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12 Gewerbespezifisches Schulungskonzept am Beispiel "Arbeitsplatz Omnibus" - Aufbau eines Moderatorennetzwerkes
Hans-Jürgen Hoormann, Dr. Andreas Patorra
Die Tätigkeit der Fahrer von Reise- und Linienbussen ist mit einer Vielzahl an Belastungen verbunden. Neben der Unfallgefahr durch Verkehrs- und Arbeitsunfälle sind hier vor allem die Gefährdungen der Gesundheit durch die Fahrtätigkeit selbst, aber auch durch die sie begleitenden Randbedingungen zu nennen. Hier sind das lange Sitzen und Bewegungsarmut bei der Fahrtätigkeit, das zunehmende Verkehrsaufkommen und damit die Zunahme von belastenden Verkehrssituationen, die Abhängigkeit von Klima und Wetter oder Zeitdruck beispielhaft zu nennen. Hinzu kommt, dass die Fahrer oft auch nicht über Strategien verfügen, den Belastungen zu begegnen.
Dies führt dazu, dass viele Fahrer im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs vor Erreichen der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Fahrdienstuntauglichkeit tritt im Mittel nach 20,9 Dienstjahren, im Alter von 49 Jahren ein. Unfälle und die durch die gesundheitlichen Probleme der Fahrer bedingten Fehlzeiten verursachen erhebliche Kosten.
Für Reisebusfahrer liegt kein exaktes Datenmaterial vor. Die Organisation der Tätigkeit weist zwar einige deutliche Unterschiede auf (zum Beispiel ein größerer Anteil an Langstreckenfahrten mit weniger, dafür längeren Pausen, zusätzliche Betätigung als "Animateur" und Reiseleiter), jedoch sind der eigentliche Arbeitsplatz und die Fahrtätigkeit durchaus vergleichbar, so dass die Erkenntnisse aus dem Linienbusbereich übertragbar sind.
Experten in gemeinsamer Runde
Im Frühjahr 1999 wurde bei der BG für Fahrzeughaltungen BGF eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, "Arbeits- und Gesundheitsschutz in Omnibusbetrieben" AGO, gegründet. Sie besteht aus Psychologen, Pädagogen, Ingenieuren, Medizinern und Betriebspraktikern (Fahrer, Disponent, Personalchef, Betriebsleiter), Sicherheitstrainern und Fahrlehrern. Von dieser Arbeitsgruppe wurde ein Moderatorenhandbuch mit dem Titel "Arbeitsplatz Omnibus - Gesund und sicher" erarbeitet. Ziel ist es u.a., die Betriebe bei der Erfüllung ihrer umfassenden Pflichten im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes mit praxisgerechten Angeboten des ganzheitlichen Ausbildungskonzeptes "Gesund und sicher" zu unterstützen.
Dazu werden mit diesem Seminarkonzept Moderatoren ausgebildet, die in betrieblichen Schulungen insbesondere in KMU die Fahrdienstmitarbeiter von Omnibusbetrieben für den Gesundheitsschutz im Fahrdienst sensibilisieren und zu aktivem Handeln im Sinne "Gesund

und sicher" motivieren.
Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen
Die Hintergrundinformationen und Arbeitsmaterialien für die Multiplikatoren werden in einem "Moderatorenordner" zusammengefasst. Der Begriff "Moderation" steht für die Programmphilosophie und die damit verbundene Einstellung der Moderatoren zu ihren Seminarteilnehmern. Diese Teilnehmer sind als Busfahrer (oder als Fahrdienstleiter) Experten in ihrem Bereich. Reine Belehrung, Instruktion oder Wissensvermittlung wäre lerntheoretisch ungeeignet und würde wahrscheinlich auf den Widerstand der Zielgruppe treffen. Statt dessen sollte der Moderator den Teilnehmern die Kompetenz zugestehen, selbständig Probleme lösen zu können und dies im Seminar nutzen. Die Ganzheitlichkeit des Ansatzes bezieht sich sowohl auf die Inhalte wie auf die Herangehensweise: Die behandelten Themen erfassen die verschiedenen facetten der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes und reichen von der klassischen Sicherheitstechnik bis hin zu Themen wie Ernährung und Stress. Die Herangehensweise zielt auf die Veränderung von Einstellungen und Verhalten und erschöpft sich nicht in der reinen Vermittlung von Wissen.

Der Moderatorenordner ist in 15 Bausteine unterteilt und bildet für die Moderatoren die inhaltliche, organisatorische und didaktisch-methodische Grundlage.
Folgende Themen werden dargestellt:
| A | A. Belastung und Beanspruchung | |
| a 1 | Belastung und Beanspruchung | |
| a 2 | Sitzen, Heben, Tragen | |
| a 3 | Licht und Schatten | |
| a 4 | Hitze und Klima | |
| a 5 | Lärm | |
| a 6 | Ernährung | |
| a 7 | Ermüdung | |
| a 8 | Arbeitszeit und soziales Umfeld | |
| a 9 | Der ältere Fahrer | |
| a 10 | Arbeitsmedizinische und psychologische Betreuung | |
| B | B. Sicherheit rund um den Bus | |
| B 1 | Entstehung von Unfällen | |
| B 2 | Sicher arbeiten | |
| C | C. Beförderung besonderer Personengruppen | |
| C 1 | Schülerverkehr | |
| C 2 | Ältere und mobilitätsbehinderte Personen | |
| D | D. Stress am Arbeitsplatz | |
| D1 | Stress und Stressbewältigung | |
Im Mittelpunkt der Bausteine stehen nicht nur Erkenntnisse und Untersuchungen der Arbeitswissenschaft oder Arbeitsmedizin, sondern die alltägliche Praxis der Fahrer selbst. Informationen und Übungen sind daher - wenn immer möglich - auf die Praxis zu beziehen. Dabei sind die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen im jeweiligen Unternehmen zu berücksichtigen.
Weitere Informationen im Internet unter www.bgf.de über die Links: Prävention - Schulungen - Lehrgangstermine.
13 Präventionskonzept für die evangelische und katholische Kirche
Bernhard Müller
(Stand: 16.06.2018)
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