Für einen individuellen Ausdruck passen Sie bitte dieEinstellungen in der Druckvorschau Ihres Browsers an. Regelwerk |
![]() |
Verfahrens- und Stoffspezifische Kriterien
(VSK) "Augenoptikerhandwerk"
Stand 3. Mai 2016
(BAuA)
Diese Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien beruhen auf den Ergebnissen des Berichtes "Stoffbelastungen im Augenoptikerhandwerk" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Ga 57, 2001
1 Anwendungsbereich
Diese Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien gelten für Augenoptikerwerkstätten. Erfasst sind Arbeitsplätze, an denen die folgenden Tätigkeiten nach dem Stand der Technik durchgeführt werden
Reinigungs- und Wartungsarbeiten, soweit diese zum täglichen Arbeitsablauf gehören (z.B. Reinigung zum Schichtende oder bei Umstellung auf eine andere Charge), fallen ebenfalls in den Geltungsbereich dieser Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien. Bei Arbeiten im Rahmen von Betriebsstörungen sind ggf. zusätzliche Schutzmaßnahmen zu treffen.
Werden die in Abschnitt 4 dieser Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien beschriebenen Schutzmaßnahmen umgesetzt, ist sichergestellt, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte für alle relevanten Gefahrstoffe (siehe Abschnitt 2.3) eingehalten werden. Eine weitere messtechnische Ermittlung der Gefahrstoffbelastung im Betrieb ist dann nicht erforderlich.
Neben den Hinweisen in diesen Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien wird für einige Arbeitsbereiche oder Gefahrstoffe auf weitere einschlägige Schutzvorschriften verwiesen, insbesondere auf die gesetzlichen Vorschriften des Brand- und Explosionsschutzes.
2 Informationsermittlung
Mögliche Gefahrstoffbelastungen von Augenoptikern können durch die Arbeitsmaterialien wie Gläser und Fassungen verursacht oder von den Stoffen und Gemischen, die zur Bearbeitung dieser verwendet werden.
2.1 Tätigkeiten
Im Augenoptikerhandwerk werden in der Regel folgende gefahrstoffrelevante Tätigkeiten durchgeführt:
2.2 Arbeitsmaterialien
Brillenfassungen können aus Kunststoff oder Metall bestehen. Aktuell liegt der Trend knapp bei Metallfassungen, mit einem Marktanteil von fast 50 % (2015) (www.zva.de/branchenberichte). Bei den Brillengläsern wird zwischen mineralischen und organischen (Kunststoff-)Gläsern unterschieden. Der Anteil der Brillengläser aus Kunststoff liegt bei mehr als 75 % (2015).
Brillenfassungen
Die Brillenfassungen bestehen entweder aus Metall oder aus Kunststoff. Die erforderlichen Gelenke, Schrauben, Nieten und Ohrbügeleinlagen sind aus Metall gefertigt.
Für Metallfassungen werden im Wesentlichen die nachfolgenden Metalle oder deren Legierungen verwendet: Eisen (hochlegierter Chromstahl, Stahlanteil > 60 %), Kupfer, Nickel, Aluminium, Zink, Zinn, Titan, Chrom und Magnesium.
Für Kunststofffassungen sind gegenwärtig die folgenden Werkstoffe in Gebrauch: Zelluloseacetat, Zelluloseacetatobutyrat (für Metallbügelenden und Pads), Zellulosepropionat, Epoxidharz und Polyamid.
Kunststoffgläser
Weitere Belastungen können durch die in Tabelle 1 aufgeführten Kunststoffe der Brillengläser entstehen.
Tabelle 1: Werkstoffe für Kunststoffgläser [5]
| Werkstoff | Bemerkungen |
| CR 39 (Diethylenglykolbisallylcarbonat) | 20mal so bruchfest wie Glas chemisch widerstandsfähig gegen Benzin, Aceton, viele Säuren und Laugen |
| Polycarbonat | hohe Brechzahlen extrem hoch schlagzäh |
| Hochbrechender Kunststoff (High-Plast) | Modifizierung vorhandener Kunststoffe Polyurethane mit unterschiedlich hohem Schwefelgehalt (z.B. MR 7, MR 8, MR 10, MR 174 mit 20 - 60 % Schwefel) |
| Trivex (Polyurethan) | Homogenisierung durch Stickstoffanreicherung und Temperung |
Mineralische Brillengläser
Mineralgläser enthalten ein oder mehrere glasbildende Oxide. Neben Siliciumdioxid (SiO2) als wichtigstem Vertreter gehört dazu auch Bortrioxid (B2O3). Die zur Schmelzpunkterniedrigung zugesetzten Flussmittel, z.B. Soda (Na2CO3) und Pottasche (K2CO3), führen in das Glas Natriumoxid (Na2O) und Kaliumoxid (K2O)
ein. Als Stabilisatoren zur Erzielung der notwendigen Härte und chemischen Beständigkeit werden dem Glas z.B. Calciumoxid (CaO), Bariumoxid (BaO), Titandioxid (TiO2) , Lanthanoxid (La2O3), Zirkoniumoxid (ZrO2) oder Nioboxid (Nb2O5) zugesetzt.
In Tabelle 2 sind die technologisch unterschiedenen mineralischen Brillengläser aufgeführt.
Tabelle 2: Mineralische Brillengläser [6]
| Material | Wichtige Bestandteile | Bemerkungen |
| Kronglas | Na2O CaO SiO2 | Standardmaterial für farblose Brillengläser |
| Hochbrechendes Glas (Flintglas) | Ursprünglich Alkali-Bleisilikatgläser; Ersatz von Blei durch Barium, Lanthan, Titan | Flacher und dünner als Kronglas |
| Phototropes Glas | Borosilikatglas (geringfügig variiertes Kronglas); hohe Anteile an Bor- und Aluminiumoxid; enthält Silberchlorid und -bromid | Verfärbung unter UV-Einfluss |
(Stand: 20.08.2018)
Alle vollständigen Texte in der aktuellen Fassung im Jahresabonnement
Nutzungsgebühr: ab 105.- € netto
(derzeit ca. 7200 Titel s.Übersicht - keine Unterteilung in Fachbereiche)
Die Zugangskennung wird kurzfristig übermittelt
? Fragen ?
Abonnentenzugang/Volltextversion