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BKV Nr. 2115 - Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats "Berufskrankheiten" - Fokale Dystonie -
Berufskrankheiten-Verordnung
Vom 1. Juli 2016
(GMBl Nr. 33/34 vom 26.08.2016 S. 666)
- Bek. d. BMAS v. 1.7.2016 - IVa 4-45222 - Fokale Dystonie -
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in seiner Sitzung am 1. Dezember 2015 empfohlen, in die Anlage 1 der Berufskrankheiten-Verordnung folgende neue Berufskrankheit aufzunehmen:
"Fokale Dystonie als Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Instrumentalmusikern durch feinmotorische Tätigkeit hoher Intensität"
Die hierzu vom Ärztlichen Sachverständigenbeirat erarbeitete wissenschaftliche Begründung lautet wie folgt:
1. Quellen des aktuellen Kenntnisstands
Der aktuelle Kenntnisstand basiert vorrangig auf einem systematischen Review der medizinischwissenschaftlichen Literatur zur Frage, ob intensives Musizieren zur Entstehung der aufgabenspezifischen fokalen Dystonie bei Berufsmusikern wesentlich beiträgt (Rozanski et al., 2014, Rozanski et al., 2015).
Vorab wurden hierbei die für einen systematischen Review erforderlichen PICOS-Kriterien (= Participants, Intervention, Comparison, Outcome, Study Design) (Stroup et al., 2000, Liberati et al., 2009) wie folgt festgelegt:
Da bislang keine Querschnittsuntersuchungen an großen Musikerkollektiven bekannt sind, die die Prävalenz aufgabenspezifischer fokaler Dystonien untersucht haben, und da ein hoher Prozentsatz betroffener Musiker aus diesem Beruf ausscheidet, ist die epidemiologische Recherche zu diesem Krankheitsbild erschwert, da sie auf klinische Fallserien und Einzelfallberichte zurückgreifen muss. Insbesondere gibt es keine Studien, in denen die Bedeutung von Risikofaktoren in der Pathogenese aufgabenspezifischer fokaler Dystonien im
Vergleich zu nicht erkrankten Exponierten untersucht wurde.
Die Datenlage zu diesem Krankheitsbild erforderte daher eine breitgefächerte Suchstrategie, um möglichst viele Informationen zu diesem Krankheitsbild zu erhalten. Da die Trainingsintensität als externer Risikofaktor für die Krankheitsentstehung bisher noch nicht systematisch untersucht wurde, wurden auch Parameter zu dessen Abschätzung definiert und aus den gegebenen Fallserien extrahiert. Als Grundlage des systematischen Reviews wurden alle verfügbaren Studien, die klinische und nach Möglichkeit epidemiologische Daten zum Krankheitsbild der Musikerdystonie enthalten, herangezogen.
Die Auswahlkriterien für Publikationen, die für den systematischen Review (Rozanski et al., 2014, Rozanski et al., 2015) verwendet wurden, waren folgendermaßen entsprechend weit definiert:
Einschluss-Kriterien:
Ausschluss-Kriterien:
Reviews wurden nur zur Sichtung der Literaturangaben (handsearch) herangezogen. Einzelfallberichte, die meist einen ungewöhnlichen Aspekt der Erkrankung beleuchten, wurden verwendet, um differentialdiagnostische Ursachen der Erkrankung zu berücksichtigen. Sie flossen jedoch nicht in die statistische Auswertung ein, da sie möglicherweise aufgrund der sehr selektiven Fragestellung zu einem stärkeren Selektionsbias geführt hätten.
Aus Gründen der Praktikabilität wurden weiterhin folgende Festlegungen getroffen:
Insgesamt wurden 22 internationale und nationale medizinische sowie musikwissenschaftliche Datenbanken herangezogen. Eine detaillierte Beschreibung der Suchstrategie, der Studienauswahl, der Datenauswertung und der Qualitätsbewertung findet sich bei (Rozanski et al., 2014, Rozanski et al., 2015). Letztlich erfüllten aus 678 identifizierten Artikeln 16 Studien und sieben Fallberichte die Validitätskriterien für den systematischen Review und konnten in diesen eingeschlossen werden, wobei die vier umfassendsten Studien klinische Daten zu 930 Musikern beinhalteten. Insgesamt wurden die Daten zu 1144 Musikern mit fokaler, aufgabenspezifischer Dystonie erfasst.
Ergänzend zu diesem systematischen Review zur Frage der aufgabenspezifischen fokalen Dystonie des professionellen Musikers wurde die Frage geprüft, für welche anderen Tätigkeiten belastbare kasuistische oder epidemiologisch verwertbare Aussagen über das Auftreten aufgabenspezifischer fokaler Dystonien vorliegen. Ausführungen hierzu finden sich im Abschnitt "Abgrenzung der bestimmten Personengruppe" unter "Abgrenzung der aufgabenspezifischen fokalen Dystonie des professionellen Instrumentalmusikers von anderen tätigkeitsbezogenen Dystonien".
2 Gefahrenquellen
(Stand: 18.06.2025)
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