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Regelwerk, Arbeitsschutz, Arbeits- und Sozialrecht

Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats "Berufskrankheiten" - Leukämie durch Butadien -
Berufskrankheiten-Verordnung

Vom 1. Juli 2016
(GMBl. Nr. 33/34 vom 26.08.2016 S. 650)´



Zur Übersicht in der Anlage 1 der BKV

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in seiner Sitzung am 12. Februar 2016 empfohlen, in die Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung folgende neue Berufskrankheit aufzunehmen:

"Chronisch-myeloische oder chronisch-lymphatische Leukämie durch 1,3-Butadien
bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von mindestens 180 Butadien-Jahren (ppm x Jahre)"

Die hierzu vom Ärztlichen Sachverständigenbeirat erarbeitete wissenschaftliche Begründung lautet wie folgt:

1. Vorkommen und Gefahrenquellen

1,3-Butadien (CAS-Nr. 106-99-0) ist bei Umgebungsbedingungen ein farbloses Gas mit einem aromatischen Geruch (European Chemicals Bureau 2002). Möglichkeiten der Exposition bestehen vor allem in der Herstellung und der Weiterverarbeitung von 1,3-Butadien.

1.1 Herstellung von 1,3-Butadien

Historisch wurde 1,3-Butadien auch in Deutschland auf Kohle-Karbidbasis hergestellt, in den neuen Bundesländern bis 1992. Dafür standen im Wesentlichen drei chemische Verfahren zur Verfügung (Weissermel und Arpe 1978):

Auf der Basis von Olefinen kamen und kommen insbesondere großtechnisch die Isolierung aus C4-Steamcrackschnitten und die Dehydrierung von C4-Alkanen und Alkenen aus Erdgas und Raffinerieabgasen zur Anwendung.

1.2 Verarbeitung von 1,3-Butadien

Anwendungsbedingt kann der 1,3-Butadien-Anteil im Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) schwanken. Typisch ist ein Verhältnis von 1,3-Butadien zu Styrol von 77:23. Wird der Styrolanteil erhöht, entsteht ein Styrol-Butadien-Latex, dabei sind Styrolanteile bis zu 40-45 % möglich. Diese Latices finden u. a. Anwendung in Teppichklebern, bei der Papierbeschichtung und Dachpappen. Eine weitere Spezialanwendung ist Carboxyl-Latex (XSBR) mit Anteilen von Carboxyl-Säuren von bis zu 5 % und Styrol zwischen 35 % und 85 % und dadurch bedingt auch variablen 1,3-Butadien-Anteilen. Dieser XSBR wird besonders verwendet in Klebern und als Beschichtung (Fedtke und Pritzkow 1992, European Chemicals Bureau 2002).

In der Herstellung von Styrol-Butadien-Polymer schwankte die Exposition mit 1,3-Butadien in früheren Jahrzehnten zwischen 8-20 mg/m3, entsprechend 3,6-8,9 ppm, während sie bei Messungen in letzter Zeit unter 2 mg/m3, entsprechend < 0,89 ppm, lag. Es kamen früher jedoch auch höhere kurzzeitige Expositionen in Höhe von 200 mg/m3, entsprechend 89 ppm, vor (IARC 2008). Tabelle 1 zeigt das Ergebnis von 733 Messungen, die die Präventionsdienste der Unfallversicherungsträger im Zeitraum 1984-2013 durchgeführt haben.

Tabelle 1: 1,3-Butadien-Messwerte nach mindestens sechsstündiger Probenahmedauer, die in den Jahren 1984-2013 von den Unfallversicherungsträgern erhoben wurden (Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung 2014, S. 7)

Branche Anzahl
Betriebe
Anzahl
Messwerte
1,3-Butadien-Konzentration
Median
(mg/m3)
95 %-Wert
(mg/m3)
Median
(ppm)
95%-Wert
(ppm)
alle Branchen 376 733 < a. B.1 2,8 < a. B.1 1,2
darunter: Chemische Industrie:
- Destillation u. Reaktionsbehälter 2 21 1,0 8,8 0,4 3,9
- Lager u. Tanklager 1 20 1,0 20,0 0,4 8,9
Schifffahrt, Güter- u. Tankschifffahrt 1 25 3,0 6,7 1,3 3,0
1) analytische Bestimmungsgrenze

Die technische Richtkonzentration für 1,3-Butadien betrug bis zum Jahr 2004 für den Bereich der Aufarbeitung nach Polymerisation und für die Verladung 34 mg/m3, entsprechend 15,1 ppm, und im Übrigen 11 mg/m3

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