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Berufskrankheit Nr. 1302 "Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe" -
Erkrankungen der Schilddrüse durch Polychlorierte Biphenyle;
Wissenschaftliche Stellungnahme
Vom 11. Juli 2019
(GMBl. Nr. 20 vom 11.07.2019 S. 386)
- Bek. d. BMAS v. 11.7.2019 - IVa 4-45222 - 1302 -
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am 27. November 2018 die nachstehende wissenschaftliche Stellungnahme zu der Berufskrankheit Nr. 1302 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung beschlossen:
Wissenschaftliche Stellungnahme zu der Berufskrankheit Nr. 1302 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung "Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe" - Erkrankungen durch Polychlorierte Biphenyle - Erkrankungen der Schilddrüse
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am 27. November 2018 folgende wissenschaftliche Stellungnahme zu der genannten Berufskrankheit beschlossen:
Hinsichtlich der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Charakteristik, zum Vorkommen und zu den Gefahrenquellen der polychlorierten Biphenyle (PCBs) sowie zur Aufnahme, Ausscheidung und zum Stoffwechsel beim Menschen wird auf die wissenschaftliche Stellungnahme des Ärztlichen Sachverständigenbeirats "Berufskrankheiten" vom 1. Februar 2018 GMBl 2018, S. 223 verwiesen.
1. Krankheitsbilder
In Studien zum Zusammenhang zwischen arbeitsbedingter PCB-Exposition und deren Einfluss auf die Schilddrüse, werden Veränderungen der Schilddrüsenfunktion (Hypo- und Hyperthyreose), strukturelle Veränderungen (Struma, Hypoechogenität) und Autoimmunerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis, M. basedow) beschrieben.
2. Wirkmechanismen
In der Literatur werden vor allem drei Pathomechanismen für PCB-bedingte Wirkungen auf die Schilddrüse beschrieben:
3. Erkenntnisse beim Menschen
Ein großer Teil der Studien, die den Zusammenhang zwischen verschiedenen Schilddrüsenparametern und der PCB-Belastung untersuchen, stammen von der Forschergruppe um Langer aus dem PCBRISK-Projekt im Osten der Slowakei. Hier wurden in einer chemischen Anlage zwischen 1955 und 1985 20.000 Tonnen PCB mit einer ähnlichen Zusammensetzung wie Arochlor 1242 produziert. Die Abfälle (ca. 900 Tonnen) kontaminierten die Böden der Fabrik und der Umgebung, flüssige Abfälle wurden in einen Fluss eingeleitet, was auch zu einer Trinkwasserkontamination führte. Beschäftigte des Unternehmens können daher sowohl beruflich als auch umweltbedingt (Anwohner) exponiert sein. In den Jahren 1990 bis 1994 wurden Konzentrationen im Fettgewebe (12.300 ng/gFett), im Serum (1.160-9.600 ng/ gFett) und Muttermilch (durchschnittlich 1.360 ng/gFett) gemessen. Die dominanten Kongenere waren PCB 28, 118, 138, 153 und 180. Bei Beschäftigten wurden durchschnittliche Toxizitätsäquivalente (TEQ) von 137,7 pg/gFett für die PCBs 126 und 169 und für polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane gemessen. 1996 wurden bei einer Subgruppe der Beschäftigten hohe TEQs mit 600 pg/gFett beschrieben (Langer et al., 1998).
Das PCBRISK-Projekt untersucht sowohl die Auswirkungen einer umweltbedingten, aber auch die Folgen einer arbeitsbedingten PCB-Exposition auf die Schilddrüse. In der folgenden Tabelle werden die Studien dargestellt, die sich mit arbeitsbedingt belasteten Teilnehmern dieses Projektes beschäftigten. Die Studien sind dabei nach der Höhe der berichteten PCB-Belastung geordnet; beginnend mit der höchsten Belastung bis zur geringsten Belastung am Ende der Tabelle.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Effekte einer arbeitsbedingten PCB-Exposition auf die Schilddrüse sehr unterscheiden und zum Teil widersprüchlich sind. Zudem weisen die Studien zum Teil erhebliche methodische und statistische Mängel auf, die eine Interpretation der Ergebnisse erschweren und zum Teil unmöglich machen.
(Stand: 10.06.2025)
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