangerschaft. Dt. Ärzteblatt 2001; 98: A 3293- 3300
Groß U: Prävalenz und Public-Health-Aspekte der Toxoplasmose. Bundesgesundheitsblatt 2004; 47: 692- 697
Groß U, Enders M, Garweg JG, Reiter-0wona I, L. Schrod L. Toxoplasmose in der Schwangerschaft und beim Neugeborenen. pädiatrische praxis 2017 87: 1-12
Herrmann DC, Maksimov P, Hotop A, Groß U, Däubener W, Liesenfeld O, Pleyer U, Conraths FJ, Schares G. Genotyping of samples from German patients with ocular, cerebral and systemic toxoplasmosis reveals a predominance of Toxoplasma gondii type II. Int J Med Microbiol. 2014 Oct;304(7):911-6. doi: 10.1016/j.ijmm.2014.06.008. Epub 2014 Jun 27. PMID: 25037927.
Hotop A, Hlobil H, Gross U. Efficacy of rapid treatment initiation following primary Toxoplasma gondii infection during pregnancy. Clin Infect Dis. 2012 Jun;54(11):1545-52. doi: 10.1093/cid/cis234. Epub 2012 Mar 29. PMID: 22460980.
Maenz M, Schlüter D, Liesenfeld O, Schares G, Gross U, Pleyer U. Ocular toxoplasmosis past, present and new aspects of an old disease. Prog Retin Eye Res. 2014 Mar;39:77-106. doi: 10.1016/j.preteyeres.2013.12.005. Epub 2014 Jan 9. PMID: 24412517.
Pleyer U, Gross U, Schlüter D, Wilking H, Seeber F. Toxoplasmosis in Germany. Dtsch Arztebl Int. 2019 Jun 21;116(25):435-444. doi: 10.3238/arztebl.2019.0435. PMID: 31423982; PMCID: PMC6706837.
RKI-Ratgeber Toxoplasmose https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/T/Toxoplasmose/Toxoplasmose.html;jsessionid=C46E80245C945DF09FA00E54057D928D.internet112?cms_box=1&cms_current=Toxoplasmose&cms_lv2=2390222
Schlüter D, Däubener W, Schares G, Groß U, Pleyer U, Lüder C. Animals are key to human toxoplasmosis. Int J Med Microbiol. 2014 Oct;304(7):917-29. doi: 10.1016/j.ijmm.2014.09.002. Epub 2014 Sep 10. PMID: 25240467.
Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)
TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 120 Versuchstierhaltung
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html
Wilking H, Thamm M, Stark K, Aebischer T, Seeber F. Prevalence, incidence estimations, and risk factors of Toxoplasma gondii infection in Germany: a representative, cross-sectional, serological study. Sci Rep. 2016 Mar 3;6:22551. doi: 10.1038/srep22551. PMID: 26936108; PMCID: PMC4776094.
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