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Arbeitsschutz; Arbeits- und Sozialrecht

Merkblatt zur Berufskrankheit Nr. 3101
"Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, inder Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eineandere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war."

Stand 2000
(BArbBl. 1/2000 S. 35)



Zur Übersicht in Anlage 1 BKV

I. Vorkommen und Gefahrenquellen

Unter der Nr. 3101 der Anlage zur BKV sind Krankheiten erfasst, die von Menschzu Mensch übertragbar sind. Diese Krankheiten fallen grundsätzlichdann unter die Nr. 3101 der Anlage zur BKV, wenn sie bei Versicherten auftreten,die infolge der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit in bestimmtenBereichen einer gegenüber der allgemeinen Bevölkerung wesentlich erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt sind.

Dies trifft hauptsächlich auf das Personal in stationären oderambulanten medizinischen Einrichtungen der Human- und Zahnmedizin, inwohlfahrtspflegerischen Einrichtungen und Laboratorien zu. Außerdemkönnen in diesen Bereichen kurzfristig mit Arbeiten wie Warten,Instandsetzen oder Entsorgen tätige Personen betroffen sein. Ein Risikoin ähnlichem Maße kann auch bei Tätigkeiten in der Gentechnik, Biotechnologie, in Abwasser- und Kläranlagen bestehen.

II. Ätiopathogenese

Die Aufnahme der Krankheitserreger kann über die nicht sichtbar verletzte(Mikroläsionen) oder verletzte Haut bzw. Schleimhaut (trans-, perkutaneInfektion als Kontakt- oder Schmierinfektion), über den Atemtrakt (aerogeneInfektion als Tröpfchen- oder Staubinfektion), parenteral (Stich- oderSchnittverletzung) oder über den Verdauungstrakt (orale Infektion,Schmierinfektion) erfolgen. Als Ergebnis der Aufnahme des Erregers resultierennach unterschiedlichen Inkubationszeiten entweder lokale oder systemischeVermehrungen des Erregers mit oder ohne Auftreten von Krankheitssymptomen.Dabei umfasst der Verlauf der Infektion einen Prozess, in dem mehrereAbwehrmechanismen des Immunsystems in einer für jeden Erreger typischen Weise wirksam werden.

III. Krankheitsbilder und Diagnosen

Bezüglich der Krankheitsbilder und ihrer Diagnosen wird auf dieeinschlägigen Lehrbücher verwiesen. Zur Veranschaulichung der Bedeutungdes BK-relevanten zeitlichen Zusammenhangs sind im Anhang die Inkubationszeiten und Infektionswege aufgeführt.

Die Diagnose ist jeweils durch virologische, bakteriologische, serologischeund ggf. typendifferenzierende Untersuchungen unter Berücksichtigungder Inkubationszeit zu sichern. Bei allen Viren mit vorhandenen Subtypenbesteht die Möglichkeit - über die genomische Analyse der Virender Infektionsquelle und des Versicherten - die Infektionsquelle sicher zuidentifizieren oder auszuschließen. Dieses ist auch bei einigen Bakterien durch eine Restriktionsenzymanalyse möglich.

Wichtige Krankheitsbilder werden im Folgenden dargestellt.

III. 1. Virushepatitiden

Unter der Bezeichnung "Virushepatitis" werden verschiedene Hepatitidenzusammengefasst, die durch unterschiedliche Hepatitisviren hervorgerufenwerden und sich hinsichtlich Übertragung, Verlauf, Komplikationen und serologischer Marker unterscheiden.

III. 1.1. Virushepatitis A

Der Erreger der Erkrankung ist das Hepatitis-A-Virus (HAV), ein RNA-Virusder Familie der Picornaviren. Die Übertragung erfolgt fäkal-oraldurch direkten Kontakt mit Kranken (auch über kontaminierteGegenstände) oder über durch Virusausscheider oder fäkaleVerunreinigungen kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser. Die Inkubationszeitbeträgt 14 bis 40 Tage. Eine Infektiosität besteht bereits 7 bis 14 Tage vor dem Krankheitsausbruch.

Neben ikterischen treten häufig anikterische Verläufe auf. Fieber,heller bis entfärbter Stuhl, dunkler (bierbrauner) Urin,Transaminasenanstieg, Bilirubinerhöhung, Oberbauchbeschwerden undHepatomegalie sind typische Zeichen. Eine Chronifizierung tritt nicht ein.Der Nachweis von IgM-Antikörpern und später auch vonIgG-Antikörpern gegenüber HAV im Serum sichert die Diagnose, wobeizu berücksichtigen ist, dass eine vorausgegangene Impfung zu erhöhtenKonzentrationen von IgG-Antikörpern führen kann. Der Nachweis vonHAV im Stuhl und Blut ist über Antigentests und Nukleinsäuretests möglich.

III. 1.2. Virushepatitis B

Der Erreger ist das Hepatitis-B-Virus (HBV), ein DNA-Virus der Familie derHepadnaviren. Die Übertragung des Erregers erfolgt parenteral durchBlut, Blutprodukte, über Sekrete und Exsudate. Außerberuflicherfolgt die Infektion hauptsächlich über Sexualkontakte,i.v.-Drogenkonsum und beruflich vorwiegend über Stich- undSchnittverletzungen. Das Übertragungsrisiko bei beruflichem Kontaktist hoch, bei positiver Envelope-Antigen-(HBe-Antigen)-Infektionsquelle biszu 100 %. Die Inkubationszeit beträgt 60 bis 180 Tage, bei großenInokulationsmengen z.T. deutlich weniger. Bei Nachweis von Virusbestandteilen,wie den HBs- und HBe-Antigenen bzw. Nachweis viraler DNa im Serum ist Infektiosität vorhanden.

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(Stand: 16.06.2018)

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