umwelt-online: Beurteilung von Innenraumluftkontaminationen mittels Referenz- und Richtwerten (2)

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5.2 Zeitlicher Verlauf erhöhter TVOC-Konzentrationen

Die Beurteilung anhand von Referenzwerten bzw. des TVOC-Wertes ist vor allem für Räumlichkeiten, in denen sich eine Ausgleichskonzentration in der Luft eingestellt hat, geeignet und lässt bei erhöhten Werten möglicherweise dann Rückschlüsse auf besondere Quellen zu. Wenn Quellen neu in Räume eingebracht wurden, wie dies z.B. nach Renovierungsarbeiten, Neu- und Umbauten sowie Neumöblierungen der Fall ist, sind die Raumluftkonzentrationen in den meisten Fällen zunächst hoch und fallen mit der Zeit mehr oder minder schnell auf ein "Gleichgewichtsniveau" ab. Für manche Stoffe können die Konzentrationen auch nach einer gewissen Zeit ansteigen. Der zeitliche Abstand des Messzeitpunktes vom Zeitpunkt der Maßnahme (z.B. Renovierung) hat deshalb einen bedeutenden Einfluss auf das Ergebnis. Eine "Gleichgewichtseinstellung" der Konzentration kann erfahrungsgemäß Monate bis zu etwa einem Jahr dauern.

In Neubauten, frisch renovierten Räumen oder nach Neumöblierungen sind deshalb für eine begrenzte Zeit (maximal 12 Monate) höhere TVOC-Konzentrationen tolerabel. Allerdings sollten 3 mg/m3 nicht überschritten werden (s. Tabelle 2). Hierzu sind gesonderte Lüftungsempfehlungen für die Nutzung auszusprechen. In einem Zeitraum von 6 Monaten nach Neubau/Renovierung sollten erhöhte TVOC-Werte, die unter standardisierten Bedingungen (s. Kapitel 9) gemessen wurden, deutlich abgefallen sein. Durch Wiederholungsmessungen kann der zeitliche Verlauf der Konzentration dokumentiert und eine Zeitverlaufsprognose erstellt werden.

Es ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass Lüftung grundsätzlich zur üblichen Nutzung von Räumen gehört, die von Personen benutzt werden. Aus besonderem Anlass wie z.B. nach einer Renovierung ist eine erhöhte Lüftungsaktivität, die ggf. mit den Raumnutzern vereinbart werden sollte, zumutbar.

6 Beurteilung der Innenraumluftqualität anhand von Referenzwerten

Bei einer vergleichenden Bewertung wird der in einer Messung gefundene Messwert mit bereits vorliegenden Erfahrungen in Beziehung gesetzt. Im günstigsten Fall liegen aktuelle Häufigkeitsverteilungen und daraus nach bestimmten Standards statistisch abgeleitete Kenngrößen (Referenzwerte) vor, die das übliche ("normale") Vorkommen einer Substanz in einem Umweltmedium beschreiben. Aufgrund seiner ausschließlich statistischen Definition ist mit einem Referenzwert grundsätzlich keine gesundheitliche Bewertung verknüpft. Liegt z.B. die Konzentration unterhalb des Referenzwertes, so ist auch damit keine gesundheitliche Bewertung verbunden, sondern es wird lediglich ausgesagt, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung in einer vergleichbaren Größenordnung exponiert ist.

Auf ein methodisches systemimmanentes Paradoxon wird in diesem Zusammenhang hingewiesen. Da Referenzwerte als (dynamische) statistische Größen die Gegenwart von Quellen und den alltäglichen Gebrauch von Substanzen und Produkten im Innenraum für den Referenzzeitraum widerspiegeln, sind Referenzwerte im Sinne der hygienischen Bewertung vor allem für Substanzen anwendbar, die seit vielen Jahren eine breite Verwendung finden. Für erst in jüngster Zeit verstärkt angewendete Substanzen und Ersatzprodukte kann dagegen aus systematischen Gründen keine vergleichbar breite Datenbasis vorliegen. Wenn aus den vorhandenen (historischen) Datensätzen für solche neu zur Anwendung kommenden Verbindungen Referenzwerte abgeleitet werden, so liegen diese oft nur wenig oberhalb der Nachweisgrenzen und die Verwendung einer "neuen" Substanz im Innenraum führt zwangsläufig zu einer Überschreitung des Referenzwertes. Die Aussagekraft eines auf diese Weise abgeleiteten Referenzwertes ist gering und die Anwendung solcher Werte birgt die Gefahr in sich, dass sinnvolle Ersatzstoffe nicht eingeführt werden und die Entwicklung innovativer Produkte behindert wird. Aus dem zuvor Angeführten ergibt sich, dass sich Referenzwerte im Lauf der Zeit ändern können. Auch im Spektrum der im Innenraum vorkommenden Substanzen sowie ihrer Konzentrationen in der Raumluft und im Hausstaub ließen sich in den letzten Jahrzehnten deutliche Veränderungen beobachten. Deshalb sollten auch im Bereich der Innenraummessungen Referenzwerte möglichst zeitnah aktualisiert werden.

6.1 Zum Stand von Referenzwerten für die Innenraumluft

Als Bezugsgröße für die Innenraumluft wird in Deutschland auch heute noch auf die Untersuchung des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes in etwa 500 westdeutschen Wohnungen verwiesen, obwohl diese Untersuchungen bereits 1985/86 durchgeführt worden waren [18]. Die aus dieser Untersuchung ermittelten Referenzwerte für Einzelsubstanzen sind heute jedoch teilweise nicht mehr aktuell und gelten streng genommen nur für die Langzeit-Probenahme mittels Diffusionssammler. In der Folgezeit wurden in Deutschland mehrere meist regionale Untersuchungen durchgeführt. Auch wenn diese Studien im strengen Sinne nicht als repräsentativ angesehen werden können, bilden die dabei ermittelten Verteilungen die aktuelle Situation besser ab, beispielsweise Untersuchungen zur Raumluft in Schulen [21], Kindertagesstätten [22] und in Büroräumen [23].

Abweichend davon verwenden manche Messinstitute aus eigenen Daten (u. a. aus Schadensfällen) abgeleitete Werte, teilweise mit abweichenden Bezeichnungen [24, 25, 26, 27].

6.2 Empfehlungen

Wird ein Referenzwert überschritten, sollte zunächst eine Plausibilitätsprüfung vorgenommen werden. Diese Prüfung bezieht sich auf die Mess- und Umgebungsbedingungen, die Probenahme, die Güte der Messung (Qualitätssicherung) und ob es plausibel ist, dass die Substanz in der Innenraumluft vorkommt, wenn z.B. die chromatographische Stoffidentifikation nur anhand eines Vorschlags aus einer Massenspektrenbibliothek erfolgte. Unter Berücksichtigung der Höhe der gefundenen Konzentration und der für die Substanz bekannten toxikologischen Eigenschaften ist zu ermitteln, ob diese Referenzwert-Überschreitung gesundheitlich relevant ist, um ggf. eine Kontrollmessung zu veranlassen. Bei dieser wären dann analog zu der Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Überprüfung von Richtwerten die Vorgaben des Kapitels 9 ("Messstrategie") zu beachten.

Wenn die Überschreitung des Referenzwertes bestätigt und als gesundheitlich relevant eingestuft wird, wird eine weitergehende Detailprüfung empfohlen, die eine Ursachen-/Quellensuche, eine Konzentrations-Zeitverlaufs-Prognose und soweit erforderlich eine toxikologische Einzelbetrachtung (siehe auch Kapitel 4) einschließen sollte, um zu prüfen und zu entscheiden, ob und welche weiteren Maßnahmen zu ergreifen sind.

7 Anwendung von Messwerten zur Bewertung der Innenraumluftqualität

Erfolgreiches Handeln des öffentlichen Gesundheitsdienstes hängt von der Akzeptanz der behördlichen Vorgehensweise ab. Diese kann durch eine möglichst vollständige Transparenz in der Darstellung der vorgenommenen Risikoabschätzung und des vorgesehenen Risikomanagements erreicht werden. Transparentes Vorgehen bei der gesundheitlichen Bewertung von Verunreinigungen der Innenraumluft gelingt vor allem durch eine systematische Vorgehensweise. Diese umfasst in der Regel 3 Hauptschritte. Nach einer Bewertung der Qualität und Dokumentation der durchgeführten Messung, insbesondere hinsichtlich Messstrategie, Randbedingungen, Messmethodik und Qualitätssicherung, auf die im Kapitel 9 eingegangen wird, wird auf Richtwertüberschreitungen einzelner Substanzen und nach dem TVOC-Konzept geprüft, darauf folgt eine vergleichende Bewertung des Messergebnisses anhand von Referenzwerten. Zeigt sich eine Richtwertüberschreitung oder eine über das Übliche hinausgehende Belastung, schließt sich eine gesundheitliche Risikobewertung an.

Es sollten nur Laboratorien mit Messungen beauftragt werden, die über ein dokumentiertes Qualitätssicherungssystem verfügen, einen Nachweis über die Vorgehensweise bei der Identifizierung der VOC und die Art und Häufigkeit der Kalibrierung erbringen und erfolgreich an externen Ringversuchen und/oder Laborvergleichsuntersuchungen teilnehmen (vgl. auch den jeweiligen Abschnitt "Qualitätssicherung" in den verschiedenen Blättern der Richtlinienreihe VDI 4300) [28]. Es wird auch auf den Inhalt der Norm DIN EN ISO/IEC 17025 vom August 2005 über allgemeine Anforderungen an Prüf- und Kalibrierlaboratorien [29] und den von der International Organization of Standardization (ISO) 1995 herausgegebenen Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement (GUM; siehe auch "Leitfaden zur Angabe der Unsicherheit beim Messen", DIN Vornorm ENV 13005, 2. Ausgabe: 1999-06) [30] verwiesen. Ein Leitfaden zur Dokumentation der bei Innenraumluftuntersuchungen festzuhaltenden Informationen findet sich als Anhang D in der EN ISO 16000-1 (2006) [3].

8 Beurteilung von Stoffen ohne Richtwerte der Ad-hoc-Arbeitsgruppe IRK/AOLG

Es existiert eine Vielzahl von Beurteilungswerten anderer Institutionen und einzelner Autoren, die zudem in ihrer fachlichen Herleitung und rechtlichen Bedeutung erheblich variieren. Ein Überblick über einzelne Werte, die Ausgangsstudien und Unsicherheitsfaktoren sowie die Quellenverweise findet sich in der Internetpräsentation des Zentrums für Excellence in Toxicology (ITER: http://www. tera.org/iter/).

Für eine begrenzte Anzahl von Substanzen existieren neben den für den Arbeitsplatzbereich gültigen gefahrstoffbezogenen Grenzwerten der TRGS 900 [31] toxikologisch abgeleitete Richtwerte zur Beurteilung von Luftkonzentrationen, z.B. der WHO und anderer Organisationen, wobei nicht immer zwischen Außenluft (Ambient Air) und Innenraumluft (Indoor Air) unterschieden wird. Die Werte der anderen Organisationen einschließlich der im Buch von Calabrese und Kenyon 1991 [32] veröffentlichten Monographien basieren auf veröffentlichten toxikologischen Ableitungen. Sie beinhalten die nötigen Basisdaten und besitzen die erforderliche Transparenz, sodass sich nach den o. g. Kriterien des deutschen Baurechts gegebenenfalls eine provisorische Ableitung nach dem Basisschema (s. Kapitel 4.2) vornehmen lässt. Die Werte selbst sollten nicht ohne Berücksichtigung und Überprüfung der Eignung der einzelnen Begründungen und Ableitungen einschließlich der gewählten Sicherheitsfaktoren zur Beurteilung von Raumluftbelastungen herangezogen werden.

Es handelt sich dabei beispielhaft um:

  1. Air Quality Guidelines der WHO [33] http://www.who.int/air/en/,
  2. Empfehlungen des EU-Projektes INDEX [34] http://www.jrc.cec.eu.int/ more_information/download/indexproject.pdf,
  3. Minimal Risk Level (Inhalation) der ATSDR [35] http://www.atsdr.cdc.gov/ glossary.html,
  4. Reference Concentration (RfC) der US-EPA [36] http://www.epa.gov/iris/ gloss8.htm,
  5. Risk Exposure Levels (REL) der kalifornischen OEHHA [37] http://www. oehha.ca.gov/air/chronic_rels/pdf/relsP32k.pdf,
  6. Tolerable Concentration (TC) von Health Canada [38] http://www.hcsc.gc.ca/ewhsemt/pubs/contaminants/index_e.html,
  7. Tolerable Concentration in Air (TCA) des RIVM [39],
  8. Wirkungsbezogene Innenraumrichtwerte (WIR) des österreichischen Umweltministeriums und der österreichischen Akademie der Wissenschaften [40, 41] http://www.innenraumanalytik.at/fr_texte.html

Für Krebs erzeugende Stoffe liegen auf die Konzentrationseinheit 1 µg/m3 bezogene Risikoangaben (so genannte Unit Risk, UR) vor. Wegen des allgemeinen Fehlens einer gesellschaftlichen Akzeptanz zur Höhe des Risikos lassen sich UR in der Praxis nur beschränkt anwenden. Für Substanzen ohne erkennbare Wirkungsschwelle gilt in der Regel das Minimierungsgebot.

9 Messstrategie für die Bestimmung von Innenraumluftverunreinigungen

Zur Information über die bei Innenraumluftuntersuchungen anzuwendende Messstrategie dienen die einzelnen Blätter der VDI-Richtlinienreihe 4300, deren Inhalt sich größtenteils sinngemäß in der Normenreihe DIN ISO 16000 wiederfindet. Im Folgenden werden zusammenfassend einige zusätzliche Erläuterungen gegeben.

9.1.1 Probenahmedauer

Nach VDI 4300 Blatt 3 [28] lassen sich Kurzzeitmessverfahren von Langzeitmessverfahren unterscheiden. Als Kurzzeitmessung werden Messungen verstanden, deren Dauer weniger als eine Stunde bis hin zu einigen wenigen Stunden beträgt. Langzeitmessungen weisen eine Messdauer von mehreren Stunden bis hin zu Tagen oder Wochen auf. Für die Bestimmung von meist akut und lokal wirkenden Reizstoffen wird in der Regel eine Kurzzeitprobenahme, für solche mit systemischer und chronischer Wirkung überwiegend eine Langzeitprobenahme in Frage kommen.

Kurzzeitmessungen werden zumeist mittels aktiver Probenahme durchgeführt. Für Langzeitmessungen eignen sich die aktive Probenahme bei geringem Luftdurchsatz und auch die Probenahme mit Passivsammlern. Passivsammler arbeiten überwiegend nach dem Diffusionsprinzip und liefern einen integralen Messwert als Mittel über den gewählten Expositionszeitraum (meist wenige Tage bis hin zu mehreren Tagen oder Wochen). Konzentrationsspitzen gehen dabei in den Mittelwert ein, wie dies in EN ISO 16017-2:2003 beschrieben ist (siehe auch prEN ISO 16000-5.:2005) [42, 43].

9.1.2 Ziele der Messung und Messstrategie

Ein oft nicht ausreichend beachteter Punkt ist die Bedeutung des Messzieles und der Rahmenbedingungen der Probenahme sowie die Dokumentation der Umgebungs- und Nutzungsbedingungen und der Raumausstattung.

Die Messstrategie zur Bestimmung chemischer Luftfremdstoffe sollte gemäß der VDI-Richtlinienreihe 4300 festgelegt werden. Generell ist das Ziel der Messung bei der Planung der Messungen zu definieren. Die bei der Probenahme vorliegenden Randbedingungen sind zu registrieren, zu dokumentieren und bei der Bewertung zu diskutieren [43, 44, 45]. Die Auswahl der Räume richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen und der Raumnutzung. Grundsätzlich sollten Messungen so durchgeführt werden, dass sie die üblichen Expositionsbedingungen abbilden, was gegebenenfalls vorgegebene Lüftungsanforderungen einschließt.

Für die Auswahl des Messzeitpunktes sind neben den mit der Nutzung verbundenen Aktivitäten vor allem die abgeschätzte Quellstärke und deren Schwankungen, die Raumtemperatur und der Luftwechsel zu berücksichtigen. Ist der Raum an eine raumlufttechnische Anlage (RLT) angeschlossen, sind der übliche Leistungsverlauf der Anlage und ihre technische Funktionsfähigkeit zu berücksichtigen. Angaben zu diesen Zeitspannen finden sich in VDI 4300 Blatt 1 und in der prEN ISO 16000-5:2005 [2, 43].

Die Gründe für die Durchführung von Innenraummessungen können sehr vielfältig sein. Wichtig ist es, vor Durchführung oder Beauftragung von Messungen diese Gründe in Form von Zielen festzulegen, da mit der Festlegung von Messzielen gleichzeitig eine Festlegung der Rahmenbedingungen für die Probenahme erfolgt. Die Festlegung der Rahmenbedingungen für Innenraummessungen ist wiederum die Grundlage für die Vergleichbarkeit von Messergebnissen (die naturgemäß immer größere Schwankungsbreiten aufweisen als Messungen unter Laborbedingungen). Das Ergebnis einer "ziellosen" Messung wird in der Regel fachlich nicht bewertbar sein, kann aber vor Ort mit betroffenen Raumnutzern zu langwierigen Diskussionen führen. Entsprechend der

Vielzahl von denkbaren Gründen für Innenraummessungen werden in den verschiedenen VDI-Vorschriften der Normenreihe 4300 und der Normenreihe DIN ISO 16000 auch unterschiedliche Möglichkeiten von Messzielen definiert (beispielhaft "Aufklärung der Gründe für Beschwerden der Raumnutzer", "Ermittlung der Exposition der Raumnutzer gegenüber bestimmten Stoffen", "Aussage über das Verhältnis von Innen- zu Außenluft-Konzentrationen", "Überprüfen der Lüftungssituation in einem Raum", "Identifizierung von Quellen", "Überprüfung der Effektivität einer Sanierung", "Ermittlung der unter speziellen Bedingungen auftretenden Konzentrationen" oder "Überprüfung der Einhaltung eines Richtwertes").

In der Praxis stellt die Überprüfung der Einhaltung von Richtwerten ein bedeutendes Messziel dar. Hierbei handelt es sich um die Richtwerte für die Innenraumluft, die von der Ad-hoc-Arbeitsgruppe IRK/AOLG abgeleitet werden und auf dem 1996 publizierten Basisschema fußen [11]. Im Basisschema wird u. a. festgelegt, dass Messwerte, die oberhalb des Richtwertes II liegen, "... umgehend mit einer Kontrollmessung unter üblichen Nutzungsbedingungen ..." überprüft werden sollen. Der Begriff "übliche Nutzungsbedingung" ist allerdings im Text nicht erläutert. Diese Lücke soll mit den folgenden Empfehlungen geschlossen werden.

9.1.3 Durchführung von Messungen unter Berücksichtigung von Lüftungsvorgaben und Messdauer

Als wichtige Voraussetzung für die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen sind weitgehend standardisierte Messbedingungen einzuhalten. Bei der messtechnischen Abbildung üblicher Nutzungsbedingungen geht es um die Erfassung der tatsächlichen Exposition der Raumnutzer in Bezug auf akut wirkende Stoffe (Kurzzeitmessung) oder chronisch wirkende Stoffe (Langzeitmessung, Durchschnittsbelastung).

Im Hinblick auf die Vorbereitung der Messung muss bedacht werden, dass es einerseits Räume gibt mit allgemeinen Lüftungshinweisen, aber ohne definierte Durchführungsvorschriften (z.B. Wohnungen, Altenheime, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Büroräume), und andererseits solche mit festgelegten Lüftungsvorgaben, entsprechenden Durchführungsempfehlungen (z.B. Schulen) oder nur Hinweisen (Tabelle 3). Da oftmals entgegen diesen Vorgaben bzw. Empfehlungen oder Hinweisen die Lüftung von Räumen häufig nach den individuellen Vorstellungen und Gewohnheiten der jeweiligen Raumnutzer erfolgt, löst die Berücksichtigung von Lüftungsvorgaben bei der Durchführung von Innenraummessungen zuweilen Befremden aus. Solange innenraumbezogene Probleme nicht benannt werden, erscheint die Durchsetzung von Lüftungsvorgaben in der Regel als nicht notwendig. Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden energetischen Abdichtung von Räumen kommt es aber immer wieder zu Innenraumproblemen (z.B. auch aufgrund hoher CO2-Konzentrationen, Feuchte und Schimmelpilzbefall) im Zusammenhang mit nicht ausreichender Lüftung. Spätestens dann ist es notwendig, für Räume möglicherweise vorhandene oder z.B. aufgrund von Innenraumluftproblemen ausgesprochene Lüftungsregeln bei Nutzern zu vermitteln und diese Lüftungsvorgaben auch bei den Raumluftmessungen zu berücksichtigen. Definierte Lüftungsvorgaben und Durchführungsempfehlungen finden sich beispielsweise im Schulleitfaden des Umweltbundesamtes [46] und in einem Merkblatt des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) [47].

Die Temperatur während der Durchführung der Messung sollte in einem für den Raum typischen Bereich liegen, in der Regel also in dem für Innenräume üblichen Temperaturbereich von 19-24°C. Wenn bei davon abweichenden Temperaturen gemessen wird, muss dies berücksichtigt und begründet und auch die für dieses Raumklima typische Lüftungssituation in die Messstrategie einbezogen werden.

Kurzzeitmessungen. Räume mit definierter Lüftungsvorgabe (z.B. Schulen): Für den Fall, dass verbindliche Vorgaben für die Lüftung existieren, ist die Probenahme nach einem Nutzungszyklus (Zeitspanne zwischen zwei Lüftungen, z.B. 1 Schulstunde) bei weiterhin geschlossenem Raum vorzunehmen. Für z.B. eine Kurzzeitmessung in Schulen sollten als Annäherung an die realen Nutzungsbedingungen nach einer Lüftung über mindestens 5 Minuten die Fenster verschlossen und eine Gleichgewichtseinstellung für den Zeitraum von einer Schulstunde (45 Minuten) abgewartet werden. Anschließend erfolgt die Kurzzeitmessung bei weiterhin geschlossenem Raum.

Räume ohne definierte Lüftungsvorgabe (wohnähnliche Nutzung): Eine Standardisierung vor der Probenahme wird dadurch vorgenommen, dass durch intensive Lüftung über mindestens 5 min eine definierte Ausgangsbasis geschaffen wird, an die sich eine längere Phase der Gleichgewichtseinstellung von mindestens 8 Stunden (z. B über Nacht) ohne Lüftung anschließt. Die Probenahme erfolgt anschließend bei weiterhin geschlossenem Raum. Für Büroräume gelten hinsichtlich der Lüftung die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung und der zugeordneten derzeit gültigen Arbeitsstättenrichtlinie (ASR 5) [48]). Messungen mit dem Zweck, eine Grundlage für die gesundheitliche Bewertung zu schaffen, sind unter weitgehend standardisierten Messbedingungen durchzuführen. In Anlehnung an reale, häufig anzutreffende Verhältnisse mit mehrstündigen Perioden ohne Lüftungsmaßnahmen erfolgt die Standardisierung wie bei wohnähnlicher Nutzung (5-15 Minuten Lüftung, Messung nach Gleichgewichtseinstellung von mindestens 8 Stunden).

Langzeitmessungen. Bei Langzeitmessungen sollen die Lüftungs- und sonstigen Gewohnheiten beibehalten werden. Die üblichen Tätigkeiten sollen vor Beginn der Untersuchung abgefragt und dokumentiert werden. Dabei ist von besonderer Bedeutung, Kenntnis über die Aktivität intermittierender Quellen zu erhalten. Die übliche Raumnutzung hat eine besondere Bedeutung für Messergebnisse, die wesentlich von der Staubaufwirbelung beeinflusst werden, wie die Bestimmung staubgebundener schwer flüchtiger Verbindungen (DDT, höher chlorierte PCB).

Räume mit definierter Lüftungsvorgabe (z.B. Schulen): Langzeitmessungen werden während mehrerer Nutzungszyklen unter Einhaltung der vorgeschriebenen Lüftung bei üblicher Nutzung der Räume durchgeführt, z.B. in Schulen erfolgen die Pausenlüftungen wie vorgeschrieben. Die Messung beginnt nach dem ersten Schließen der Fenster und endet vor dem letzten Öffnen der Fenster (mehrere Nutzungszyklen eingeschlossen). Vorzugsweise sind die Messungen bei gleichzeitiger Raumnutzung durchzuführen. Die Messdauer sollte nach Möglichkeit mindestens einen vollen Schultag umfassen, um so den Temperatureinfluss im Tagesgang zu erfassen.

Sofern spezifische Lüftungsvorschriften für die Büroarbeitsplätze vorliegen, sind diese zu beachten.

Räume ohne definierte Lüftungsvorgabe (wohnähnliche Nutzung): Eine Standardisierung vor der Probenahme wird dadurch vorgenommen, dass durch intensive Lüftung über mindestens 5 Minuten eine definierte Ausgangsbasis geschaffen wird, an die sich eine längere Phase der Gleichgewichtseinstellung von mindestens 8 Stunden (z. B über Nacht) ohne Lüftung anschließt. Die Probenahme erfolgt anschließend bei weiterhin geschlossenem Raum. Für Büroräume wird zur Beurteilung des "Ist-Zustandes" - sofern keine besondere Lüftungsvorgabe für den Büroarbeitsplatz vorliegt - eine Langzeitmessung unter den betriebsüblichen Arbeits- und Lüftungsbedingungen empfohlen.

Werden entsprechend der prEN ISO 16000-5:2005 [43] zur Durchführung von Langzeitmessungen Passivsammler verwendet, bedarf es keiner Vorbereitung des Raumes, wenn die Dauer der Messung 24 h übersteigt. Üblicherweise wird eine Probenahmedauer von einem Monat nicht überschritten, wobei in jedem Fall die Leistungsfähigkeit des verwendeten Sammlers hinsichtlich der Stabilität des Probenahmemediums und der gesammelten Menge der bestimmende Faktor ist.

Tabelle 3 Probenahme unter standardisierten Bedingungen (die Lüftungs- und Nutzungsbedingungen sind zu protokollieren)

  Kurzzeitmessung
(Probenahmedauer üblicherweise unter einer Stunde)
Langzeitmessungen
(Probenahmedauer deutlich mehr als eine Stunde)
Räume mit definierten Lüftungsvorgaben (z.B. Schulen) Fensterbelüftet Räume (z.B. Unterrichtsräume) werden vor Nutzungsbeginn (Unterrichtsbeginn) mindestens 5 Minuten intensiv belüftet) Anschließend werden die Fenster verschlossen und nach Ablauf des Nutzungszyklus (z.B. eine Schulstunde) erfolgt die Messung im Raum ohne weiter Lüftung. Räume mit raumlufttechnischen Anlagen werden mit der üblicherweise laufenden Lüftungseinstellung kontinuierlich belüftet. Weitere Lüftungen entfallen. Bei Langzeitmessungen wird die vorgeschriebene Lüftung beibehalten. Die Messung beginnt nach dem ersten Lüften mit dem Schließen der Fenster und erfolgt unter üblichen Nutzungsbedingungen. Für fensterbelüftete Klassenräume bedeutet dies, dass die Messung unter Einhaltung der vorgeschriebenen Pausenlüftung bei üblicher Nutzung der Klassenräume durchgeführt werden sollte. Die Messdauer sollte nach Möglichkeit mindestens einen vollen Schultag umfassen, um so den Temperatureinfluss im Tagesgang im Mittel zu erfassen. Räume mit raumlufttechnischen Anlagen werden mit der üblicherweise laufenden Lüftungseinstellung kontinuierlich belüftet. Weitere Lüftungen entfallen.
Räume ohne definierte Lüftungsvorgabe (z.B. wohnähnliche Nutzung) Die letzte Lüftung (mindestens 5 Minuten) erfolgt am Vorabend vor der Messung. Danach werden Fenster und Türen mindestens 8 Stunden (z.B. über Nacht) geschlossen gehalten. Während und direkt vor der Messung erfolgt keine weitere Lüftung. Vorbereitung und Probenahmen über einige Stunden erfolgen wie "Kurzzeitmessungen". Bei Messungen über einen Tageszyklus und länger (mehr als 24 Stunden) wird wie üblich gelüftet.

9.2 Messunsicherheit

Jedes Messergebnis weist eine Messunsicherheit (Messfehler) auf, die die Abweichung eines durch Messen gewonnenen Wertes von einem als richtig angenommenen Wert beschreibt. Im Prüfbericht sollten von der Untersuchungsstelle sowohl die Messunsicherheit als auch die Bestimmungsgrenze angegeben werden. Es wird empfohlen, den Messfehler, der sich aus Probenahme und Analysenfehler zusammensetzt, explizit durch die Angabe des absoluten oder relativen Messfehlers anzugeben. Der Messfehler kann auch implizit aus der Zahl der signifikanten Stellen des Messergebnisses ersichtlich werden, wie in der prEN ISO 16000-5:2005 definiert: "Bei den Messergebnissen werden die Zahlenwerte üblicherweise so angegeben, dass die letzte Dezimalstelle (signifikante Stelle) zugleich die Größenordnung der Messunsicherheit zu der Zeit beschreibt" [43].

Die Frage Einhaltung oder Überschreitung des Richtwertes RW II wird allein durch den Vergleich des Messwertes mit dem Richtwert beurteilt.

9.3 Einfluss klimatischer Bedingungen

Die natürlichen Veränderungen im Außenluftbereich wie Temperatur oder Windgeschwindigkeit haben Einfluss auf die raumklimatischen Bedingungen und führen somit zu Veränderungen in der Höhe des Messergebnisses. Die Höhe der VOC-Konzentration hängt - bei sonst konstanten Bedingungen - von der Raumlufttemperatur ab, möglicherweise auch von der relativen Luftfeuchte. Für eine sinnvolle Aussage über die VOC-Konzentration der Raumluft ist es deshalb unabdingbar, die Messung unter den raumklimatischen Bedingungen durchzuführen, bei denen der zu untersuchende Raum üblicherweise genutzt wird. Liegen diese Bedingungen außerhalb des Bereiches der thermischen Behaglichkeit, so muss darauf hingewiesen werden, dass das Einhalten dieser Bedingungen Vorrang vor sonstigen Maßnahmen zur Verringerung der VOC-Konzentration haben sollte (prEN ISO 16000-5:2005 [43]).

Wie Untersuchungen zeigen, können für ein gegebenes Gebäude Windrichtung und -geschwindigkeit einen starken Einfluss auf die Luftwechselrate haben und damit zu nicht vernachlässigbaren Unterschieden im Messergebnis führen. Es sollte dokumentiert werden, wenn die Windgeschwindigkeit im Außenbereich bei natürlich belüfteten Gebäuden im Binnenland die Kategorie Bft 3nach Beaufort (Bft3~3, 6-5, 6 m/s, "Schwache Brise" - Blätter und dünne Zweige bewegen sich) und in der norddeutschen Tiefebene die Kategorie Bft 4(5, 7-8, 1 m/s, "mäßige Brise" - Zweige bewegen sich, Papier wird vom Boden gehoben, überall Schaumköpfe) überschreitet.

Dieses Papier wurde unter Federführung von Dr. Birger Heinzow und Dr. Helmut Sagunski und Beteiligung von Christoph Baudisch, Herbert Grams, Dr. Martin Kraft, Thomas Lahrz, Dr. Ludwig Müller und Dr. Jutta Witten sowie Peter Tappler (als externer Experte) erstellt und im Dezember 2006 abgeschlossen.

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Zusammenfassung

Die Beurteilung von Verunreinigungen der Innenraumluft beruht auf einer Bewertungsrangfolge, die toxikologisch abgeleitete Richtwerte für einzelne Substanzen oder Substanzgruppen heranzieht sowie als vergleichende Bewertung sich an statistischen Werten (Referenzwerte von Einzelstoffen und dem TVOC-Wert) orientiert. Diese Empfehlung gilt für den privaten Innenraum, für den öffentlichen Bereich sowie für Arbeitsplätze ohne Umgang mit Gefahrstoffen. Nach Auffassung der Ad-hoc-Arbeitsgruppe ist der Richtwert I (RW I) die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bis zu der im Rahmen einer Einzelstoffbetrachtung auch bei lebenslanger Exposition keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Bei Konzentrationen in der Raumluft oberhalb des Richtwertes II (RW II) sind gesundheitliche Gefahren bei empfindlichen Raumnutzern nicht mehr mit hinreichender Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Abgeleitet wurden RW-I- und RW-II-Werte entsprechend einem Basisschema für

Bei Konzentrationen oberhalb des RW II besteht unverzüglicher Handlungsbedarf, z.B. im Hinblick auf Sanierungsentscheidungen zur Verringerung der Exposition. Eine Schließung der Räume kann daher notwendig sein. Im Konzentrationsbereich zwischen RW I und RW II ist zunächst verstärkt zu lüften und zu reinigen. Wenn jedoch der Richtwert I nach wie vor überschritten wird, werden in einem zweiten Schritt weitergehende Maßnahmen empfohlen. Die nachfolgende Empfehlung zur Anwendung von TVOC-Werten präzisiert das TVOC-Konzept von Seifert (1999) und gliedert sich in 5 Stufen. Unter der Voraussetzung, dass die toxikologisch begründeten Richtwerte von Einzelstoffen nicht überschritten werden, gilt:

Stufe 1: TVOC-Wert < 0,3 mg/m3: hygienisch unbedenklich, Zielwert.

Stufe 2:TVOC-Wert>0,3-1 mg/m3: hygienisch noch unbedenklich, erhöhter Lüftungsbedarf.

Stufe 3: TVOC-Wert >1-3 mg/m3: hygienisch auffällig, befristet (<12 Monate) als Obergrenze für Räume, die für einen längerfristigen Aufenthalt bestimmt sind.

Stufe 4: TVOC-Wert >3-10 mg/m3: hygienisch bedenklich, Raum befristet (maximal 1 Monat) und bei verstärkter Lüftung nutzbar.

Stufe 5: TVOC-Wert >10-25 mg/m3: hygienisch inakzeptabel. Die Raumnutzung ist allenfalls vorübergehend täglich (stundenweise) und bei Durchführung verstärkter regelmäßiger Lüftungsmaßnahmen zumutbar.

Referenzwerte geben keinen Aufschluss über eine Gesundheitsgefährdung. Es wird lediglich ausgesagt, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung in einer vergleichbaren Größenordnung exponiert ist. Auch im Bereich der Innenraummessungen sollten Referenzwerte möglichst zeitnah aktualisiert werden. Wird ein Referenzwert überschritten, sollte zunächst eine Plausibilitätsprüfung vorgenommen werden. Unter Berücksichtigung der Höhe der gefundenen Konzentration und der für die Substanz bekannten toxikologischen Eigenschaften ist zu ermitteln, ob diese Referenzwert-Überschreitung gesundheitliche Relevanz haben könnte, um ggf. eine Kontrollmessung zu veranlassen. Ergebnisse von Innenraumluftmessungen hängen erheblich von der Messstrategie, Lüftungssituation und raumklimatischen Faktoren ab. Hierzu werden standardisierte Messbedingungen empfohlen.

Schlüsselwörter

Richtwert - Referenzwert - TVOC-Wert - standardisierte Messbedingungen

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1) § 3: Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne von § 1 Abs. 1 Satz 2 sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben und Gesundheit nicht gefährdet sowie die natürlichen Lebensgrundlagen geschont und keine unzumutbaren Belästigungen verursacht werden. § 16: Schutz gegen schädliche Einflüsse: Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 2 müssen so angeordnet, beschaffen und gebrauchstauglich sein, dass durch Wasser, Feuchtigkeit, pflanzliche oder tierische Schädlinge sowie andere chemische, physikalische oder biologische Einflüsse Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen. Baugrundstücke müssen für bauliche Anlagen entsprechend geeignet sein.

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