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DGUV Information 206-024 - Schichtarbeit - (k)ein Problem?!
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) Information
Eine Orientierungshilfe für die Prävention
(Ausgabe 06/2025)
Aktualisierungen zur letzten Ausgabe Februar 2018: Redaktionelle Überarbeitung der Publikation
1 Hintergrund für diese Orientierungshilfe
Fragen der Arbeitszeitgestaltung spielen zunehmend eine Rolle in der Beratung zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Flexibilisierung von Arbeitszeit.
Auch wenn viele Beschäftigte stärker selbst bestimmen können, zu welcher Tageszeit sie arbeiten und wie sie die Arbeitszeit verteilen, gilt immer das Arbeitszeitgesetz . Um dessen Einhaltung zu gewährleisten, sind alle Arbeitgebenden verpflichtet, ein System einzurichten, das die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich geleistete Arbeitszeit komplett erfasst.
Beschäftigte sind zunehmend mit steigenden Leistungsanforderungen und Arbeitsverdichtung konfrontiert. Der klassische Normalarbeitstag innerhalb eines Zeitrahmens zwischen 7 und 19 Uhr wird zukünftig immer weniger Menschen betreffen.
Ein weiterer Entwicklungstrend ist die Zunahme von Schicht- und Wochenendarbeit. In Deutschland arbeiten gegenwärtig ca. 20 % der Beschäftigten nicht in der üblichen 8-Stunden-Arbeitszeit. Die Zahl älterer Erwerbspersonen in Schicht- und Nachtarbeit hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist der Anteil von Frauen unter den Schichtarbeitenden stark angestiegen.
Die bisherige Forschung zeigt, dass Schichtarbeit aufgrund ihrer Lage und Dauer häufig mit erhöhten gesundheitlichen Belastungen einhergeht und gravierende soziale Auswirkungen haben kann.
Deshalb ist für die betroffenen Beschäftigten eine betriebsbezogene Prävention besonders wichtig. Diese DGUV Information gibt Anregungen für eine gesundheitsgerechte Arbeitszeitgestaltung basierend auf arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen.
2 Schichtsysteme
Schichtarbeit ist Arbeit zu verschiedenen, teils wechselnden oder ungewöhnlichen Tages- und Nachtzeiten. Jede Arbeit, die in der Zeit zwischen 23 und 6 Uhr früh mehr als zwei Stunden umfasst, gilt als Nachtarbeit. Abbildung 1 soll einen Überblick über die Grundformen der Schichtsysteme geben:
Abb. 1 Überblick über die Grundformen der Schichtsysteme
3 Unfallrisiken
Verschiedene Studien weisen auf folgende Zusammenhänge hin:
4 Gefährdungsbeurteilung
Die Arbeitszeitgestaltung, insbesondere Nacht- und Schichtarbeit, ist relevant für die betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Es geht darum zu ermitteln, mit welchen Maßnahmen der Betrieb oder die Einrichtung Gesundheitsgefährdungen und Unfallrisiken durch Schichtarbeit reduzieren und die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten fördern kann.
Bei Schichtarbeit muss insbesondere die psychische Belastung in den Fokus gerückt werden, die sich aus Anforderungen im sozialen und privaten Umfeld ergibt.
Auch mit Blick auf die demografische Entwicklung in der Arbeitswelt wächst die Notwendigkeit präventiver Ansätze und Maßnahmen für eine gute und gesundheitsorientierte Gestaltung der Schichtarbeit.
5 Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen
Viele Körperfunktionen des Menschen zeigen einen tagesperiodischen (zirkadianen) Rhythmus. Darüber hinaus gibt es wiederkehrende Abläufe mit längeren Phasen (Abhängigkeit z.B. von der Jahreszeit). Das innere Zeitgefüge bewirkt u. a. den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus mit Leistungsbereitschaft am Tag und Erholungsbereitschaft in der Nacht.
Diese "innere Uhr" zeigt ohne Beeinflussung von außen eine Tageslänge von 24 bis 25 Stunden und wird durch äußere Taktgeber synchronisiert.
Wichtige äußere Taktgeber sind:
Abb. 2 Abhängigkeit der Leistungsbereitschaft von der jeweiligen Tageszeit (Eigene Darstellung nach Schierz 2002 und Graf 1954)
Die zugrundeliegenden "internen Taktgeber" sind genetisch festgelegt und folgen einer Beeinflussung von außen nur in sehr eingeschränktem Maße. Jede Verschiebung des zirkadianen Systems im Menschen erfordert Zeit für eine Rückanpassung. Arbeit in wechselnden Schichten bewirkt genau solche Verschiebungseffekte, die sich summieren können. Je länger die Verschiebung andauert und je häufiger eine Verschiebung vorkommt, umso größer kann die Auswirkung auf die Gesundheit sein.
6 Gesundheitliche Auswirkungen
Die durch Nachtschicht bewirkte Notwendigkeit, am Tage schlafen zu müssen, führt zu chronischem Schlafmangel. Der Schlaf ist flacher, kürzer, weniger erholsam und wird häufiger unterbrochen.
(Stand: 22.08.2025)
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