Für einen individuellen Ausdruck passen Sie bitte die
Einstellungen in der Druckvorschau Ihres Browsers an.
Regelwerk, Strahlenschutz

Anwendung der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) als effizientes, dosissparendes Diagnoseverfahren
- Empfehlung der Strahlenschutzkommission -

Vom 29. Oktober 2003
(BAnz. Nr. 218 vom 21.11.2003 S. 24488)


Nachfolgend wird die vorgenannte Empfehlung der Strahlenschutzkommission, verabschiedet in der 184. Sitzung der Kommission am 31. März/1. April 2003, bekannt gegeben

Anwendung der Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
als effizientes, dosissparendes Diagnoseverfahren Empfehlung der Strahlenschutzkommission Verabschiedet in der 184. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 31. März/1. April 2003

Nach § 80 Abs. 1 der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) stellt der Arzt die rechtfertigende Indikation, wenn der gesundheitliche Nutzen einer Anwendung am Menschen gegenüber dem Strahlenrisiko überwiegt, wobei andere Verfahren mit einem vergleichbaren gesundheitlichen Nutzen, die mit einer geringeren Strahlenexposition verbunden sind, bei der Abwägung zur rechtfertigenden Indikation zu berücksichtigen sind [1]. Deshalb fordert die Strahlenschutzkommission in ihrer Stellungnahme vom 3./4. Juli 1997 " . ., dass zur Einhaltung des Minimierungsgebotes der Strahlenexposition in der Medizin strahlensparende neue Untersuchungsmethoden bevorzugt angewandt werden sollen. . ." [2].

Auch in der neuen "Richtlinie Strahlenschutz in der Medizin" heißt es unter Nummer 6.1.2 (Nuklearmedizinische Diagnostik) "Bei der Indikationsstellung sind vor allem folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen: Auswahl des für die Fragestellung und im Hinblick auf die Minimierung der Strahlenexposition des Patienten geeigneten radioaktiven Arzneimittels und Untersuchungsverfahrens . . ." [3]. Dies gilt insbesondere für den Einsatz der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit F-18-FDG im Rahmen der nuklearmedizinischen Diagnostik.

Die F-18-FDG-PET ist inzwischen ein international anerkanntes Verfahren in der Onkologie, da bei einigen Fragestellungen die Aussagefähigkeit (Sensitivität und Spezifität) höher und die Strahlenexposition des Patienten (effektive Dosis) geringer ist als bei anderen anerkannten Verfahren zur Tumor-Szintigraphie. So ist z.B. eine Tumor-Szintigraphie mit Ga-67 (Sensitivität und Spezifität zwischen 70 und 80%, effektive Dosis etwa 50 mSv) der F-18-FDG-PET (Sensitivität und Spezifität bis über 90 %, effektive Dosis etwa 8 mSv) unter Nutzen-Risiko-Gesichtspunkten deutlich unterlegen [2].

Der Wissenschaftsrat hat am 13. Juli 2001 zur Anwendung der PET festgestellt, dass sich das Verfahren, insbesondere in der Onkologie, zu einer wichtigen diagnostischen Routinemethode entwickelt hat. Er geht davon aus, dass "der klinische Einsatz der PET in Krankenhäusern der Maximalversorgung künftig zum Standard in der Patientenversorgung gehören ...wird" [4].

In seiner Stellungnahme vom 13. Juli 2001 begrüßt der Wissenschaftsrat weiterhin ausdrücklich die in den von ihm 1994 initiierten Konsensuskonferenzen für PET-Indikationen erzielten Empfehlungen, welche unter Teilnahme von Experten aus allen betroffenen Fachgebieten, dies sind Onkologie, Neurologie/Psychiatrie und Kardiologie, erarbeitet wurden [5, 6, 7, 8, 9, 10].

Die jüngsten Empfehlungen zur PET in der Onkologie wurden kürzlich publiziert [8].

Nach diesen ist bei folgenden 16 Indikationen der klinische Nutzen ohne Einschränkung erwiesen (so genannte 1a-Indikationen)

Indikation Fragestellung
Schilddrüsenkarzinom - Re-Staging in radioiod-negativen Läsionen
Ösophaguskarzinom - Staging Lymphknoten und Fernmetastasen
Pankreaskarzinom - Differentialdiagnose (Entzündung versus Tumor)
Kolorektale Karzinome - Re-Staging bei Rezidivverdacht (z.B. Anstieg des Tumormarkers im Blut)
Hals- und Kopf-Tumoren - Lymphknoten-Staging Diagnose eines Rezidivs CUP-Tumoren
Lungen-Tumoren - Differentialdiagnose (benigne/ maligne) von pulmonalen Läsionen bei Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko

- Lymphknotenstaging (NSCLC)

- Extrathorakales M-Staging (Ausnahme: Hirnmetastasen)

- Rezidiv

Hochmalignes (aggressives) Non-Hodgkin-Lymphom - Therapiekontrolle
Malignes Melanom - Rezidivdiagnostik oder Verlaufskontrolle in pT3- und pT4-Tumoren oder nach Metastasen
Hirntumoren (hochmaligne Gliome) - Differenzierung zwischen Narbe und Rezidiv

- Feststellung einer Tumor Entdifferenzierung

- Lokalisation für Tumor-Biopsie

Weiterhin wurden sogenannte 1b-Indikationen erarbeitet (klinischer Nutzen wahrscheinlich, Datenlage noch unzureichend) Hierbei handelt es sich derzeit um 14 gezielte Indikationen, z.B. bei Schilddrüsenkarzinom, Pankreaskarzinom, kolorektalen Tumoren, Mammakarzinom, Lungentumoren, Morbus Hodgkin, anderen malignen Lymphomen, malignem Melanom sowie Knochen- und Weichteiltumoren.

In anderen europäischen Ländern (z.B. Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Schweiz, Spanien) ist PET bei zahlreichen Indikationen, insbesondere auch in der Onkologie, inzwischen Standard in der Krankenversorgung. Im Zusammenhang hiermit ist zu sehen, dass es seit September 2002 eine arzneimittelrechtliche Europa-Zulassung von F-18-FDG für mehrere wichtige onkologische Indikationen gibt (Flucis, ORIS/CIS bio international/Schering).

Die neueste von der Österreichischen Ärztekammer herausgegebene "Orientierungshilfe Radiologie" [III nennt in ihrem Indikationskatalog zum optimalen Einsatz bildgebender Verfahren insgesamt 32-mal PET, z. T. als "weiterführende Diagnostik", bei 11 Indikationen jedoch schon als "Primärdiagnostik". Dies bedeutet, dass sich F-18-FDG-PET inzwischen außerhalb von Deutschland sowohl hinsichtlich der arzneimittelrechtlichen Zulassung als auch bezüglich der Aufnahme als Indikation mit Leitliniencharakter auf breiter Front etabliert hat und derzeit schon in die klinische Praxis eingeführt ist.

Die Strahlenschutzkommission gibt deshalb folgende Empfehlungen:

umwelt-online - Demo-Version


(Stand: 23.06.2022)

Alle vollständigen Texte in der aktuellen Fassung im Jahresabonnement
Nutzungsgebühr: 90.- € netto (Grundlizenz)

(derzeit ca. 7200 Titel s.Übersicht - keine Unterteilung in Fachbereiche)

Preise & Bestellung

Die Zugangskennung wird kurzfristig übermittelt

? Fragen ?
Abonnentenzugang/Volltextversion