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Leitlinien für effiziente und zeitnahe Netzanschlüsse
C/2025/6703
(ABl. C, C/2025/6703 vom 19.12.2025)
Stromnetze sind das Rückgrat des Stromversorgungssystems; sie versorgen europäische Haushalte, Dienstleister und Industriebetriebe mit Strom. Sie sind für unsere Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Sicherheit und für die Dekarbonisierung von entscheidender Bedeutung.
Um zu erreichen, dass unsere Wirtschaft klimaneutral wird, ist eine verstärkte Nutzung sauberer Energie und die Elektrifizierung aller Sektoren erforderlich, wie dies im Aktionsplan für erschwingliche Energie dargelegt wird 1. Auf der Nachfrageseite ist die Elektrifizierungsquote mit 23 % des Gesamtenergieverbrauchs in den letzten zehn Jahren zwar relativ stabil geblieben, doch dürfte sie aufgrund der Digitalisierung und der Elektrifizierung des Verkehrs, des Wärme- und Kältesektors und der Industrie steigen, wobei gemäß dem Deal für eine saubere Industrie bis 2030 eine Elektrifizierungsquote von 32 % erreicht werden soll.
Die steigende Nachfrage und die Nutzung sauberer Energie bringen eine starke Belastung der Netze mit sich. Dies wird bereits an den zunehmenden Netzanschlussanträgen 2 deutlich, die zu Warteschlangen führen. Einer aktuellen Studie 3 zufolge sahen sich Stand Mitte 2025 mindestens 16 Mitgliedstaaten mit Warteschlangen beim Netzanschluss konfrontiert. Verzögerungen beim Netzanschluss sind ein Hemmschuh für die Energiewende und das Wirtschaftswachstum in Europa. Ein rechtzeitiger Anschluss an das Stromnetz ist von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und die Dekarbonisierung der europäischen Industrie, unter anderem in den Bereichen Digitalisierung, Daten und KI, Industrie, Automobilbranche und Verkehr, und eine entscheidende Voraussetzung für die Verwirklichung der Ziele des Deals für eine saubere Industrie und die Verwirklichung der Klimaneutralität bis 2050. Aus diesem Grund wird es immer dringlicher, EU-weit etwas gegen Warteschlangen beim Netzanschluss zu unternehmen.
Während die Lösung für die längerfristige Herausforderung der Einschränkungen der Netzverfügbarkeit in einem beschleunigten und zukunftsorientierten Netzausbau besteht, können gleichzeitig kurzfristigere Lösungen zum Einsatz kommen, um durch eine effizientere Netznutzung einen zeitnahen Netzanschluss elektrischer Lasten an saubere Energie zu gewährleisten.
Diese Leitlinien sollen den Mitgliedstaaten, den nationalen Regulierungsbehörden (NRB), den Übertragungs- bzw. Fernleitungsnetzbetreibern (ÜNB) und den Verteilernetzbetreibern (VNB) ein Instrumentarium von Maßnahmen an die Hand geben, um lange Warteschlangen beim Netzanschluss zu verhindern bzw. diese zu optimieren und zu bekämpfen. Das in Anhang I zusammengefasste Instrumentarium zielt darauf ab, die Ursachen des bestehenden Problems sektorübergreifend horizontal und kohärent anzugehen und die Mitgliedstaaten, die NRB, die ÜNB und die VNB bei Fragen im Zusammenhang mit den Netzaufnahmekapazitäten und der künftigen Netzentwicklung, Verwaltungsverfahren im Zusammenhang mit Netzanschlussanträgen sowie im Umgang mit spekulativen und unausgereiften Anwendungen und Maßnahmen im Falle knapper Netzkapazitäten anzuleiten. Den Mitgliedstaaten und den nationalen Regulierungsbehörden kommt bei der Einrichtung von Netzanschlussverfahren eine besonders wichtige Rolle zu, da sie gemäß der Elektrizitätsrichtlinie 4 sicherstellen müssen, dass ein nationaler Rahmen vorhanden ist, der diskriminierungsfrei, transparent und auf die Anforderungen für den Zugang Dritter abgestimmt ist.
Diese Leitlinien stützen sich auf bewährte Verfahren in Europa 5. Sie sind auf der Grundlage umfassender Konsultationen entstanden, einschließlich einer gezielten Konsultation der Interessenträger, die zwischen Juni und Juli 2025 durchgeführt wurde und an die Mitgliedstaaten, die nationalen Regulierungsbehörden, Netzbetreiber, Erzeuger und Verbraucher (Industrie, Verkehr, Digitales, Haushalte usw.) gerichtet war.
1.1 Ursachen des Rückstaus bei den Netzanschlüssen
Es gibt mehrere Ursachen dafür, dass Netznutzer mehrere Monate oder sogar Jahre warten müssen, um einen Netzanschluss zu erhalten, von verfahrensbedingten und organisatorischen Beschränkungen bis hin zu rechtlichen, Lieferketten- und technischen Schwierigkeiten. Diese Ursachen lassen sich in drei Hauptbereiche untergliedern.
1. Unzulängliche Netzplanung und -entwicklung
Als ein wichtiger Grund für Warteschlangen beim Netzanschluss wurde mangelnde physische Netzkapazität (Netzengpässe) genannt. Dies ist in erster Linie auf die Diskrepanz zwischen den Bauzeiten für neue Infrastruktur (4-10 Jahre) und dem Anschluss von Nachfrage oder Erzeugung (2-3 Jahre) zurückzuführen. Diese Diskrepanz ist auf eine ineffiziente Planung (z.B. unzureichende Berücksichtigung der künftigen Nachfrage und des künftigen Angebots), die Nichtberücksichtigung von Alternativen zum physischen Netzausbau, langwierige Genehmigungsverfahren und lange Netzausbauzeiten aufgrund von Baukomplexität, einschließlich Verzögerungen bei der Lieferung wichtiger Komponenten aufgrund von Engpässen bei Komponenten und des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften, zurückzuführen. Die Beschleunigung des Netzausbaus und die Lösung dieser Probleme sind Hauptziele des Pakets "Europäische Netze", zu dem auch diese Leitlinien gehören.
Wie im Leitfaden für vorgezogene Investitionen 6
(Stand: 02.01.2026)
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