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Fahrplan für die schrittweise Einstellung von Tierversuchen für Stoffsicherheitsbewertungen
C/2026/3087
(ABl. C, C/2026/3087 vom 03.06.2026)
Die Europäische Union (EU) ist fest entschlossen, Tierversuche so bald wie möglich einzustellen 1. Mit diesem politischen Ziel wird anerkannt, dass Tiere als fühlende Wesen geschützt werden müssen 2; dies ist nicht nur ein ethisches Gebot, sondern auch eine Chance für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Die Vermeidung von Tierversuchen hat sich jedoch als schwierig erwiesen, und die Fortschritte sind insgesamt zu langsam (siehe Abbildung 1). Zwischen 2015 und 2023 wurden in der EU mehr als 15 Millionen Tiere für vorgeschriebene Versuche verwendet, allerdings nur nahezu 40 % davon 3 für Stoffsicherheitsbeurteilungen 4 5.
Abbildung 1: Anzahl der Verwendungen von Tieren für Toxizitätstests und andere Sicherheitstests
2023 hat die Kommission als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative "Für den Schutz kosmetischer Mittel ohne Tierquälerei und ein Europa ohne Tierversuche" zugesichert, einen umfassenden Fahrplan für die schrittweise Einstellung von Tierversuchen für Stoffsicherheitsbeurteilungen zu entwickeln 6.
Stoffsicherheitsbeurteilungen werden von Unternehmen eingesetzt, um nachzuweisen, dass ihre Erzeugnisse wie zum Beispiel Industriechemikalien, Arzneimittel, Biozidprodukte oder Pflanzenschutzmittel sicher sind, wenn sie sie in Verkehr bringen. Die Beurteilungen umfassen wissenschaftliche (öko-)toxikologische Tests für verschiedene Wirkungen, und es sind hauptsächlich Tierversuche. Mit neuen Technologien, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden oder derzeit entwickelt werden, wird es weiterhin möglich sein, einen Beitrag zur schrittweisen Einstellung von Tierversuchen zu leisten. Tierversuchsfreie Ansätze haben das Potenzial, kosteneffizienter und schneller zu sein und so die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Zeit bis zur Vermarktung zu verkürzen. Die Weiterentwicklung tierversuchsfreier Ansätze ist auch erforderlich, um die Innovationskraft von Industriezweigen zu stärken, für die ein Verbot von Tierversuchen gilt, wie z.B. die Kosmetikbranche. Darüber hinaus fordert die breite Öffentlichkeit Produkte, die verantwortungsvoll entwickelt wurden, ohne Tieren Leiden zuzufügen. Die EU hat bei der Entwicklung bahnbrechender alternativer Methoden eine Vorreiterrolle übernommen. Die Kommission betreibt das Referenzlabor der EU für alternative Methoden zu Tierversuchen, das ein integraler Bestandteil ihrer Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) ist 7. In den letzten beiden Jahrzehnten hat die EU fast 1,5 Mrd. EUR für die Forschung bereitgestellt und eine der weltweit fortschrittlichsten Industrien für Alternativen zu Tierversuchen geschaffen, von auf Forschung ausgerichteten Einrichtungen bis hin zu innovativen Labors, darunter viele kleine und mittlere Unternehmen. Es steht zu erwarten, dass der Weltmarkt für tierversuchsfreie Ansätze schnell wachsen wird: So soll zum Beispiel der Markt für In-vitro-Toxikologietests bis 2032 ein Volumen von bis zu 30 Mrd. EUR und jährliche Wachstumsraten von 12 % erreichen 8.
Durch das Zusammenspiel des Fahrplans mit verschiedenen EU-Strategien zur Innovationsförderung der politischen Agenda 2024-2029 wird die kombinierte Wirkung dieser Strategien verstärkt werden. Die Strategie für Biowissenschaften 9 zielt darauf ab, die EU wettbewerbsfähiger zu machen, indem Fortschritte in Bereichen wie Gesundheitsversorgung, Landwirtschaft, Lebensmittel und Biotechnologie vorangetrieben werden, wobei tierversuchsfreie Ansätze zur sicheren und nachhaltigen Verwendung chemischer Stoffe beitragen werden. Der Vorschlag für einen europäischen Biotech-Rechtsakt 10 zielt darauf ab, die Voraussetzungen dafür zu schaffen oder zu stärken, dass Biotechnologien vom Labor in die Fabrik gelangen. Sowohl die EU-Start-up- und Scale-up-Strategie 11 als auch das künftige Europäische Innovationsgesetz 12 werden kleine, innovative Unternehmen unterstützen, indem der Zugang zu Finanzmitteln erleichtert und Hindernisse für den Erfolg dieser Unternehmen beseitigt werden. Der vorgeschlagene Europäische Fonds für Wettbewerbsfähigkeit 13 wird einen integrierten Finanzrahmen für EU-Investitionen in strategischen Sektoren bieten, der dazu beitragen wird, die Innovationskapazität Europas, auch für tierversuchsfreie Ansätze, zu stärken. Im Aktionsplan für die chemische Industrie 14, in dem die Absicht zur Veröffentlichung dieses Fahrplans festgehalten wird, betont die Kommission, dass Innovation eine entscheidende Rolle für die Steigerung der chemischen Sicherheit spielt. Schließlich dient der freiwillige Rahmen für inhärent sichere und nachhaltige Chemikalien und Materialien ("Safe and Sustainable by Design", SSbD) 15 16 als Richtschnur für Innovationen bei der Gestaltung sicherer und nachhaltiger Lebenszyklen für Chemikalien und Materialien und fördert dabei tierversuchsfreie Ansätze.
2 Ziele des Fahrplans
(Stand: 03.06.2026)
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