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AfMu-Information (MuSchInfo) Nummer 11.2.01- Information zur Relevanz von Infektionserregern in Deutschland aus Sicht des Mutterschutzes - Grundlagendokument
- Information des Ausschusses für Mutterschutz -

Vom 16. Mai 2025
(Quelle: www.ausschuss-fuer-mutterschutz.de)
Stand: 15.09.2022



Vorwort

Gemäß § 30 Absatz 1 Satz 1 Mutterschutzgesetz ( MuSchG) ist der Ausschuss für Mutterschutz ( AfMu) beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) angesiedelt; ihm gehören geeignete Personen vonseiten der öffentlichen und privaten Arbeitgeber, der Ausbildungsstellen, der Gewerkschaften, der Studierendenvertretungen und der Landesbehörden sowie weitere geeignete Personen, insbesondere aus der Wissenschaft, an.

Der AfMu berät das BMFSFJ und steht im fachlichen Austausch mit den arbeitsschutzrechtlichen Ausschüssen nach § 18 Absatz 2 Nummer 5 Arbeitsschutzgesetz ( ArbSchG) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

Aufgabe des AfMu ist es, praxisgerechte Veröffentlichungen zu erstellen, die es Arbeit-gebenden erleichtern, bei der Umsetzung des Mutterschutzes den jeweils aktuellen Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.

Informationen geben den aktuellen Kenntnis- oder Sachstand wieder und werden in Form von Hintergrundpapieren, FAQ oder schriftlichen Antworten auf Anfragen im Internetauftritt des Ausschusses für Mutterschutz veröffentlicht. Mutterschutz-Informationen sollen es Arbeitgebern und Akteuren des betrieblichen Arbeitsschutzes erleichtern, das Mutterschutzgesetz adäquat umzusetzen und stehen anderen interessierten Personengruppen als Informationsmaterial zur Verfügung.

Zitierregelung:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Information zur Relevanz von Infektionserregern in Deutschland aus Sicht des Mutterschutzes - Grundlagendokument, Information des Ausschusses für Mutterschutz, Nr. MuSchInfo 11.2.01, 2022

1. Welche Infektionen gelten als "schwangerschaftsrelevant"?

Als "schwangerschaftrelevant" werden Infektionen betrachtet, deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Schwangeren oder des Feten durch ein in veröffentlichten Studien basierendes Wissen belegt ist. Als schwangerschaftsrelevant gelten demnach Infektionen, für die publizierte Daten zeigen, dass sie die Gesundheit

(I) des Feten (Embryo-/Fetopathie) und/oder

(II) der Schwangeren (schwerere Erkrankung als bei Nichtschwangeren) und/oder

(III) des Neugeborenen (neonatale Erkrankungen, konnatale Syndrome, Spätfolgen) beeinflussen.

Basierend auf diesen Vorgaben wurden die Infektionen verursacht durch

  1. virale Infektionserreger: Entero-, Herpes-simplex-, Hepatitis B-, Hepatitis C-, Humane Immundefizienz-, Influenza-, Lymphozytäre Choriomeningitis-, Masern-, Papilloma-, Parecho-, Röteln-, Varizella-Zoster-, Zytomegalie- und Parvovirus B19 sowie
  2. bakterielle Infektionserreger: Chlamydia trachomatis, Listeria monocytogenes, Neisseria gonorrhoeae, Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalactiae) und Treponema pallidum sowie
  3. parasitäre Infektionserreger: Toxoplasma gondii

als schwangerschaftsrelevant eingeschätzt ( Tabelle 1). Zu den jeweiligen Infektionserregern wurden Steckbriefe verfasst, in denen die Eigenschaften der jeweiligen Infektionserreger, der Verlauf der durch sie verursachten Infektionen und Erkrankungen im Allgemeinen, bei Schwangeren, Feten und Neugeborenen sowie die Möglichkeiten zur Prävention zusammengefasst werden (siehe Anhang).

2. Warum gelten viele Infektionen als nicht relevant für die Schwangerschaft?

Infektionen, deren Problematik bei Schwangeren nur in Einzelfallberichten beschrieben ist, wurden nicht als relevant eingestuft. Auch beschränkt sich die obige Auflistung ausschließlich auf Infektionen, die in Deutschland endemisch oder epidemisch auftreten.

Grundsätzlich ist jedoch jede fieberhafte Infektion bei Schwangeren potentiell problematisch. Insbesondere während der ersten Schwangerschaftswochen können auch Infektionen, die ohne oder mit milden Erkrankungsanzeichen verlaufen, zu Aborten führen. Jüngere Übersichtsarbeiten aus den USA und Großbritannien beschreiben, dass der Prozentsatz von sich spontan ereignenden Aborten im ersten Schwangerschaftsdrittel bei Werten zwischen 15 und 30 % liegt (Sapra et al., 2017; Pinar et al., 2018; Quenby et al., 2021). Bei dieser sehr hohen Rate von Spontanaborten ist es schwer, die Kausalität zu bestimmten Auslösern zu zeigen. Neben Infektionen können auch genetische, immunologische, endokrinologische oder uterine Abnormalitäten ebenso zu dieser Abortrate in der Frühschwangerschaft beitragen wie auch das Alter der Schwangeren, Umfeld und durch den Lebensstil bedingte Einflüsse (beispielsweise Unter-/Übergewicht, Rauchen, Drogen-/Alkoholkonsum, Luftverschmutzung, Exposition zu Pflanzen-/Insektenschutzmitteln). Das Ausmaß, in dem bestimmte Infektionen zur Abortrate beitragen, kann daher nicht benannt werden. Ähnlich schwer ist feststellbar, inwieweit bestimmte Infektionen vermehrt zu Frühgeburten (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) führen. In Deutschland werden knapp 10 Prozent der Kinder früh geboren (Blencowe et al., 2012) und es ist unklar, wie häufig Infektionen die Frühgeborenenrate beeinflussen. Vielfältig können auch die Faktoren sein, die zur intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR, auch bekannt als small for gestational age/SGA) beitragen; dieser Zustand betrifft etwa 5-10 Prozent der Schwangerschaften und kann durch Infektionen befördert werden, aber auch anderweitige maternale, fetale und plazentare Ursachen haben (Mayer und Joseph, 2013; Kehl et al., 2017). Insbesondere grippale oder gastrointestinale Infekte sind in der Bevölkerung weit verbreitet, werden aber häufig nicht bemerkt oder gar diagnostiziert. Für den Verlauf dieser Infektionen bei Schwangeren und ihren Folgen existieren daher nur sehr wenige wissenschaftlich belegte Daten; ihre Schwangerschaftsrelevanz kann deswegen nicht bewertet werden. Grundsätzlich kommt der generellen Beratung zur Infektionsvermeidung durch geeignete allgemeine Maßnahmen (Hygiene, Abstandhalten etc.) eine große Bedeutung zu. Alle Beschäftigten sollen frühzeitig und regelmäßig entsprechende Informationen erhalten (z.B.: durch betriebliche Unterweisungen am Arbeitsplatz).

2.1. Sonderfall: SARS-CoV-2 Infektionen

Einen Sonderfall stellen die SARS-CoV-2-Infektionen dar, die seit ihrem erstmaligen Auftreten im Winter 2019/20 eine zum heutigen Zeitpunkt noch andauernde Pandemie ausgelöst haben. Mittlerweile sind verschiedene SARS-CoV-2-Varianten bekannt, die sich in aufeinanderfolgenden Infektionswellen in der Bevölkerung verbreitet haben. Die Varianten unterscheiden sich auch bei Schwangeren hinsichtlch der Schwere der durch sie verursachten COVID-19-Erkrankungen. Während der ersten Monate wurde bei Vorherrschen der SARS-CoV-2-Varianten Alpha und Beta nicht beschrieben, dass die Infektionen bei Schwangeren mit einer schweren oder im Vergleich zu nicht schwangeren Frauen veränderten Symptomatik einhergehen oder intrauterine Übertragungen stattfinden, die fetale Erkrankungen zur Folge haben. Mit dem Auftreten der Delta-Variante des SARS-CoV-2 im Herbst 2021 wurde jedoch vor allem in der Spätschwangerschaft eine Tendenz zu vermehrt schweren Infektionsverläufen deutlich. Mit der sich anschließenden Verbreitung der Omikron-Variante ab Dezember 2021 änderte sich dieses Bild erneut: Schwere Erkrankungen wurden bisher sowohl bei geimpften wie nicht geimpften Schwangeren nur selten registriert (Birol Ilter et al., 2022; Adhikari et al., 2022). Zwar sollen SARS-CoV-2-Infektionen durch entsprechend sinnvolle Schutz- und Hygienemaßnahmen bei Schwangeren vermieden werden, eine Einordnung des SARS-CoV-2 als generell schwangerschaftsrelevanten Infektionserreger entsprechend der zuvor beschriebenen Kriterien lässt die derzeitige Datenlage und Dynamik der noch laufenden Pandemie jedoch nicht zu. Es existieren für das Management der SARS-CoV-2-Infektion bei Schwangeren einige Leitlinien sowie Stellungnahmen der Fachgesellschaften, die über die jeweilig aktuelle Datenlage berichten und Empfehlungen abgeben (Pecks et al., 2022). Zu beachten ist auch die Empfehlung des Ausschuss für Mutterschutz zur mutterschutz-rechtlichen Bewertung von Gefährdungen durch SARS-CoV-2 (https://www.ausschuss-fuer-mutterschutz.de/arbeitsergebnisse/empfehlungen).

3. Häufigkeit von Infektionen mit schwangerschaftsrelevanten Biostoffen in Deutschland

3.1. Meldezahlen nach Infektionsschutzgesetz und SurvStat, Abschätzung der epidemiologischen Situation

In Deutschland besteht für alle parasitären sowie für einige der bakteriellen und viralen als schwangerschaftsrelevant bewerteten Infektionserreger Meldepflicht entsprechend der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes ( Tabelle 1). Im Fall der bakteriellen Erreger betrifft das Treponema pallidum und die Listerien, bei Virusinfektionen betrifft das alle impfpräventablen Erkrankungen (Masern, Röteln, Hepatitis B, Influenza, Varizellen) sowie HIV-Infektion und Hepatitis C als nicht impfpräventable Infektionen. Es ist zu berücksichtigen, dass im Fall von HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und Varizellen jeweils nur die Erstdiagnosen gemeldet werden. Darüber hinaus sind epidemiologische Daten in SurvStat des Robert-Koch-Instituts abfragbar.

3.1.1. Virusinfektionen

Die für die Gesamtbevölkerung gemeldeten Zahlen der akuten impfpräventablen Virusinfektionen Masern und Röteln belegen, dass diese Erkrankungen bei Schwangeren eine Rarität darstellen und sich auf seltene Einzelfälle beschränken. Im Fall der Röteln wurden konnatale Erkankungen seit mehreren Jahren nicht mehr registriert, die Meldungen für postnatale Röteln liegen im niedrigen einstelligen Bereich. Deutschland wurde 2021 rückwirkend für die letzten Jahre als frei von endemisch auftretenden Röteln erklärt; wie in vielen anderen europäischen und amerikanischen Ländern gelten Rötelnviren damit in Deutschland als eliminiert (Matysiak-Klose D, et al., 2021). Eine ähnlich erfreuliche Entwicklung wird für die Masern in den nächsten Jahren prognostiziert. Mitverantwortlich dafür sind die seit dem Frühjahr 2020 geltenden Vorgaben zur verpflichtenden Masernimpfung in Gemeinschaftseinrichtungen, die auch den Schutz vor Röteln einschließt (Masernschutzgesetz, 2020) und die für die Kontrolle der SARS-CoV-2-Pandemie etablierten Hygiene- und Abstandsregeln. Auch wenn die Impfprävention der Windpocken noch nicht so lange etabliert ist, sind seit Empfehlung der Varizellenimpfung durch die Ständige Impfkommission im Jahr 2004 die Zahlen der gemeldeten Infektionen in der Bevölkerung von jährlich etwa 800.000 auf weniger als 10.000 Fälle zurückgegangen. Folglich findet man die Windpocken auch bei Schwangeren nur noch sehr selten. Deutlich unter 10.000 Fällen/Jahr liegen auch die Meldezahlen für die Hepatitis B. Aufgrund der Impfungen und inzwischen etablierten antiviralen Therapien ist ein weiterer Rückgang der Personen mit chronisch-persistierender Hepatitis B zu erwarten (Cornberg et al., 2021). Unter den impfpräventablen Virusinfektionen ist mit größeren Infektionszahlen nur bei der während der Wintermonate epidemisch auftretenden Influenza auszugehen.

Unter den nicht impfpräventablen Virusinfektionen dürfte die in Deutschland nicht meldepflichtige CMV-Primärinfektion das Hauptproblem darstellen. Bei einer mit dem Lebensalter ansteigenden Durchseuchung der Schwangeren von 42-55 Prozent und einer 0,5- bis 1,0-prozentigen Jahresinzidenz für Primärinfektionen infizieren sich jährlich schätzungsweise etwa 2.000 bis 4.000 Schwangere mit CMV. Insbesondere in der Frühschwangerschaft können CMV-Primärinfektionen mit einer hohen Fetopathie- und Schädigungsrate verbunden sein (Buxmann et al., 2018). Da etwa vierzig Prozent der CMV-Primärinfektionen in der Schwangerschaft intrauterin übertragen werden und etwa ein Prozent der konnatal infizierten mit schweren Symptomen geboren werden (Gehör-/Sehstörungen, mentale Retardierung), treten in Deutschland jährlich konservativ geschätzt 80 bis 160 Fälle CMV-assoziierter Langzeitschäden auf. An zweiter Stelle stehen akute Infektionen mit Parvovirus B19, dem Erreger der Ringelröteln. Infektionen, die sich bei Schwangeren bis zur 20. Schwangerschaftswoche ereignen, können eine behandlungsbedürftige fetale Anämie mit der Ausbildung eines Hydrops fetalis verursachen; der Tod des Feten kann bei rechtzeitiger Diagnose durch Erythrozytentransfusion über die Nabelschnurvene verhindert werden. Auch wenn ein höherer Anteil von über siebzig Prozent der Schwangeren durch eine zurückliegende Parvovirus B19-Infektion geschützt ist, kann man in Deutschland mit etwa 1.000 bis 2.000 akuten Infektionen bei Schwangeren und bis zu 100 Fällen schwerer fetaler Anämie pro Jahr rechnen. Deutlich schwieriger ist die Zahl von Entero- und Parechovirusinfektionen einzuschätzen, die bei perinataler Übertragung schwere Enzephilitiden oder

Myokarditiden bei Neugeborenen verursachen können. Entsprechendes gilt für Herpes-simplex-Viren, welche bei genitaler Primärinfektion und in geringerem Maße auch bei Reaktivierung im letzten Trimenon perinatal übertragen werden und bei den Neugeborenen schwere systemische Infektionen mit hoher Mortalität auslösen können. Eine absolute Rarität dürften Infektionen mit Lymphozytären Choriomeningitisviren bei Schwangeren darstellen. Die zoonotische Übertragung - ausgehend von infizierten Nagetieren - kann aber mit schweren Schädigungen assoziiert sein.

Etwas anders muss die Situation bei den persistierenden Virusinfektionen (Hepatitis B, C und HIV-Infektion) betrachtet werden. Die Zahlen der in Deutschland gemeldeten Erstdiagnosen von Hepatitis-B- und Hepatitis C-Virus-Infektionen liegen aktuell bei etwa 7.500 beziehungsweise 4.700 Fällen pro Jahr; im Fall von HIV werden jährlich knapp 2.500 Erstdiagnosen gemeldet. Die Diagnose dieser Infektionserreger ist bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter sind akute Hepatitis-B-, Hepatitis-C- und HI-Virusinfektionen selten. Aufgrund der nach der akuten Infektion anhaltenden Persistenz dieser Erreger im Organismus kommt vor allem dem Management der chronischen Infektionen eine große Bedeutung zu. Diagnostisches Screening aller Schwangeren ist für Hepatitis B- und HIV-Infektionen in den Mutterschaftsrichtlinien verankert (Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA, 2021), so dass die Erkennung der Infektionen bei Schwangeren gewährleistet ist und das klinische Management mit antiviraler Therapie zur Vermeidung der peri-/neonatalen Übertragung eingeleitet werden kann (Behrens et al., 2020, Cornberg et al., 2021). Die juvenile Larynxpapillomatose wird durch Übertragung von Papillomaviren (vor allem HPV-6, HPV-11) bei vaginaler Entbindung verursacht, wenn die Schwangere im Genitalbereich an Feigwaren (Conylomata accuminata) leidet. Diese häufig persistierenden Hautläsionen entstehen durch Papillomavirus-Infektionen der Genitalschleimhaut und werden überwiegend durch den Sexualpartner oder die Sexualpartnerin vor oder auch während der Schwangerschaft übertragen ( Tabelle 2). Die infizierten Kinder entwickeln eine Larynxpapillomatose während der ersten Lebensmonate und -jahre. Diese Fälle werden weder gemeldet noch registiert; man schätzt, dass in Deutschland jährlich mit etwa 25-35 Erkrankungen bei Kindern zu rechnen ist.

3.1.2. Bakterielle Infektionen

Bei den schwangerschaftsrelevanten bakteriellen Biostoffen findet man das Risiko der transplazentaren Übertragung bei akuten Infektionen mit Listeria monocytogenes und Treponema pallidum (vor allem im Sekundärstadium). Während die konnatale Lues auch aufgrund der Testung der Schwangeren im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien sehr selten gemeldet wird - die jährlich gemeldeten Zahlen liegen im niedrigen einstelligen Bereich - schätzt man die Zahl der konnatalen und neonatalen Listeriose auf etwa 10 Prozent der insgesamt jährlich gemeldeten 500 bis 600 Fälle ( Tabelle 1); dabei werden die Fälle fetaler und peri-/neonataler Infektionen zusammengefasst. Listeria-Infektionen der Schwangeren erfolgen durch Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln (Rohfleisch-/Rohfisch-/Rohmilch-/Rohkostprodukte; Tabelle 2). Die Infektionen des Feten und auch des Neugeborenen sind sehr häufig mit Früh- und Totgeburten (konnatale Listeriose) beziehungsweise mit ebenfalls sehr schwer verlaufender Meningitis/Meningoencephalitis und Sepsis (neonatale Listeriose, Letalität ca 36%) verbunden. Bei peri-/neonataler Übertragung von Listerien ist die Prognose für das Neugeborene deutlich besser.

Überwiegend peri-/neonatale Übertragung findet man bei Infektionen der Schwangeren mit Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis und Gruppe-B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae). Übertragung von Neisseria gonorrhoeae erfolgt ausschließlich durch direkten Schleimhautkontakt, vor allem beim Geschlechtsverkehr oder beim Geburtsvorgang. Nach der Übertragung besiedelt N. gonorrhoeae unter anderem die Epithelien der Urethra und des Zervikalkanals. Bei infizierten Schwangeren wird eine erhöhte Rate von Frühgeburten beschrieben; die Übertragung während des Geburtsvorgangs kann Gonokokken-Konjunktivitis oder eine oropharyngeale Infektion zur Folge haben. Chlamydia trachomatis gehört weltweit zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Infektionen; man schätzt, dass in Deutschland 10 bis 20 Prozent der jungen Frauen infiziert sind. Bei etwa 60% bis 70% der infizierten Schwangeren können die Erreger beim Geburtsvorgang auf die Neugeborenen übertragen werden und Konjunktivitis, seltener eine Otitis media verursachen. Wird erregerhaltiges Vaginalsekret während der Geburt aspiriert, kann es zu einer schweren interstitiellen Pneumonie des Neugeborenen kommen. Aufgrund dieser Konstellation wird allen Schwangeren ein Screening entsprechend der Mutterschafts-Richtlinien angeboten. Gruppe B Streptokokken (GBS, Streptococcus agalactiae) sind weit verbreitet, man schätzt, dass die Genital-/Darmschleimhaut von 5 bis 30 Prozent aller Schwangeren mit den Erregern besiedelt ist, ohne dass damit Symptome bei der Schwangeren einhergehen. Die Übertragung auf das Kind kann in der Endphase der Schwangerschaft aufsteigend durch Infektion des Fruchtwassers oder perinatal beim Geburtsvorgang erfolgen. Insbesondere GBS-Infektionen bei Frühgeborenen können Sepsis, Meningitis oder Pneumonie verursachen. Auch auf die Möglichkeit der postnatalen Infektion des Neugeborenen, beispielsweise durch infizierte Angehörige, sei hingewiesen.

3.1.3. Parasitäre Infektionen

Bisher gilt hierzulande Toxoplasma gondii als der einzig bekannte parasitäre Infektionserreger mit Schwangerschaftsrelevanz. Er wird durch kontaminiertes Fleisch, insbesondere Schweinefleisch (rohes Fleisch, Rohwürste etc.) und den Kot junger Katzen übertragen ( Tabelle 2). In Deutschland findet man eine mit dem Lebensalter ansteigende Durchseuchung auf über 70 Prozent der Bevölkerung. Postnatale Toxoplasma-Erstinfektionen verlaufen bei immunkompetenten Kindern und Erwachsenen überwiegend ohne Symptome, bei Schwangeren können die Erreger jedoch transplazentar auf den Feten übertragen werden. Mit Fortschreiten der Schwangerschaft werden die Infektionen zwar leichter auf den Feten übertragen, die Schwere der fetalen Erkrankung (Retinochoroiditis, Hydrocephalus und intrakranielle Verkalkungen) nimmt hingegen ab. Insbesondere im ersten Trimenon verlaufen die fetalen Infektionen schwer, auch tödlich. Jährlich werden nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes etwa 15 Fälle konnataler Toxoplasmase gemeldet; es ist jedoch von einer deutlichen Untererfassung auszugehen ( Tabelle 1).

3.2. Bewertung der Infektionsrisiken in Abhängigkeit vom Stadium der Schwangerschaft

3.2.1. Intrauterine Übertragung/fetale Erkrankung

Das Risiko einer fetalen Erkrankung durch bestimmte Infektionserreger ist vor allem dann gegeben, wenn die Schwangere während der ersten 16-20 Schwangerschaftswochen akut infiziert wird. Hier besteht bei akuten Infektionen von empfänglichen, seronegativen Schwangeren mit Röteln-, Zytomegalie-, Lymphozytären Choriomeningitis-, Varizella-Zoster-, Herpes-simplex-Viren sowie Parvovirus B19, Toxoplasma gondii und Listeria monocytogenes das Risiko der intrauterinen Übertragung auf den Feten, die mit fetalen Erkrankungen einhergehen kann ( Tabelle 3). Beeinflusst wird das Risiko, das von diesen Infektionen ausgeht,

Wie oben und in den Steckbriefen (siehe Anhang) beschrieben, besteht derzeit das größte Risiko für fetale Erkrankungen bei Exposition seronegativer Schwangerer mit Zytomegalie- und Parvovirus B19. Beide Biostoffe werden vor allem durch Kontakte zu unter drei- beziehungsweise unter sechsjährigen Kindern übertragen.

3.2.2. Perinatale Übertragung/neonatale Erkrankungen.

Die Schwangerschaftsrelevanz einer Reihe von Biostoffen gefährdet die Gesundheit der Neugeborenen, wenn sich die Schwangere im Zeitraum um die Geburt akut infiziert und die Erreger perinatal oder während der ersten Lebenstage/-wochen auf das Kind überträgt ( Tabelle 3). Hierzu zählen Entero-, Herpes simplex-, Parecho- und Varizella-Zoster-Virus sowie Listeria monocytogenes, Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoe und Gruppe-B-Streptokokken. Aufgrund der meist bereits vor der Schwangerschaft erworbenen Besiedelung mit den bakteriellen Biostoffen und der gesetzlich vorgesehenen Schutzfristen für den Zeitraum vor der und um die Geburt sind diese Infektionen im betrieblichen Umfeld in der Regel vor allem bei Verzicht auf die Schutzfristen relevant.

Infektionen mit Hepatitis B-, Hepatitis C-, humanen Immundefizienz- und Papillomaviren werden perinatal sowohl von akut während der Schwangerschaft oder von chronisch infizierten Frauen übertragen. Arbeits- und mutterschutzrechtlich spielen hier nur akute Infektionen eine Rolle. Dies gilt vermutlich eher nicht für genitale Papillomaviren, da die Übertragung dieser Erreger durch direkten Kontakt bei Sexualverkehr übertragen werden ( Tabelle 2).

3.2.3. Schwere Erkrankungen der Schwangeren in der Spätschwangerschaft.

Die Schwangerschaftsrelevanz von Influenzavirus-Infektionen, aber auch von akuten Windpocken und Masern basiert auf den schweren Erkankungsverläufen, die nicht nur die Gesundheit der Schwangeren selbst, sondern auch die des Feten bzw. Neugeborenen gefährden. Daten belegen, dass insbesondere bei Infektionen in der Spätschwangerschaft mit einem deutlich erhöhten Risiko für mitunter lebensbedrohliche Pneumonien zu rechnen ist. Da es sich bei den drei genannten Biostoffen um impfpräventable Infektionserreger handelt, kann das von ihnen ausgehende Risiko eingeschränkt werden. Durch die im Rahmen der immunologischen Impfreaktion gebildeten Antikörper und ihre transplazentare Übertragung ist zu erwarten, dass auch das Neugeborene während der ersten Lebenswochen/monate durch den Nestschutz vor potentiell schweren Infektionsverläufen geschützt ist.

4. Schwangerschaftsrelevante Biostoffe am Arbeitsplatz

Wie in den vorhergehenden Abschnitten beschrieben, sind gesundheitliche Risiken für Beschäftigte, Auszubildende und Studierende durch schwangerschaftsrelevante Biostoffe aufgrund der epidemiologischen Lage, der etablierten Schutz- und Präventionsmaßnahmen (beispielsweise rechtzeitige Information, Impfungen, Hygiene) sowie der am Arbeitsplatz geltenden Vorschriften zur Infektionsvermeidung selten geworden. Auch bei Schwangeren ist in vielen Fällen präventiv eine Minimierung des Infektionsrisikos durch Impfung möglich. Am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz können die aufgrund der Gefährdungsbeurteilung ermittelten Schutzmaßnahmen (z.B. Einhaltung von Hygienemaßnahmen, persönliche Schutzausrüstung das Infektionsrisiko deutlich senken.

Dieses hohe Schutzniveau belegen auch die seit Jahren rückläufigen Zahlen für blutübertragbare Infektionskrankheiten (Nienhaus et al.) und die niedrigen Zahlen der anerkannten Fälle von Infektionskrankheiten, die in den Jahren 2016 bis 2020 von den gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträgern der öffentlichen Hand als Berufskrankheiten anerkannt wurden ( Tabelle 1). Auch wenn vermutlich ggf. von einer Mindererfassung auszugehen ist, wurden im gleichen Zeitraum bei der DGUV nur zwei Fälle von Berufskrankheiten dokumentiert, die eine "Schädigung der Leibesfrucht" ( § 12 SGB VII) als Grund nennen. Daraus kann man mit aller gebotenen Vorsicht schließen, dass Beschäftigte unter den bereits geltenden Schutzmaßnahmen generell und insbesondere auch Schwangere eine sehr geringe, im Vergleich zum allgemeinen Lebensrisiko kaum erhöhte Gefährdung für durch Blut sowie durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragbare Biostoffe haben.

Es ist derzeit davon auszugehen, dass unter den schwangerschaftsrelevanten Biostoffen die CMV- und die Parvovirus B19-Infektionen für Schwangere das größte Risiko darstellen. Beide Viren sind nicht impfpräventabel und werden vor allem durch Kontakt zu Ausscheidungsprodukten (Speichel, Nasensekrete, Urin etc) von unter drei- beziehungsweise unter sechsjährigen Kindern übertragen, die an den Infektionen überwiegend nicht erkranken oder nur leichte Symptome ausweisen. In diesen beiden Fällen erfolgt der Großteil der Übertragungen jedoch durch außerberufliche Exposition.

Für blutübertragene Biostoffe wie Hepatitis B-, Hepatitis C- und humane Immundefizienzviren gilt, dass bei Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen das berufliche Infektionsrisiko sehr gering ist und nicht über das allgemeine Infektionsrisiko in der Bevölkerung hinausgeht. Die Hepatitis B- Infektion ist als impfpräventable Infektion selten geworden und durch antivirale Therapie behandelbar. Auch bei bereits infizierten Personen kann man durch antivirale Medikamente die Menge der im Blut zirkulierenden Viren unter die Nachweisgrenze senken und Übertragungen verhindern. Im Fall der HIV-Infektion zeigen die vom Robert-Koch-Institut erhobenen Daten, dass während der vergangenen Jahren in Deutschland weniger als fünf Prozent der HIV-Infizierten ihren Infektionsstatus nicht kennen. Da allen HIV-infizierten Personen die inzwischen gut etablierte und verträgliche antiretrovirale Therapie (HAART) angeboten wird, werden fast 95 % der bekannten HIV-Infizierten antiretroviral therapiert; regelmäßige Kontrolluntersuchungen ergeben, dass man bei therapierten HIV-infizierten Personen keine Viren im Blut mehr nachweisen kann - sie gelten als nicht infektiös (Infektionsepidemiologische Jahrbücher 2019, 2020, 2021). Bei den Hepatitis C-Infizierten bewirkt die antivirale Therapie sogar die Eliminierung der Erreger aus dem Organismus.

Von chronisch infizierten Hepatitis B-, Hepatitis C- und HIV-Patienten geht dadurch ein immer geringer werdendes Infektionsrisiko aus. Diese durchaus erfreuliche Situation belegt auch der deutliche Rückgang der berufsbedingt anerkannten Fälle von Hepatitis B und Hepatitis C auf niedrige einstellige Werte bei Beschäftigten im Gesundheitsbereich während der vergangenen 25 Jahre (Nienhaus et al., 2022), obwohl man gleichzeitig einen Anstieg bzw. zuletzt ein gleichbleibendes Niveau der gemeldeten Nadelstichverletzungen (NSV; Schnitt-, Stichverletzungen oder Schleimhautkontamination) registrierte (Dulon et al., 2018; Dulon et al., 2020). Deswegen sollen Einschränkungen oder gar Verbote der Beschäftigung aufgrund von Infektionsrisiken für Schwangere auch in operativen Bereichen durch eine individuelle Gefährdungsbeurteilung sehr sorgfältig abgewogen werden.

Durch Nahrungsmittel übertragbare Infektionskrankheiten (Toxoplasmose, Listeriose) können im beruflichen Kontext wie der Nahrungsmittelindustrie und Gastronomie relevant sein. Auch sie kann man jedoch durch Hygienemaßnahmen und Vermeiden von Aufnahme/Verzehr von potentiell kontaminierten Nahrungsmitteln verhindern. In der Land-, Forst- und Waldwirtschaft sowie in Gärtnereien tätige Menschen können bei direktem Kontakt zu mit Katzen- (Toxoplasmose) bzw. Nagetierkot (Lymphozytäre Choriomeningitis) kontaminierter Erde eine erhöhte Infektionsgefährdung bezüglich Toxoplasmose beziehungsweise Lymphozytärer Choriomeningitis haben, die sich durch Handschuhe, Atemschutz und Hygienemaßnahmen reduzieren lässt. Am Arbeitsplatz sollten Schwangere direkte Kontakte mit potenziell infizierten Katzen und Nagetieren vermeiden.

5. Ausblick

Auf der Basis der Meldezahlen, der Epidemiologie, der Verfügbarkeit von Impfstoffen und der Übertragungsmechanismen ist davon auszugehen, dass allgemeine Schutzmaßnahmen, kombiniert mit den im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (gemäß § 5 ArbSchG) getroffenen Schutzmaßnahmen, eine Basis dafür darstellen, dass Schwangere effektiv vor Infektionen am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz geschützt werden können. Dies belegen auch die sehr niedrigen Zahlen der von Unfallversicherungsträgern anerkannten schwangerschaftsrelevanten Berufskrankheiten ( Tabelle 1). Weitergehende spezifische schwangerschaftsbezogene Schutzmaßnahmen in der gesetzlichen Rangfolge ergeben sich aufgrund der anlassunabhängigen Gefährdungsbeurteilung (gemäß § 10 Absatz 1 MuSchG) und der anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung (gemäß § 10 Absatz 2 MuSchG).

Für die im Anhang dieses Grundlagendokuments zusammengestellten Daten ist eine routinemäßige Aktualisierung nach fünf Jahren erforderlich, bei der die aktuelle Datenlage gesichtet und dem jeweils aktuellen Wissensstand angepaßt werden soll. Dabei werden auch neue Erkenntnisse zu in Deutschland neu aufgetretene Viren und die Schwangerschaftsrelevanz bei bekannten Erregern berücksichtigt, sodass bei entsprechender Evidenz die Aufnahme von weiteren humanpathogenen Erregern in die vorliegende Liste erfolgen kann.

6. Literatur

Adhikari EH, MacDonald L, SoRelle JA, Morse J, Pruszynski J, Spong CY. COVID-19 Cases and Disease Severity in Pregnancy and Neonatal Positivity Associated With Delta (B.1.617.2) and Omicron (B.1.1.529) Variant Predominance. JAMA. 2022 Apr 19;327(15):1500-1502. doi: 10.1001/jama.2022.4356. PMID: 35325015; PMCID: PMC8949750.

Behrens et al., AWMF-Leitlinie 055-02: HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen, 2020. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055-002.html

Birol Ilter P, Prasad S, Mutlu MA, Tekin AB, O'Brien P, von Dadelszen P, Magee LA, Tekin S, Tug N, Kalafat E, Khalil A. Maternal and perinatal outcomes of SARS-CoV-2 infection in unvaccinated pregnancies during Delta and Omicron waves. Ultrasound Obstet Gynecol. 2022 Apr 20. doi: 10.1002/uog.24916. Epub ahead of print. PMID: 35441407.

Blencowe H, Cousens S, Oestergaard MZ, Chou D, Moller AB, Narwal R, Adler A, Vera Garcia C, Rohde S, Say L, Lawn JE. National, regional, and worldwide estimates of preterm birth rates in the year 2010 with time trends since 1990 for selected countries: a systematic analysis and implications. Lancet. 2012 Jun 9;379(9832):2162-72. doi: 10.1016/S0140-6736(12)60820-4. PMID: 22682464.

Buxmann, H. et al., Management der kongenitalen Zytomegalievirus-Infektion bei Neugeborenen: Aktueller Diskussionsstand zu Diagnostik, Prävention und Therapie. Kinder- und Jugendarzt 2018: 49, 107-117.

Cornberg M et al. AWMF-Leitlinie 021-11: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-Infektion, 2021. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-011.html

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Modrow, S et al. AWMF-Leitlinie 093-001 Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen, 2021. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/093-001.html

Nienhaus A, Wendeler D, Dulon M. Analyse eines Zeittrends über 25 Jahre: Hepatitis B und Hepatitis C im Gesundheitsdienst. ASU Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2022, 57:156-161.

Pecks U, Louwen F, et al AWMF-Leitlinie 015-92. Sars-CoV2 in der Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, 2022. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/015-092.html

Pinar MH, Gibbins K, He M, Kostadinov S, Silver R. Early Pregnancy Losses: Review of Nomenclature, Histopathology, and Possible Etiologies. Fetal Pediatr Pathol. 2018 Jun;37(3):191-209. doi: 10.1080/15513815.2018.1455775. Epub 2018 May 8. PMID: 29737906.

Quenby S, Gallos ID, Dhillon-Smith RK, Podesek M, Stephenson MD, Fisher J, Brosens JJ, Brewin J, Ramhorst R, Lucas ES, McCoy RC, Anderson R, Daher S, Regan L, Al-Memar M, Bourne T, Mac-Intyre DA, Rai R, Christiansen OB, Sugiura-Ogasawara M, Odendaal J, Devall AJ, Bennett PR, Petrou S, Coomarasamy A. Miscarriage matters: the epidemiological, physical, psychological, and economic costs of early pregnancy loss. Lancet. 2021 May 1;397(10285):1658-1667. doi: 10.1016/S0140-6736(21)00682-6. Epub 2021 Apr 27. PMID: 33915094.

Sapra KJ, Joseph KS, Galea S, Bates LM, Louis GM, Ananth CV. Signs and Symptoms of Early Pregnancy Loss. Reprod Sci. 2017 Apr;24(4):502-513. doi: 10.1177/1933719116654994. Epub 2016 Sep 27. PMID: 27342274; PMCID: PMC5933199.

Weitere Literaturangaben sind in den Steckbriefen enthalten.

7. Tabellen

7.1. Tabelle 1: Daten zu den Meldezahlen von schwangerschaftsrelevanten Infektionen in der Gesamtbevölkerung Deutschlands und zu anerkannten Berufkrankheiten

Biostoffe Risikogruppe Meldezahlen ( IfSG) 1 DGUV (2016-2020) 2
2020 2021 Gesamt (m/w 3)
Viren
Enterovirus 2 -- 4 -- --
Hepatitis B-Virus 3 ** 6.798 7.892 64 (24/40)
Hepatitis C-Virus 3 ** 4.522 4.717 86 (23/63)
Herpes-simplex-Virus 2 -- -- 2
HIV 3 ** 2.466 2.182 13 (9/4)
Influenzaviren 2 194.712 1.113 --
LCMV 5 2 -- -- --
Masernvirus 2 76 6 16
Papillomaviren 2 -- -- --
Parechovirus 2 -- -- --
Parvovirus B19 2 -- -- 5
Rötelnvirus 2 7 4 2
Varizella-Zoster-Virus 2 11.270 5.701 9
Zytomegalievirus 2 -- -- 7
Bakterien
Chlamydia trachomatis 4, 6 2 4.234 3.822 --
Listeria monocytogenes 2 572 572 3
Neisseria gonorrhoeae 6 2 630 827 --
Gruppe B-Streptokokken 4, 5 2 1.993 2.196 19 (4/15)
Treponema pallidum 2 7.399 6.723 --
Parasiten
Toxoplasma gondii 7 (konnatale Infektion) 8 2 62
(14)
62
(15)
--
1) Meldung nach § 7 (1.1) bzw. § 7 (1.3) (HIV), IfSG (Epidemiologisches Bulletin 01/2022) bzw. SurvStat

2) Anerkannte Fälle von Infektionskrankheiten (BK-Nrn. 3101, 3102, 3104) im Zeitraum 2016 bis 2020 (Berufskrankheiten- Dokumentation, BK-DOK; Gewerbliche Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand)

3) Geschlechterverhältnis angegeben, soweit datenschutzrechtlich möglich

4) Es besteht keine Meldepflicht nach IfSG

5) LCMV = Lymphozytäres Choriomeningitisvirus

6) Survstat

7) Meldung nach § 7 (3), IfSG

8) Meldung nach § 7 (3), IfSG (Labormeldepflicht nur bei besonderen Resistenzen)

7.2. Tabelle 2: Übertragung schwangerschaftsrelevanter Biostoffe (postnatale Infektion)

Biostoffe

Relevante Übertragungsmechanismen

Weg Vorgang Infektiöses Material
Viren
Enterovirus Schmier-/ Kontaktinfektion kontaminierte Lebensmittel, Verunreinigungen von Oberflächen Stuhl (sehr selten: Speichel)
Hepatitis B-Virus Schmier-/ Kontaktinfektion Sexualverkehr, i.v. Drogengebrauch Verletzungen Blut
Hepatitis C-Virus Schmier-/ Kontaktinfektion i.v. Drogengebrauch, Verletzungen, Sexualverkehr Blut
Herpes-simplex-Virus Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel, Bläscheninhalt
HIV Schmier-/ Kontaktinfektion Sexualverkehr, i.v. Drogengebrauch Verletzungen Blut
Influenzaviren Tröpfchen-, Schmier-Kontaktinfektion Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel
LCMV 1 Zoonose Kontakt mit infizierten Nagetieren Ausscheidungen (Urin, Kot)
Masernvirus Tröpfchen-, Schmier-Kontaktinfektion Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel, Urin
Papillomaviren Schmier-/ Kontaktinfektion Sexualverkehr Infizierte Schleimhautverletzung
Parechovirus Schmier-/ Kontaktinfektion kontaminierte Lebensmittel, Verunreinigungen von Oberflächen Stuhl (sehr selten: Speichel)
Parvovirus B19 Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel, Blut
Rötelnvirus Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel
Varizella-Zoster-Virus Tröpfchen-, Schmier- Kontaktinfektion Atemluft, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel, Bläscheninhalt
Zytomegalievirus Schmier-/ Kontaktinfektion Direkter Kontakt, Verunreinigungen von Oberflächen Speichel, Urin, Muttermilch, Samenflüssigkeit
Bakterien
Chlamydia trachomatis Schmier-/ Kontaktinfektion Sexualverkehr Genitalsekrete
Listeria monocytogenes Zoonose kontaminierte Lebensmittel (Rohmilch-/ Rohfleisch-/ Rohkostprodukte) Kontaminierte Milch, Kot infizierter Rinder, Schafe, Ziege, Geflügel etc.
Neisseria gonorrhoeae Schmier-/ Kontaktinfektion Sexualverkehr Genitalsekrete
Gruppe B-Streptokokken Schmier-/ Kontaktinfektion Kontakt zu besiedelten Träger*innen Speichel, Urin, Stuhl, Genitalsekrete
Treponema pallidum Schmier-/ Kontaktinfektion Sexualverkehr Genitalsekrete
Parasiten
Toxoplasma gondii Zoonose Umgang mit kontaminierten Rohfleischprodukten, Kontakt zu mit Kot infizierter Katzen kontaminierten Erdproben Kot infizierter Katzen, Toxoplasmahaltige Rohfleischprodukte
1) LCMV = Lymphozytäres Choriomeningitisvirus

7.3. Tabelle 3: Übersicht zu schwangerschaftsrelevanten Infektionen und zu ihren Auswirkungen auf Schwangere und Feten/Neugeborene

Biostoffe Risikoreiche Infektion/Schwangere Übertragung auf Feten/Neugeborene Fetale Erkrankung Neonatale Erkrankung Schwere Erkrankung Schwangere
Viren
Enterovirus Akute Infektion bei Entbindung Peri-/neonatal Sepsis
Hepatitis B Akute oder chronische Infektion Peri-/neonatal Chronische Hepatitis B
Hepatitis C Akute oder chronische Infektion Peri-/neonatal Hepatitis C ?
Herpes-simplex-Virus Akute Infektion/SSW
1-16(20)
Transplazentar Konnatale Herpesinfektion Konnatales Herpessyndrom
Akute Infektion bei Entbindung Peri-/neonatal Herpes neonatorum
HIV Akute oder chronische Infektion Peri-/neonatal HIV-Infektion
Influenza Akute Infektion/2.-3. Trimenon Pneumonie
Masern Akute Infektion/2.-3. Trimenon Pneumonie
LCMV3 Akute Infektion/SSW 1-20 Transplazentar Konnatale LCMV-Infektion Konnatales LCMV-Syndrom
Papillomaviren Akute oder chronische Infektion Perinatal Juvenile Larynxpapillomatose
Parechovirus Akute Infektion bei Entbindung Peri-/neonatal Sepsis
Parvovirus B19 Akute Infektion/SSW 1-20 Transplazentar Fetale Anämie, Hydrops fetalis
Röteln Akute Infektion/SSW
1-16 (20)
Transplazentar Konnatale Rötelninfektion Konnatales Rötelnsyndrom
Varizellen Akute Infektion/SSW

1-16 (20)

Transplazentar Konnatale VZV-Infektion Konnatales Varizellensyndrom
Akute Infektion/2.-3. Trimenon Pneumonie
Akute Infektion bei Entbindung Peri-/neonatal Neonatale Varizellen
Zytomegalie-Virus Akute Infektion (Reaktivierung bei Persistenz) SSW 1-16 (20) Transplazentar Konnatale CMV-Infektion Konnatales CMV-Syndrom
Bakterien
Chlamydia trachomatis Infektion/ Besiedelung der Schwangeren Peri-/neonatal Neonatale Chlamydien-Infektion
Listeria monocytogenes Infektion während der gesamten Schwangerschaft Transplazentar Konnatale Listeriose
Infektion bei Entbindung Peri-/neonatal Neonatale Listeriose
Neisseria gonorrhoeae Infektion/ Besiedelung der Schwangeren Peri-/neonatal Gonokokken-Konjunktivitis
Gruppe-B-Streptokokken (GBS) Infektion/ Besiedelung der Schwangeren Peri-/neonatal Neonatale GBS-Infektion, early-onset-Neugebore-nensepsis
Treponema pallidum Infektion während der gesamten Schwangerschaft Transplazentar Konnatale Lues-Infektion Lues connata
Parasiten
Toxoplasma gondii Akute Infektion, mit Dauer der Schwangerschaft: steigendes transplazentares Übertragungsrisiko bei Abnahme der Schwere der Symptome beim Neugeborenen Transplazentar Konnatale Toxoplasma-Infektion Konnatale Toxoplasmose

8. Steckbriefe mit Daten zu den Infektionserregern (Biostoffen)Tabellen

8.1. Virale Infektionsträger

8.1.1. Enterovirus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie Enterovirus A-D/ Enterovirus/Picornaviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Enterovirus, Echovirus, Coxsackievirus
Abkürzung EV (Enterovirus),

E (Echovirus),

CV (Coxsackievirus)

Erkrankung Kinder/Erwachsene: Sommergrippe, Gastroenteritis,
Hand-Fuß Mundkrankheit
Epidemiologie Verbreitung Weltweit, regional begrenzte epidemische Ausbrüche überwiegend während der Sommermonate
Varianten 116 verschiedene Virustypen
Vorkommen/Wirte Mensch
Inkubationszeit (3 -) 7 - 14 (- 35) Tage
Postnatale Übertragung Schmierinfektion (fäkal-oral), mit Stuhl kontaminierte Lebensmittel, Tröpfcheninfektion (oral-oral, in der frühen Infektions/ Erkrankungsphase)
Pränatale Übertragung Sehr selten: Transplazentar, meist in Verbindung mit Coxsackievirus-Infektionen (Einzelfallberichte) Yu et al., 2015; Konstantinidou et al., 2007; Ouellet et al., 2004
Perinatale Übertragung bei Enterovirus-Infektion der Schwangeren etwa eine Woche vor bis eine Woche nach Geburt Schmierinfektion (fäkal-oral) Pruekprasert et al., 1995
Übertragung durch Stillen Sehr selten: Muttermilch (Einzelfallberichte) Chang et al., 2006; Maus et al., 2008
Durchseuchung (weltweit) Vermutlich hoch, insbesondere in tropischen/subtropischen Regionen Brouwer et al., 2021
Durchseuchung (Deutschland) Keine Daten verfügbar
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Häufig
Häufige Symptome Fieber, Diarrhoe, Erbrechen, grippeähnliche Symptome, Exanthem, Konjunktivitis Fischer et al., 2021; Rao, 2020
Komplikationen Aseptische Meningitis, Enzephalitis, schlaffe Lähmung, Myokarditis, Perikardidtis
Bei Schwangeren Gesamte Schwangerschaft Ähnlich wie bei Kindern und Erwachsenen
Bei Feten Infektion der Schwangeren bis SSW 35 Abort, Totgeburt (IUFD)
Symptome Hydrops fetalis, Perikarditis, Enzephalitis (Einzelfallberichte) Yu et al, 2015; Konstantinidou et al., 2007; Ouellet et al. 2004
Bei perinataler
Infektion von
Neugeborenen
Neonatale Symptome Neonatale Sepsis Fieber, Exanthem, Thrombozytopenie, Pneumonie, Hepatitis, Myo-/ Perikarditis, aseptische Meningitis/Enzephalitis; schwere Verläufe: Enterovirus B (Echovirus 11, Coxsackievirus B2-B5) Sauerbrei A, 2000; Modlin, 1988; Kaga et al.; 2016, Groneck, 2011
Persistierende Infektion Nicht beschrieben
Reinfektion Keine Daten verfügbar
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung Standard- Immunglobulinpräparate (off-label use zur Verhinderung perinataler Übertragungen)
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit viruziden Mitteln ist wirksam
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht verfügbar
Erhöhtes Infektionsrisiko für bestimmte Berufsgruppen MuSchG
ArbSchG
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz oder Arbeitsstätten/ Einrichtungen ist bei epidemischen Ausbrüchen nicht beschrieben. Für Schwangere bzw. Neugeborene stellen Infektionen in der Spätschwangerschaft, insbesondere während des Zeitraums der Geburt (1 - 2 Wochen vor und nach der Geburt) ein erhöhtes Risiko dar. BioStoffV
ArbMedVV
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur

Brouwer L, Moreni G, Wolthers KC, Pajkrt D. World-Wide Prevalence and Genotype Distribution of Enteroviruses. Viruses. 2021 Mar 8;13(3):434. doi: 10.3390/v13030434. PMID: 33800518; PMCID: PMC7999254.

Chang, M.L., K.C. Tsao, C.C. Huang, M.H. Yen, C.G. Huang, and T.Y. Lin, Coxsackievirus B3 in human milk. Pediatr Infect Dis J, 2006. 25(10): p. 955-957

Fischer TK, Simmonds P, Harvala H. The importance of enterovirus surveillance in a post-polio world. Lancet Infect Dis. 2022 Jan;22(1):e35-e40. doi: 10.1016/S1473-3099(20)30852-5. Epub 2021 Jul 12. PMID: 34265258.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

ICTV: https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/positive-sense-rna-viruses/w/picornaviridae

Kaga A, Groneck P, Jahn P, Schuler-Lüttmann S, Beyrer K. Neonatale Enterovirus-Meningitis: Transmission durch die Eltern beim familiären Rooming-in und derzeitige Epidemiologie der Erkrankung in Deutschland [Neonatal enterovirus meningitis: transmission via parents during rooming-in and current epidemiology in Germany]. Z Geburtshilfe Neonatol. 2011

Feb;215(1):1-5. German. doi: 10.1055/s-0030-1255024. Epub 2011 Feb 24. PMID: 21351051.

Katata Y, Suzuki A, Otani K, Watanabe H, Kitaoka S, Kumaki S. Perinatal Coxsackievirus B3 Infection with Transient Thrombocytopenia. Tohoku J Exp Med. 2016 Jun;239(2):135-8. doi: 10.1620/tjem.239.135. PMID: 27250900.

Konstantinidou A, Anninos H, Spanakis N, Kotsiakis X, Syridou G, Tsakris A, Patsouris E. Transplacental infection of Coxsackievirus B3 pathological findings in the fetus. J Med Virol. 2007 Jun;79(6):754-7. doi: 10.1002/jmv.20887. PMID: 17457913.

Maus MV, Posencheg MA, Geddes K, Elkan M, Peñaranda S, Oberste MS, Hodinka RL. Detection of echovirus 18 in human breast milk. J Clin Microbiol. 2008 Mar;46(3):1137-40. doi:

10.1128/JCM.01991-07. Epub 2008 Jan 16. PMID: 18199781; PMCID: PMC2268343.

Modlin JF. Perinatal echovirus and group B coxsackievirus infections. Clin Perinatol 1988; 15:233 - 46

Ouellet A, Sherlock R, Toye B, Fung KF. Antenatal diagnosis of intrauterine infection with coxsackievirus B3 associated with live birth. Infect Dis Obstet Gynecol. 2004;12(1):23-6. doi: 10.1080/1064744042000210357. PMID: 15460192; PMCID: PMC1784589.

Pruekprasert P, Stout C, Patamasucon P. Neonatal enterovirus infection. J Assoc Acad Minor Phys. 1995;6(4):134-8. PMID: 8520177.

Rao CD. Enteroviruses in gastrointestinal diseases. Rev Med Virol. 2021 Jan;31(1):1-12. doi: 10.1002/rmv.2148. Epub 2020 Aug 6. PMID: 32761735.

Sauerbrei A, Glück B, Jung K, Bittrich H, Wutzler P. Congenital skin lesions caused by intrauterine infection with coxsackievirus B3. Infection. 2000 Sep;28(5):326-8. doi: 10.1007/s150100070029. PMID: 11073143.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

Yu W, Tellier R, Wright JR Jr. Coxsackie Virus A16 Infection of Placenta with Massive Perivillous Fibrin Deposition Leading to Intrauterine Fetal Demise at 36 Weeks Gestation. Pediatr Dev Pathol. 2015 Jul-Aug;18(4):331-4. doi: 10.2350/15-01-1603-CR.1. Epub 2015 Mar 31. PMID: 25826430.

8.1.2. Hepatitis-B-Virus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie Hepatitis-B-Virus / Orthohepadnavirus/ Hepadnaviridae RKI-Ratgeber HBV; ICTV
Allgemein üblicher Name Hepatitis-B-Virus
Abkürzung HBV
Erkrankung Hepatitis B
Epidemiologie Verbreitung Weltweit RKI-Ratgeber HBV; WHO, 2021
Varianten 10 Genotypen und mehrere

Subtypen,

regional unterschiedlich

Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Blut, Speichel, Genitalsekrete, Tränenflüssigkeit
Inkubationszeit 60 - 120 Tage, selten: bis 180 Tage
Pränatale Übertragung Transplazentare Übertragung selten (ca. 3 - 4 % der akut/chronisch infizierten Schwangeren) De-Zhong Xu et al., 2002; Towers, et al., 2002
Perinatale Übertragung Kontakt mit Blut und Sekreten von akut oder chronisch infizierten Schwangeren. Übertragungsrate: bis zu 95 %, abhängig von der Viruslast
Übertragung durch Stillen Übertragung durch Muttermilch nicht nachgewiesen, aber durch Blut bei Verletzungen an der Brust akut/chronisch

infizierter Mütter

Durchseuchung
(weltweit)
Prävalenz akute/chronische HBV-Infektion: ca. 3,5 % sehr große regionale Unterschiede WHO, 2021
Durchseuchung (Deutschland) Meldungen nach IfSG ( § 7) - 2019: 6.427 Meldungen - 2020: 6.798 Meldungen - 2021: 7.892 Meldungen Prävalenz: Akute/chronische Infektion: ca. 0,3 - 0,5 %

Abgelaufene Infektion: 5,1 %

Bei Risikogruppen höher (i.v.-Drogenabhängige, Migranten, Flüchtende) Impfraten: Schuleingangsuntersuchung 2019: 87,4%

Dudareva et al., 2022; Riek et al, 2021; Poethko-Müller et al., 2013
Akute Infektion Verlauf RKI-Ratgeber HBV; Susan Goldstein et al., 2005
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische
Infektion
Häufig, abhängig vom Alter: Erwachsene: ca. 33 % der Infektionen
Kleinkinder: ca. 90 % Neugeborene: ca. 99 %
Häufige Symptome Leberentzündung mit unspezifischen Symptomen (Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Fieber), Ikterus
Seltene Symptome/ Komplikationen Akutes Leberversagens: ca. 0,5 - 1 %.

Bei Koinfektion mit Hepatitis D-Virus: schwerer verlaufende Hepatitis.

Bei Schwangeren Ähnlich wie bei Erwachsenen, Cornberg et al., 2021; Modrow et al., 2022
Bei Feten Infektion der Schwangeren in SSW 1- 42 Fetopathien nicht beschrieben.
Bei Neugeborenen nach perinataler (fetaler) Infektion > 90 % persistierende Infektion, erhöhtes Risiko für Leberzirrhose/Leberkarzinom
Persistierende Infektion Möglich Erwachsene: ca. 10 % der Infektionen

Neugeborene: ca. 90 % der Infektionen Kleinkinder (0 - 3 Jahre): 30 - 90 %

Gehäuft bei Immunsupprimierten

RKI-Ratgeber

HBV; Cornberg et al. 2021

Spätfolgen Leberzirrhose, Leberkarzinom
Symptome/Schwangere Unspezifisch, Ikterus möglich.
Symptome/Fetus Siehe oben
Symptome/Neugeborene Siehe oben
Reinfektion Möglich Bei Immunsupprimierten. Bei Immungesunden nicht beschrieben. Cornberg et al., 2021
Prävention Impfung HBsAg-basierter Proteinimpfstoff (Totimpfstoff) Epidemiologisches Bulletin 34/2021, RKI;
Passive Immunisierung Verfügbar, Hyperimmunglobulinpräparate
Hygiene Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln.

Verwendung von Einmalinstrumenten bei medizinischen Maßnahmen, Piercing, Tätowieren etc. Bei infizierten Familienmitgliedern: getrennte Verwendung von

Artikeln der Körperhygiene.

Verhinderung der intrauterinen/transplazentaren Übertragung Screening aller Schwangeren durch HBsAg-Bestimmung. Antivirale Therapie bei HBV-DNA-Last > 200.000 IU/ml Mutterschafts-Richtlinien; Cornberg et al., 2021
Verhinderung der perinatalen Übertragung Antivirale Therapie bei HBV-DNA-Last > 200.000 IU/ml, passiv/aktiv Impfung der Neugeborenen akut oder chronisch infizierter Mütter innerhalb von 12 Stunden nach Geburt.
Therapie Antivirale Chemotherapie Verfügbar Cornberg et al., 2021; Stinco et al., 2021; Cai et al., 2019;
Postexpositionsprophylaxe Verfügbar
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositionsrisiko (Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Körperausscheidungen oder Körpergewebe kommen kann), einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko Impfung, Hygienemaßnahmen, Kontakt zu Blut und Blutverschmierungen sind zu vermeiden;

Verwendung von stichsicheren Systemen, soweit verfügbar.

Sichere Entsorgung kontaminierter scharfer oder spitzer Gegenstände. Tragen der empfohlenen persönlichen Schutzausrüstung. Konsequente Handhygiene.

MuSchG
ArbSchG
BioStoffV
ArbMedVV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 3(**)
Meldepflicht nach IfSG § 7 Namentliche Meldung der Erstdiagnose (akute/chronische Infektion, Tod).
ArbMedVV Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe

Literatur:

Cai M, Hao Y, Zhong J, Yao W, Cao X, Gu G, Qin G. Telbivudine Treatment during Late Pregnancy Prevents Mother-to-Child Transmission of Hepatitis B Virus: A Retrospective Study. Can J Gastroenterol Hepatol. 2019 Jul 9;2019:9046260. doi: 10.1155/2019/9046260. PMID: 31380321; PMCID: PMC6652084.

Cornberg M et al. AWMF-S3-Leitlinie 021-011, 2021. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-011.html

De-Zhong Xu, Yong-Ping Yan, Bernard C.K. Choi, Jian-Qiu Xu, Ke Men, Jing-Xia Zhang, Zhi-Hua Liu, Fu-Sheng Wang Risk factors and mechanism of transplacental transmission of hepatitis B virus: A case-control study. Journal of Medical Virology 2002; 67: 20-6

Dudareva S, Faber M, Zimmermann R, Bock CT, Offergeld R, Steffen G, Enkelmann J. Epidemiologie der Virushepatitiden A bis E in Deutschland [Epidemiology of viral hepatitis A to E in Germany]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2022 Jan 14:1-10. German. doi: 10.1007/s00103-021-03478-8. Epub ahead of print. PMID: 35029725; PMCID: PMC8758919.

Epidemiologische Bulletin 34/2021, Robert-Koch-Institut

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

ICTV: https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_9th_report/reverse-transcribing-dna-and-rna-viruses-2011/w/rt_viruses/155/hepadnaviridae

Modrow et al. AWMF-S2k-Leitlinie 093-01, 2022. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/093-001.html

Poethko-Müller C, Zimmermann R, Hamouda O, Faber M, Stark K, Ross RS, Thamm M. Die Seroepidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) [Epidemiology of hepatitis A, B, and C among adults in Germany: results of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1)]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2013 May;56(5-6):707-15. German. doi: 10.1007/s00103-013-1673-x. PMID: 23703489.

Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung ("Mutterschafts-Richtlinien") in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 16. September 2021, in Kraft getreten am 1. Januar 2022

Rieck T, FeigM, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.

RKI Ratgeber Hepatitis B/D: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HepatitisB/HepatitisB.html;jsessionid=29B28C8A4F4A5BFE769BE3E11A1A7BF0.internet051?cms_box=1&tcms_current=Hepatitis+B&tcms_lv2=2389778

Stinco M, Rubino C, Trapani S, Indolfi G. Treatment of hepatitis B virus infection in children and adolescents. World J Gastroenterol. 2021 Sep 28;27(36):6053-6063. doi: 10.3748/wjg.v27.i36.6053. PMID: 34629819; PMCID: PMC8476329.

Susan T Goldstein, Fangjun Zhou, Stephan C. Hadler, Beth P. Bell, Eric E Mast, Harold S. Margolis. A mathematical model to estimate global hepatitis B disease burden and vaccination impact. International Journal of Epidemiology, 2005; 34: 1329-1339

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Towers, C.V., T. Asrat, and P. Rumney, The presence of hepatitis B surface antigen and deoxyribonucleic acid in amniotic fluid and cord blood. Am J Obstet Gynecol, 2001. 184(7): p. 1514-1518; discussion 1518-1520.

Veronese P, Dodi I, Esposito S, Indolfi G. Prevention of vertical transmission of hepatitis B virus infection. World J Gastroenterol. 2021 Jul 14;27(26):4182-4193. doi: 10.3748/wjg.v27.i26.4182. PMID: 34326618; PMCID: PMC8311536.

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

WHO: Hepatitis B, 2021. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-b

8.1.3. Hepatitis-C-Virus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie Hepatitis-C-Virus/ Hepacivirus/Flaviviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Hepatitis-C-Virus
Abkürzung HCV
Erkrankung Hepatitis C
Epidemiologie Verbreitung Weltweit Roudot-Thoraval, 2021; WHO, 2021
Varianten 7 Genotypen, regional unterschiedlich

> 60 Subtypen mit Bildung von neuen Varianten (Quasispezies)

Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Häufig: Blut (kontaminierte Kanülen, i.v.-Drogengebrauch, Piercing, Tätowierung)

Selten: Speichel, Genitalsekrete (Sexualverkehr)

RKI-Ratgeber Hepatitis C Dibba et al., 2018; Money et al., 2014;

Delotte et al., 2014

Inkubationszeit 2 - 8 Wochen, selten bis 6 Monate
Pränatale/perinatale Übertragung geringes Übertragungsrisiko:

ca. 1 - 6 %

bei HIV-Koinfektion: bis 14%

Übertragung durch Stillen Sehr selten. Übertragung in der Muttermilch: nicht beschrieben. Bei hoher Viruslast sind Übertragungen durch Blut bei Verletzungen der Brustwarze nicht völlig auszuschließen
Durchseuchung (weltweit) Persistierende Infektion (HCV-RNA positiv): 0,3 - 0,8%, sehr große regionale Unterschiede WHO, 2021
Durchseuchung (Deutschland) Meldezahlen:
  • 2019: 5.954 Infektionen
  • 2020: 4.571 Infektionen
  • 2021: 4733 Infektionen

Prävalenz:

Erwachsene (18 - 79 Jahre) abgelaufene Infektion: 0,2 - 1,9%

Akute/chronische Infektion: 0,2 - 0,4%

Risikogruppen

Akute/chronische Infektion: i.v.-Drogengebrauch: 23 - 54 %

HIV-Infizierte: 8 - 30 % Gefängnisinsassen: 8,6 - 17,6 %
Migrationshintergrund: 0,7 - 1,9 %

https://survstat.rki.de; Sperle et al., 2020;

Bremer et al., 2016;

Schulte et al., 2009;

Jansen et al, 2015;

Reuter et al., 2011

Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion 75 - 80 % asymptomatisch oder un- spezifische grippeähnliche Symptome Zimmermann et al., 2017; RKI-Ratgeber Hepatitis C
Häufige Symptome Mild verlaufende Leberentzündung, Müdigkeit, Leistungsminderung Gelbfärbung von Haut/Augäpfel, Urin: < 25 %
Seltene Symptome Juckreiz, Gelenkbeschwerden
Bei Schwangeren Kein erhöhtes Risiko für schweren Verlauf; Symptomatik wie bei Erwachsenen
Bei Feten Nach fetaler Infektion Fetopathien sind nicht beschrieben
Bei Neugeborenen Nach fetaler/perinataler Infektion Meist asymptomatisch, Spätfolgen: Verzögerte neurologische Entwicklung Yoles et al., 2021
Persistierende Infektion Möglich Bei Erwachsenen: 60 - 85%

Bei Neugeborenen mit fetaler/perinataler Infektion: > 80 %

Zimmermann et al., 2017; RKI-Ratgeber Hepatitis C
Symptome Müdigkeit, unspezifische Oberbauchbeschwerden, Leistungsminderung
Spätfolgen Leberzirrhose: 10 - 20 % Leberzellkarzinom: 2 - 4 % Gefäßentzündungen, Sjögren-Syndrom, Glomerulonephritis Schott et al., 2001
Reinfektion Möglich Ja Lombardi et al., 2019
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung Nicht verfügbar
Postexpositionsprophylaxe Nicht etabliert
Hygiene Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln. TRBA 100
TRBA 250
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Nicht etabliert
Verhinderung der perinatalen Übertragung Nicht etabliert
Therapie Antivirale Chemotherapie Verfügbar (Kombinationstherapie: Polymerase-, Protease-, NS5A-Inhibitoren) Peiffer and Zeuzem, 2022; Gitto et al., 2021; Epstein and Espinoase, 2021; Zimmermann et al., 2017
Rechtliches/
Mutterschutz/
Arbeitsschutz
Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositionsrisiko (Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Körperausscheidungen oder Körpergewebe kommen kann) einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln.

Verwendung von stichsicheren Systemen, sichere Entsorgung kontaminierter scharfer oder spitzer Gegenstände. Persönliche Schutzausrüstung.

MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 3(**)
Meldepflicht nach IfSG Namentlich bei Erstnachweis der akuten oder chronischen Infektion oder Tod.
ArbMedVV Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe

Literatur:

Bremer V, Cai W, Gassowski M, Haußig J, Marcus U, Nielsen S, et al. Drogen und chronische Infektionskrankheiten in Deutschland - DRUCK-Studie; Infektions- und Verhaltenssurvey bei injizierenden Drogengebrauchenden in Deutschland - Abschlussbericht: 01.02.2016. Robert Koch-Institut; (2016)

Delotte J, Barjoan EM, Berrébi A, Laffont C, Benos P, Pradier C, Bongain A; ALHICE study group. Obstetric management does not influence vertical transmission of HCV infection: results of

the ALHICE group study. J Matern Fetal Neonatal Med. 2014 May;27(7):664-70. doi: 10.3109/14767058.2013.829813. Epub 2013 Aug 23. PMID: 23971940.

Dibba P, Cholankeril R, Li AA, Patel M, Fayek M, Dibble C, Okpara N, Hines A, Ahmed A. Hepatitis C in Pregnancy. Diseases. 2018 Apr 27;6(2):31. doi: 10.3390/diseases6020031. PMID: 29702563; PMCID: PMC6023348.

Epstein RL, Espinosa C. Hepatitis C Virus in Neonates and Infants. Clin Perinatol. 2021 Jun;48(2):343-357. doi: 10.1016/j.clp.2021.03.007. PMID: 34030818.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Gitto S, Cursaro C, Bartoli A, Margotti M, Andreone P. Hepatitis C: clinical management and debated issues. Minerva Med. 2021 Apr;112(2):228-237. doi: 10.23736/S0026-4806.20.07208-0. Epub 2020 Dec 15. PMID: 33319975.

ICTV: https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/positive-sense-rna-viruses/w/flaviviridae/362/genus-hepacivirus

Jansen K, Thamm M, Bock CT, Scheufele R, Kücherer C, Muenstermann D, et al. . High prevalence and high incidence of coinfection with hepatitis B, hepatitis C, and syphilis and low rate of effective vaccination against hepatitis B in HIV-positive men who have sex with men with known date of HIV seroconversion in Germany. PLoS ONE. (2015) 10:e0142515.10.1371/journal.pone.0142515

Lombardi A, Mondelli MU; ESCMID Study Group for Viral Hepatitis (ESGVH). Hepatitis C: Is eradication possible? Liver Int. 2019 Mar;39(3):416-426. doi: 10.1111/liv.14011. Epub 2019 Jan 10. PMID: 30472772.

Money D, Boucoiran I, Wagner E, Dobson S, Kennedy A, Lohn Z, Krajden M, Yoshida EM. Obstetrical and neonatal outcomes among women infected with hepatitis C and their infants. J Obstet Gynaecol Can. 2014 Sep;36(9):785-794. doi: 10.1016/S1701-2163(15)30480-1. PMID: 25222357.

Peiffer KH, Zeuzem S. Behandlung von Hepatitis-C-Infektionen im Zeitalter direkt wirkender antiviraler Medikamente (DAAs) [Treatment of hepatitis C infections in the era of direct-acting antivirals (DAAs)]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2022 Jan 10:1-8. German. doi: 10.1007/s00103-021-03481-z. Epub ahead of print. PMID: 35006288; PMCID: PMC8744052.

Reuter S, Oette M, Wilhelm FC, Beggel B, Kaiser R, Balduin M, Schweitzer F, Verheyen J, Adams O, Lengauer T, Fätkenheuer G, Pfister H, Häussinger D. Prevalence and characteristics of hepatitis B and C virus infections in treatment-naïve HIV-infected patients. Med Microbiol Immunol. 2011 Feb;200(1):39-49. doi: 10.1007/s00430-010-0172-z. Epub 2010 Sep 19. Erratum in: Med Microbiol Immunol. 2011 Feb;200(1):51. PMID: 20853118.

RKI-Ratgeber Hepatitis C.

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HepatitisC/HepatitisC.html;jsessionid=29B28C8A4F4A5BFE769BE3E11A1A7BF0.internet051?cms_box=1&tcms_current=Hepatitis+C&tcms_lv2=2389780

Roudot-Thoraval F. Epidemiology of hepatitis C virus infection. Clin Res Hepatol Gastroenterol. 2021 May;45(3):101596. doi: 10.1016/j.clinre.2020.101596. Epub 2021 Feb 17. PMID: 33610022.

Schott P, Hartmann H, Ramadori G. Hepatitis C virus-associated mixed cryoglobulinemia. Clinical manifestations, histopathological changes, mechanisms of cryoprecipitation and options of treatment. Histol Histopathol. 2001 Oct;16(4):1275-85. doi: 10.14670/HH-16.1275. PMID: 11642746.

Schulte B, Stöver H, Thane K, Schreiter C, Gansefort D, Reimer J. Substitution treatment and HCV/HIV-infection in a sample of 31 German prisons for sentenced inmates. Int J Prison Health. 2009;5(1):39-44. doi: 10.1080/17449200802692144. PMID: 25758928.

Sperle I, Steffen G, Leendertz SA, Sarma N, Beermann S, Thamm R, Simeonova Y, Cornberg M, Wedemeyer H, Bremer V, Zimmermann R, Dudareva S. Prevalence of Hepatitis B, C, and D in Germany: Results From a Scoping Review. Front Public Health. 2020 Aug 28;8:424. doi: 10.3389/fpubh.2020.00424. PMID: 33014960; PMCID: PMC7493659.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Ser-vice/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

WHO, 2021. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-c

Yoles I, Sheiner E, Abu-Freha N, Wainstock T. Maternal hepatitis B or C carrier status and long-term risk for offspring neurological morbidity: a population-based cohort study. J Dev Orig Health Dis. 2021 Jan 21:1-5. doi: 10.1017/S2040174420001397. Epub ahead of print. PMID: 33472720.

Zimmermann et al. AWMF-S3-Leitlinie 021-012, 2017. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virusinfektion. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-012.html

8.1.4. Herpes-simplex-Viren

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie Humanes Alphaherpesvirus 1, 2/Simplexvirus/ Alphaherpesvirinae/Herpesviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Herpes simplex-Virus 1, 2
Abkürzung HSV-1, 2, HuAHV-1, 2, HHV-1, 2
Erkrankung Kinder/Erwachsene:

Akute Infektion:

Gingivostomatitis aphthosa; Rekurrenz: Herpes labialis, Herpes genitalis,

Feten: kongenitale Herpes-simplex-Infektion Neugeborene: Herpes neonatorum

Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten Zwei unterscheidbare Spezies (HSV-1 und HSV-2)
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Tröpfcheninfektion/Aerosole (Speichel, Genitalsekrete, Bläscheninhalt), Schmierinfektion, direkter Haut-/Schleimhautkontakt RKI Ratgeber Herpesinfektionen
Pränatale Übertragung Transplanzentare Übertragung
Perinatale Übertragung transplazentar aszendierend oder Tröpfchen-/ Kontaktinfektion bei Herpes genitalis durch akute Infektion zum Zeitpunkt der Geburt
Neonatale Übertragung Tröpfchen-/Kontaktinfektion bei Herpes labialis bei Kontaktpersonen
Übertragung durch Stillen Muttermilch: keine Transmission; bei akuten Herpesbläschen an der Brustwarze ist Übertragung möglich
Durchseuchung (weltweit) HSV-1: Bevölkerung 0 - 49 Jahre: 67 %

Höchste Seroprävalenz in Ländern Afrika, Südostasien, Region West-Pazifik

Looker et al., 2015
Durchseuchung (Deutschland) Seroprävalenz: HSV-1:

< 25 Jahre: 40 - 60 %

25 - 34 Jahre: 60 - 70 %

35 - 44 Jahre: 70 - 80

% HSV-2:

> 18 Jahre: ca 10 %

Woestenberg et al., 2016; Korr et al., 2017
Inkubationszeit Allgemein: 1 - 12 Tage

Bei perinataler Übertragung: 1 - 5 Tage (ZNS-Symptomatik: 2 - 3 Wochen)

Akute Infektion/
Primärinfektion
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische
Infektion
Häufig RKI-Ratgeber Herpes-Infektionen
Häufige Symptome HSV-1: Herpes labialis (Bläschenbildung an der Eintrittspforte: Lippen, Mundschleimhaut), Gingivostomatitis aphthosa, Herpes genitalis

HSV-2: Herpes genitalis,
Vulvovaginitis herpetica

Seltene Symptome/ Komplikationen Hepatitis, Entzündungen der Augenhornhaut, Meningitis, Enzephalitis Rozenberg rt al., 2011, Chávez et al., 2021
Bei Schwangeren Erkrankungsverlauf ähnlich wie bei Kindern, Erwachsenen
Bei Feten Bei akuter Infektion der Schwangeren in SSW 1-20 selten: kongenitale Infektion (Einzelfallberichte); Fehlbildungen

sind nicht belegt

Pichler et al., 2015, Marquez et al., 2011
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Neonatale Symptome Hautläsionen, Augenerkrankungen, neurologische Erkrankungen Bhatta et al., 2018
Bei Neugeborenen nach perinataler/ neonataler Infektion Bei Herpes genitalis der Schwangeren zum Zeitpunkt der Geburt: perinatale Übertragung; bei Her- pes labialis der Mutter, Familienmitglieder, Kontaktpersonen: neo-/postnatale Übertragung Herpes neoatorum

In Deutschland selten (Prävalenz: 2,3/100.000 Lebendgeburten; Mortalität: 0,13/100.000 Lebendgeburten)

Fernandez et al., 2021; Kidszun et al., 2022
Symptome Trinkschwäche, graue Haut, Fieber; Übergang zu lokalisierten Haut-/ Schleimhaut-Läsionen, Erkrankung des Auges, ZNS-Beteiligung, disseminierte systemische Infektion Boyd et al., 2022; Maqsood et al., 2020
Viruslatenz Nach der akuten Infektion lebenslange Latenz in den Trigeminus-, Ciliarganglien (HSV-1) bzw. Sakralganglien (HSV-2)
Sekundärinfektionen
Rekurrenz/ Reaktivierung Erwachsene/Schwangere
Erkrankung Herpes labialis, Herpes
genitalis
Auftreten Nach individuell unterschiedlichen Auslösern: UV-Licht, Fieber, Medikamente, Stress
Symptome Bläschenbildung an Lippen, Mund-/Genitalschleimhaut
Komplikationen Meningitis, Entzündungen der Augenhornhaut
Feten/Neugeborene
Auftreten Transplazentare Transmission und fetale Infektion sowie perinatale Transmission und Erkrankung bei Neugeborenen sind bei HSV-Reaktiverungen während der Schwangerschaft nicht beschrieben
Reinfektion Kinder/Erwachsene/Schwangere
Auftreten Autoinokulation durch Verbreitung von Bläscheninhalt auf andere Haut-/Schleimhautbereiche
Symptome Bläschenbildung
Feten/Neugeborene
Auftreten Transplazentare Transmission und fetale Infektion sowie perinatale Transmission und Erkrankung bei Neugeborenen sind bei HSV-Reinfektionen während der Schwangerschaft nicht beschrieben
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung Nicht verfügbar
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam; Kontaktvermeidung zu Personen mit Herpesbläschen
Verhinderung der
transplazentaren/perinatalen Übertragung
Bei Primärinfektion der Schwangeren: Antivirale Prophylaxe mit Aciclovir
Therapie Antivirale Chemotherapie Aciclovir Pittet et al., 2021
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang im Labor Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene; Kontaktvermeidung seronegativer Schwangerer/Stillender zu Personen mit floriden Herpesbläschen MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur

Bhatta AK, Keyal U, Liu Y, Gellen E. Vertikale Übertragung des Herpes-simplex-Virus: eine Aktualisierung. J Dtsch Dermatol Ges. 2018 Jun;16(6):685-693. doi: 10.1111/ddg.13529_g. PMID: 29873927.

Boyd RL, Ward R, Kasman LM. Herpes Simplex Neonatorum. 2021 Jul 25. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. PMID: 29261969.

Chávez SM, Poniachik JM, Urzua ÁM, Roblero JP, Cattaneo MJ, Jimenez AP, Carreño LE, Cornejo RA. Acute liver failure due to herpes simplex virus: diagnostic clues and potential role of plasmapheresis: A case report. Medicine (Baltimore). 2021 Sep 3;100(35):e27139. doi: 10.1097/MD.0000000000027139. PMID: 34477166; PMCID: PMC8416005.

Fernandes ND, Arya K, Ward R. Congenital Herpes Simplex. 2021 Dec 17. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. PMID: 29939674.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

ICTV, https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/herpesviridae

Kidszun A, Bruns A, Schreiner D, Tippmann S, Winter J, Pokora RM, Urschitz MS, Mildenberger E. Characteristics of neonatal herpes simplex virus infections in Germany: results of a 2-year prospective nationwide surveillance study. Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed. 2022 Mar;107(2):188-192. doi: 10.1136/archdischild-2021-321940. Epub 2021 Jul 13. PMID: 34257101.

Korr, G., M. Thamm, I. Czogiel, C. Poethko-Mueller, V. Bremer, and K. Jansen, Decreasing seroprevalence of herpes simplex virus type 1 and type 2 in Germany leaves many people susceptible to genital infection: time to raise awareness and enhance control. BMC Infect Dis, 2017. 17(1): p. 471.

Looker KJ, Magaret AS, May MT, Turner KM, Vickerman P, Gottlieb SL, Newman LM. Global and Regional Estimates of Prevalent and Incident Herpes Simplex Virus Type 1 Infections in 2012. PLoS One. 2015 Oct 28;10(10):e0140765. doi: 10.1371/journal.pone.0140765. PMID: 26510007; PMCID: PMC4624804.

Marquez, L., M.L. Levy, F.M. Munoz, and D.L. Palazzi, A report of three cases and review of intrauterine herpes simplex virus infection. Pediatr Infect Dis J, 2011. 30(2): p. 153-157.

Maqsood N, Mahmood U. Herpes simplex ophthalmia neonatorum: a sight-threatening diagnosis. Br J Gen Pract. 2020 Oct 1;70(699):513-514. doi: 10.3399/bjgp20X712973. PMID: 33004377; PMCID: PMC7518920.

Pichler, M., A. Staffler, N. Bonometti, H. Messner, J. Deluca, T. Thuile, R. Kluge, et al., Premature newborns with fatal intrauterine herpes simplex virus-1 infection: first report of twins and review of the literature. J Eur Acad Dermatol Venereol, 2015. 29(6): p. 1216-1220.

Pittet LF, Curtis N. Postnatal Exposure to Herpes Simplex Virus: To Treat or Not to Treat? Pediatr Infect Dis J. 2021 May 1;40(5S):S16-S21. doi: 10.1097/INF.0000000000002846. PMID: 32773663.

RKI-Ratgeber Herpes-Infektionen
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Rozenberg F, Deback C, Agut H. Herpes simplex encephalitis : from virus to therapy. Infect Disord Drug Targets. 2011 Jun;11(3):235-50. doi: 10.2174/187152611795768088. PMID: 21488834.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Woestenberg, P.J., J.H. Tjhie, H.E. de Melker, F.R. van der Klis, J.E. van Bergen, M.A. van der Sande, and B.H. van Benthem, Herpes simplex virus type 1 and type 2 in the Netherlands: seroprevalence, risk factors and changes during a 12-year period. BMC Infect Dis, 2016. 16: p. 364.

8.1.5. Humane Immundefizienzviren (HIV)

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie/Gattung Human immunodeficiency virus/Lentivirus/Orthoretro virinae/Retroviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Humane Immundefizienzviren
Abkürzung HIV
Erkrankung AIDS:

Erworbene Immunschwäche

Epidemiologie Verbreitung Weltweit; Hochprävalenzregionen: Subsahara-Afrika, Süd-/ Südostasien WHO, 2021
Varianten 2 Spezies: HIV-1 und HIV-2, HIV-1:
Untergruppen M, N, O, P Untergruppe M: Subtypen A-D, F-H, J, K;
HIV-2:
Untergruppen A-H); Bildung zahlreicher Varianten/Quasispezies, regional unterschiedlich verbreitet
Vorkommen/Wirte Mensch
Inkubationszeit 2 - 10 Wochen
Postnatale Übertragung Blut (Nadelstichverletzungen, i.v.-Drogengebrauch etc.), Genitalsekrete (Sexualverkehr); Bertolli et al., 1996; Simonon et al., 1994; The Working Group on Mother-to-Child Transmission of HIV, 1995
Pränatale Übertragung Transplazentar: 20 - 30 %, bei nicht therapierten Schwangeren
Perinatale Übertragung 50 - 65 %, bei nicht therapierten Schwangeren, abhängig von der Höhe der Viruslast der Schwangeren bei Geburt
Übertragung durch Stillen Muttermilch und Blut bei Verletzungen an der Brust (10 - 20 %, bei nicht therapierten Müttern)
Vertikale Übertragung (Deutschland) < 10 Mutter-Kind-Übertragungen im Jahr 2020 an der Heiden et al., 2021
Durchseuchung (weltweit) HIV-Prävalenz: ca. 0,48 % 37,7 Mio.

HIV-Infizierte mit sehr großen regionalen Unterschieden

WHO, 2021
Durchseuchung (Deutschland) HIV-Prävalenz 2020 (geschätzt) Gesamtbevölkerung: 0,09 %

Männer: 0,17 %

Frauen: 0,04 %

Meldezahlen Deutschland:

  • 2019: 3664 Infektionen
  • 2020: 2902 Infektionen
  • 2021: 1826 Meldungen (01-10)
an der Heiden et al., 2021; Epidemiologisches Bulletin 31/2021
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Ca. 50 % der Infektionen RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS;

Markus et al., 2021

Symptome retrovirales Syndrom; Fieber, grippeähnliche Symptome, Lymphknotenschwellung. Mononukleose-ähnlich

Ein symptomfreies Stadium der HIV-Infektion kann weniger als 12 Monate bis 10 Jahre dauern.

Bei Schwangeren Bei akuter Infektion ähnlicher Erkrankungsverlauf wie bei Nichtschwangeren Harris and Yudin, 2020; Behrers, Haberl et al., 2020;
Bei Feten Keine Fetopathien
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion AIDS
nach perinataler Infektion AIDS
Persistierende Infektion Obligat lebenslange Persistenz durch Integration des Virusgenoms in die chromosomale DNA des Wirtes; Folge: AIDS-kennzeichnende Erkrankungen. Symptome: vielfältig, meist chronische und zunehmend schwer verlaufende Erkrankungen durch opportunistische Infektionen und Tumorerkrankungen aufgrund der Schädigung der Immunabwehr, unspezifische Störungen des Allgemeinbefindens, Haut- und Schleimhaut-Veränderungen, gastrointestinale Beschwerden. Komplikationen durch die ausgeprägten und irreversiblen Störungen der zellulären Immunabwehr. RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS;
Markus et al., 2021
Spätfolgen AIDS, lebensbedrohliche opportunistische Infektionen und Tumorerkrankungen
Symptome/Schwangere Wie bei anderen Infizierten
Zweitinfektion Möglich Ko-/Überinfektion mit alternativen Subtypen/Varianten
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung Nicht verfügbar
Postexpositionsprophylaxe Etabliert und verfügbar
Hygiene Basishygiene

Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln.

Ausschließliche Verwendung von Einmalinstrumenten bei medizinischen/ ärztlichen Maßnahmen und beim Piercing oder Tätowieren! Safer Sex!

Bei infizierten Familienmitgliedern keine gemeinsame Verwendung von Artikeln für die Körperhygiene!

TRBA 100

TRBA 250

Verhinderung der intrauterinen/ transplazentaren Übertragung Screening: HIV- Antikörpertest im 1. Trimenon; Beginn der antiretroviralen Chemotherapie so rasch wie möglich, spätestens zu Beginn des 2. Trimenons. Bei fachgerechter Durchführung der erforderlichen Maßnahmen kann eine Übertragung in über 99 % der Fälle verhindert werden. Mutterschafts-Richtlinien;
Behrers, Haberl et al., 2020;
Van de Perre et al., 2021
Verhinderung der perinatalen Übertragung Antiretrovirale Therapie der Mutter,

Sectio caesarea bei hoher Viruslast,

Antiretrovirale Prophylaxe beim Neugeborenen

Van de Perre et a., 2021
Therapie Antivirale Chemotherapie Antiretrovirale Chemotherapie (HAART) ist etabliert; in Deutschland bekommen ca 95% der HIV-Infizierten entsprechende Chemotherapie.

Für HIV-positive Schwangere gelten die Behandlungsindikationen wie für nicht schwangere Erwachsene

Markus et al., 2021
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositionsrisiko, einschließlich Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko Basishygiene, Hände- und Flächendesinfektion mit begrenzt viruziden oder viruziden Desinfektionsmitteln, Verwendung von stichsicheren Systemen, soweit verfügbar, sichere Entsorgung kontaminierter scharfer oder spitzer Gegenstände, persönliche Schutzausrüstung. MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 3 (**)
Meldepflicht nach IfSG Nichtnamentlich direkter oder indirekter HIV-Nachweis (Erstdiagnose)

Literatur:

An der Heiden M, Marcus U, Kollan C, Schmidt D, Gunsenheimer-Bartmeyer B, Bremer V: Schätzung der Zahl der HIV-Neuinfektionen und der Gesamtzahl von Menschen mit HIV in Deutschland, Stand Ende 2020. Epid Bull 2021;47:3 -17 | DOI 10.25646/930

Behrens G, Haberl A et al., AWMF-S2k-Leitlinie 055-02, 2020. Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055-002.html

Bertolli J, St Louis ME, Simonds RJ, Nieburg P, Kamenga M, Brown C, Tarande M, Quinn T, Ou CY. Estimating the timing of mother-to-child transmission of human immunodeficiency virus in a breast-feeding population in Kinshasa, Zaire. J Infect Dis. 1996 Oct;174(4):722-6.

Epidemiologisches Bulletin 31/2021_ HIV-Jahresbericht 2019-2020. Robert-Koch-Institut

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Harris K, Yudin MH. HIV Infection in Pregnant Women: A 2020 Update. Prenat Diagn. 2020 Dec;40(13):1715-1721. doi: 10.1002/pd.5769. Epub 2020 Jul 20. PMID: 33405240.

ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/reverse-transcribing-dna-and-rna-viruses/w/retroviridae

Markus et al. AWMF-S2k-Leitlinie 055-01, 2021. Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/055-001.html

Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung ("Mutterschafts-Richtlinien") in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 16. September 2021, in Kraft getreten am 1. Januar 2022

RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS;
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv_aids.html;jsessionid=93497BB8D022ACEA2FF7CD6526EFE21A.internet071?cms_box=1&cms_current=HIV+%28AIDS%29&cms_lv2=2747670

Simonon A, Lepage P, Karita E, Hitimana DG, Dabis F, Msellati P, Van Goethem C, Nsengumuremyi F, Bazubagira A, Van de Perre P. An assessment of the timing of mother-to-child transmission of human immunodeficiency virus type 1 by means of polymerase chain reaction. J Acquir Immune Defic Syndr. 1994 Sep;7(9):952-7.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

The Working Group on Mother-to-Child Transmission of HIV. Rates of mother-to-child transmission of HIV-1 in Africa, America, and Europe: results from 13 perinatal studies. The Working Group on Mother-To-Child Transmission of HIV. J Acquir Immune Defic Syndr Hum Retrovirol. 1995 Apr;8(5):506-10.

Van de Perre P, Goga A, Ngandu N, Nagot N, Moodley D, King R, Molès JP, Mosqueira B, Chirinda W, Scarlatti G, Tylleskär T, Dabis F, Gray G. Eliminating postnatal HIV transmission in high incidence areas: need for complementary biomedical interventions. Lancet. 2021 Apr 3;397(10281):1316-1324. doi: 10.1016/S0140-6736(21)00570-5. PMID: 33812490.

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

WHO, 2021. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hiv-aids

8.1.6. Influenzaviren

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie Influenza A-Virus/ Alphainfluenzavirus/ Influenza B-Virus/ Betainfluenzavirus/ Influenza C-Virus/ Gammainfluenzavirus/ Orthomyxoviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Influenzavirus (klassisches Grippevirus)
Abkürzung FLUAV/FLUBV/FLUCV
Erkrankung Neugeborene/Kinder/ Erwachsene: klassische Virusgrippe, Influenza Peteranderl et al., 2016: Zaraket et al., 2021;

Malainou und Herold, 2019

Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten FLUAV H1-H16 (Endemie, Epidemie, Pandemie) FLUBV: keine Subtypen (Endemie)

FLUCV: keine Subtypen, sehr selten

RKI-Ratgeber Influenza
Vorkommen/Wirte Mensch, Wildvögel, Zuchtgeflügel, Schweine, Pferde
Postnatale Übertragung Tröpfcheninfektion (Speichel), Kontaktinfektion, Schmierinfektion über kontaminierte Flächen
Pränatale Übertragung Nicht beschrieben
Perinatale Übertragung Nicht beschrieben
Neo/postnatale Übertragung Tröpfcheninfektion bei akuter Influenza der Schwangeren zum Geburtszeitpunkt bzw. der Mutter, Familienangehörigen, Kontaktpersonen
Übertragung durch Stillen Übertragung durch Muttermilch ist nicht beschrieben
Inzidenz (weltweit) Hoch

Humane FLUAV-Subtypen H1, H3: weltweit in der Bevölkerung verbreitet, Subtypen H1-H16 in Wildvögeln, hochpathogene Subtypen H5, H7, H9 in Zuchtgeflügel (bei Kontakt mit infizierten Vögeln sind Übertragungen und schwere Erkrankungen bei Menschen möglich)

WHO
Inzidenz (Deutschland) Abhängig von den jeweiligen wintersaisonalen Epidemien, unterschiedlich hoch Ge- meldete Influenzavirus-Infektionen

2019: 133.480 Meldungen

2020: 194.712 Meldungen

2021: 1.113 Meldungen

Van Kerkhove et al., 2013; King et al., 2021; https://survstat.rki.de
Inkubationszeit 1 - 4 Tage
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Möglich
Häufige Symptome Fieber > 39,5 °C, Kopf-/ Gliederschmerzen, trockener Husten
Komplikationen Pneumonie (viral oder durch bakterielle Überinfektion), Myositis, Myokarditis, Otitis media, Enzephalitis
Bei Schwangeren (2.)- 3. Trimenon Erhöhte Rate für schwere Verläufe mit Pneumonie, Enzephalitis, Tod Vousden und Knight, 2021
Bei Feten bei akuter Infektion der Schwangeren 1. (- 2.) Trimenon Erhöhte Abortrate; Frühgeburtlichkeit Fraglicher Zusammenhang mit Neuralrohrdefekten bei hochfieberhafter Influenza im ersten Trimester durch immunologische Abwehrreaktionen CDC, 2011; He et al., 2017;

Luteijn et al., 2014;

Wang et al., 2014

Bei neonataler Infektion (Neugeborene) 0 - 6 Monate Virusgrippe, hohes Risiko für Komplikationen (Enzephalitis) bei Neugeborenen nicht geimpfter Mütter Lietz et al., 2016;
Reinfektion Wiederholte Infektion mit saisonalen FLUAV-Subtypen aufeinanderfolgender Winterepidemien ist regelmäßig möglich
Prävention Impfung Ja, Totimpfstoffe; gegen saisonale FLUAV-Subtypen und FLUBV gemäß STIKO-Empfehlung Adeyanju et al., 2021; Nypaver et al., 2021;
Passive Immunisierung Nicht verfügbar
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam
Therapie Antivirale Chemotherapie Möglich (Hemmstoffe der Neuraminidase) Jefferson et al., 2014
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit Viren in Labor, Forschung, Arbeitsstätten Persönliche Schutzausrüstung, Mund-/ Nasenschutz; Kontrolle der Impfdokumente, Impfung gegen saisonale Subtypen entsprechend STIKO-Empfehlung. Befristetes Beschäftigungsverbot für Schwangere bei saisonalen Ausbrüchen in Kinderbetreuungseinrichtungen (< 6-Jährige), erhöhtes Infektionsrisiko für Tätige im Gesundheitswesen ist nicht beschrieben MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2/3
Meldepflicht nach IfSG Ja
ArbMedVV Ggf. Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe in Forschungseinrichtungen oder Laboratorien bei regelmäßigen Tätigkeiten mit Kontaktmöglichkeit zu infizierten Proben oder Verdachtsproben

Literatur

Adeyanju GC, Engel E, Koch L, Ranzinger T, Shahid IBM, Head MG, Eitze S, Betsch C. Determinants of influenza vaccine hesitancy among pregnant women in Europe: a systematic review. Eur J Med Res. 2021 Sep 28;26(1):116. doi: 10.1186/s40001-021-00584-w. PMID: 34583779; PMCID: PMC8477621.

centers for Disease Control and Prevention (CDC), Maternal and infant outcomes among severely ill pregnant and postpartum women with 2009 pandemic influenza A (H1N1)--United States, April 2009-August 2010. MMWR Morb Mortal Wkly Rep, 2011. 60(35): p. 1193-1196.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

He, J., Z.W. Liu, Y.P. Lu, T.Y. Li, X.J. Liang, P.C. Arck, S.M. Huang, et al., A Systematic Review and Meta-Analysis of Influenza A Virus Infection During Pregnancy Associated with an Increased Risk for Stillbirth and Low Birth Weight. Kidney Blood Press Res, 2017. 42(2): p. 232-243.

ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv 9th report/negative-sense-rna-viruses-2011/w/negrna_viruses/209/orthomyxoviridae

Jefferson T, Jones M, Doshi P, Spencer EA, Onakpoya I, Heneghan CJ. Oseltamivir for influenza in adults and children: systematic review of clinical study reports and summary of regulatory comments. BMJ. 2014 Apr 9;348:g2545. doi: 10.1136/bmj.g2545. PMID: 24811411; PMCID: PMC3981975.

King J, Harder T, Conraths FJ, Beer M, Pohlmann A. The genetics of highly pathogenic avian influenza viruses of subtype H5 in Germany, 2006-2020. Transbound Emerg Dis. 2021 May;68(3):1136-1150. doi: 10.1111/tbed.13843. Epub 2020 Sep 29. PMID: 32964686.

Lietz J, Westermann C, Nienhaus A, Schablon A. The Occupational Risk of Influenza A (H1N1) Infection among Healthcare Personnel during the 2009 Pandemic: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. PLoS One. 2016 Aug 31;11(8):e0162061. doi: 10.1371/journal.pone.0162061. PMID: 27579923; PMCID: PMC5006982.

Luteijn, J.M., M.J. Brown, and H. Dolk, Influenza and congenital anomalies: a systematic review and meta-analysis. Hum Reprod, 2014. 29(4): p. 809-823.

Malainou C, Herold S. Influenza [Influenza]. Internist (Berl). 2019 Nov;60(11):1127-1135. German. doi: 10.1007/s00108-019-00670-6. PMID: 31478058.

Nypaver C, Dehlinger C, Carter C. Influenza and Influenza Vaccine: A Review. J Midwifery Womens Health. 2021 Jan;66(1):45-53. doi: 10.1111/jmwh.13203. Epub 2021 Feb 1. PMID: 33522695; PMCID: PMC8014756.

Peteranderl C, Herold S, Schmoldt C. Human Influenza Virus Infections. Semin Respir Crit Care Med. 2016 Aug;37(4):487-500. doi: 10.1055/s-0036-1584801. Epub 2016 Aug 3. PMID: 27486731; PMCID: PMC7174870.

RKI-Ratgeber Influenza
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/Influenza.html;jsessionid=0E096BA6E50EAB3F732751FD411ECB96.internet082?cms_box=1&cms_current=Influenza&cms_lv2=2961756

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Van Kerkhove MD, Hirve S, Koukounari A, Mounts AW; H1N1pdm serology working group. Estimating age-specific cumulative incidence for the 2009 influenza pandemic: a meta-analysis of A(H1N1)pdm09 serological studies from 19 countries. Influenza Other Respir Viruses. 2013 Sep;7(5):872-86. doi: 10.1111/irv.12074. Epub 2013 Jan 21. PMID: 23331969; PMCID: PMC5781221.

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

Vousden N, Knight M. Lessons learned from the A (H1N1) influenza pandemic. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. 2021 Oct;76:41-52. doi: 10.1016/j.bpobgyn.2020.08.006. Epub 2020 Oct 12. PMID: 33144076; PMCID: PMC7550184.

Wang, M., Z.P. Wang, R. Gong, and Z.T. Zhao, Maternal flu or fever, medications use in the first trimester and the risk for neural tube defects: a hospital-based case-control study in China. Childs Nerv Syst, 2014. 30(4): p. 665671.

WHO. https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/influenza-(seasonal)

Zaraket H, Hurt AC, Clinch B, Barr I, Lee N. Burden of influenza B virus infection and considerations for clinical management. Antiviral Res. 2021 Jan;185:104970. doi: 10.1016/j.antiviral.2020.104970. E-pub 2020 Nov 5. PMID: 33159999.

8.1.7. Lymphozytäres Choriomeningitisvirus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie Lymphocytic choriomeningitis mammarenavirus/Mammarenavirus/ Arenaviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Lymphozytäres Choriomeningitisvirus (Lymphocytic choriomeningitis virus)
Abkürzung LCMV
Erkrankung Kinder/Erwachsene: Lymphozytäre Choriomeningitis
("Hamsterkrankheit")
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten Serologisch einheitlich, vier genetisch unterscheidbare Linien mit regional unterschiedlicher Verbreitung
Vorkommen/Wirte Natürliche Wirte: Mäuse, insbesondere Wildfänge; lebenslange Virusausscheidung

Akzidentelle Wirte: Goldhamster, Chinchilla, Meerschweinchen, Ratten, Primaten, Mensch; Virusausscheidung bei akuter Infektion: 2 - 3 Wochen

Postnatale Übertragung Zoonose; Bisse, direkter Kontakt zu Nagetieren und deren Ausscheidungsprodukte (Urin, Kot, Speichel), Einatmen von mit Urin, Kot kontaminierten Staub;

Keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Übertragung durch Stillen Nein
Pränatale Übertragung Transplazentar, bei akuter Infektion der Schwangeren
Perinatale Übertragung Nicht beschrieben, theoretisch möglich bei akuter Infektion zum Geburtszeitpunkt
Durchseuchung (weltweit) Erwachsene: 1 - 5(- 35) %, regional unterschiedlich Schwangere: 3,9 % (Kroatien); Keine Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung beschrieben Fevola et al., 2018, Lledó et al., 2003,
Kallio-Kokko et al., 2006,
Vilibic-Cavlek et al., 2021b
Durchseuchung (Deutschland) Seroprävalenz (geschätzt): 1 - 5 %
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Häufig
Häufige Symptome Fieber, grippeähnliche Symptome, Kopf-/Gliederschmerzen
Komplikationen Sehr selten: aseptische Meningitis, Meningoenzephalitis
Bei Schwangeren Gesamte Schwangerschaft Häufig asymptomatisch Ähnlich wie bei Kindern und Erwachsenen
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
Infektion der Schwangeren in SSW 1-15 Abort,

Fetopathie bei bis zu 87 % der Fälle

Anderson et al., 2014,
Enders et al., 1999
Symptome Infektion des zentralen Nervensystems, fetale Hautödeme, Hydrocephalus, Mikrocephalie, Hydrops fetalis,

Totgeburt

Barton and Mets 2001, Delaine et al., 2017, Vilibic-Cavlek et al., 2021a, Bonthius, 2012
Auftreten der Symptome Mitunter verzögert bis SSW 28
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Spätfolgen Bleibende neurologische und körperliche Entwicklungsstörungen (70 %) Chorioretinitis, Blindheit

Mortalität: ca. 35 %

El Feghaly and Hunstad, 2013
Reinfektion Bei Immungesunden nicht beschrieben
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung Nicht verfügbar
Hygiene Mundschutz und Händehygiene bei Kontakt zu Nagetieren, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht verfügbar
Rechtliches / Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, Arbeitsstätten Persönliche

Schutzausrüstung, Basishygiene

Schwangere Tierärztinnen, Tierpflegerinnen tierärztliche Fachangestellte etc. mit häufigem Kontakt zu Nagetieren: Kontaktvermeidung bis SSW 16

MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 120
TRBA 260
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein
ArbMedVV Bestimmung des Immunstatus (LCMV-IgG) bei beruflichen Kontakten zu Nagetieren, insbesondere Wildmäusen

Literatur:

Anderson J.L., Levy P.T., Leonard K.B., Smyser C.D., Tychsen L., Cole F. Sessions. Congenital lymphocytic choriomeningitis virus: When to consider the diagnosis. J. Child. Neurol. 2014;29:837-842. doi: 10.1177/0883073813486295.

Barton L.L., Mets M.B. Congenital lymphocytic choriomeningitis virus infection: Decade of rediscovery. Clin. Infect. Dis. 2001;33:370-374. doi: 10.1086/321897.

Bonthius DJ. Lymphocytic choriomeningitis virus: an underrecognized cause of neurologic disease in the fetus, child, and adult. Semin Pediatr Neurol. 2012 Sep;19(3):89-95. doi: 10.1016/j.spen.2012.02.002. PMID: 22889536; PMCID: PMC4256959.

Delaine M., Weingertner A.-S., Nougairede A., Lepiller Q., Fafi-Kremer S., Favre R., Charrel R. Microcephaly caused by lymphocytic choriomeningitis virus. Emerg. Infect. Dis. 2017;23:15481550. doi: 10.3201/eid2309.170775.

El Feghaly R.E., Hunstad D.A. A newborn with hydrops, hydrocephalus, and ophthalmologic abnormalities. J. Pediatr. Infect. Dis. Soc. 2013;2:391-393. doi: 10.1093/jpids/pit047.

Enders G., Varho-Göbel M., Löhler J., Terletskaia-Ladwig E., Eggers M. Congenital lymphocytic choriomeningitis virus infection: An underdiagnosed disease. Pediatr. Infect. Dis. J. 1999;18:652-655. doi: 10.1097/00006454-199907000-00020.

Fevola C., Kuivanen S., Smura T., Vaheri A., Kallio-Kokko H., Hauffe H.C., Vapalahti O., Jääskeläinen A.J. Seroprevalence of lymphocytic choriomeningitis virus and Ljungan virus in Finnish patients with suspected neurological infections. J. Med. Virol. 2018;90:429-435. doi: 10.1002/jmv.24966.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictvonlinereport/negative-sense-rna-viruses/w/arena-viridae

Kallio-Kokko H., Laakkonen J., Rizzoli A., Tagliapietra V., Cattadori I., Perkins S.E., Hudson P.J., Cristofolini A., Versini W., Vapalahti O., et al. Hantavirus and arenavirus antibody prevalence in rodents and humans in Trentino, Northern Italy. Epidemiol. Infect. 2006;134:830-836. doi: 10.1017/S0950268805005431.

Lledó L., Gegúndez M.I., Saz J.V., Bahamontes N., Beltrán M. Lymphocytic choriomeningitis virus infection in a province of Spain: Analysis of sera from the general population and wild rodents. J. Med. Virol. 2003;70:273-275. doi: 10.1002/jmv.10389.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 120 Versuchstierhaltung

TRBA 260 Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in der Veterinärmedizin und bei vergleichbaren Tätigkeiten

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

Vilibic-Cavlek T., Oreski T., Korva M., Kolaric B., Stevanovic V., Zidovec-Lepej S., Tabain I., Jelicic P., Miklausic-Pavic B., Savic V., et al. Prevalence and risk factors for lymphocytic choriomeningitis virus infection in continental Croatian regions. Trop. Med. Infect. Dis. 2021b;6:67. doi: 10.3390/tropicalmed6020067.

Vilibic-Cavlek T, Savic V, Ferenc T, Mrzljak A, Barbic L, Bogdanic M, Stevanovic V, Tabain I, Ferencak I, Zidovec-Lepej S. Lymphocytic Choriomeningitis-Emerging Trends of a Neglected Virus: A Narrative Review. Trop Med Infect Dis. 2021a May 25;6(2):88. doi: 10.3390/tropical-med6020088. PMID: 34070581; PMCID: PMC8163193.

8.1.8. Masernvirus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/Virusfamilie Morbillivirus measles virus/Morbillivirus/Orthopa ramyxovirinae/ Paramyxoviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Masernvirus (Measles Virus, Measles-Morbillivirus)
Abkürzung MV
Erkrankung Kinder/Erwachsene: Masern Neugeborene/Kleinkinder: Subakute sklerosierende Panencephalitis (SSPE)
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten Serologisch einheitlich; 8 Stämme (clades A-H) mit 24 unterscheidbaren Genotypen mit regional unterschiedlicher Verbreitung
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Tröpfcheninfektion (Speichel, Nasensekret), direkter Kontakt
Pränatale Übertragung Sehr selten,
Einzelfallberichte
Cruzado et al., 2002; Hanft et al. 2021, Charlier et al., 2021,
Bansal and Hameed, 2019
Perinatale Übertragung Bei akuten Masern der Schwangeren zum Geburtszeitpunkt, hohes Risiko für SSPE
Durchseuchung (weltweit) Aufgrund der Impfprogramme treten Masern in Ländern mit etablierten Impfprogramen nur noch selten auf; die Eliminierung der Masern ist dort fast erreicht. WHO
Durchseuchung (Deutschland) Seroprävalenz:

Kinder (1 - 2 Jahre): 60 %
Kinder (3 - 17 Jahre): > 90 % Erwachsene (< 55 Jahre): < 90 %

Erwachsene (> 55 Jahre): > 97 %

Schwangere: > 95 %

Fälle:

2019: 514 Meldungen

2020: 76 Meldungen

2021: 6
Meldungen Impfraten Schuleingangsuntersuchung 2019:

1. Dosis: 97,3 %; 2. Dosis: 93,1 %
Aufgrund der verpflichtenden Masernimpfung sind zunehmend weiter ansteigende Impfraten bzw. die Eliminierung der Masern zu erwarten.

Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, 2011, 2012; Riek et al., 2021, Friedrich et al., 2021,

Matysiak-Klose D, et al, 2021 https://survstat.rki.de

Akute
Infektion
Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Nicht beschrieben
Häufige Symptome Fieber > 38,5 °C, Schnupfen, Husten, Konjunktivitis, makulopapulöses Exanthem, Koplik'sche Flecken
Komplikationen Otitis media, Pneumonie, Enzephalitis
Bei Schwangeren (2. -) 3. Trimenon Erhöhte Komplikationsrate: Pneumonie, Hepatitis, Enzephalitis Atmar et al., 1992; Congera et al., 2020
Bei Feten Symptome Fetopathie nicht beschrieben; keine signifikant erhöhte Abortrate Ornoy and Tenenbaum, 2006
Bei Neugeborenen
nach perinataler Infektion
Symptome Masern Yoshida et al., 2011, Congera et al., 2020
Spätfolgen Bei ungeschützten Neugeborenen: sehr hohes Risiko für SSPE im Kleinkindalter
Persistierende Infektion Nach perinataler Infektion Bei ungeschützten Neugeborenen: sehr hohes Risiko für SSPE im Kleinkindalter
Reinfektion Bei Immungesunden nicht beschrieben, sehr selten
Prävention Impfung Ja, attenuierter Lebendimpfstoff (MMR, MMRV) gemäß Masernschutzgesetz und STIKO-Empfehlung
Passive Immunisierung Bei Exposition ungeschützter Schwangerer und bei Neugeborenen von Frauen mit akuter Infektion bei Geburt: Standard-Immunglobulin: einmalig i.v. 400 mg/kg Körpergewicht, innerhalb von 6 Tagen nach Exposition
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam, Kontaktvermeidung zu Infizierten
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht möglich
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz In Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Menschen und in Einrichtungen zur vorschulischen Betreuung von Kindern: Tätigkeiten mit regelmäßigem direkten Kontakt zu Kindern, Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, Arbeitsstätten Kontrolle der Impfdokumente, Impfung Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene MuSchG

ArbSchG

ArbMedVV

BioStoffV

TRBA 100

TRBA 250

TRBA 400

TRBA 500

Masernschutzgesetz, 2020

Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Ja
Impfpflicht Impfpflicht für nach 1970 Geborene in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Hospitälern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen
ArbMedVV Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe

Literatur

Atmar, R.L., J.A. Englund, and H. Hammill, Complications of measles during pregnancy. Clin Infect Dis, 1992. 14(1): p. 217-226.

Bansal J, Hameed A. Measles in pregnancy. BMJ Case Rep. 2019 May 9;12(5):e228781. doi: 10.1136/bcr-2018-228781. PMID: 31076492; PMCID: PMC6536234.

Charlier C, Dina J, Freymuth F, Vabret A, Lortholary O, Antona D, Lecuit M. Prolonged Maternal Shedding and Maternal-fetal Transmission of Measles Virus. Clin Infect Dis. 2021 May 4;72(9):1631-1634. doi: 10.1093/cid/ciaa915. PMID: 32614433.

Congera P, Maraolo AE, Parente S, Schiano Moriello N, Bianco V, Tosone G. Measles in pregnant women: A systematic review of clinical outcomes and a meta-analysis of antibodies seroprevalence. J Infect. 2020 Feb;80(2):152-160. doi: 10.1016/j.jinf.2019.12.012. Epub 2019 Dec 28. PMID: 31891729.

Cruzado, D., V. Masserey-Spicher, L. Roux, J. Delavelle, F. Picard, and C.A. Haenggeli, Early onset and rapidly progressive subacute sclerosing panencephalitis after congenital measles infection. Eur J Pediatr, 2002. 161(8): p. 438441.

Friedrich N, Poethko-Müller C, Kuhnert R, Matysiak-Klose D, Koch J, Wichmann O, Santibanez S, Mankertz A. Seroprevalence of Measles-, Mumps-, and Rubella-specific antibodies in the German adult population - cross-sectional analysis of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). Lancet Reg Health Eur. 2021 Jun 5;7:100128. doi: 10.1016/j.lanepe.2021.100128. PMID: 34557838; PMCID: PMC8454806.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention (Masernschutzgesetz), 2020 http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl120s0148.pdf

Hanft E, Brachio S, Messina M, Zachariah P, Sutton D, Goffman D, Pike J, Covington L, Graham KA, Crouch B, Adams E, Ahmad N, Rausch-Phung E, Southwick K, Bryant P, Fuschino M, Khandekar A, Kulas K, Saiman L. Congenital Measles in a Premature 25-week Gestation Infant. Pediatr Infect Dis J. 2021 Aug 1;40(8):753-755. doi: 10.1097/INF.0000000000003152. PMID: 34250975.

ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictvonlinereport/negative-sense-rna-viruses/w/paramyxoviridae

Matysiak-Klose D, et al., Stand der Elimination der Masern und Röteln in Deutschland - erste erfreuliche Ergebnisse erzielt. Epid Bull 2021. 15:3-7

Ornoy, A. and A. Tenenbaum, Pregnancy outcome following infections by coxsackie, echo, measles, mumps, hepatitis, polio and encephalitis viruses. Reprod Toxicol, 2006. 21(4): p. 446-457.

Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, Sero-epidemiology of measles-specific IgG antibodies and predictive factors for low or missing titres in a German population-based cross-sectional study in children and adolescents (KiGGS). Vaccine, 2011. 29(45): p. 7949-7959.

Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, Seroprevalence of measles-, mumps- and rubella-specific IgG antibodies in German children and adolescents and predictors for seronegativity. PLoS One, 2012. 7(8): p. e42867.

Rieck T, Feig M, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)

http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

Yoshida, M., H. Matsuda, and K. Furuya, Two cases of measles in pregnant women immediately preceding delivery (case reports). Clin Exp Obstet Gynecol, 2011. 38(2): p. 177-179.

WHO. 2021 https://www.who.int/health-topics/measles#tab=tab_1

8.1.9. Papillomavirus (juvenile Larynxpapillomatose)

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Spezies/Gattung/Unterfamilie/Virusfamilie Alphapapillomavirus 10/ Alphapapillomavirus/ Firstpapillomavirinae/ Papillomaviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Papillomavirus Typ 6, 11 und weitere
Abkürzung HPV-6, HPV-11
Erkrankung Erwachsene: Genitalwarzen, Condylomata acuminata Säuglinge, Kinder: Larynxpapillomatose, Recurrent Respiratory Papillomatosis (RRP) Donne et al., 2010, Gross et al., 2017, Benedict et al., 2021
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten Zur Spezies Alphapapillomavirus zählen neben HPV-6/HPV-11 einige weitere Typen, regional unterschiedlich verbreitet
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Sexualverkehr, Hautkontakte
Pränatale Übertragung Nicht beschrieben
Perinatale/neonatale Übertragung Durch Kontakt des Kindes mit Genitalwarzen der Mutter während des Geburtsvorgangs
Übertragung durch Stillen Nein
Inzidenz (weltweit, Erwachsene) 160 - 289 Infektionen/ 100.000 Personen/Jahr Patel et al., 2013; Tyros et al., 2021
Inzidenz (Deutschland, Erwachsene) Geschätzt haben 5 - 10 % der Bevölkerung ein Risiko, während ihres Lebens mit HPV-6 oder HPV-11 infiziert zu werden Kraut et al.,2010
Inzidenz Larynxpapillomatose (Kinder) 4,3 Infektionen /100.000 Kinder/Jahr El-Naggar et al., 2017
Inkubationszeit Bei Kindern mehrere Monate bis Jahre
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische
Infektion
Selten, kleine Läsionen sind u.U. nicht erkennbar
Symptome Schleimhautläsionen, Genitalwarzen, Papeln, gutartige Tumoren
Bei Schwangeren Genitalwarzen ähnlich wie bei Erwachsenen
Bei Feten bei akuter Infektion der Schwangeren Pränatale Übertragung und/oder Erkrankung nicht beschrieben
Bei Neugeborenen nach perinataler Übertragung Warzen-/Papelbildung in Schleimhaut von Mund, Larynx, Ösophagus, auf Stimmbändern, gutartige Tumoren
Reinfektion Wiederholte Infektion, vor allem durch Verbreitung der Viren von der Oberfläche existierender Hautläsionen auf andere Bereiche der Haut (Autoinokulation)
Prävention Impfung Verfügbar, rekombinant produzierte virusähnliche Partikel Goldstone und Vuocolo, 2021, Tejada et al., 2017, Gross et al., 2020
Passive Immunisierung Nicht verfügbar
Hygiene Desinfektion mit viruziden Mitteln ist wirksam (im Schleimhautbereichen nicht einsetzbar!)
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht verfügbar
Symptomatische Therapie Erwachsene: entsprechend der AWMF-Leitlinie 082008, z.B. lokale Aktivierung der unspezifischen Immunantwort (TLR- Aktivierung (Imiquimod); chirurgische Entfernung Kinder (Larynxpapillomatose):

Chirurgische Entfernung

Gross et al., 2017
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, Laser- und Elektrochirurgie in Proktologie/Urologie/ Gynäkologie/HNO Persönliche
Schutzausrüstung;
Impfangebot
MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
TRGS 525
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 25
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

1.1. Literatur:

Benedict JJ, Derkay CS. Recurrent respiratory papillomatosis: A 2020 perspective. Laryngoscope Investig Otolaryngol. 2021 Mar 13;6(2):340-345. doi: 10.1002/lio2.545. PMID: 33869767; PMCID: PMC8035938.

Donne AJ, Hampson L, Homer JJ, Hampson IN. The role of HPV type in Recurrent Respiratory Papillomatosis. Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 2010 Jan;74(1):7-14. doi: 10.1016/j.ijporl.2009.09.004. Epub 2009 Oct 1. PMID: 19800138.

El-Naggar AK, Chan JK, Grandis JR, Takashi T, Slootweg PJ, eds. (2017). "Tumours of the Hypopharynx, Larynx, Trachea and Parapharyngeal Space". World Health Organization Classification of Head and Neck Tumours. Lyon: International Agency for Research on Cancer. pp. 93-95. ISBN 9789283224389

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Goldstone SE, Vuocolo S. A prophylactic quadrivalent vaccine for the prevention of infection and disease related to HPV-6, -11, -16 and -18. Expert Rev Vaccines. 2012 Apr;11(4):395-406. doi: 10.1586/erv.12.20. PMID: 22551023.

Gross et al., AWMF-Leitlinie 082-008. HPV-assoziierte Läsionen der äußeren Genitoanalregion und des Anus - Genitalwarzen und Krebsvorstufen der Vulva, des Penis und der peri- und intraanalen Haut. 2017. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/082-008.html

Gross et al., AWMF-Leitlinie 082-002. Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien. 2020. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/082-002.html

ICTV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/papillomaviridae#Biology

Kraut AA, Schink T, Schulze-Rath R, Mikolajczyk RT, Garbe E. Incidence of anogenital warts in Germany: a population-based cohort study. BMC Infect Dis. 2010 Dec 23;10:360. doi: 10.1186/1471-2334-10-360. PMID: 21182757; PMCID: PMC3022833.

Patel, H, Wagner, M, Singhal, P, et al. Systematic review of the incidence and prevalence of genital warts. BMC Infect Dis 2013; 13: 39.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien
TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)

TRGS 525 Gefahrstoffe in Einrichtungen der medizinischen Versorgung

Tejada RA, Vargas KG, Benites-Zapata V, Mezones-Holguín E, Bolaños-Díaz R, Hernandez AV. Human papillomavirus vaccine efficacy in the prevention of anogenital warts: systematic review and meta-analysis. Salud Publica Mex. 2017 Jan-Feb;59(1):84-94. doi: 10.21149/7824. PMID: 28423114.

Tyros G, Mastraftsi S, Gregoriou S, Nicolaidou E. Incidence of anogenital warts: epidemiological risk factors and real-life impact of human papillomavirus vaccination. Int J STD AIDS. 2021

Jan;32(1):4-13. doi: 10.1177/0956462420958577. Epub 2020 Nov 9. PMID: 33167803.

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Ser-vice/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

8.1.10. Parechovirus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Virusfamilie Parechovirus A/

Parechovirus/Picornaviridae

ICTV
Allgemein üblicher Name Humane Parechoviren
Abkürzung HPeV
Erkrankung Kinder/Erwachsene: Sommergrippe, Gastroenteritis, Hand-FußMundkrankheit
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten 18 Virustypen (HPeV 1-18)
Vorkommen/Wirte Mensch
Inkubationszeit 1 - 12 Tage Strenger et al., 2014
Postnatale Übertragung Schmierinfektion (fäkal-oral), mit Stuhl kontaminierte Lebensmittel, Tröpfcheninfektion (oral-oral, in der frühen Infektions-/ Erkrankungsphase)
Pränatale Übertragung Nicht beschrieben
Perinatale Übertragung Schmierinfektion (fäkal-oral) bei Parechovirus-Infektion der Schwangeren etwa eine Woche vor bis eine Woche nach Geburt
Übertragung durch Stillen Nicht beschrieben
Durchseuchung (weltweit) Vermutlich hoch, insbesondere in tropischen/subtropischen Regionen
Durchseuchung (Deutschland) Keine Daten verfügbar
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische
Infektion
Vermutlich häufig, genaue Zahlen nicht bekannt.
Häufige Symptome Fieber, Diarrhoe, Erbrechen, grippeähnliche Symptome, Exanthem, Konjunktivitis
Komplikationen Aseptische Meningitis, Enzephalitis, schlaffe Lähmung, Myokarditis, Perikardidtis
Bei Schwangeren Gesamte Schwangerschaft Ähnlich wie bei Kindern und Erwachsenen
Bei perinataler Infektion von Neugeborenen Neonatale Symptome Neonatale Sepsis (vor allem HPeV-3)

Fieber, Exanthem, Gastroenteritis, aseptische Meningitis/Enzephalitis

Harik and DeBiasi, 2018, Aizawa et al., 2017, Britton et al., 2018
Spätfolgen Verzögerte neurologische Entwicklungsstörungen Britton et al., 2020
Persistierende Infektion Nicht beschrieben
Reinfektion Keine Daten verfügbar
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung Standard-Immunglobulinpräparate (off-label use zur Verhinderung perinataler Übertragungen)
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit viruziden Mitteln ist wirksam
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht verfügbar Wildenbeest et al., 2010
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, an Arbeitsstätten Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene; erhöhtes Infektionsrisiko für bestimmte Berufsgruppen oder Arbeitsstätten/ Einrichtungen ist bei epidemischen Ausbrüchen nicht beschrieben. Für Schwangere bzw. Neugeborene stellen Infektionen in der Spätschwangerschaft, insbesondere während des Zeitraums der Geburt (1 - 2 Wochen vor und nach der Geburt) ein erhöhtes Risiko dar. MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur:

Aizawa Y, Izumita R, Saitoh A. Human parechovirus type 3 infection: An emerging infection in neonates and young infants. J Infect Chemother. 2017 Jul;23(7):419-426. doi: 10.1016/j.jiac.2017.04.009. Epub 2017 May 13. PMID: 28511987.

Britton PN, Jones CA, Macartney K, Cheng AC. Parechovirus: an important emerging infection in young infants. Med J Aust. 2018 May 7;208(8):365-369. doi: 10.5694/mja18.00149. PMID: 29716506.

Britton PN, Walker K, McMullan B, Galea C, Burrell R, Morgan B, Honan I, Teutsch S, Smithers-Sheedy H, Fairbairn N, Mattick R, Hutchinson D, Jones CA. Early Life Parechovirus Infection Neurodevelopmental Outcomes at 3 Years: A Cohort Study. J Pediatr. 2020 Apr;219:111-117.e1. doi: 10.1016/j.jpeds.2019.12.026. Epub 2020 Jan 28. PMID: 32005541.

Harik N, DeBiasi RL. Neonatal nonpolio enterovirus and parechovirus infections. Semin Perinatol. 2018 Apr;42(3):191-197. doi: 10.1053/j.semperi.2018.02.007. Epub 2018 Mar 9. PMID: 29526382.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

ICTV.
https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/positive-sense-rna-viruses/w/picornaviridae/693/genus-parechovirus

Strenger, V., S. Diedrich, S. Boettcher, S. Richter, P. Maritschnegg, D. Gangl, S. Fuchs, et al., Nosocomial Outbreak of Parechovirus 3 Infection among Newborns, Austria, 2014. Emerg Infect Dis, 2016. 22(9): p. 1631-1634

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Wildenbeest JG, Harvala H, Pajkrt D, Wolthers KC. The need for treatment against human parechoviruses: how, why and when? Expert Rev Anti Infect Ther. 2010 Dec;8(12):1417-29. doi: 10.1586/eri.10.130. PMID: 21133666.

8.1.11. Parvovirus B19

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Virusfamilie Primate Erythroparvovirus 1/ Parvoviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Humanes Parvovirus B19
Abkürzung B19V
Erkrankung Ringelröteln, fifth disease
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten 1 Serotyp

3 Genotypen (regional unterschiedlich)

Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Aerosole, Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion durch Speichel/Blut von akut infizierten Personen; iatrogen durch Blut/Blutprodukte Young and Brown 2004
Inkubationszeit 1 - 2 Wochen
Pränatale Übertragung Transplazentar bei akuter Infektion der Schwangeren
Übertragung durch Stillen Nicht beschrieben
Durchseuchung (weltweit) Bis zu > 90 %, bei regionalen Unterschieden
Durchseuchung (Deutschland) Kinder: 50 %

Jugendliche: 65 %

Erwachsene: 70 %

Senioreninnen und Senioren: > 80 %

Schwangere: 70-72 %

Röhrer et al., 2008; Reinheimer et al., 2010
Akute Infektion Verlauf
Kinder, Erwachsene Asymptomatische Infektion Ja, häufig
Häufige Symptome Leichtes Fieber, Exanthem (Ringelröteln), transiente Anämie, Gliederschmerzen Enders et al., 2007; Lehmann et al., 2003; Servant-Delmas und Morinet, 2016; Mende und Sockel, 2018
Seltene Symptome Thrombopenie, Arthritis, Myokarditis
Bei Schwangeren Gesamte Schwangerschaft: meist asymptomatische, mild verlaufende Infektion
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
Präkonzeptionelle Infektion Fetale Erkrankung nicht beschrieben
Infektion der Schwangeren in SSW 1-20 SSW 1 - 10: Abort (um 5 - 6 % erhöht bei infizierten Schwangeren)

SSW 6 - 20: bei bis zu 30 % der Infektion von Schwangeren: Transplazentare Übertragung und fetale Infektion (ab GA Woche 14). Folgen bei bis zu 10 %: Fetale Anämie; selten: Thrombopenie, Hydrops fetalis, fetale Myokarditis.

Ornoy und Ergaz, 2017; Gigi und Anumba, 2021; Enders et al.,2008; Lamont et al., 2011 Attwood et al., 2020
Infektion der Schwangeren in SSW 21-Geburt Intrauterine Übertragung und fetale Infektion, fetale Erkrankung nicht beschrieben
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Bei schwerer fetaler Anämie/ Hydrops fetalis: Neurologische Entwicklungsstörungen Russcher et al., 2020;

von Kaisenberg und Jonat, 2001;

Dijkmans et al., 2012; deJong

nach perinataler Infektion Meist ohne erkennbare Symptome
Persistierende Infektion Selten beschrieben bei Immungesunden, gehäuft bei Schwangeren Immunsupprimierten niederlastige Virämie mehrere Monate bis Jahre nach akuter Infektion
Symptome/Schwangere Nicht beschrieben
Symptome/Fetus Nicht beschrieben
Reinfektion Möglich
Symptome/Schwangere Nicht beschreiben
Symptome/Fetus Nicht beschrieben
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Hygiene Viruzide Desinfektionsmittel
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Nicht verfügbar
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht verfügbar
Symptomatische Therapie Erythrocytotentransfusion Bei Schwangeren: nicht angezeigt

Bei Feten: ja, über die Nabelschnurvene ab GA Woche 14-16, bei diagnostizierter fetaler Anämie (Doppler-Sonographie)

Attwood et al., 2020; de Jong et al., 2006
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit den Erregern in Labor, Forschung, an Arbeitsstätten Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene.

Bei Seronegativität: Alternative Tätigkeit oder befristetes Beschäftigungsverbot in SSW 1 - 20 bei Betreuung/Kontakt von Kindern unter 6 Jahren

MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur

Attwood LO, Holmes NE, Hui L. Identification and management of congenital parvovirus B19 infection. Prenat Diagn. 2020 Dec;40(13):1722-1731. Doi: 10.1002/pd.5819. Epub 2020 Sep 30. PMID: 32860469.

De Jong EP, de Haan TR, Kroes AC, Beersma MF, Oepkes D, Walther FJ. Parvovirus B19 infection in pregnancy. J Clin Virol. 2006 May;36(1):1-7. Doi: 10.1016/j.jcv.2006.01.004. Epub 2006 Feb 20. Erratum in: J Clin Virol. 2007 Feb;38(2):188. PMID: 16488187.

Dijkmans AC, de Jong EP, Dijkmans BA, Lopriore E, Vossen A, Walther FJ, Oepkes D. Parvovirus B19 in pregnancy: prenatal diagnosis and management of fetal complications. Curr Opin Obstet Gynecol. 2012 Mar;24(2):95-101. Doi: 10.1097/GCO.0b013e3283505a9d. PMID: 22249146.

Enders M, Weidner A, Enders G. Current epidemiological aspects of human parvovirus B19 infection during pregnancy and childhood in the western part of Germany. Epidemiol Infect. 2007 May;135(4):563-9. Doi: 10.1017/S095026880600731X. Epub 2006 Oct 26. PMID: 17064457; PMCID: PMC2870617.

Enders M, Weidner A, Rosenthal T, Baisch C, Hedman L, Söderlund- Venermo M, Hedman K. Improved diagnosis of gestational parvovirus B19 infection at the time of nonimmune fetal

hydrops. J Infect Dis. 2008 Jan 1;197(1):58-62. Doi: 10.1086/524302. PMID: 18171285.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Gigi CE, Anumba DOC. Parvovirus B19 infection in pregnancy - A review. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2021 Sep;264:358-362. Doi: 10.1016/j.ejogrb.2021.07.046. Epub 2021 Jul 28. PMID: 34391051.

ICTV.
https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/ssdna-viruses/w/parvoviridae/1044/genus-erythroparvovirus

Lamont RF, Sobel JD, Vaisbuch E, Kusanovic JP, Mazaki-Tovi S, Kim SK, Uldbjerg N, Romero R. Parvovirus B19 infection in human pregnancy. BJOG. 2011 Jan;118(2):175-86. doi: 10.1111/j.1471-0528.2010.02749.x. Epub 2010 Oct 13. PMID: 21040396; PMCID: PMC3059196.

Lehmann HW, Knöll A, Küster RM, Modrow S. Frequent infection with a viral pathogen, parvovirus B19, in rheumatic diseases of childhood. Arthritis Rheum. 2003 Jun;48(6):1631-8. doi: 10.1002/art.10979. PMID: 12794831.

Mende M, Sockel K. Parvovirus B19 Infection. N Engl J Med. 2018 Dec 13;379(24):2361. doi: 10.1056/NEJMicm1807156. PMID: 30575471.

Ornoy A, Ergaz Z. Parvovirus B19 infection during pregnancy and risks to the fetus. Birth Defects Res. 2017 Mar 15;109(5):311-323. doi: 10.1002/bdra.23588. PMID: 28398685.

Röhrer C, Gärtner B, Sauerbrei A, Böhm S, Hottenträger B, Raab U, Thierfelder W, Wutzler P, Modrow S. Seroprevalence of parvovirus B19 in the German population. Epidemiol Infect. 2008 Nov;136(11):1564-75. doi: 10.1017/S0950268807009958. Epub 2008 Jan 16. PMID: 18198003; PMCID: PMC2870752.

Reinheimer C, Allwinn R, Doerr HW, Wittek M. Seroepidemiology of parvovirus B19 in the Frankfurt am Main area, Germany: evaluation of risk factors. Infection. 2010 Oct;38(5):381-5. doi: 10.1007/s15010-010-0035-y. Epub 2010 Jun 17. PMID: 20556472.

Russcher A, Enders A, de Brouwer CS, Oepkes D, Hahn R, Enders M, Kroes ACM, Vossen ACTM. Diagnosis of intrauterine parvovirus B19 infection at birth - Value of DNA detection in neonatal blood and dried blood spots. J Clin Virol. 2020 Aug;129:104482. doi: 10.1016/j.jcv.2020.104482. Epub 2020 Jun 2. PMID: 32559661.

Servant-Delmas A, Morinet F. Update of the human parvovirus B19 biology. Transfus Clin Biol. 2016 Feb;23(1):5-12. doi: 10.1016/j.tracli.2015.11.006. Epub 2016 Jan 6. PMID: 26778837.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

von Kaisenberg CS, Jonat W. Fetal parvovirus B19 infection. Ultrasound Obstet Gynecol. 2001 Sep;18(3):280-8. doi: 10.1046/j.1469-0705.2001.00471.x. PMID: 11555463.

Young NS, Brown KE. Parvovirus B19. N Engl J Med. 2004 Feb 5;350(6):586-97. doi: 10.1056/NEJMra030840. PMID: 14762186.

8.1.12. Rötelnvirus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Virusfamilie Rubivirus rubellae/ Matonaviridae
Allgemein üblicher Name Rötelnvirus (Rubellavirus, German Measles Virus)
Abkürzung RuV
Erkrankung Kinder/Erwachsene: Röteln (Rubeola, Rubella), Feten: kongenitales Rötelnsyndrom (CRS)
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten Serologisch einheitlich; 13 unterscheidbare Genotypen mit regional unterschiedlicher Verbreitung sind beschrieben
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Tröpfcheninfektion/ Aerosole (Speichel, Urin)
Pränatale Übertragung Transplanzentare Übertragung,

im Verlauf der Schwangerschaft ansteigende Übertragungsrate von 30 - 90 %

Übertragung durch Stillen Nicht beschrieben
Durchseuchung (weltweit) Aufgrund der Impfprogramme gelten Röteln auf dem amerikanischen Kontinent und vielen west-/ nordeuropäischen Länder als eliminiert, endemische Übertragungen werden nicht mehr berichtet. WHO
Durchseuchung (Deutschland) Seroprävalenz:

Kinder (1 - 2 Jahre): 78 %

Kinder (3 - 17 Jahre): > 90%

Schwangere: > 95%

Impfraten Schuleingangsuntersuchung 2019:

1. Dosis: 97%;

2. Dosis: 92,6%

Akute Röteln/Meldungen: 2019: 10 Fälle

2020: 7 Fälle

2021: 4 Fälle

Konnatales Rötelnsyndrom: 2018 - 2021: kein Fall Aufgrund der verpflichtenden Masernimpfung sind zunehmend weiter ansteigende Impfraten zu erwarten. Die Eliminierung der endemischen Röteln in Deutschland wurde 2021 von der WHO anerkannt.

Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, 2012; Enders et al. 2013

Riek et al., 2021

Matysiak-Klose D, et al, 2021 https://survstat.rki.de

Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Sehr häufig, bis zu 50 % der Infektionen RKI-Ratgeber Röteln
Häufige Symptome Makulopapulöses Exanthem, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Katarrh der oberen Atemwege, Konjunktivitis
Seltene Symptome Arthritis/Arthralgie, okzipitale/retroaurikuläre Lymphadenopathie
Bei Schwangeren Ähnlich wie bei Kindern/Erwachsenen, häufig asymptomatisch
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
Präkonzeptionelle Infektion (-1/2 Wochen) und Infektion der Schwangeren in SSW 1-12 Fetopathie 70 - 90 % der Infektionsfälle
Infektion der Schwangeren in SSW 13-20 Fetopathie < 18 % der Infektionsfälle
Symptome Abort, Totgeburt

Gregg Syndrom mit Fehlbildungen an Herz (persistierender Ductus Botalli, Aortenstenose), Auge (Katarakt, Glaukom, Retinopathie) und Ohr (Ertaubung, Innenohrdefekte)

Best 2007,

Banatvala, and Brown, 2004, De Santis et al, 2006 Edlich et al., 2005

Infektion der Schwangeren in SSW 21-Geburt Neonatale Röteln, Erkrankung ähnlich wie postnatale Röteln bei Kindern und Erwachsenen
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Neonatale Symptome Erweitertes Rötelnsyndrom (Letalität 30 %): Mikrocephalus, geistige Retardierung, geringes Geburtsgewicht, Minderwuchs, Enzephalitis, Hepatosplenomegalie, Pneumonie, Thrombozytopenie, Purpura
Spätmanifestation Spätes Rötelnsyndrom (ab 4./6. Lebensmonat, Letalität 70 %): chronisches Exanthem, Wachstumsstillstand, interstitielle Pneumonie, Hypogammaglobulinämie
Spätfolgen Hörschäden, Krampfleiden, Diabetes, progressive Panenzephalitis
Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion Neonatale Röteln, Erkrankung ähnlich wie postnatale Röteln bei Kindern und Erwachsenen
Persistierende Infektion Nach postnataler Infektion Bei Immungesunden nicht beschrieben
Nach fetaler Infektion Beschrieben bis zu einem Alter von 1 Jahr
Reinfektion Möglich, sehr selten
Symptome/Kinder, Erwachsene Meist asymptomatisch
Symptome/Schwangere Meist asymptomatisch
Symptome/Fetus Transplanzentare Übertragung und fetale Erkrankung sind nicht beschrieben
Prävention Impfung Ja, attenuierter Lebendimpfstoff (MMR, MMRV) gemäß STIKO-Empfehlung
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam, Kontaktvermeidung zu Infizierten
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Nicht möglich
Therapie Antivirale Chemotherapie Nicht möglich
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung, an Arbeitsstätten; in Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Menschen und in Einrichtungen zur vorschulischen Betreuung von Kindern: Tätigkeiten mit regelmäßigem direkten Kontakt zu Kindern Kontrolle der Impfdokumente, Impfung Aufgrund der Eliminierung der Röteln in Deutschland nicht relevant MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Ja
ArbMedVV Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe

Literatur:

Banatvala, J.E. and D.W. Brown, Rubella. Lancet, 2004. 363(9415): p. 1127-1137. Best, J.M., Rubella. Semin Fetal Neonatal Med, 2007. 12(3): p. 182-192.

De Santis, M., A.F. Cavaliere, G. Straface, and A. Caruso, Rubella infection in pregnancy. Reprod Toxicol, 2006. 21(4): p. 390-398.

Edlich, R.F., K.L. Winters, W.B. Long, 3rd, and K.D. Gubler, Rubella and congenital rubella (German measles). J Long Term Eff Med Implants, 2005. 15(3): p. 319-328.

Enders, M., U. Bartelt, F. Knotek, K. Bunn, S. Strobel, K. Dietz, and G. Enders, Performance of the Elecsys Rubella IgG assay in the diagnostic laboratory setting for assessment of immune status. Clin Vaccine Immunol, 2013. 20(3): p. 420-426

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Matysiak-Klose D, et al., Stand der Elimination der Masern und Röteln in Deutschland - erste erfreuliche Ergebnisse erzielt. Epid Bull 2021. 15:3-7

Poethko-Müller, C. and A. Mankertz, Seroprevalence of measles-, mumps- and rubella-specific IgG antibodies in German children and adolescents and predictors for seronegativity. PLoS One, 2012. 7(8): p. e42867.

Rieck T, FeigM, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.

RKI-Ratgber Röteln.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/R/Roeteln/Roeteln.html;jsessionid=DBAC17B619242F028753540795F81BC0.internet061?cms_box=1&cms_current=R%C3%B6teln&cms_lv2=2394072

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV); https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

WHO. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/rubella

8.1.13. Varicella-Zoster-Virus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie Humanes Alphaherpesvirus 3/Simplexvirus/Alphaherpesvirinae/Herpesviridae ITCV
Allgemein üblicher Name Windpockenvirus, Zostervirus, Varizella-Zoster-Virus
Abkürzung VZV, HAHV-3, HHV-3
Erkrankung Kinder/Erwachsene: Windpocken/Zoster (Chicken pox)

Feten: kongenitales Varizellensyndrom Neugeborene: neonatale Varizellen

Epidemiologie Verbreitung Weltweit RKI-Ratgeber Windpocken - Zoster
Varianten Serologisch einheitlich; mehrere Genotypen mit regional unterschiedlicher Verbreitung sind beschrieben
Vorkommen/Wirte Mensch
Inkubationszeit 8 - 21 Tage
Postnatale Übertragung Tröpfcheninfektion/ Aerosole (Speichel, Bläscheninhalt), direkter Kontakt
Pränatale Übertragung Transplanzentare Übertragung
Perinatale Übertragung Transplazentar aszendierend oder Tröpfchen-/ Kontaktinfektion bei Erkrankungsbeginn der Schwangeren 5 Tage vor bis 2 Tage nach Geburt;

hohes Infektionsrisiko (25 - 50 %)

Übertragung durch Stillen Keine Transmission in der Mutter möglich; Übertragung durch akute Bläschen einer an Windpocken erkrankten Mutter an der Brust möglich
Durchseuchung (weltweit) In Ländern mit etablierten Impfprogrammen deutlicher Rückgang der Infektionen. Ohne Impfprogramme: > 96 %
Durchseuchung (Deutschland) Seroprävalenz:

Erwachsene: > 96 %

Schwangere: 94 - 96%

Akute Varizellen/

Windpocken (Meldungen):

2019: 22.628 Fälle

2020: 11.321 Fälle

2021: 5.701 Fälle

Impfraten Schuleingangsuntersuchung 2019:

1. Dosis: 88,9 %

2. Dosis: 85,0 %

Riek et al., 2021 https://survstat.rki.de
Akute Infektion/
Primärinfektion
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Sehr selten Kennedy und Gershon, 2018;

Newman und Jhaveri, 2019

Häufige Symptome Generalisiertes Exanthem und Enanthem mit Bläschenbildung, Fieber
Seltene Symptome/ Komplikationen Varizellenpneumonie, ZNS-Beteiligung
Bei Schwangeren vor allem im letzten Trimenon: schwerer Verlauf der Varizellenpneumonie
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
in SSW 1-21 Fetopathie bei 1 - 2 % der Schwangeren mit akuter VZV-Infektion (Windpocken) Ahn et al., 2016;

Cox et al. 1990;

Bhavsar und Mangat 2021;

Harger et al., 2002;

Nanthakumar MP et al., 2021

Infektion der Schwangeren ab SSW 21 Fetopathie, sehr selten, Einzelfallberichte
Symptome Skelettanomalien, Enzephalitis, Mikrozephalie
Infektion der Schwangeren mit Erkrankungsbeginn 5 Tage vor bis 2 Tage nach Geburt Neonatale Varizellen, verstärktes Exanthem mit meist hämorrhagischen Vesikeln;

Komplikationen: Pneumonie, Glomerulonephritis, Meningoenzephalitis, Myelitis, Hepatitis,

Purpura Schönlein-Henoch; unbehandelt hohe Letalität

Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Neonatale Symptome Kongenitales Varizellen-Syndrom,

segmental angeordnete Hautveränderungen (Narben, Ulzera),

neurologische Schädigungen (Hirnatrophie, Krampfleiden, Paresen),

Augenschäden (Chorioretinits, Katarakt), Skelettanomalien

Blumental und Lepage, 2019
Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion Neonatale Varizellen; hohes Risiko bei perinataler Transmission (Erkrankungsbeginn der Schwangeren 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Geburt), unbehandelt hohe Letalität Blumental und Lepage, 2019
Viruslatenz Nach der akuten Infektion lebenslange Latenz in den Rückenmarksganglien
Sekundärinfektionen
Rekurrenz/ Reaktivierung Erwachsene/Schwangere
Erkrankung Herpes Zoster (Gürtelrose) Nagel et al., 2020
Auftreten Gehäuft ab 50 Jahren
Symptome Unilateral, vesikuläres Exanthem ausgehend von der Wirbelsäule mit akuter Neuritis
Komplikationen Postherpetische Neuralgie, Beteiligung der Sinnesorgane, ZNS-Infektion, Nervenlähmung, Disseminierung
Feten
Transplazentare Transmission und fetale Infektion bei Gürtelrose während der Schwangerschaft Nicht beschrieben
Neugeborene
Infektion/Erkrankung bei Gürtelrose der Mutter zum Geburtstermin Nicht beschrieben
Reinfektion Kinder/Erwachsene/Schwangere
Auftreten Möglich, sehr selten, transplazentare Übertragungen sind nicht beschrieben
Symptome Meist asymptomatisch bei gestörter zellulärer Immunantwort (Stammzelltransplantation): Zweitvarizellen
Prävention Impfung Attenuierter Lebendimpfstoff (V, MMRV) gemäß STIKO-Empfehlung; kontraindiziert während der Schwangerschaft
Passive Immunisierung Varicella-Zoster-Immunglobulin bei Kontakt seronegativer Schwangerer mit Windpocken/Gürtelrose-Patienten
Hygiene Händehygiene, Desinfektion mit begrenzt viruziden und viruziden Mitteln ist wirksam; bei Seronegativität: Kontaktvermeidung zu Windpocken- und Gürtelrose-Patienten
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Immunglobulin
Therapie Antivirale Chemotherapie Schwangere, Neugeborene: Acyclovir, Valacyclovir, Famciclovir (off-label use), Neugeborene: Passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Immunglobulin Nanthakumar MP et al., 2021
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz In Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Kindern und in Einrichtungen zur vorschulischen Betreuung von Kindern;

Umgang mit dem Erreger in Labor, Forschung an Arbeitsstätten

Persönliche Schutzausrüstung, Basishygiene; Kontrolle der Impfdokumente, Angebot der Impfung bei Nichtgeimpften; Kontaktvermeidung seronegativer Schwangerer zu Windpocken- / Gürtelrose-Patienten MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Ja
ArbMedVV Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe

Literatur:

Ahn, K.H., Y.J. Park, S.C. Hong, E.H. Lee, J.S. Lee, M.J. Oh, and H.J. Kim, Congenital varicella syndrome: A systematic review. J Obstet Gynaecol, 2016. 36(5): p. 563-566.

Bhavsar S, Mangat C. Congenital Varicella Syndrome. 2021 Oct 11. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan-. PMID: 33760553.

Blumental, S. and P. Lepage, Management of varicella in neonates and infants. 2019. 3(1): p. e000433. Cox, S.M., F.G. Cunningham, and J. Luby, Management of varicella pneumonia complicating pregnancy. Am J Perinatol, 1990. 7(4): p. 300-301.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Harger, J.H., J.M. Ernest, G.R. Thurnau, A. Moawad, V. Momirova, M.B. Landon, R. Paul, et al., Risk factors and outcome of varicella-zoster virus pneumonia in pregnant women. J Infect Dis, 2002. 185(4): p. 422-427.

ITCV. https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/herpesviridae

Kennedy PGE, Gershon AA. Clinical Features of Varicella-Zoster Virus Infection. Viruses. 2018 Nov 2;10(11):609. doi: 10.3390/v10110609. PMID: 30400213; PMCID: PMC6266119.

Nagel MA, Niemeyer CS, Bubak AN. Central nervous system infections produced by varicella zoster virus. Curr Opin Infect Dis. 2020 Jun;33(3):273-278. doi: 10.1097/QCO.0000000000000647. PMID: 32332223.

Nanthakumar MP, Sood A, Ahmed M, Gupta J. Varicella Zoster in pregnancy. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2021 Mar;258:283-287. doi: 10.1016/j.ejogrb.2021.01.009. Epub 2021 Jan 12. PMID: 33494028.

Newman AM, Jhaveri R. Myths and Misconceptions: Varicella-Zoster Virus Exposure, Infection Risks, Complications, and Treatments. Clin Ther. 2019 Sep;41(9):1816-1822. doi: 10.1016/j.clinthera.2019.06.009. Epub 2019 Jul 17. PMID: 31326126; PMCID: PMC8547758.

Rieck T, FeigM, Siedler A. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland - aktuelle Ergebnisse aus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2021, 49:6-29.

RKI-Ratgeber Windpocken - Zoster.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html;jsessionid=A80A38E990D2AE4CD98FB695C14FCDD6.inter-net112#doc2374554bodyText6

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

8.1.14. Zytomegalievirus

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Gattung/Unterfamilie/ Virusfamilie Humanes Zytomegalievirus, Humanes Betaherpesvirus 5/Cytomegalovirus/Betaherpesvirinae/Herpesviridae ICTV
Allgemein üblicher Name Zytomegalievirus
Abkürzung HCMV, HHV-5, CMV
Erkrankung CMV-Infektion
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten Ein Serotyp mit zahlreichen genotypischen Varianten RKI-Ratgeber
Zytomegalievirus-Infektion;

CDC;
Ludwig und Hengel, 2009; Lopo et al.; 2011; Enders et al, 2012; Hoehl et al, 2020; Götting et al., 2021; Dioverti und Razonable, 2016; Zuhair et al., 2019

Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Kontaktinfektion durch Urin, Speichel, Blut, Zervixsekret, über Muttermilch, Sperma von CMV-seropositiven Personen
Inkubationszeit 4 - 6 Wochen
Ausscheidungsrate bei seropositiven Personen (CMV-Latenz) Erwachsene allgemein: 7%

- mit Risikofaktoren 22%

- Schwangere: Urin 1 - 13%

- Zervixsekret 1,6 - 40%

- Stillende > 95%

% Kinder:

- Ein bis Zweijährige: höchste Viruslast

- Kongenital infiziert: 80 %
(erhöhte Ausscheidung während der ersten Lebensjahre)

- Gesund, in Kindertagesstätten 23%

- Gesund, in der Familie betreut 12%

- Hospitalisierte Kinder 11,5%

Pränatale Übertragung Transplazentar bei Primär- und (selten) bei Sekundärinfektion

- bei CMV-Latenz, Nichtprimärinfektion 1%

- bei CMV-Primärinfektion abhängig vom Gestationsalter (6 - 66%)

Übertragung durch Stillen CMV-seropositive Mütter scheiden die Viren in der Milch aus und können sie dabei auf die gestillten Kinder übertragen. Klinisch bei Reifgeborenen nicht relevant
Durchseuchung (weltweit) Bis zu > 90 % bei starken regionalen und sozioökonomischen Unterschieden
Durchseuchung (Deutschland) Neugeborene (geschätzt): 0,2 %

Kinder: (geschätzt) 10 - 30 %

Schwangere: 34 bis 92 % (große regionale und sozio-ökonomische Unterschiede)

Schwangere Erzieherinnen: 55%

Blutspender: 46 bis 55%

Serokonversionsrate Blutspender (Deutschland): 0,55%

Schwangere (Deutschland): 0,2 -1,1%

Schwangere (Frankreich): ohne Hygieneberatung: 0,8% nach Hygieneberatung: 0,19 - 0,26%

Akute Infektion/ Primärinfektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion > 80 % bei immunkompetenten Reifgeborenen, Kindern und Erwachsenen RKI-Ratgeber
Zytomegalievirus-Infektion
Symptome Mononukleoseähnliches Krankheitsbild; Fieber, Asthenie, Myalgie, Rhinopharyngitis, erhöhte Lymphozytenzahl, erhöhte Transaminasenwerte
Seltene Symptome Bei immunsupprimierten Personen: Pneumonie, Kolitis, Hepatitis, Renitis
Bei Schwangeren häufig Mehrheitlich asymptomatische (75 %) oder mild verlaufende Infektion Kagan und Hamprecht, 2017; Fowler und Boppana, 2018
Bei Feten Zytomegale Einschlußkörperchenkrankheit (Cytomegalo inclusion disease, CID-Syndrom) intrauteriner Tod (thrombotische Vaskulopathie)
Bei Neugeborenen Nach fetaler Infektion bis zur 16.SSW Wachstumsretardierung 50 %, Petechien 76 %, Ikterus 67 %, Hepatomegalie 60 %, Zentralnervöse Symptomatik (meist bleibende Schäden): Mikrozephalie 53 %, intrakranielle Verkalkungen, Krampfanfälle, Hördefekte, Chorioretinitis/Optikusatrophie
Prä/perikonzeptionell Transmissionsrate 5,5 - 21% Abort 17 %
Trimenon I Transmissionsrate 36,8% Abort 3%

Infizierte Neugeborene:

- asymptomatisch 52%

- schwer erkrankt 4%

- mild erkrankt 4%

Postnatale Hörstörungen 22,8%

Trimenon II Transmissionsrate 40,3% Abort 3 %

Infizierte Neugeborene:

- asymptomatisch 83%

- mild erkrankt 14%

Postnatale Hörstörungen 0,1%

Trimenon III Transmissionsrate 66,2 % Infizierte Neugeborene:

- asymptomatisch 95 - 100 %

Postnatale Hörstörungen 0 - 0,1 %

Perinatal Hohe Transmissionsrate bei HIV/CMV-Koinfektion Meist asymptomatisch
Viruslatenz Nach der Primärinfektion lebenslange Latenz/Persistenz in hämatopoetischen Stammzellen sowie Monozyten
Sekundärinfektionen
Rekurrenz/ Reaktivierung Möglich Niederlastige Virämie mehrere Monate bis Jahre nach Primärinfektion, lebenslang intermittierende Ausscheidung (siehe oben).
Symptome/Kinder, Erwachsene In der Regel asymptomatisch
Symptome/Schwangere In der Regel asymptomatisch
Symptome/ Neugeborene nach fetaler Infektion Gehörschädigung (Hochprävalenzländer ca. 11 %); Häufigkeit anderer Spätfolgen unbekannt
Reinfektion Möglich Ja, selten diagnostiziert
Symptome/Kinder, Erwachsene In der Regel asymptomatisch
Symptome/Schwangere In der Regel asymptomatisch
Symptome/ Neugeborenen nach fetaler Infektion Wie bei Reaktivierung
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Passive Immunisierung CMV-Hyperimmunglobulin (HIG)
Hygiene Beratung aller Schwangeren zur Kontaktvermeidung mit Urin/Speichel von Kleinkindern durch

- Händehygiene

- Einmal-Handschuhe

- begrenzt viruzide und viruzide Desinfektionsmittel

Vauloup-Fellous et al., 2009;

Revello et al., 2015

Verhinderung der transplazentaren Übertragung Bei Primärinfektion im 1. Trimenon (SSW1-16): HIG- Hochdosistherapie Hamprecht et al.; 2014;
Kagan et al., 2021
Therapie Antivirale Chemotherapie Erkrankte Neugeborene, Hörstörung: Valgancilovir, Ganciclovir Rawlinson et al., 2017; Leruez-Ville et al., 2020; Nicloux et al., 2020
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Erhöhtes Infektionsrisiko beim pflegerischen Umgang mit Kindern unter 2 - 3 Jahren, Stillenden und anderen Ausscheidern (zum Beispiel bei schwerer Erkrankung, Intensivkrankenpflege) Bei Schwangeren:

- Konsequente Händehygiene

- Händedesinfektion

- Handschuh- und Kittelpflege

Bei seronegativen Schwangeren:
- wenn Hygienemaßnahmen nicht greifen und ein Tätigkeitswechsel nicht möglich ist, unbefristetes Beschäftigungsverbot

MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur:

CDC. https://www.cdc.gov/cmv/clinical/congenital-cmv.html

Dioverti MV, Razonable RR. Cytomegalovirus. Microbiol Spectr. 2016 Aug;4(4). doi: 10.1128/microbiolspec.DMIH2-0022-2015. PMID: 27726793.

Enders G, Daiminger A, Lindemann L, Knotek F, Bäder U, Exler S, Enders M. Cytomegalovirus (CMV) seroprevalence in pregnant women, bone marrow donors and adolescents in Germany, 1996-2010. Med Microbiol Immunol. 2012 Aug;201(3):303-9. doi: 10.1007/s00430-012-0232-7. E-pub 2012 Mar 8. PMID: 22398714.

Fowler KB, Boppana SB. Congenital cytomegalovirus infection. Semin Perinatol. 2018 Apr;42(3):149-154. doi: 10.1053/j.semperi.2018.02.002. Epub 2018 Mar 2. PMID: 29503048.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Götting J, Lazar K, Suárez NM, Steinbrück L, Rabe T, Goelz R, Schulz TF, Davison AJ, Hamprecht K, Ganzenmueller T. Human Cytomegalovirus Genome Diversity in Longitudinally Collected Breast Milk Samples. Front Cell Infect Microbiol. 2021 Apr 16;11:664247. doi: 10.3389/fcimb.2021.664247. PMID: 33937103; PMCID: PMC8085339.

Hamprecht K, Kagan KO, Goelz R. Hyperimmune globulin to prevent congenital CMV infection. N Engl J Med. 2014 Jun 26;370(26):2543. doi: 10.1056/NEJMc1405377. PMID: 24963583.

Hoehl S, Berger A, Ciesek S, Rabenau HF. Thirty years of CMV seroprevalence - a longitudinal analysis in a German university hospital. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2020 Jun;39(6):1095-1102. doi: 10.1007/s10096-020-03814-x. Epub 2020 Jan 27. PMID: 31989374; PMCID: PMC7225192.

ICTV https://talk.ictvonline.org/ictv-reports/ictv_online_report/dsdna-viruses/w/herpesviridae

Kagan KO, Hamprecht K. Cytomegalovirus infection in pregnancy. Arch Gynecol Obstet. 2017 Jul;296(1):15-26. doi: 10.1007/s00404-017-4380-2. Epub 2017 May 15. PMID: 28508343.

Kagan KO, Enders M, Hoopmann M, Geipel A, Simonini C, Berg C, Gottschalk I, Faschingbauer F, Schneider MO, Ganzenmueller T, Hamprecht K. Outcome of pregnancies with recent primary cytomegalovirus infection in first trimester treated with hyperimmunoglobulin: observational study. Ultrasound Obstet Gynecol. 2021 Apr;57(4):560-567. doi: 10.1002/uog.23596. Epub 2021 Mar 17. PMID: 33491819.

Leruez-Ville M, Foulon I, Pass R, Ville Y. Cytomegalovirus infection during pregnancy: state of the science. Am J Obstet Gynecol. 2020 Sep;223(3):330-349. doi: 10.1016/j.ajog.2020.02.018. Epub 2020 Feb 24. PMID: 32105678.

Lopo S, Vinagre E, Palminha P, Paixao MT, Nogueira P, Freitas MG. Seroprevalence to cytomegalovirus in the Portuguese population, 2002-2003. Euro Surveill. 2011 Jun 23;16(25):19896. PMID: 21722611.

Ludwig A, Hengel H. Epidemiological impact and disease burden of congenital cytomegalovirus infection in Europe. Euro Surveill. 2009 Mar 5;14(9):26-32. PMID: 19317969.

Nicloux M, Peterman L, Parodi M, Magny JF. Outcome and management of newborns with congenital cytomegalovirus infection. Arch Pediatr. 2020 Apr;27(3):160-165. doi: 10.1016/j.ar-cped.2020.01.006. Epub 2020 Feb 29. PMID: 32127242.

Rawlinson WD, Boppana SB, Fowler KB, Kimberlin DW, Lazzarotto T, Alain S, Daly K, Doutré S, Gibson L, Giles ML, Greenlee J, Hamilton ST, Harrison GJ, Hui L, Jones CA, Palasanthiran P, Schleiss MR, Shand AW, van Zuylen WJ. Congenital cytomegalovirus infection in pregnancy and the neonate: consensus recommendations for prevention, diagnosis, and therapy. Lancet Infect Dis. 2017 Jun;17(6):e177-e188. doi: 10.1016/S1473-3099(17)30143-3. Epub 2017 Mar 11. PMID: 28291720.

Revello MG, Tibaldi C, Masuelli G, Frisina V, Sacchi A, Furione M, Arossa A, Spinillo A, Klersy C, Ceccarelli M, gem. G, Todros T; CCPE Study Group. Prevention of Primary Cytomegalovirus Infection in Pregnancy. EBioMedicine. 2015 Aug 6;2(9):1205-10. doi: 10.1016/j.e-biom.2015.08.003. PMID: 26501119; PMCID: PMC4588434.

RKI-Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Z/ZMV/ZMV.html;jsessionid=9AADCFA23B6A27F2520CBA116DA75E5D.internet052?cms_box=1&cms current=Zytomegalievirus-Infektion+%28CMV%29&cms_lv2=4738376

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)

http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

Vauloup-Fellous C, Picone O, Cordier AG, Parent-du-Châtelet I, Senat MV, Frydman R, Grangeot-Keros L. Does hygiene counseling have an impact on the rate of CMV primary infection during pregnancy? Results of a 3-year prospective study in a French hospital. J Clin Virol. 2009 Dec;46 Suppl 4:S49-53. doi: 10.1016/j.jcv.2009.09.003. Epub 2009 Oct 6. PMID: 19811947.

Zuhair M, Smit GSA, Wallis G, Jabbar F, Smith C, Devleesschauwer B, Griffiths P. Estimation of the worldwide seroprevalence of cytomegalovirus: A systematic review and meta-analysis. Rev Med Virol. 2019 May;29(3):e2034. doi: 10.1002/rmv.2034. Epub 2019 Jan 31. PMID: 30706584.

https://www.mcascientificevents.eu/ecci/scientific-information/

https://biostoffe.dguv.de/data?name=830519

https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F5198.pdf?_blob=publicationFile&v=4

8.2. Bakterielle Infektionsträger

8.2.1. Chlamydia trachomatis

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Familie Chlamydia trachomatis/ Chlamydiaceae RKI-Ratgeber Chlamydiosen
Allgemein üblicher Name Chlamydien
Abkürzung C. trachomatis
Erkrankung Serotypen A-C: Trachom, chronisch rezidivierende Erkrankung der Augenbinde- und Hornhäute; nicht relevant für die Schwangerschaft Serotypen D-K: Infektionen des Urogenitaltrakts, Rektums, Rachens, der Augenbindehaut

Serotypen L1-L3: Lymphogranuloma venereum (Lymphogranuloma inguinale, Durand-Nicolas-Favre-Krankheit)

Murray und McKay, 2021
Epidemiologie Verbreitung Serotypen A-C: (Sub-) Tropen

Serotypen L1-L3: überwiegend Tropen

Serotypen D-K: weltweit

RKI-Ratgeber, Chlamydiosen
Varianten Serotypen A bis L
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Serotypen A-C: Schmierinfektionen durch Augensekrete

Serotypen D-K, L1-L3: sexuell oder perinatal

Übertragung durch Stillen Nicht beschrieben
Pränatale Übertragung Keine transplazentare Übertragung
Perinatale Übertragung Neugeborene: Infektion der Augenbindehaut und des Atemtrakts bei Geburt durch einen mit C. trachomatis/ Serotyp D-K infizierten Geburtskanal. Übertragungsrisiko bei aktiver Infektion der Mutter: ca. 60-70%. Stock und Henrichfreise, 2012
Inkubationszeit 1 - 3 Wochen
Durchseuchung (weltweit) Serotpyen A-C: höchste Inzidenz bei 10 - 30-Jährigen, Tendenz abnehmend (Asien, Afrika, Südamerika, Karibik) Serotypen D-K, L1-L3: ca. 131.x 106 Neuinfektionen/Jahr (weltweit) ca. 20 x 106 Neuinfektionen/Jahr (Europa) Prävalenz (Frauen): 4,2 % Prävalenz (Männer): 2,7 % RKI-Ratgeber Chlamydiosen; Newman et al., 2015; WHO Guideline 2016;

Bremer et al., 2016

Durchseuchung (Deutschland) C. trachomatis sind die häufigsten sexuell übertragenen Erreger von Urogenitalinfektionen. Prävalenzrate variiert regional, am höchsten bei jungen Frauen (10 - 20 %), abnehmend mit steigendem Alter und stabiler Partnerschaft.

Sachsen (Meldepflicht): Anstieg der Infektionen von 26,3/100.000 (2003) auf 95/100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (2011).

Höchste Inzidenz: Frauen, 15 - 24 Jahre: 969/100.000. Schweiz: seit 1999 ansteigende Inzidenz auf 129,8/100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (2020, Meldepflicht). Am häufigsten bei 15 - bis 34-Jährigen.

RKI-Ratgeber Chlamydiosen;

Ehrhardt, 2012;

Gille und Klapp, 2005

BGA, Schweiz

Akute Infektion Chlamydienbedingte Genitalinfektion RKI-Ratgeber Chlamydiosen
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Frauen: ca. 80 %
Männer: ca. 50 %
Häufige Symptome Frauen:
Eitriger vaginaler Fluor, Urethritis, Entzündung der Bartholin-Drüsen, aufsteigende Infektionen in Endometrium, Eileiter, Peritonealraum.

Folgen: Salpingitis (mit drohender Sterilität), Endometritis, Perihepatitis (Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom).

Männer:
Harnröhrenentzündung mit Druckgefühl, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, eitriger Ausfluss. Aufsteigende Infektionen in die Prostata, Nebenhoden und Hoden mit daraus folgender Sterilität (selten).

O'Connell und Ferone, 2016
Seltene Symptome Arthritis, Tendovaginitis, Reiter-Syndrom. (Abhängig von Sexualpraktiken: Proktitis, Pharyngitis, Konjunktivitis)
Bei Schwangeren ähnliche Klinik wie bei Nichtschwangeren, Zervizitis.

Mögliche Folgen bei Salpingitis, Endometritis und Perihepatitis: extrauterine Schwangerschaft, sekundäre Sterilität.

Nicht signifikant erhöht: Abort, Frühgeburten, kindliches Untergewicht.

Bremer et al., 2016; Reekie et al., 2018
Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion Konjunktivitis: 20 - 50%

Otitis media: > 50 %

Pneumonie: 5 - 30 % Infektion des Nasopharynx ist möglich.

Persistierende Infektion Möglich Generell, nicht bei antibiotisch Therapierten
Symptome/Schwangere Symptome selten; ev. reaktive Arthritiden
Symptome/Fetus Entfällt
Symptome/Neugeborene Symptomatik siehe oben; deutlich geringeres Übertragungsrisiko
Reinfektion Möglich Ja
Symptome/Schwangere Siehe oben
Symptome/Fetus Siehe oben
Symptome/Neugeborene Siehe oben
Prävention Impfung nicht verfügbar
Verhinderung der Infektion Safer Sex, Reduktion von sexuellem Risikoverhalten
Verhinderung der perinatalen Übertragung Jährliches Screening: Frauen bis 25 Jahre

Screening der Schwangeren

Richtlinie zu Empfängnisregelung und Schwangerschaftsabbruch, Mutterschafts-Richtlinien
Therapie Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie Therapie: Schwangere/Stillende: Azithromycin, Erythromycin

Neugeborene: Erythromycin, Azithromycin

Nicht Schwangere: Doxycyclin (Partnerbehandlung) Prophylaxe: unmittelbar nach Geburt beim Neugeborenen: Erythromycin- oder Tetracyclin-Augensalbe

Bremer et al., 2016; Cluver et al., 2017
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung Basishygiene, Persönliche Schutzausrüstung MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur:

BGA-Bulletin 48 (November 2021), Bundesamt für Gesundheit, Abteilung übertragbare Krankheiten, Bern, Schweiz

Bremer et al., 2016: S2k-Leitlinie 059-005: Infektionen mit Chlamydia trachomatis. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/059-005.html

Cluver C, Novikova N, Eriksson DO, Bengtsson K, Lingman GK. Interventions for treating genital Chlamydia trachomatis infection in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Sep 22;9(9):CD010485. doi: 10.1002/14651858.CD010485.pub2. PMID: 28937705; PMCID: PMC6483758.

Ehrhardt I. Epidemiologische Aspekte bei Neisseria gonorrhoeae- und Chlamydia trachomatis-Infektionen, unter besonderer Berücksichtigung der Meldedaten aus Sachsen. Der Mikrobiologe 2012;4:111-9.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Gille G, Klapp C. Chlamydia-trachomatis-Infektionen bei Teenagern [Chlamydia trachomatis infections in teenagers]. Hautarzt. 2007 Jan;58(1):31-7. German. doi: 10.1007/s00105-006-1265-x. PMID: 17165068.

Mutterschaftsrichtlinien, G-BA, 2022; https://www.g-ba.de/richtlinien/19/

Newman L, Rowley J, Vander Hoorn S, Wijesooriya NS, Unemo M, Low N, et al. Global estimates of the prevalence and incidence of four curable sexually transmitted infections in 2012 based on systematic review and global reporting. PLoS One. 2015;10(12):e0143304.

O'Connell CM, Ferone ME. Chlamydia trachomatis Genital Infections. Microb Cell. 2016 Sep 5;3(9):390-403. doi: 10.15698/mic2016.09.525. PMID: 28357377; PMCID: PMC5354567.

Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch, G-BA, 2019;
https://www.g-ba.de/richtlinien/9/

RKI-Ratgeber Chlamydiosen (Teil 1), Robert-Koch-Institut, 12/2010
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html;jsessionid=843BD46FC66ABA0007AF0127F34D7DC9.internet051

Stock I, Henrichfreise B. Infektionen mit Chlamydia trachomatis [Infections with Chlamydia trachomatis]. Med Monatsschr Pharm. 2012 Jun;35(6):209-22; quiz 223-4. German. PMID: 22808665.

Reekie J, Roberts C, Preen D, Hocking JS, Donovan B, Ward J, Mak DB, Liu B; Chlamydia and Reproductive Health Outcome Investigators. Chlamydia trachomatis and the risk of spontaneous preterm birth, babies who are born small for gestational age, and stillbirth: a population-based cohort study. Lancet Infect Dis. 2018 Apr;18(4):452-460. doi: 10.1016/S14733099(18)30045-8. Epub 2018 Jan 19. PMID: 29371067.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

WHO guidelines for the treatment of Chlamydia trachomatis. 2016.
https://www.who.int/publications/i/item/978-92-4-154971-4

8.2.2. Listeria monocytogenes

Allgemeines Wissenschaftlicher Name Listeria monocytogenes WHO
Allgemein üblicher Name Listerien
Abkürzung Entfällt
Erkrankung Listeriose
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten 15 Serovare, v.a. Serovar 4b, 1/2a und 1/2b mit Krankheiten beim Menschen assoziiert Hof et al., 2007
Vorkommen/Wirte Mensch, Rinder, Schafe, Ziegen, Geflügel und Umwelt (Kontamination von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln, z.B. Rohmilchprodukte, Käse, Fische, Muscheln, Salate) Heredia und Garcia, 2018
Postnatale Übertragung Kontakt mit kontaminierten Materialien
Inkubationszeit 1 - 14 Tage Schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen: 17 - 67 Tage RKI-Ratgeber Listeriose; Goulet et al., 2013
Pränatale Übertragung Ja, transplazentar
Übertragung durch Stillen Möglich, beschrieben in Entwicklungsländern Sarr et al., 2021
Durchseuchung (weltweit) 0.1 - 10 Fälle/1 x 106 Personen, regionale Unterschiede WHO
Durchseuchung (Deutschland) 500 - 600 Fälle/Jahr, davon 10 % mit Schwangerschaftsrelevanz Wilking et al., 2021
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Häufig bei kolonisierten, immunkompetenten Kindern und Erwachsenen, ggf. fieberhafte Gastroenteritis RKI-Ratgeber Listeriose; Schlech, 2019
Häufige Symptome Bei Abwehrschwäche/ Immunsuppression: Sepsis mit Fieber und Muskelschmerzen, evtl. Gastroenteritis, eitrige Meningitis/Enzephalitis mit neurologischen Ausfällen
Seltene Symptome Endokarditis, Arthritis, Hautläsionen, Konjunktivitis
Bei Schwangeren Bei Immunkompetenz sind klinisch-manifeste Erkrankungen sehr selten, evtl. grippeähnliche Symptomatik RKI-Ratgeber Listeriose; Craig et al., 2019
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
Präkonzeptionelle Infektion Fetale Erkrankung nicht beschrieben Craig et al., 2019
Infektion der Schwangeren in SSW 1-20 Diaplazentare Übertragung, meistens Totgeburt (septischer Abort)
Infektion der Schwangeren in SSW 21-Geburt Diaplazentare Übertragung, Früh- oder Totgeburt (Septischer Abort) möglich; Early-Onset beim Neugeborenen
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Frühtyp (Early Onset): Granulomatosis infanti-septica (Sepsis, Atemnotsyndrom, Hepatosplenomegalie, Hautläsionen, multiple Granulome) tritt in der 1. Lebenswoche auf, hohe Letalität Charlier et al., 2020
nach perinataler Infektion Spättyp (Late Onset): Meningitis tritt ab der 2. Lebenswoche auf
Persistierende Infektion Möglich Selten beschrieben bei Immungesunden, gehäuft bei Schwangeren, Immunsupprimierten
Symptome/Schwangere Nicht beschrieben
Symptome/Fetus Nicht beschrieben
Reinfektion Möglich Ja
Symptome/Schwangere Meistens asymptomatisch (s.o.)
Symptome/Fetus s.o.
Prävention Impfung Nicht vorhanden
Hygiene Körperhygiene, um perinatale Infektion zu verhindern
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Vermeiden von Verzehr von Rohmilch-, Rohfleisch-, Rohfisch- und Rohkostprodukten während der Schwangerschaft. Lebensmittel nicht lange im Kühlschrank lagern, da sich Listerien bei Kühlschranktemperaturen vermehren können.
Therapie Antiinfektiöse Chemotherapie Für mindestens 3 (-6) Wochen:

1. Wahl: Amoxicillin/Ampicillin; (ggf. plus Gentamicin, Kontraindikation Schwangerschaft und Kinder)
2. Wahl: Co-Trimoxazol

Temple et al., 2000
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger in Labor/Forschung Persönliche Schutzausrüstung MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG § 7 IfSG, direkter Nachweis aus Blut, Liquor und anderen normalerweise sterilen Materialien sowie aus Abstrichen von Neugeborenen

1.2. Literatur

Charlier C, Disson O, Lecuit M. Maternal-neonatal listeriosis. Virulence. 2020 Dec;11(1):391-397. doi: 10.1080/21505594.2020.1759287. PMID: 32363991; PMCID: PMC7199740.

Craig AM, Dotters-Katz S, Kuller JA, Thompson JL. Listeriosis in Pregnancy: A Review. Obstet Gynecol Surv. 2019 Jun;74(6):362-368. doi: 10.1097/OGX.0000000000000683. PMID: 31216045.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Goulet V, King LA, Vaillant V, de Valk H: What is the incubation period for listeriosis? BMC Infect Dis. 2013:11. doi: 10.1186/1471-2334-13-11.

Heredia N, García S. Animals as sources of food-borne pathogens: A review. Anim Nutr. 2018 Sep;4(3):250-255. doi: 10.1016/j.aninu.2018.04.006. Epub 2018 May 4. PMID: 30175252; PMCID: PMC6116329.

Hof H, Szabo K, Becker B. Epidemiologie der Listeriose in Deutschland--im Wandel und dennoch nicht beachtet [Epidemiology of listeriosis in Germany: a changing but ignored pattern]. Dtsch Med Wochenschr. 2007 Jun 15;132(24):1343-8. German. doi: 10.1055/s-2007-982034. PMID: 17551889.

RKI-Ratgeber Listeriose.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/L/Listeriose/Listeriose.html;jsessionid=060B1092FC2D2AADE104D380944FE273.internet062?cms_box=1&cms current=Listeriose&cms_lv2=2398442

Sarr M, Tidjani Alou M, Delerce J, Khelaifia S, Diagne N, Diallo A, Bassene H, Bréchard L, Bossi V, Mbaye B, Lagier JC, Levasseur A, Sokhna C, Million M, Raoult D. A Listeria monocytogenes clone in human breast milk associated with severe acute malnutrition in West Africa: A multicentric case-controlled study. PLoS Negl Trop Dis. 2021 Jun 29;15(6):e0009555. doi: 10.1371/journal.pntd.0009555. PMID: 34185789; PMCID: PMC8291692.

Schlech WF. Epidemiology and Clinical Manifestations of Listeria monocytogenes Infection. Microbiol Spectr. 2019 May;7(3). doi: 10.1128/microbiolspec.GPP3-0014-2018. PMID: 31837132.

Temple ME, Nahata MC. Treatment of listeriosis. Ann Pharmacother. 2000 May;34(5):656-61. doi: 10.1345/aph.19315. PMID: 10852095.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

WHO Listeriosis.
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/listeriosis

Wilking H, Lachmann R, Holzer A, Halbedel S, Flieger A, Stark K. Ongoing High Incidence and Case-Fatality Rates for Invasive Listeriosis, Germany, 2010-2019. Emerg Infect Dis. 2021 Sep;27(9):2485-2488. doi: 10.3201/eid2709.210068. PMID: 34424172; PMCID: PMC8386774.

8.2.3. Neisseria gonorrhoeae

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/ Familie Neisseria gonorrhoeae/ Neisseriaceae RKI-Ratgeber Gonorrhoe
Allgemein üblicher Name Gonokokken
Abkürzung Go
Erkrankung Gonorrhö oder Tripper Unemo et al. 2019
Epidemiologie Verbreitung Weltweit RKI-Ratgeber Gonorrhoe
Varianten Keine bekannt
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Direkte Schleimhautkontakte beim Sexual-/Geschlechtsverkehr (oral, genital, anal). Gonokokken besiedeln die Epithelien der weiblichen und männlichen Harnröhre, des Zervikalkanals, des Rektums, des Pharynx und der Konjunktiven.
Inkubationszeit 1 - 14 Tage
Pränatale Übertragung Keine transplazentare Übertragung
Perinatale Übertragung Übertragung während des Geburtsvorgangs bei Infektion des mütterlichen Geburtskanals.
Übertragung beim Stillen Nicht beschrieben
Durchseuchung (weltweit) WHO: ca. 87 x 106 Neuerkrankungen/Jahr, deutlich zunehmende Inzidenz in Europa und USA. RKI-Ratgeber Gonorrhoe; CDC/USA, 2017; Delpech et al. 2009; ECDC, 2016
Durchseuchung (Deutschland) Vor allem bei jungen Erwachsenen (15 - 25 Jahre); häufiger bei MSM-Männern (MSM: 7 - 15 %)

Sachsen: Anstieg der gemeldeten Infektionen von 1,8 Fällen/100.000 Einwohnerinnen und Einwohner 2001 auf 19,9 Fälle/100.000 2019.

RKI-Ratgeber Gonorrhoe; Jansen et al., 2020
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Frauen: ca. 50 %

Männer: 10 - 30 %

RKI-Ratgeber Gonorrhoe
Häufige Symptome Eitrige Sekretionen der Schleimhaut an der Eintrittspforte, Harnröhre (Bonjour-Tröpfchen beim Mann), rektale Gonorrhö, septische Arthritis, Pharyngeale Gonokokken-Infektion (50 - 80 % asymptomatisch).

Bei Autoinokulation: Gonokokken-Augenentzündung. Frauen: Entzündung von Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke, gesamtes Becken durch aufsteigende Infektionen, extrauterine Schwangerschaft und/oder Sterilität sind möglich

Männer: Entzündung von Prostata, Samenbläschen, Nebenhoden

RKI-Ratgeber Gonorrhoe; Curry et al., 2019; Buder et al., 2016; Whelan et al., 2021
Seltene Symptome Disseminierte Infektion ohne oder mit sehr milden mukosalen Symptomen;

Trias: Intermittierende Fieberschübe, Polyarthritis, vaskulitisch-hämorrhagische Hautveränderungen an den Extremitäten;

Monarthritis gonorrhoica, Karditis, Meningitis, Osteomyelitis, Tendosynovitis

Bei Schwangeren Scheidenentzündung (Kolpitis gonorrhoica); septische Aborte;

Verschlimmerung von gonorrhoischer Arthritis und Tendosynovitis

Bei Feten Keine transplazentare Übertragung/fetale Infektion Buder et al., 2016
Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion 30 - 40 % der infizierten Kinder: Gonokokken-Konjunktivitis, Erblindung.

Bei 35 % der Kinder mit Gonokokken-Konjunktivitis: Oropharyngeale

Gonokokken-Infektion. Selten: Proktitis, Stomatitis, Arthritis, Meningitis und Hautabszesse (nach intrapartaler Kopfschwarten-Elektrode).

RKI-Ratgeber Gonorrhoe; Buder et al, 2016; Whelan et al., 2021
Persistierende Infektion Möglich Ja
Symptome/Schwangere Siehe oben!
Symptome/Fetus Siehe oben!
Reinfektion Möglich Ja
Symptome/Schwangere Siehe oben!
Symptome/Fetus Siehe oben!
Prävention Impfung nicht verfügbar

Partielle Kreuzimmunität (30 %) durch Meningokokken B-Impfung ist möglich

Petousis-Harris et al. 2017
Hygiene Safer Sex, Reduktion von sexuellem Risikoverhalten
Verhinderung der Übertragung auf Neugeborenes Angebot von Schwangerenscreening und frühzeitige Behandlung
Therapie Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie Therapie: Ceftriaxon oder Cefotaxim oder Cefixim, ggf. plus Azithromycin Schwangere: Ceftriaxon Partnerbehandlung Prophylaxe: unmittelbar nach Geburt beim Neugeborenen: Erythromycin- oder Tetracyclin-Augensalbe Buder et al., 2016; WHO Guideline, 2016 Comunián-Carrasco et al., 2018
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung Basishygiene, persönliche Schutzausrüstung MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Gemäß § 7 (3) (Labormeldepflicht):

nicht namentliche Meldung bei direktem und indirektem Nachweis von N. gonorrhoeae mit verminderter Empfindlichkeit gegen bestimmte Antibiotika

Literatur:

Buder S et al., 2018. AWMF-S2k-Leitlinie 059-004: Diagnostik und Therapie der Gonorrhoe. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/059-004.html

CDC/USA. centers for Disease Control and Prevention. Sexually Transmitted Disease Surveillance 2016. Atlanta: US Department of Health and Human Services; 2017.

Comunián-Carrasco G, Peña-Martí GE, MartíCarvajal AJ. Antibiotics for treating gonorrhoea in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2018 Feb 21;2(2):CD011167. doi: 10.1002/14651858.CD011167.pub2. PMID: 29465747; PMCID: PMC6491276.

Curry A, Williams T, Penny ML. Pelvic Inflammatory Disease: Diagnosis, Management, and Prevention. Am Fam Physician. 2019 Sep 15;100(6):357-364. PMID: 31524362.

Delpech V, Martin IM, Hughes G, et al. Epidemiology and clinical presentation of gonorrhoea in England and Wales: findings from the Gonococcal Resistance to Antimicrobials Surveillance Programme 2001-2006. Sex Transm Infect 2009; 85(5): 317-21.

ECDC, European Centre for Disease Prevention and Control. Gonorrhea- Annual Epidemiological Report 2014; Stockholm: ECDC 2016.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Jansen K, Gyde S, Potthoff A, Schuppe A-K, Beer D, Jessen H, Scholten S, Spornraft-RagallerP, Bremer V, Tiemann C & MSM Screening Study group STI in times of PrEP: High prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany, BMC Infectious Diseases volume 20, Article number: 110 (Febr. 2020)

Leitfaden STI-Therapie, Dt. Gesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit, 2020/2021

Petousis-Harris H. et al. Effectiveness of a group B outer membrane vesicle meningococcal vaccine against gonorrhoea in New Zealand: a retrospective case-control study. Lancet, Juli 2017

RKI-Ratgeber Gonorrhoe; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/G/Gonorrhoe/Gonorrhoe.html;jsessionid=F7211A22FB8957232AC30AF812FF785C.internet051?cms_box=1&cms_current=Gonorrh%C3%B6+%28Tripper%29&cms_lv2=2382548

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Unemo M, Seifert HS, Hook EW 3rd, Hawkes S, Ndowa F, Dillon JR. Gonorrhoea. Nat Rev Dis Primers. 2019 Nov 21;5(1):79. doi: 10.1038/s41572-019-0128-6. PMID: 31754194.

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

Whelan J, Eeuwijk J, Bunge E, Beck E. Systematic Literature Review and Quantitative Analysis of Health Problems Associated with Sexually Transmitted Neisseria gonorrhoeae Infection.

Infect Dis Ther. 2021 Dec;10(4):1887-1905. doi: 10.1007/s40121-021-00481-z. Epub 2021 Jul 17. PMID: 34279817; PMCID: PMC8572915.

WHO Guidelines for the Treatment of Neisseria gonorrhoeae. Geneva: World Health Organization; 2016. PMID: 27512795.

8.2.4. Streptococcus agalactiae (Gruppe B Streptokokken)

Allgemeines Wissenschaftlicher Name Streptococcus agalactiae
Allgemein üblicher Name B-Streptokokken
Abkürzung GBS
Erkrankung Neonatale GBS-Sepsis, Kindbettfieber Raabe und Shane, 2019
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten 10 (Kapsel-)Serotypen Deutschland: v.a. Serotyp III (30 %), Serotyp V (25 %) Hall et al.,2017
Vorkommen/Wirte Mensch, Säugetiere (Mastitis in Kühen)
Postnatale Übertragung Kontakt mit Trägerinnen und Trägern (Kolonisiertes Ärzte- und Pflegepersonal, Verwandte)
Inkubationszeit 2 - 4 Tage
Pränatale Übertragung Nicht bekannt
Übertragung durch Stillen Kontrovers diskutiert Zimmermann et al., 2017
Durchseuchung (weltweit) 10 - 30 % aller Schwangeren sind asymptomatische Trägerinnen (intestinal und vaginal) Russell et al., 2017
Durchseuchung (Deutschland) Kinder: 2 - 5 Fälle von Neugeborenen-GBS-Sepsis /1.000 Lebendgeburten Kolonisation/Besiedelung:

Schwangere: ca. 16 %

Senioren: ca. 17 %

Gesamtbevölkerung: 15 - 20%

Bührer und Pohlandt, 2016
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion bei kolonisierten Erwachsenen: häufig

bei Neugeborenen: wohl selten

Häufige Symptome Harnwegsinfektion, Sepsis und Wundinfektionen (besonders bei Diabetes)
Bei Schwangeren meist asymptomatisch verlaufende Kolonisierung während der gesamten Schwangerschaft möglich, keine diaplazentare Transmission
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
Präkonzeptionelle Infektion Fetale Erkrankung nicht beschrieben
Infektion der Schwangeren (gesamte Schwangerschaft) Diaplazentare Übertragung nicht beschrieben
Bei Neugeborenen nach perinataler Infektion Early onset Erkrankung: Meningitis, Sepsis, Pneumonie (hohe Sterblichkeit) Late onset Erkrankung (öfter bei postnataler Infektion): Vor allem: Meningitis Vornhagen et al., 2017
Persistierende Infektion Möglich Selten beschrieben bei Immungesunden, gehäuft bei Schwangeren und Immunsupprimierten
Symptome/Schwangere Meistens asymptomatisch (s.o.)
Symptome/Neugeborene Siehe oben
Reinfektion Möglich Ja
Symptome/Schwangere Meistens asymptomatisch (s.o.)
Symptome/Fetus Entfällt
Prävention Impfung Bisher nicht verfügbar
Hygiene Körperhygiene in der Spätschwangerschaft, keine Rohmilchprodukte (Euterinfektion bei Kühen)
Therapie Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie 35. - 37. SSW. Kolonisierung der Schwangeren durch kombinierten Vaginal-/Anorektalabstrich prüfen: -> Bei GBS-Nachweis: Penicillin G (i.v.) mit Wehenbeginn bzw. bei Blasensprung; alternativ i.v. Ampicillin oder Cefazolin; bei Allergie: Clindamycin. Therapie der neonatalen GBS-Sepsis: Penicillin Bührer und Pohlandt, 2016
Rechtliches/ Mutterschutz/ Arbeitsschutz Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung Basishygiene, persönliche Schutzausrüstung MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Nein

Literatur

Bührer C und Pohlandt F. 2016. AWMF-Leitlinie (S2k) 024-020. Sepsis bei Neugeborenen - frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B, Prophylaxe.
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-020.html

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Hall J, Adams NH, Bartlett L, Seale AC, Lamagni T, Bianchi-Jassir F, Lawn JE, Baker CJ, Cutland C, Heath PT, Ip M, Le Doare K, Madhi SA, Rubens CE, Saha SK, Schrag S, Sobanjo-Ter Meulen A, Vekemans J, Gravett MG. Maternal Disease With Group B Streptococcus and Serotype Distribution Worldwide: Systematic Review and Meta-analyses. Clin Infect Dis. 2017 Nov 6;65(suppl_2):S112-S124. doi: 10.1093/cid/cix660. PMID: 29117328; PMCID: PMC5850000.

Raabe VN, Shane AL. Group B Streptococcus (Streptococcus agalactiae). Microbiol Spectr. 2019 Mar;7(2):10.1128/microbiolspec.GPP3-0007-2018. doi: 10.1128/microbiolspec.GPP3-0007-2018. PMID: 30900541; PMCID: PMC6432937.

Russell NJ, Seale AC, O'Driscoll M, O'Sullivan C, Bianchi-Jassir F, Gonzalez-Guarin J, Lawn JE, Baker CJ, Bartlett L, Cutland C, Gravett MG, Heath PT, Le Doare K, Madhi SA, Rubens CE, Schrag S, Sobanjo-Ter Meulen A, Vekemans J, Saha SK, Ip M; GBS Maternal Colonization Investigator Group. Maternal Colonization With Group B Streptococcus and Serotype Distribution World-wide: Systematic Review and Meta-analyses. Clin Infect Dis. 2017 Nov 6;65(suppl_2):S100-S111. doi: 10.1093/cid/cix658. PMID: 29117327; PMCID: PMC5848259.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Vornhagen J, Adams Waldorf KM, Rajagopal L. Perinatal Group B Streptococcal Infections: Virulence Factors, Immunity, and Prevention Strategies. Trends Microbiol. 2017 Nov;25(11):919-931. doi: 10.1016/j.tim.2017.05.013. Epub 2017 Jun 17. PMID: 28633864; PMCID: PMC5650539.

Zimmermann P, Gwee A, Curtis N. The controversial role of breast milk in GBS late-onset disease. J Infect. 2017 Jun;74 Suppl 1:S34-S40. doi: 10.1016/S0163-4453(17)30189-5. PMID: 28646

8.2.5. Treponema pallidum subspecies pallidum

Allgemeines Wissenschaftlicher Name/Gattung/Familie Treponema pallidum (subspecies pallidum) /Treponema/Spirochaetaceae RKI-Ratgeber Syphilis (Lues)
Allgemein üblicher Name Treponema pallidum
Abkürzung T. pallidum ssp. pallidum
Erkrankung Venerische Syphilis (Lues venerea)
Epidemiologie Verbreitung Weltweit RKI-Ratgeber Syphilis (Lues)
Varianten Mehrere Subspezies
Vorkommen/Wirte Mensch
Postnatale Übertragung Hauptsächlich: Sexualkontakte

Selten: Blut

Inkubationszeit 2 - 3 Wochen, selten bis 90 Tage
Pränatale Übertragung Bei Bakteriämie der Mutter (v.a. Lues II bzw. Sekundärstadium)

Übertragung ab 12. SSW möglich; gehäuft ab der 16. - 18. SSW:

AWMF-Leitlinie 059-002; RKI-Ratgeber Syphilis (Lues); Easterlin et al., 2021
Perinatale Übertragung Selten
Übertragung durch Stillen Muttermilch: nicht beschrieben, möglich über syphilitische Läsionen an der Brust
Durchseuchung (weltweit) WHO: ca. 12 x 106 Neuerkrankungen/Jahr, davon ca. 90 % in Entwicklungsländern
Durchseuchung (Deutschland) 2018: 7332 Infektionen

2019: 7889 Infektionen

2020: 7374 Infektionen

Davon Infektionen bei Frauen: ca. 6 %

konnatale Infektionen: 3 - 6 Fälle/Jahr

Infektionsepidemiologische

Jahrbücher meldepflichtiger Krankheiten, RKI

Akute Infektion Verlauf RKI-Ratgeber Syphilis (Lues); Peeling et al., 20217; Forrestel et al., 2020
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion Ca. 50 % der Infizierten
Symptome Lues I/Primärsyphilis (2 - 3 Wochen): schmerzlose, derbe Primärläsionen (Papel, Ulkus) mit regionaler indolenter Lymphadenopathie an der Eintrittspforte Lues II/Sekundärsyphilis: (6 Wochen nach Abheilung der Primärläsionen): Bakteriämie, Allgemein- und vielfältige Haut- und Schleimhautsymptome, evtl. Meningitis. Unbehandelt chronisch-rezidivierende Symptome und Übergang in mehrjährige bis jahrzehntelange Latenzphase (Syphilis latens).

Lues III/Tertiärsyphilis (Spätphase): Hautveränderungen (Gummen) und Gefäßerkrankungen, später auch ZNS-Schäden (Neurosyphilis).

Spontanheilung:

Bei etwa 30 % der unbehandelten Syphilisfälle.

Bei Schwangeren Wie bei Kindern/Erwachsenen (siehe oben) Adhikari, 2020
Bei Feten Beeinträchtigungen der Schwangerschaft und Entwicklungsstörungen (ca. 66 - 70 %). Bei diaplazentarer Übertragung und unbehandelter intrauteriner Infektion: Spontanabort, Totgeburt, Frühgeburt oder Tod kurz nach Geburt (ca. 50 %). Gomez et al.; 2013; AWMF-Leitlinie 059-002; RKI-Ratgeber Syphilis (Lues)
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion 10 - 40 %: Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht: Ca. 50- 70 %: bei Geburt klinisch unauffällig, Symptome meist bei Frühgeborenen. Entwicklung der Erkrankung innerhalb der ersten 8 Lebensmonate:

Frühstadium (bis zum 2. Lebensjahr):

Rhinitis mit infektiösem Nasensekret, Hauteffloreszenzen, Hepatosplenomegalie, Glomerulonephritis, generalisierte Lymphadenopathie, Knochenläsionen, Neurosyphilis.

Spätstadium (ab dem 2. Lebensjahr):

Hutchinson'sche Trias (tonnenförmig gerundete, eingekerbte Schneidezähne, Keratitis parenchymatosa, Innenohrschwerhörigkeit.

AWMF-Leitlinie 059-002
Persistierende Infektion Möglich Ja

In Stadien (Lues I-III/IV) über viele Jahre bzw. Jahrzehnte verlaufende Erkrankung

Symptome/Schwangere Siehe oben
Symptome/Fetus Siehe oben
Symptome/Neugeborene Siehe oben
Reinfektion Möglich Bei ca. 37 % der Infizierten MSM: 45 % (in 2018) Frauen: 10 %. AWMF-Leitlinie 059-002
Symptome/Schwangere Siehe oben
Symptome/Fetus Siehe oben
Symptome Neugeborene Siehe oben
Prävention Impfung nicht verfügbar
Hygiene Safer Sex
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Screening in der Frühschwangerschaft und entsprechende Therapie Mutterschafts-Richtlinien
Therapie Antiinfektiöse Chemoprophylaxe/-therapie Früh-Syphilis: Benzathin-Benzylpenicillin

bei Penicillinallergie: Ceftriaxon,

Neuro-Syphilis: Penicillin G

Konnatale Syphilis: Penicillin G

AWMF-Leitlinie 059-002; Rowe et al., 2018
Rechtliches/Mutterschutz/
Arbeitsschutz
Umgang mit dem Erreger im Labor/in der Forschung Basishygiene, persönliche Schutzausrüstung MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 250
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Gemäß § 7: Nicht namentliche Meldung des direkten und indirekten Nachweises einer Treponema Pallidum-Infektion
ArbMedVV Pflichtvorsorge Biologische Arbeitsstoffe lediglich bei gezielten Tätigkeiten, d.h. Umgang mit dem Erreger in Labor oder Forschung

Literatur:

Adhikari EH. Syphilis in Pregnancy. Obstet Gynecol. 2020 May;135(5):1121-1135. doi: 10.1097/AOG.0000000000003788. PMID: 32282589.

AWMF-Leitlinie (S2k) 059-002, 2021: Diagnostik und Therapie der Syphilis.
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/059-002.html

Easterlin MC, Ramanathan R, De Beritto T. Maternal-to-Fetal Transmission of Syphilis and Congenital Syphilis. Neoreviews. 2021 Sep;22(9):e585-e599. doi: 10.1542/neo.22-9-e585. PMID: 34470760.

Forrestel AK, Kovarik CL, Katz KA. Sexually acquired syphilis: Historical aspects, microbiology, epidemiology, and clinical manifestations. J Am Acad Dermatol. 2020 Jan;82(1):1-14. doi: 10.1016/j.jaad.2019.02.073. Epub 2019 Apr 12. PMID: 30986477.

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Gomez GB, Kamb ML, Newman LM, Mark J, Broutet, N, Hawkes SJ (2013) Untreated maternal syphilis and adverse outcomes of pregnancy: a systematic review and meta-analysis. Bull World Health Organ 91(3): 217-226

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2018/2019/2020, Robert-Koch-Institut

Mutterschaftsrichtlinien, G-BA, 2022; https://www.g-ba.de/richtlinien/19/

Peeling RW, Mabey D, Kamb ML, Chen XS, Radolf JD, Benzaken AS. Syphilis. Nat Rev Dis Primers. 2017 Oct 12;3:17073. doi: 10.1038/nrdp.2017.73. PMID: 29022569; PMCID: PMC5809176.

RKI-Ratgeber Syphilis (Lues), Robert-Koch-Institut;
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/Syphilis/Syphilis.html;jsessionid=ED987D1E0D8EF1B71D31D0D32E02FD1D.internet102?cms_box=1&cms_current=Syphilis+%28Lues%29&cms_lv2=2905920

Rowe CR, Newberry DM, Jnah AJ. Congenital Syphilis: A Discussion of Epidemiology, Diagnosis, Management, and Nurses' Role in Early Identification and Treatment. Adv Neonatal Care. 2018 Dec;18(6):438-445. doi: 10.1097/ANC.0000000000000534. PMID: 30020089.

Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 250 Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge ( ArbMedVV);
https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a453-arbeitsmedizinischen-vorsorge.html

8.3. Parasiten

8.3.1. Toxoplasma gondii

Allgemeines Wissenschaftlicher Name Toxoplasma gondii
Allgemein üblicher Name Toxoplasmen
Abkürzung entfällt
Erkrankung Toxoplasmose
Epidemiologie Verbreitung Weltweit
Varianten 3 Hauptgenotypen, mehrere weitere Genotypen; Deutschland: vor allem Genotyp II Herrmann et al., 2014
Vorkommen/Wirte Mensch, viele Säugetierarten, Vögel, Muscheln und andere Schalentiere Schlüter et al., 2014
Postnatale Übertragung Verzehr von unzureichend erhitztem Fleisch, Kontakt mit Katzenkot oder kontaminierter Erde, iatrogen durch Blut/Blutprodukte Groß, 2004
Inkubationszeit 2 - 3 Wochen
Pränatale Übertragung Diaplazentar bei Erstinfektion der Schwangeren Übertragungsrisiko:

1. Trimenon: 14

2. Trimenon: 29

3. Trimenon: 59

Groß et al., 2001
Perinatale Übertragung Nicht beschrieben
Übertragung durch Stillen Nicht beschrieben
Durchseuchung (weltweit) Direkte Korrelation mit dem Lebensalter Groß et al., 2001
Durchseuchung (Deutschland) Kinder: 10 %

Schwangere: 20 - 30%

Senioreninnen und Senioren: > 70 %

Gesamtbevölkerung: 50 %

Wilking et al., 2016
Pleyer et al., 2019
Akute Infektion Verlauf
Bei Kindern, Erwachsenen Asymptomatische Infektion 80 - 90 % Groß et al., 2001
Häufige Symptome Grippeähnliche Symptome, Lymphadenitis (Hals), Kopfschmerzen, Sehbeschwerden Groß et al., 2001
Bei Schwangeren meist asymptomatisch während der gesamten Schwangerschaft Groß et al., 2001;
Groß et al., 2017
Bei Feten Zeitpunkt der Infektion
Präkonzeptionelle Infektion Fetale Erkrankung nicht beschrieben
Infektion der Schwangeren im 1. Trimenon wahrscheinlich meistens Abort Hotop et al., 2012;
Groß et al., 2017
Infektion der Schwangeren im 2. Trimenon Ca. 30 % der infizierten Feten: Hydrocephalus, intrazerebrale Kalzifikationen, Retinochorioiditis
Infektion der Schwangeren im 3. Trimenon bis Geburt Ca. 10 % der infizierten Feten: oft nur Retinochorioiditis
Bei Neugeborenen nach fetaler Infektion Bei zerebraler Beteiligung: Neurologische Entwicklungsstörungen

Bei Augenbeteiligung: Sehstörungen bis hin zur Erblindung

Persistierende Infektion Toxoplasmen persistieren beim Immungesunden stets lebenslang, insbesondere in Neuronen des Gehirns. Bei Suppression der zellulären Immunität: Zerebrale Toxoplasmose durch Reaktivierung von Toxoplasma-Zysten
Symptome/Schwangere Meistens asymptomatisch (s.o.)
Symptome/Fetus Abhängig vom Zeitpunkt der Erstinfektion während der Schwangerschaft (s.o.) RKI-Ratgeber Toxoplasmose
Reinfektion Möglich Ja
Symptome/Schwangere Meistens asymptomatisch (s.o.)
Symptome/Fetus Keine (Symptome nur bei Erstinfektion während einer Schwangerschaft; s.o.)
Prävention Impfung Nicht verfügbar
Hygiene Keine Rohfleischprodukte, Katzentoilette täglich von Nichtschwangerer Person reinigen lassen, Gartenarbeit nur mit Handschuhen, Küchenhygiene RKI-Ratgeber Toxoplasmose
Verhinderung der transplazentaren Übertragung Spiramycin RKI-Ratgeber Toxoplasmose
Therapie Antiinfektiöse Chemotherapie Vor 16. SSW: Spiramycin Ab 16. SSW: Pyrimethamin plus Sulfadiazin (oder Clindamycin) plus Folinsäure Bei Retinochorioiditis: 1. Wahl: Pyrimethamin plus Sulfadiazin (oder Clindamycin) plus Folinsäure; 2. Wahl: Cotrimoxazol; jeweils ggf. plus Kortikosteroide RKI-Ratgeber Toxoplasmose;

Maenz et al., 2014

Rechtliches/ Mutterschutz/
Arbeitsschutz
Umgang mit dem Erreger in Labor/Forschung, Versuchstierhaltung Persönliche Schutzausrüstung MuSchG
ArbSchG
ArbMedVV
BioStoffV
TRBA 100
TRBA 120
TRBA 400
TRBA 500
Einstufung nach BioStoffV Risikogruppe 2
Meldepflicht nach IfSG Konnatale Toxoplasmose, § 7 (3) RKI-Ratgeber Toxoplasmose

Literatur

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit ( Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG)

Groß U, Roos T, and Friese: Toxoplasmose in der Schwangerschaft. Dt. Ärzteblatt 2001; 98: A 3293- 3300

Groß U: Prävalenz und Public-Health-Aspekte der Toxoplasmose. Bundesgesundheitsblatt 2004; 47: 692- 697

Groß U, Enders M, Garweg JG, Reiter-0wona I, L. Schrod L. Toxoplasmose in der Schwangerschaft und beim Neugeborenen. pädiatrische praxis 2017 87: 1-12

Herrmann DC, Maksimov P, Hotop A, Groß U, Däubener W, Liesenfeld O, Pleyer U, Conraths FJ, Schares G. Genotyping of samples from German patients with ocular, cerebral and systemic toxoplasmosis reveals a predominance of Toxoplasma gondii type II. Int J Med Microbiol. 2014 Oct;304(7):911-6. doi: 10.1016/j.ijmm.2014.06.008. Epub 2014 Jun 27. PMID: 25037927.

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RKI-Ratgeber Toxoplasmose https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/T/Toxoplasmose/Toxoplasmose.html;jsessionid=C46E80245C945DF09FA00E54057D928D.internet112?cms_box=1&cms_current=Toxoplasmose&cms_lv2=2390222

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Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)

TRBA 100 Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien

TRBA 120 Versuchstierhaltung

TRBA 400 Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

TRBA 500 Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ( Biostoffverordnung - BioStoffV)
http://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/index.html

Wilking H, Thamm M, Stark K, Aebischer T, Seeber F. Prevalence, incidence estimations, and risk factors of Toxoplasma gondii infection in Germany: a representative, cross-sectional, serological study. Sci Rep. 2016 Mar 3;6:22551. doi: 10.1038/srep22551. PMID: 26936108; PMCID: PMC4776094.


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