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Regelwerk, EU 2026, Energienutzung - EU Bund

Leitlinien zu zukunftssicheren Netzentgelten zur Senkung der Kosten des Energiesystems

C/2026/126
(ABl. C, C/2026/126 vom 09.01.2026)



I. Einführung

Das europäische Stromnetz ist ein Grundpfeiler der europäischen Wirtschaft. Es ist das weltweit am stärksten vernetzte Stromnetz mit einer Vielzahl von Prozessen und Akteuren, die nahtlos zusammenarbeiten, um sicheren, erschwinglichen und zunehmend nichtfossilen Strom zu liefern und gleichzeitig große Mengen erneuerbarer Energien in den Gesamtenergiemix zu integrieren. Die steigende Stromnachfrage, die Beschleunigung der Elektrifizierung der Endverwendungen und der beschleunigte Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien erfordern Änderungen, um die Art und Weise der Konzipierung und des Betriebs von Stromnetzen zu optimieren. In Zeiten hoher Erzeugung aus erneuerbaren Quellen spiegeln niedrige oder negative Strompreise - die im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht haben 1)- die Notwendigkeit wider, das System flexibler zu gestalten und ineffiziente Einschränkungen zu vermeiden und dabei gleichzeitig die Nutzung von Energie an Orten zu ermöglichen, an denen die billigsten Energiequellen zur Verfügung stehen, und zu Zeiten, zu denen dies für das Gesamtsystem am kosteneffizientesten ist.

Darüber hinaus muss die flächendeckende Nutzung erneuerbarer Energien (die häufig dort erzeugt werden, wo die Bedingungen am besten sind, und nicht unbedingt in der Nähe von Nachfragezentren oder in Gebieten, in denen das Netz bereits gut ausgebaut ist) durch eine effiziente Integration in das Netz unterstützt werden. Dies erfordert erhebliche Investitionen in die Stromnetze. Bis 2040 werden wahrscheinlich Investitionen in Höhe von rund 730 Mrd. EUR in die Verteilung und 477 Mrd. EUR in die Übertragung, einschließlich des Ausbaus der Offshore-Netze, benötigt 2, um den Energiebinnenmarkt voranzubringen und die Netzkapazität auszubauen. Diese Investitionen werden entscheidend dazu beitragen, den Anschluss neuer Projekte für saubere Erzeugung zu ermöglichen, die letztlich den durchschnittlichen Großhandelsstrompreis senken werden und zur Erreichung der europäischen Klimaziele erforderlich sind. In einem kürzlich veröffentlichten ACER-Bericht wurde geschätzt, dass sich die jährlichen Investitionsraten der letzten Jahrzehnte bis 2050 verdoppeln könnten. Außerdem wird geschätzt, dass Investitionen auf Ebene der Übertragung einen geringeren Anteil (etwa ein Drittel) im Vergleich zur Ebene der Verteilung (etwa zwei Drittel) ausmachen werden 3.

Dies wird sich unmittelbar auf die Netzentgelte auswirken, die in den letzten Jahren zwischen 24 % und 29 % 4 der Stromkosten der Haushalte ausmachten. Während die Energiepreiskomponente wahrscheinlich sinken wird, werden die Netzkosten voraussichtlich einen noch höheren Anteil der Stromrechnungen ausmachen. Eine intelligente und effiziente Gestaltung der Netzentgelte wird entscheidend dazu beitragen, die Effizienz der Infrastruktur zu steigern, um die Gesamtsystemkosten zu optimieren; dies ist von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der EU und die Erschwinglichkeit von Strom für die Verbraucher.

Die EU setzt sich dafür ein, das Ziel der Dekarbonisierung zu verfolgen und gleichzeitig die Erschwinglichkeit und Sicherheit von Energie zu verbessern. Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, wie im Deal für eine saubere Industrie dargelegt, in dem auch auf die Notwendigkeit eingegangen wird, die strategische Autonomie zu unterstützen, wichtige Lieferketten zu sichern und den wirtschaftlichen Wohlstand der Industrie in der EU zu erhalten. Im Rahmen des Deals für eine saubere Industrie nahm die Kommission im Februar den Aktionsplan für erschwingliche Energie an, der acht wirkungsvolle Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen vorsieht; die meisten dieser Maßnahmen sollen kurzfristig umgesetzt werden. In dem Aktionsplan wurden die Faktoren untersucht, die die Energiepreise in die Höhe treiben, und die Energieversorgungskosten, die Besteuerung sowie die Netz- und Systemkosten wurden als Schlüsselbereiche genannt, die angegangen werden müssen, um dazu beizutragen, die Energiekosten für die europäischen Verbraucher zu senken.

Um sicherzustellen, dass der erforderliche Ausbau des Stromnetzes auf möglichst kosteneffiziente Weise erfolgt, muss er mit einer optimalen Nutzung der Infrastruktur einhergehen.

Die Gestaltung von Netztarifmethoden hat erhebliche Auswirkungen darauf, da durch sie allen Netznutzern die notwendigen Anreize geboten werden können, ihr Verhalten so anzupassen, dass sie zur Senkung der Gesamtsystemkosten beitragen.

Mit diesem Dokument wird eine Leitaktion (Maßnahme 1 Buchstabe a) des Aktionsplans für erschwingliche Energie umgesetzt, und es werden den nationalen Regulierungsbehörden, die für die Entwicklung von Netztarifmethoden zuständig sind, Leitlinien dazu an die Hand gegeben, wie dies am besten erreicht werden kann. Wie im Aktionsplan dargelegt, kann die Kommission nach Veröffentlichung dieser Leitlinien erforderlichenfalls einen verbindlichen Legislativvorschlag zu Tarifmethoden vorlegen 5.

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